Kabellose Musik im ganzen Haus ist für viele HiFi-Freunde unverzichtbar. Die US-Firma Definitive Technology hat mit ihrer W-Serie ein eigenes System auf den Markt gebracht.

Kabellose Klangspieler

Für unseren Test haben wir uns den großen, kabellosen Lautsprecher W9 und den kleineren Bruder den W7 geholt. Dazu gesellen sich der W Adapt, mit dem wir kabellos Musik auf einen Verstärker, Kompaktanlage oder Ähnliches übertragen können. Außerdem ist der W Amp dabei, ein ebenfalls kabelloser Verstärker. Die Einbindung aller Komponenten ist sehr einfach.Nach der Stromzufuhr blinkt am Bedienelement etwas hektisch eine LED. Nach einer Weile sollte dieses Blinken in ein weiches Pulsieren übergehen. Parallel laden wir die Definitive Technology App aus dem Apple App Store oder aus dem Google Play Store herunter. Mit ihr wird alles bedient. Leider hört das schnelle Blinken der LED nicht auf. Wir drücken deshalb den rückseitigen SETUP-Knopf fürs WiFi acht Sekunden lang. Ein Gong ertönt und die LED blinkt erneut hektisch. Aber auch nach einer Minute wird sie nicht langsamer. Laut Bedienungsanleitung müsste sie es aber spätestens nach 20 Sekunden werden.

Der W9

Wir drücken nochmal die Taste und dann endlich klappt es. Wir befolgen die in der App uns angewiesenen Schritte und der kabellose Lautsprecher wird schließlich gefunden. In einer Liste können wir seinen vorvergebenen Namen auswählen oder einen eigenen festlegen. Danach ist er über die App ansteuerbar. Als Streamingquellen lassen sich neben Deezer, TIDAL, Napster und Spotify auch Amazon Music oder das Internet-Radio wählen. Darüber hinaus gibt es Musik, KKBOX, Songza, iHeartRadio, Pandora und SiriusXM und natürlich unsere netzwerkeigenen Medienserver. Über die App wählen wir per Fingertipp aus, welcher Lautsprecher die Musik ausgeben soll. Es lassen sich auch Gruppen erstellen. Was wir sehr gut finden, einzelne Boxen können in einem Raum zu einem Stereopaar kombiniert werden.

W9

Auf den ersten Blick und besonders beim Anheben macht der größte WLAN-Lautsprecher der Reihe einen hochwertigen Eindruck. Immerhin bringt er gute acht Kilo auf die Waage. Der schwarze Quader ist komplett von einer Stoffbahn umhüllt. Er ruht auf einer metallenen Bodenplatte. Sie verleiht diesem einen wertigen Look zumal sie an der Front eine Aussparung hat, auf der die ebenfalls metallenen Bedientasten untergebracht sind. Wir finden hier die Quellenwahl, den Lautstärkeregler sowie die Play- und Pausentaste. Ein interessantes und ansprechendes Designelement. Auch die Deckplatte scheint mit ihrer schwarzen Hochglanzoptik den wertigen Eindruck fortzuführen. Betrachten wir sie aber genauer, fällt auf, dass hier nur Plastik verarbeitet wurde. Die Oberfläche ist sogar leicht wellig, was wir sehr gut an der Lampenspiegelung im Testraum erkennen. Hier hätte Definitive Technology ruhig ein paar Euro mehr in die Hand nehmen können, um dem W9 ein adäquates Finish zu geben. Auf der Rückseite sind die Anschlüsse für die Quellen untergebracht. In einer Versenkung finden wir: ein analoges LineIn, einen digitalen Audio-Eingang sowie Ethernet- und USB-Anschluss. Der Letztgenannte dient übrigens nur der Aktualisierung der Firmware auf dem Gerät.

Nochmals alle Bedientasten des W9 im Detail. Wie die Bodenplatte sind sie aus hochwertigem Metall gefertigt

Als externe Soundkarte funktioniert der W9 nicht. Außerdem sind auf der Rückseite der Setup-Knopf fürs WLAN und der Anschluss für die Stromversorgung untergebracht. Erwähnt werden muss die Tiefe der Versenkung bzw. deren Größe, denn als wir unser Netzwerkkabel wieder rausziehen wollen, können wir den Einrasthebel vom Stecker nicht nach unten drücken. Der Finger kommt nicht darunter, da die Aussparung um den Netzwerkanschluss einfach zu klein ist. Erst mit einem Schraubenzieher und viel Geduld lässt sich der Hebel herunterdrücken und der Stecker entfernen. Sechs Töner verrichten im W9 ihre Arbeit: zwei 1-Zoll-Aluminium-Tweeter, zwei Zwei-Zoll-Mittentöner und zwei 5¼ -Zoll-Basstreiber. Die Mittentöner strahlen seitlich ab und sorgen damit für ein ordentliches Stereobild. Die Basstreiber platzieren sich in der Mitte der W9, links und rechts daneben finden wir die Hochtöner. Jeder Kanal wird über den Verstärker separat angesteuert, wodurch sich ein großer Dynamikbereich ergibt. Die Tieftöner haben jeweils 70 Watt Leistung, während die anderen mit 10 Watt auskommen müssen. Drei Signalquellen kann der W9 verarbeiten. WLAN, digitales und analoges Line-In. Beim Umschalten braucht das Gerät ein paar Sekunden, ehe die Musik hörbar ist. Hier muss also Geduld bewiesen werden. Als wir unser analoges 3,5-mm-Klinke-Kabel an den W9 anschließen, beginnt er laut zu brummen.

Auch mit angeschlossenem Zuspieler reduzierte sich das Brummen nicht. Erst im Betrieb verliert es sich. Dafür rauscht der W9 bei der Wiedergabe übers LineIn. Das macht nicht wirklich Spaß, ist sogar richtig nervig. Alle anderen Quellen sind dafür brumm- und rauschfrei. Beim Klick auf einen unseren vielen Medienserver fiel die erste Auswahl auf den Soundtrack von „2 Fast 2 Furios“. Dank des tiefen Basses in Trick Daddys „Represent“ konnten wir gleich die Basswiedergabe des W9 bewerten. Und hier schlägt er sich hervorragend. Wie es sich für einen guten Hip Hop Track gehört, kommt der Bass schön schlagkräftig herüber. Da macht dieser Sound richtig Spaß. Auch das Stereobild kann uns überzeugen, trotz das die Mittenlautsprecher ja nur knappe 42 Zentimeter auseinanderliegen. Was uns nicht so gut gefällt, ist die Lautstärke. Hier können andere kabellose Lautsprecher wesentlich mehr bieten. Zumal der W9, wenn es zu laut wird, leicht zu dröhnen beginnt. Um auch Musik jenseits aktueller Titel zu testen, lassen wir Georg Friedrichs Händels „Largo“ aus der Oper Xerxes aus dem W9 erklingen. Die räumliche Staffelung des Orchesters wird gut abgebildet und auch der Klangreichtum der einzelnen Instrumentengruppen lässt sich gut ausmachen. Doch Konzertraumfeeling kommt in keinem Moment auf. Dafür ist der Stereoraum einfach nicht weit und voll genug. Mit einem Paar guter Regallautsprecher kann er in diesem Fall nicht mithalten.

W7

Der W7 ist der kleine Bruder des W9 in Würfelform. Auch er hat eine metallene Unterplatte mit der optisch passenden Aussparung für die Bedientasten.Die Anschlüsse auf der Rückseite sind genauso vielseitig wie beim W9. Und auch der W7 beginnt hörbar zu brummen, wenn das analoge LineIn-Kabel steckt. Allerdings rauscht er weniger, als der W9 bei der Wiedergabe analoger Signale. Jedoch schnarrt und knackt er, wenn das WLAN als Quelle ausgewählt wurde. Das nervt wirklich. Bei der Musikwiedergabe sind diese Störsignale aber verschwunden. Vier Hochtöner hat Definitive Technology in dem gut 17 Zentimeter großen Würfel untergebracht. An jeder Seite einen und zwei an der Front.

Der W7 besitzt eine Würfelform

Ein 4-Zoll-Mittentieftöner verrichtet an der Vorderseite seine Arbeit und wird von zwei seitlichen Bassradiatoren unterstützt. Der interne Verstärker versorgt den Mitten/Basstreiber mit 30 Watt. Die Tweeter bekommen jeweils 15 Watt spendiert.In Anbetracht seiner Größe überragt der W7 seinen Bruder. Der Bass kommt fast genauso kraftvoll herüber, wie bei diesem. Und das, obwohl der W7 ein 3,5-mal geringeres Volumen hat. Zum Testen der tiefen Frequenzen bemühten wir übrigens Hans Zimmer mit seinem Soundtrack aus dem Film „Gladiator“. Bei „Air“ von Johann Sebastian Bach sind wir erstaunt über den für einen Mono-Lautsprecher sehr  raumfüllenden Klang. Die Musik ist gut aufgelöst und die Instrumente klingen fein abgestimmt. Die räumliche Staffelung ist ordentlich wahrnehmbar. Natürlich kann er kein Stereopaar ersetzen, aber für den Musikgenuss im Bad oder Küche ist der W7 mehr als ausreichend.

W Amp

Die Optik des dritten Gerätes der W Serie ist wirklich Geschmacksache. Während es einige Tester ansprechend designt finden, fühlen sich andere unweigerlich an einen trashigen SciFi-Film aus den 1990er Jahren erinnert. Nun über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber nicht über Materialien. Und hier bekleckert sich Definitive Technology nicht mit Ruhm. Der WLAN-Verstärker ist aus preiswertem Plastik gebaut. Das Gehäuse wirkt nicht sehr stabil. Eine hochwertige HiFi-Komponente sieht anders aus und fühlt sich anders an. Mit der App ist der Verstärker schnell gefunden und lässt sich wie die kabellosen Lautsprecher einfach als ein weiteres Zimmer ins System integrieren. Die rückseitigen Anschlüsse für die Boxen sitzen schön fest im Gehäuse.

Die Optik des W Amp ist sehr futurisitsch

Leider rastet nur das erste Drittel unserer Bananenstecker dort ein. Der Rest schaut verloren heraus. Für Bi-Amp ist der Verstärker nicht vorgesehen. Auch er hat wie die Lautsprecher Eingänge für digitale und analoge Signale. Und auch er lässt es sich nicht nehmen, bei einem Kabel am LineIn-Anschluss kräftig zu brummen. Der Verstärker mit zwei Class-D Digital Peaks gibt eine Leistung von je 150 W bei 4 Ohm aus. Sein Klang ist erstklassig. In Kombination mit unseren Regallautsprechern macht er bei Klassik, Jazz und lauten Techno-Rhythmen seine Sache hervorragend. Sind Definitive Technology Lautsprecher angeschlossen, kann sogar mittels App der optimale EQ für die Boxen eingestellt werden.

Am W Amp kann sogar ein Subwoofer betrieben werden. Für diesen Preis erhält man eine gundsolide Ausstattung. Ein tolles Preis-/Leistungsverhältnis

W Adapt

Der W Adapt sieht dem W Amp zum Verwechseln ähnlich. Erst beim Hochheben fallen die Unterschiede auf. Der kabellose Adapter ist wesentlich leichter. Kein Wunder hier muss ja keine Verstärkertechnik untergebracht werden. Er dient vielmehr der Aufrüstung von bestehenden HiFi-Anlagen. Dank ihm können sie alle Streamingquellen wiedergeben. Die Verbindung erfolgt entweder digital oder analog. Die Einbindung und Steuerung des Medienplayers geschieht natürlich per App. Am Gerät sind noch zwei analoge Eingänge (Cinch und Klinke) sowie ein optischer Eingang und ein Ethernet-Anschluss.

Ein- und Ausgänge des W Adapt. Der Setup-Button ist wichtig, wenn die Einrichtung des WLANs nicht beim ersten Mal klappt

weitere Infos unter: www.definitivetech.com

Die Bewertung bezieht sich auf den W7.

Test: Definitive Technology W7, W9, WAdapt, WAmp
Im Vergleich zum großen Bruder überzeugt uns der W7 klanglich mehr. Es ist wirklich bemerkenswert, wie klar und kraftvoll er alle Frequenzen herüberbringt. Bei hohen Lautstärken beginnt er allerdings leicht, die tiefen Mitten zu verzerren. Was wir auch bedauerlich finden ist, dass der W7 nur am Stromnetz funktioniert. Ein kabelloser Lautsprecher in dieser Größe mit Akku wäre wesentlich flexibler einsetzbar. Hier besteht noch Verbesserungsbedarf beim Hersteller.
Wiedergabequalität79%
Ausstattung/Verarbeitung83%
Benutzerfreundlichkeit79%
Preis/Leistung79%
Vorteile
  • sehr kräftiger Bass
  • sehr gute Auflösung
Nachteile
  • Line-In brummt
  • dröhnt bei hohen Pegeln
79%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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