Die letzten beiden Jahre waren keine einfachen für die HiFi-Branche. Kurzarbeit, Ladenschließungen, Messeabsagen, Rohstoffmangel oder Explosion der Transportkosten waren nur einige der Probleme, denen sich Hersteller, Vertriebe und Händler stellen mussten. Wir haben daher mit zahlreichen Branchenvertretern gesprochen und gefragt, wie es um die Audiobranche nach zwei Jahren Pandemie bestellt ist. Heute im Interview zu Gast: Thomas Henke vom HiFi-Vertrieb IAD (u.a. Wharfedale, Luxman, Mission, Quad).

Thomas Henke, IAD: „Die letzten 2 Jahre waren äußerst positiv – zumindest aus geschäftlicher Sicht.“

Noch immer hat unsere HiFi-Branche mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Unsere Leser berichten uns vielfach von nicht-lieferbaren Produkten. Lieblings-Lautsprecher, die erst in einem Jahr geliefert werden und Verstärker sowie AV-Receiver, für die keine ausreichenden Chips zur Verfügung stehen. Zudem werden Zulieferpreise in der Industrie teurer, Energie- und Produktionskosten steigen teilweise um ein Vielfaches. Wir fragten Hersteller, Vertriebe und Händler: Wie steht es um die HiFi-Branche 2022*?

Unsere große Interviewreihe zum Zustand der HiFi-Branche 2022 geht nun weiter mit Thomas Henke, Geschäftsführer der IAD GmbH, Der HiFi-Vertrieb führt u.a. folgende Marken im Portfolio: Audiolab, Leak, Lumin, Luxman, Mission, Quad, Wharfedale oder Wilson Benesch.

Herr Henke, zunächst einmal: können Sie alles liefern, was Ihre Kunden derzeit nachfragen?

Zu 90 %. Es gibt hier und da kleine Engpässe, aber die sind auch der hohen Nachfrage geschuldet.

Wie blicken Sie auf die letzten 2 Jahre Pandemie zurück?

Äußerst positiv, zumindest aus geschäftlicher Sicht. Durch die Lockdowns und Wegfall von Urlaub usw. haben die Leute zuhause investiert. Und damit eben auch in HiFi.

Während der Corona-Zeit galt der Fokus wieder den eigenen vier Wänden. So wurde viel Geld in Genussmittel wie Wein und eben auch Unterhaltungselektronik/HiFi investiert.

Wie lange muss der Endkunde im Moment auf ein Produkt aus Ihrem Hause warten?

Unterschiedlich, von 24 Stunden bis 6 Monaten. Letzteres sind aber die Ausnahmen. Das Meiste haben wir auf Lager und können schnell liefern.

Können Sie überhaupt die Nachfrage erfüllen?

Wie bereits gesagt zu 90 % ja. Außerdem waren und sind wir immer sehr eng in Kontakt mit unseren Lieferanten und sind eingeweiht in deren Produktionspläne. Somit können wir immer dem Kunden sehr genau mitteilen, wann er mit seinem Produkt rechnen kann, auch wenn es mal etwas länger dauert

Hat Corona zu Lieferengpässen von Bauteilen geführt?

Schwer zu sagen, da wir kein Produzent sind. Von manchen Herstellern haben wir das aber so gehört, andere hatten offensichtlich keine Probleme.

Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoller wieder mehr selbst und vor Ort zu produzieren?

Aus meiner Sicht schwer zu sagen, da wir wie gesagt kein Produzent sind.

Wie ist aus Ihrer Sicht die Preisentwicklung im HiFi-Segment? Haben die Kunden höhere Preise in Kauf nehmen müssen, um ggf. höhere Produktionskosten auszugleichen?

Ja, Preisehöhungen musste es geben, auch wegen der dramatisch gestiegenen Transportkosten. Diese lagen zeitweise 10 x so hoch wie vor der Pandemie.

Nicht nur der Mangel an Bauteilen und Rohstoffen trifft die HiFi-Branche, auch die globalen Lieferketten sind aufgrund der Coronakrise gestört. Die Transportpreise stiegen teilweise derart, dass sich die Produktion im Inland und der EU wieder lohnt.

Inwieweit tragen die Inflationstreiber Energie und Rohstoffe die Preisgestaltung fertiger Produkte?

Ist aus Ihrer Sicht inflations- bzw. pandemiebedingt mit höheren Preisen zu rechnen?

Wie hoch könnte ein Preisanstieg ausfallen?

Die drei Fragen fasse ich mal zusammen: Natürlich haben Inflation und die gestiegenen Energie und Rohstoffpreise Einfluss auf die Preisgestaltung vieler Hersteller. Wir mussten bislang – je nach Produkt – zwischen 10 % und 15 % erhöhen, haben aber auch Hersteller im Vertriebsportfolio, die bislang keine Erhöhung vornehmen mussten.

Könnte damit HiFi für den Kunden neben der Erfüllung persönlicher Bedürfnisse und Wünsche auch eine kluge Geldanlage sein?

HiFi als Geldanlage im Sinne von Wertsteigerung? Wäre schön, aber daran glaube ich nicht. Die Produktzyklen sind dafür einfach zu kurz und der Gebrauchtmarkt eher in der Hand der Schnäppchenjäger. Ausnahmen können streng limitierte High End Geräte sein wie der Luxman L-595SE, von dem es weltweit nur 600 Stück gibt.

Vermissen Sie den Kontakt zum Kunden auf Messen?

Natürlich. Aber nicht nur zu den Endkunden, sondern auch zu den Vertriebskollegen. Unsere Branche ist ja nicht so groß und Messen haben immer auch was von HiFi-Familienfeier.

Die MDHT, NDHT, DHT und die HIGH END wollen mit Einschränkungen wieder in diesem Jahr für die Kunden die Möglichkeit schaffen, HiFi vor Ort zu erleben ( siehe Interview). Kann das 2022 angesichts hoher Infektionszahlen „schon wieder“ gelingen?

Ich denke schon, solange nicht die nächste Mutation um die Ecke kommt…

Herr Henke, vielen Dank für das Gespräch.

Webseite: www.iad-audio.de

*Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Interviews war eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts noch in Reichweite. Der fürchterliche Krieg in der Ukraine und die daraus resultierenden Folgen sind daher hier nicht thematisiert worden. Dieses Interview erschien vorab in gedruckter Form in einem großen Leitartikel zum Thema „Corona, Inflation und die HiFi-Branche“ in AUDIO TEST Ausgabe 03/22.

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Bildquellen:

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  • Interview-Thomas-Henke-IAD-GmbH: Auerbach Verlag / Deemerwha studio/stock.adobe.com / Tryfonov/stock.adobe.com / ake1150/stock-adobe.com / Grecaud Paul/stock.adobe.com / IAD