Zwar gibt es 5.1, 7.1, 9.1 und 3D-Sound, doch ist und bleibt Stereo in der Musik auf absehbare Zeit das Maß aller Dinge. Wir geben Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie mit der richtigen Aufstellung das maximale Klangerlebnis aus Ihrem Stereo-Set herauskitzeln.

 

Um die Funktionsweise des Stereo-Erlebnisses zu verstehen, sollte man einige Dinge über das Gehör wissen. Als Gehör bezeichnen wir die Einheit, die Ohren und Gehirn beim Hören bilden. Wie kommen die Informationen zustande, die unser Gehör benötigt, um einer Schallquelle Richtung und Entfernung zuzuordnen? Nehmen wir als Beispiel einen Sprecher, der sich aus unserer Sicht schräg rechts vor uns befindet. Betrachtet man den Abstand zwischen der sprechenden Person und unseren Ohren, ist festzustellen, dass die Entfernung zum linken Ohr ein kleines Stück größer ist als die zum rechten. Dadurch entstehen zwei geringfügige Unterschiede in den Signalen, die unser Gehör auszuwerten vermag. Einerseits wird der Sprecher am rechten Ohr etwas lauter wahrgenommen als am linken, andererseits kommt durch den Wegunterschied der Schall am linken Ohr geringfügig später an als am rechten. Aus diesen kleinen Differenzen ermittelt das Gehör die Richtung, in der sich die Schallquelle befindet. Das Gehör kann aber auch entscheiden, ob sich eine Schallquelle vorne oder hinten, oben oder unten befindet. Dazu benutzt es hauptsächlich klangliche Unterschiede, die durch Reflexionen, Absorptionen und Beugungseffekten an unserem Rumpf, Kopf und insbesondere auch den Ohrmuscheln zustande kommen. Deren seltsame Form hat also einen guten Grund: Der Klang wird aus jeder Einfallsrichtung spezifisch verändert.

Grafische Darstellung der gedachten Ebenen des Richtungshörens

Grafische Darstellung der gedachten Ebenen des Richtungshörens

Entfernungshören verbindet man automatisch zuerst mit Lautstärke. Tatsächlich ist dieser Faktor jedoch nur von geringer Bedeutung, da wir bei den meisten Schallquellen nicht genau wissen, wie laut sie eigentlich sind. Lautstärke allein hilft nur bei vertrauten Geräuschen, die Entfernung einzuschätzen. Sehr wichtig ist dagegen das Verhältnis von Direktschall zu Diffusschall. Je weiter sich unser Sprecher von uns entfernt befindet, desto mehr verschiebt sich das Verhältnis in Richtung Diffusschall, der Eigenklang des Raumes wird sozusagen stärker. Im freien Feld ist das allerdings auch schwierig, da hier praktisch kein Raumklang vorhanden ist. Hier gewinnt der Effekt an Bedeutung, dass Luft als ein Höhenfilter wirkt. Da hohe Frequenzen stärker von der Luft absorbiert werden, nimmt ihr Anteil mit steigender Entfernung ab, der Klang wird dumpfer. Ein gutes Beispiel ist das dumpfe Grollen eines fernen Gewitters.

Beim Hörvorgang spielt das Gehirn eine wichtige Rolle. Deshalb sind nicht nur physikalische Größen, sondern auch psychoakustische Effekte von großer Bedeutung. Ein Beispiel aus dem Hi-Fi-Bereich ist die Ausbildung von Phantomschallquellen: Nehmen wir an, wir geben über beide Lautsprecher eines Stereo-Settings ein identisches Signal wieder, so scheint sich die Schallquelle in der Mitte zwischen beiden Lautsprechern zu befinden. Lokalisation ist ein sehr weitläufiges Thema, dessen Erforschung noch nicht abgeschlossen ist. Insbesondere die Lokalisation von mehreren Schallquellen gleichzeitig bringt viele komplexe und interessante Phänomene mit sich. Vor allem im Surround-Bereich können immer wieder neue Erkenntnisse genutzt werden, um Verbesserungen herbeizuführen.

Im Wohnzimmer bietet eine Stereoaufnahme einen Einblick ins Musikgeschehen

Im Wohnzimmer bietet eine Stereoaufnahme einen Einblick ins Musikgeschehen

Lautsprecheraufstellung

Die Aufstellung der Lautsprecher soll die natürlichste Wiedergabe des Stereotons gewährleisten. Die einzelnen Instrumente sollten also in ihrer horizontalen sowie in ihrer vertikalen Aufstellung bestmöglich zu lokalisieren sein. Bei der Aufstellung hat sich das sogenannte Stereodreieck durchgesetzt. Hierbei bildet der Hörer mit den beiden Lautsprechern ein gleichseitiges Dreieck. Die in einem gedachten Winkel von 30 Grad zur Mittelachse stehenden Lautsprecher sind zum Kopf des Hörers gedreht, wobei die Membranen auf Höhe der Ohren stehen sollten. Für die Kantenlängen des Stereodreiecks – also wie weit die Lautsprecher vom Hörer und voneinander entfernt stehen – gibt es keine verbindlichen Empfehlungen. Man geht davon aus, dass für ein normal großes Wohnzimmer von einem Abstand von jeweils 2,5 Metern ausgegangen werden kann. Durch Verkleinern oder Vergrößern der Kantenlängen kann der Sound verbessert werden. Dabei ist das Ziel, dass einzelne Instrumentengruppen oder Solisten eindeutig ortbar sind und nicht diffus zwischen den Lautsprechern erklingen. Schlechte Auswirkungen auf die Wiedergabe hat eine stark reflektierende Raumakustik. Seitenwände neben den Boxen sorgen für frühe Reflexionen und stören deshalb mitunter Ortung und Tonalität. Boxen, die den Schall stärker bündeln – also jene mit „H“-Empfehlung – sind davon nicht so stark betroffen. Für alle anderen ist ein Abstand von einem Meter zur unbedämpften Seitenwand zu empfehlen. Weitere Geräte der Wiedergabekette, wie Player, Wandler oder Verstärker, können ebenfalls den räumlichen Eindruck schmälern. Bitte bedenken Sie an dieser Stelle auch, dass nur die Abhörposition im Stereodreieck den korrekten Raumeindruck vermittelt und eine Veränderung der Sitzposition auch zu einer Verschiebung der Instrumentenlokalisation führt.

Lokalisation oder Ortung?

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird im Zusammenhang mit dem menschlichen Gehör oft der Begriff Ortung verwendet. Genau genommen ist das jedoch falsch. Wir bringen Klarheit in diese Verwechslung: Ortung ist die Richtungs- und Entfernungsbestimmung durch Auswertung von Sekundärsignalen. Das Prinzip ist bekannt vom Echolot oder von der Fledermaus: Es wird ein bekanntes Signal (Primärsignal) aktiv ausgesendet und die Reflexionen (Sekundärsignal) werden wieder empfangen. Anhand der Beschaffenheit des reflektierten Signals werden nun Informationen über die Entfernung von Hindernissen gewonnen. Auch Radare funktionieren nach diesem Prinzip, man verwendet deshalb korrekterweise den Begriff Radar-Ortung. Bei der Lokalisation verhält es sich etwas anders. Das zu bestimmende Objekt selbst sendet Signale aus. Wir als Hörer haben dann nur die passive Rolle, diese Primärsignale auszuwerten. Die Informationen entnehmen wir dann also nicht dem Vergleich von Primär- und Sekundärsignal, sondern gewinnen sie aus den Unterschieden der beiden Ohrsignale sowie einer gewissen Hörerfahrung.

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