Uns allen ist es schon mal passiert. Man entscheidet sich für ein neues Paar Lautsprecher, schließt sie zu Hause an, doch so richtig gut klingen wie im Laden wollen sie einfach nicht. Auf was man beim Aufstellen von Lautsprechern achten muss, erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Thema Lautsprecheraufstellung.

Lautsprecher sind einfach wunderbare Produkte. Sie lassen den Hörer Musik erleben und tief in diese eintauchen. Doch für ein gutes Klangerlebnis ist nicht nur die Wiedergabequalität des Lautsprechers ausschlaggebend, sondern auch das Aufstellen eben dieser will gelernt sein. Schließlich kann der Raum mindestens so klangfärbend sein, wie die Lautsprecher selbst. In diesem Ratgeber-Artikel erklären wir Ihnen, was bei der Aufstellung eines Lautsprecherpaares zu beachten ist und erklären Ihnen dabei auch gleich was es mit dem Stereodreieck, dem Sweetspot, dem Abstrahlverhalten, Laufzeitunterschieden oder der Phantomschallquelle auf sich hat.

Der Sweetspot

Das wohl wichtigste Prinzip, welches es beim Aufstellen von Lautsprechern zu beachten gilt, ist der Sweetspot. Dieser beschreibt die optimale Hörposition und befindet sich in der Regel dort, wo sich der Schall der Lautsprecher am optimalsten trifft und der Stereoeffekt am besten funktioniert. Durch das Abspielen gleicher Signale verortet das menschliche Gehirn die Herkunft des Signals genau zwischen den Lautsprechern. Dieses Phänomen nennt man Phantomschallquelle.

Ist das Signal aus einem Lautsprecher lauter als aus den anderen, rückt die Phantomschallquelle näher zu diesem. Die Hörposition sollte also im Sweetspot liegen. Theoretisch bildet der Sweetspot mit den beiden Lautsprechern ein gleichseitiges Dreieck, dem sogennaten Stereodreieck. Die Entfernung der Lautsprecher zueinander entspricht also genau die Entfernung vom Sweetspot zu den Lautsprechern. Jedoch führt diese Herangehensweise in der Realität nicht immer zum idealen Klangerlebnis. Ist die Entfernung von der Couch zu den Lautsprechern relativ groß, müssten die Lautsprecher ebenfalls so weit voneinander entfernt sein.

HiFi-Ratgeber: Lautsprecher richtig aufstellen - So klingt's am besten Stereodreieck Sweetspot
In der theoretischen Idealposition bilden die Lautsprecher und die Hörposition ein gleichseitiges Dreieck. Die Lautsprecher sind dabei 30° (Grad) zum Hörer eingedreht, der im sogenannten „Sweetspot“ sitzt. (Bild ©: Алексей Шпадарук/stock.adobe.com)

Jedoch kann es passieren, dass so eine Lücke im Klangbild entsteht. Der Schall beider Lautsprecher ergänzt sich nicht zu einem Gesamtbild und es entstehen keine Phantomschallquellen. Der Ansatz des gleichseitigen Dreiecks bzw. Stereodreiecks ist also ein guter Ausgangspunkt, aber keineswegs immer der richtige Weg. Man sollte viel probieren und mit Abständen experimentieren. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass die Lautsprecher immer gleich weit von der Hörposition entfernt sein müssen. Ansonsten fällt das Stereobild zusammen, da der Ton eines Lautsprechers früher als der des anderen zum Hörer gelangt.

Diese Laufzeitunterschiede auszugleichen ist zwar möglich, verlangt jedoch einiges an „fine tweaking“. Man sollte also darauf achten, dass die Hörposition und die Lautsprecher ein gleichschenkliges Dreieck bilden. Dennoch sind die Abstände nicht alles, was den Sweetspot beeinflusst. Denn ebenfalls zu beachten ist das Anwinkeln der Lautsprecher. Theoretisch sollten Lautsprecher 30° (Grad) zur Hörposition angewinkelt werden. Jedoch führt dies in der Realität oft dazu, dass die Stereobreite etwas schmal ausfällt und es sich so nach mächtig Gedränge im Orchester anhört.

Grund dafür ist das Abstrahlverhalten der Lautsprecher. Das Abstrahlverhalten beschreibt, wie der Lautsprecher Schall in den Raum schickt. Jeder Lautsprecher weist ein anderes Abstrahlverhalten auf. Allgemein haben große Standlautsprecher eine breitere Abstrahlung und müssen nicht allzu sehr eingewinkelt werden. Nahfeldmonitore, wie sie im Tonstudio zu finden sind, müssen jedoch meistens penibel auf 30° (Grad) gewinkelt werden, da sie sehr schmal abstrahlen.

Auch hier gilt wieder: Ausprobieren! Es gibt keine Universallösungen. Man muss hören und herum probieren. Sinnvoll ist es, die Lautsprecher zunächst anzuwinkeln und sie immer weiter rauszudrehen, bis der Sweetspot zur Hörposition passt. Dabei sollte man bedenken, dass die Mitmenschen auf der Couch ebenso ein optimales Klangerlebnis erfahren wollen. Man sollte den Sweetspot also nicht zu eng formen. Bei einigen Modellen kann es auch ratsam sein, die Lautsprecher parallel zu einander aufzustellen oder nur minimal einzudrehen!

HiFi-Ratgeber: Lautsprecher richtig aufstellen - So klingt's am besten Stereodreieck Sweetspot
Um den passenden Winkel der Lautsprecher zu finden, stellt man sie zunächst parallel und dreht sie so weit ein, bis das Stereobild überzeugt. (Bild ©: Алексей Шпадарук/stock.adobe.com)

Lautsprecher: Entfernung zur Wand

Jeder Gegenstand reflektiert Schall, so auch Wände. Und viele Lautsprecher arbeiten ganz bewusst mit den Reflexionen der Wände. Zum Beispiel beruhen Bassreflexöffnungen auf den Reflexionen der Wände zum Hörplatz. Dabei ist der Abstand der Lautsprecher zur Wand enorm wichtig. Sind sie zu nah, wird der Bassbereich überbetont und tiefe Frequenzen klingen dröhnend und unangenehm.

Sind die Lautsprecher hingegen zu weit von der Wand entfernt, geht Bass verloren und er fehlt im Klangbild. Auch hier gilt: probieren Sie aus, bis es passt. Als Faustregel sagt man dennoch, dass der Abstand zu den Seitenwänden die Stereobreite und Räumlichkeit beeinflusst, während die Rückwandreflexionen die Tiefenstaffelung beeinflusst.

Auch hier ist daher wichtig, dass die Abstände der Lautsprecher zu den umliegenden Wänden möglichst gleich sind. Jetzt haben wir die Position der Lautsprecher im Raum schon mal geklärt. Ein paar Dinge gibt es dennoch zu berücksichtigen.

HiFi-Ratgeber: Lautsprecher richtig aufstellen - So klingt's am besten
Auch das vertikale Abstrahlverhalten eines Lautsprechers ist relevant. Daher sollten sich die
Ohren im Zentrum des Schallfelds befinden.

Wichtig: Resonanzen vermindern

Lautsprecher versetzen nicht nur die Luft in Schwingung. Sie schwingen auch selbst. Diese Eigenresonanz beeinflusst die Klangwiedergabe der Lautsprecher und sollte möglichst vermindert werden, da sie auch andere Gegenstände und Wände in Schwingung versetzen können.

Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man versucht die Lautsprecher möglichst frei schwingen zu lassen, so dass weder andere Objekte, noch sie selbst von diesen beeinflusst werden. Hierzu kommen dämpfende Füße zum Einsatz. Diese sind meist aus Gummi und versuchen Resonanzen abzufedern. Diese Lagerung nennt man Entkopplung.

Eine andere Variante ist es, den Lautsprechern einen möglichst festen Stand zu ermöglichen, sodass sie die Schwingungen an den Boden ableiten. Dazu muss der Boden sehr resonanzschluckend sein. Sehr hart und fest, wie es bei Beton, Fliesen oder Ähnlichem der Fall ist. Bei dieser Herangehensweise der Ankopplung kommen als Füße Spikes zum Einsatz.

Sie leiten Resonanzen äußerst effizient zur Spitze ab. Jedoch besteht die Möglichkeit, dass Lautsprecher-Spikes mit ihrer festen, kleinen Spitze den Boden beschädigen könnten. Für diesen Fall gibt es spezielle Lautsprecher Untersetzer, die dies verhindern. Falls Sie sich unsicher sind, welche Variante für Sie die Richtige ist, gibt es ein paar Faktoren, die die Entscheidung erleichtern sollten.

Spikes der Firma Thixar Lautsprecher
Spikes sind entweder im Lieferumfang von Lautsprechern enthalten oder es gibt hochwertiges Zubehör im Fachhandel zu kaufen, wie diese Spikes der Firma Thixar.

Entkoppeln ist bei einem schwingungsfreudigen Untergrund ratsam, da dieser Resonanzen kaum schlucken kann. Ist der Untergrund hingegen sehr fest und dicht, ist Ankoppeln ratsam. Hier ist zu erwähnen, dass der direkte Untergrund zählt. Es geht also um den Bodenbelag oder um den Tisch, Ständer oder das Regal, auf dem der Lautsprecher platziert ist.

Steht der Lautsprecher also auf einem Teppich, ist entkoppeln sinnvoll. Auch nicht zu vernachlässigen ist die vertikale Position der Lautsprecher. Der Hochtöner oder Tweeter sollte auf Ohrhöhe sein. Bei Standlautsprechern liegt dies natürlich selten in der Macht der Konsumenten. Jedoch ist das vertikale Abstrahlungsverhalten von Standlautsprechern in den meisten Fällen sinnvoll gestaltet und es sind keine Anpassungen nötig.

Bei Regallautsprechern sieht das jedoch anders aus. Hier muss man selbst darauf achten, dass sich der Hochtöner auf Ohrhöhe befindet. Sollte dies aufgrund der Einrichtung des Hörraums nicht möglich sein, kann man die Regallautsprecher anwinkeln, sodass der Hochtöner auf das Ohr gerichtet ist.

Tunlichst vermeiden sollte man es die Lautsprecher hinzulegen, sofern dies nicht ausdrücklich als Aufstellungsmöglichkeit von Seiten des Herstellers ausgewiesen ist. Die Abstrahleigenschaften der meisten Lautsprechermodelle sind nicht darauf ausgelegt, dass man sie hinlegt und das Klangbild würde darunter sehr stark leiden.

HiFi-Ratgeber: Lautsprecher richtig aufstellen
Die Höhe der Lautsprecher ist weniger wichtig. Ausschlaggebend ist, dass die Hochtöner auf die Ohren gerichtet sind.

Lautsprecher Sonderfälle

Bisher gingen wir in diesem Ratgeberartikel zum Lautsprecher aufstellen hauptsächlich auf Speaker in einem Stereo-Setup ein. Hauptgrund dafür ist, dass für die allermeisten HiFi-Anlagen die gleichen Prinzipien gelten. Jedoch gibt es einige Sonderfälle, in denen Lautsprecher anders aufgestellt werden müssen.

Ein Subwoofer ist ein Lautsprecher, der ausschließlich auf tiefe Frequenzen ausgelegt ist. Diese sind vom Menschen nicht so direktional wahrnehmbar, wie hochfrequentere Töne, die wir ganz genau einer Richtung zuordnen können. Daher können Subwoofer freier im Raum positioniert werden als andere Lautsprecher. Dennoch ist der Abstand zur Wand zu beachten, da dieser – wie bereits erklärt – den Tieftonbereich stark beeinflusst.

Ein Centerspeaker ist ein Lautsprecher, der in einem Surround-Setup vorkommt und genau in der Mitte zwischen den beiden frontalen Lautsprechern platziert wird. Er ermöglicht eine bessere Trennung von Dialogen, Musik und restlichen Geräuschen. Zu beachten ist hauptsächlich, dass der Center-Lautsprecher genau in der Mitte der vorderen Lautsprecher platziert werden sollte.

Townus 50 Centerlautsprecher
Centerlautsprecher – wie dieser Townus 50 von Canton – gehören in jedes amtliche Heimkino 5.1 Lautsprecher-Set-Up.

Surroundanlagen beinhalten neben vorderen Lautsprechern und dem Center-Speaker auch Rear-Lautsprecher. Diese Satellitenlautsprecher sollten etwas Höher als die anderen Lautsprecher platziert werden und nach Empfehlung von Dolby mit 110 – 120° (Grad) zur Hörposition angewinkelt werden.

Das korrekte Aufstellen von Lautsprechern ist für ein ideales Klangerlebnis mindestens genauso wichtig, wie die Lautsprecher selbst. Beim Aufstellen von Lautsprechern gilt das alte Sprichwort: Probieren geht über Studieren!

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Bildquellen:

  • Ratgeber-Lautsprecher-richtig-aufstellen-03: Алексей Шпадарук/stock.adobe.com
  • Ratgeber-Lautsprecher-richtig-aufstellen-02: Bilder:
  • Thixar-Spikes: ATR - Audio Trade / Thixar
  • Townus_50_nuss: Canton
  • Ratgeber Lautsprecher richtig aufstellen: Pavel Losevsky/stock.adobe.com