Zeit für ein neues Debütalbum. Heute schaffte es der in New York lebende Schweizer Sam Himself auf unsere Seite. Am 9. Oktober kommt mit „Power Ballads“ seine erste Platte auf den Markt. Die erste EP „Slow Drugs“ brachte Sam Himself dieses Jahr eine Swiss Music Award-Nominierung ein. Und das liegt bestimmt nicht nur am Zeitgeist, der sich in seiner Musik widerspiegelt.

Sam Himself in Quarantäne

Die zehn neuen Songs auf „Power Ballds“ schreibt Sam in Selbst-Quarantäne: Anfang 2020 ist er auf Tour, als die COVID-19 Pandemie ausbricht. Im darauffolgenden Chaos wird schnell klar, dass Sam vorläufig nicht in seine bald zehnjährige Wahlheimat New York zurückkehren kann. Also lässt sich der Schweizer kurzerhand in Basel nieder, wo er während des ersten Lockdowns anfängt, jenes Material zu schreiben und aufzunehmen, aus dem am Ende sein Debütalbum entsteht.

Produziert wurde das Album allerdings wieder in New York in den Strange Weather Studios/Brooklyn, zusammen mit Sams langjährigen Produzenten Daniel Schlett (Iggy Pop; The War On Drugs) Für die entsprechende Begleitung sorgten Josh Werner (Bass – Ghostface Killah; CocoRosie) und Parker Kindred (Schlagzeug – Jeff Buckley; Elliott Smith). Alle Instrumente, die sonst noch auf „Power Ballads zu hören sind, hat Sam jedoch selbst eingespielt.

Leuchtschrift am Ende des Tunnels

Die Songs sind geprägt von der Zeit zwischen Exil und Zuhause. Um sich dem Limbo-Gefühl jener Wochen und Monate zu entziehen, sucht Sam die Flucht in Tagträumen: „Zu Beginn des ersten Lockdowns hatte ich richtige Nostalgie-Attacken. Natürlich vermisste ich auch das Reisen und verlor mich in Erinnerungen an all die Orte, die ich zuvor mit großer Selbstverständlichkeit besucht hatte. Peru zum Beispiel. Vor einigen Jahren war ich dort auf einem Roadtrip, als mir eines Nachts in der Wüste Trinkwasser und Benzin auszugehen drohten. Außerdem hatte ich einen Kater. Aber anhalten und durchschnaufen war irgendwie keine Option, also fuhr ich weiter. Ich glaube, ich war unterwegs an die bolivianische Grenze, jedenfalls weiß ich noch, wie ich das GPS anstarrte und mir einredete, dass das alles schon gut kommen würde, solange ich es bis nach La Paz in Bolivien schaffte. (Ein arger Kater kann mich manchmal melodramatisch stimmen.) Die Stadt La Paz habe ich dann nie erreicht, aber ihr Name wurde zu einer Art Mantra, das ich mir in Leuchtschrift ans Ende meines Tunnels klebte. Alles in allem war die Reise wohl nicht meine entspannteste, doch hätte ich im tiefen Quarantäne-Hüttenkoller des letzten Jahres wohl so einiges dafür gegeben, noch einmal im stickigen Mietwagen durch die peruanische Wüste zu brausen, bis die Sonne aufgeht”, erzählt Sam.

Der Sound erzeugt beim Zuhörer mindestens genauso tolle Bilder. So cineastisch und farbenfroh sind die Songs arrangiert. Das ist Indiepop, wie wir ihn lieben!

Musik: Power Ballads - Sam Himself
AUFNAHMEQUALITÄT
ATMOSPHÄRE
KULTFAKTOR
ANSPRUCH
3.9Gesamtwertung

Bildquellen:

  • Pressefoto Sam Himself: Backseat