Die letzten beiden Jahre waren keine einfachen für die HiFi-Branche. Kurzarbeit, Ladenschließungen, Messeabsagen, Rohstoffmangel oder Explosion der Transportkosten waren nur einige der Probleme, denen sich Hersteller, Vertriebe und Händler stellen mussten. Wir haben daher mit zahlreichen Branchenvertretern gesprochen und gefragt, wie es um die Audiobranche nach zwei Jahren Pandemie bestellt ist. Heute im Interview zu Gast: Christoph Kraus von Canton Lautsprecher.

Christoph Kraus, Canton: „Das war eine sehr herausfordernde Zeit.“

Noch immer hat unsere HiFi-Branche mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Unsere Leser berichten uns vielfach von nicht-lieferbaren Produkten. Lieblings-Lautsprecher, die erst in einem Jahr geliefert werden und Verstärker sowie AV-Receiver, für die keine ausreichenden Chips zur Verfügung stehen. Zudem werden Zulieferpreise in der Industrie teurer, Energie- und Produktionskosten steigen teilweise um ein Vielfaches. Wir fragten Hersteller, Vertriebe und Händler: Wie steht es um die HiFi-Branche 2022*?

Unsere große Interviewreihe zum Zustand der HiFi-Branche 2022 geht nun weiter mit Christoph Kraus, Geschäftsführer der Canton Elektronik GmbH + Co. KG.

Herr Kraus, zunächst einmal: können Sie alles liefern, was Ihre Kunden derzeit nachfragen?

Bei einem Sortiment von über 500 Produkten kommt es immer mal vor, dass Dinge vorübergehend nicht lieferbar sind. Wir sind natürlich auch von den Auswirkungen der Pandemie betroffen, versuchen aber die Ware rechtzeitig zu beschaffen.

Wie blicken Sie auf die letzten 2 Jahre Pandemie zurück?

Das war eine sehr herausfordernde Zeit. Nach dem ersten Lockdown mussten wir unsere bewährten Produktionsabläufe teileweise komplett neu aufteilen. Dies haben wir aber gut hinbekommen. Die Tätigkeiten in den Büros sind bis heute vielfach ins Homeoffice verlegt worden.

Relativ schnell hat sich die HiFi-Branche auf die Corona-Situation und die Vorgaben der Regierung eingestellt.

Hat Corona zu Lieferengpässen von Bauteilen geführt?

Vereinzelt kam es bei Bauteilen zu Lieferengpässen, diese haben jedoch glücklicherweise zu keinem Produktionsstopp geführt.

Wie lange muss der Endkunde im Moment auf ein Produkt aus Ihrem Hause warten?

Wir haben in unserem vielfältigen Canton Lautsprecher Sortiment sehr viele Produkte vorrätig. Durch eine kluge und in den letzten Jahren optimierte Einkaufspolitik versuchen wir die Engpässe so gering wie möglich zu halten.

Können Sie überhaupt die Nachfrage erfüllen?

Wir sehen nach wie vor eine sehr hohe Nachfrage nach unseren neuen Canton Smart-Produkten. Diese übersteigt zum Teil das Angebot welches durch den weltweiten Chipmangel etwas eingeschränkt ist.

Chip Microchip AKM
Der weltweite Chip-Mangel (u. a. bedingt durch den Brand bei AKM in Japan) trifft natürlich auch die HiFi-Branche, denn längst sind viele Audio-Komponenten digital ausgelegt und benötigen deshalb die entsprechenden Halbleiter.

Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoller wieder mehr selbst und vor Ort zu produzieren?

Canton stellt seit 1972 fast alle Lautsprecher in den firmeneigenen Produktionsstätten in Deutschland und Tschechien her. Unser Geschäftsmodell hat sich seit 50 Jahren bewährt und ist nun aktueller denn je.

Wie ist aus Ihrer Sicht die Preisentwicklung im HiFi-Segment? Haben die Kunden höhere Preise in Kauf nehmen müssen, um ggf. höhere Produktionskosten auszugleichen?

Unsere Firmenphilosophie war schon immer, den bestmöglichen Lautsprecher zu bezahlbaren Preisen herzustellen. Dazu stehen wir auch in Zukunft.

Inwieweit tragen die Inflationstreiber Energie und Rohstoffe die Preisgestaltung fertiger Produkte?

Da wir weltweit Rohstoffe einkaufen und diese selbst verarbeiten, unterliegen wir auch den Schwankungen an den Rohstoffmärkten.

Ist aus Ihrer Sicht inflations- bzw. pandemiebedingt mit höheren Preisen zu rechnen?

In Einzelfällen mussten auch wir bei Canton Lautsprecher die Preise leicht anheben. Dies wollen wir auch in Zukunft so moderat wie nötig handhaben.

Wie hoch könnte ein Preisanstieg ausfallen?

Das hängt von dem jeweiligen Produkt und der entsprechenden Situation ab.

Nach stabilen Jahren steigt die Inflation seit der Pandemie. Und mit dem Ukraine-Krieg und dessen wirtschaftliche Folgen ist kein Ende in Sicht.

Könnte damit HiFi für den Kunden neben der Erfüllung persönlicher Bedürfnisse und Wünsche auch eine kluge Geldanlage sein?

Aus unserer Sicht gibt es nichts schöneres als Musik über HiFi Lautsprecher zu hören.

Vermissen Sie den Kontakt zum Kunden auf Messen?

In der aktuellen Pandemie sind sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld Kommunikation und persönliche Begegnungen nur eingeschränkt möglich. Darunter leiden wir glaube ich alle. Sobald es die Situation wieder zulässt, möchten wir unsere Kunden sowohl auf den Messen als auch bei uns in den Showrooms wieder zum Musikhören begrüßen.

Die MDHT, NDHT, DHT und die HIGH END wollen mit Einschränkungen wieder in diesem Jahr für die Kunden die Möglichkeit schaffen, HiFi vor Ort zu erleben ( siehe Interview). Kann das 2022 angesichts hoher Infektionszahlen „schon wieder“ gelingen?

Ob solche Veranstaltungen stattfinden dürfen oder nicht entscheidet letztlich die Politik. Rückblickend waren aus meiner Sicht nicht immer alle Entscheidungen nachvollziehbar bzw. von Bundesland zu Bundesland verschieden. Wir bleiben bei dem Thema Messen für 2022 optimistisch und wenn es so weit ist, freuen wir uns auf die kommenden Veranstaltungen.

Herr Kraus, vielen Dank für das Gespräch.

Webseite: www.canton.de/de

*Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Interviews war eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts noch in Reichweite. Der fürchterliche Krieg in der Ukraine und die daraus resultierenden Folgen sind daher hier nicht thematisiert worden. Dieses Interview erschien vorab in gedruckter Form in einem großen Leitartikel zum Thema „Corona, Inflation und die HiFi-Branche“ in AUDIO TEST Ausgabe 03/22.

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Bildquellen:

  • Hifi-und-Corona-Seite-18: Auerbach Verlag
  • Chipmangel: Tryfonov/stock.adobe.com
  • Einstiegsbild-Seite-10: Deemerwha studio/stock.adobe.com
  • Interview-Christoph-Kraus-Canton-Elektronik-GmbH-+-Co.-KG: Auerbach Verlag / Deemerwha studio/stock.adobe.com / Tryfonov/stock.adobe.com / ake1150/stock-adobe.com / Grecaud Paul/stock.adobe.com / Canton