Die Natura Serie von Xavian hat ihr kleinstes Kind geboren: die Natura Perla. Der Serienname soll Programm sein, denn die Natürlichkeit des Klanges steht hier im Fokus. Wir sind gespannt, ob das den Kompakten aus Tschechien gelingt.

Von einem Italiener, der in Tschechien lebt, wird wahrscheinlich erwartet, eine Pizzeria zu eröffnen. Doch Roberto Barletta ist kein Pizzabäcker, sondern ein großer Liebhaber klassischer Musik. So konstruierte er schon im zarten Alter von 14 Jahren seinen ersten Lautsprecher. Diese Leidenschaft blieb und führte ihn schließlich dazu, ein Unternehmen zu gründen, das sich ganz dem Bau von hochwertigen Lautsprechern widmet. Der 1988 gegründete Familienbetrieb Xavian hat einen einfachen aber hohen Anspruch: Er will Lautsprecher bauen, bei denen die Musik im Mittelpunkt steht. Zu der viel gelobten XN-Serie hat er jetzt auch die Natura-Reihe im Programm. Neben dem Standlautsprecher Stella ist hier der Kompaktlautsprecher Perla erhältlich. Der Zweitgenannte ist sogar in einer „enlarged“ Version als AMBRA auf dem Markt – ein im wahrsten Sinne des Wortes Kompaktlautsprecher auf dem Holzbein. Doch wir schauen uns die bescheidenere Version, den Perla an.

Hier im Detail die Maserung des Wallnussholzes. Die Ecken des Gehäuses sind handschmeichelnd abgerundet

Hier im Detail die Maserung des Wallnussholzes. Die Ecken des Gehäuses sind handschmeichelnd abgerundet

Keine Frage, die Tschechen schaffen es, Holz in seiner schönsten Form zu präsentieren, als Lautsprecher mit herrlich glatter Oberfläche, bei der die Hand über keine Unebenheit stolpert. Die Ecken und Kanten sind wunderbar abgerundet. Das tut nicht nur dem Klang gut, sondern es macht einfach Spaß die Perla in die Hand zu nehmen. Dank ihres Gewichts von 6,9 Kilogramm ist das auch möglich. Trotzdem sind sie schwer genug, um im Regal oder auf dem Sideboard nicht zu verrutschen. Extra Füße besitzen sie nicht, aber das fiel uns bei unserem Test nicht negativ auf. Selbst bei extrem basslastigen Tönen kam es zu keinen unschönen Wellenüberlagerungen. Gefertigt sind sie aus Walnussholz, die Mosaik-Struktur ist auf unseren Fotos sehr gut zu erkennen.

Der 26-mm-Hochtöner sorgt für die notwendigen Höhen. Die Trennfrequenz zwischen Mitteltieftöner und Tweeter liegt bei 3 000 Hz

Der 26-mm-Hochtöner sorgt für die notwendigen Höhen. Die Trennfrequenz zwischen Mitteltieftöner und Tweeter liegt bei 3 000 Hz

Echte Puristen

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einen Tester entzücken. So fehlt bei den Xavian Perla das bei den meisten Herstellern übliche Logo. Das prangt bei ihnen nur auf der Gewebeabdeckung. Aber ohne sehen die Lautsprecher einfach nur natürlich schön aus und tragen nicht zum Logo-Rummel bei, den einige HiFi-Hersteller mit ihren Produkten veranstalten. Unauffällig und dabei sehr gelungen ist die Bassreflexöffnung der Zwei-Wege-Box. Sie wirkt recht schmal, doch keine Angst, dem Klang tut das keinen Abbruch – eher im Gegenteil, doch dazu gleich. Erwähnen wollen wir noch die Anschlüsse. Bi-Amping ist nicht möglich, aber dafür ist die Bananenstecker-Klemmen-Kombination absolut fest im Gehäuse verankert. Angenehm fiel uns auf, dass unsere Stecker fest und bis zum Anschlag einrasteten. Da rutscht garantiert nichts raus, wenn der Lautsprecher verschoben wird oder mal der Staubsauger am Kabel zerrt. Allerdings hätten wir uns eine farbliche Markierung gewünscht, obwohl der wahre HiFi-Freund natürlich weiß, dass Minus Schwarz und Rot Plus ist.

Die Anschlüsse sitzen bombenfest und der Bananenstecker rastet bis zum Anschlag ein – sehr schön

Die Anschlüsse sitzen bombenfest und der Bananenstecker rastet bis zum Anschlag ein – sehr schön

Wassermusik und Bach

Am 17. Juli 1717 veranstaltete König Georg I. eine Fahrt auf der Themse und ließ sich dabei musikalisch begleiten. Diese Wassermusik von Georg Friedrich Händel sollte eines der bekanntesten Werke der Musikgeschichte werden. Ein Erlebnis, bei dem damals Natur und Musik zusammenflossen, also ideal geeignet, um den Klang der Perla zu testen. Schon als die ersten Töne von Alla Hornpipe aus der Suite Nr. 2 erklingen, stehen uns die Münder offen. Haben wir tatsächlich die richtigen Lautsprecher an oder sind es doch die großen Standlautsprecher daneben, die uns ein komplettes Orchester in den Testraum zaubern? Nein, es sind diese kleinen Wunder. Mit einer ungeheuren Kraft malen sie die Töne in die Luft, als säßen wir in der königlichen Barke auf der Themse, dem das Orchester in einem Boot folgt. Das Stereobild ist detailliert ausgebaut und die Tiefenstaffelung passt hervorragend. Wir hören genau, wie die Streichersektion vor den Fagotten, Flöten und Klarinetten sitzt. Dabei geben die Perla dem Klang einen wunderschönen warmen Anstrich. Der wird noch deutlicher als wir in das Cemballokonzert in f-Moll von J.S. Bach hineinhören. Sehr fein nuanciert werden hier die Töne des historischen Zupfinstruments wiedergegeben. Der Klang ist klar, ja fast schon kristallen. Und während andere Lautsprecher gerade bei diesem Stück eine schneidende Schärfe an den Tag legen können, verzichten die Perla völlig darauf. So einen ausgewogenen Klang bekommen selbst unsere Testerohren nur selten zu hören.

Mit seinen Jazzvariationen von Bachstücken wurde der Pianist Jacques Loussier weltbekannt. Schon 1959 nahm der Franzose das erste Album der Play Bach Serie auf. Wir testen mit den Perla, wie wohl die altehrwürdige und neu interpretierte Toccata & Fuge in D-Moll klingen mag. Hier bezaubert uns zunächst das Stereopanorama. Die Abmischung stellt uns das Klavier direkt zwischen die linke Box und den mittig stehenden Verstärker. Das Schlagzeug hat rechts von uns Platz gefunden und der von Pierre Michelot gespielte Double Bass steht direkt daneben. Wir müssen nur die Augen schließen und dann sehen unsere Ohren die Band genau. Begleitet wird das gesamte Stück von einem leichten Rauschen, das dem Alter der Aufnahme geschuldet ist. Wir schalten auf unsere Vergleichslautsprecher um. Das Rauschen ist nun wesentlich deutlicher wahrnehmbar. Die anderen hohen Töne scheinen etwas betonter, ja schärfer. Die Perla reduzieren diese Frequenzen ein wenig. Allerdings klingen sie dadurch in keiner Weise muffig oder undifferenziert. Sie geben der Musik einfach einen schönen runden Klang. Das dürfen sie auch, denn die Perla kommen im Wohnzimmer zum Einsatz und nicht als Monitorbox in einem Musikstudio.

Unglaublich für diese Größe

Bei Jazz und Klassik haben sich die Kompaktlautsprecher nicht nur Klasse, sondern Extraklasse geschlagen. Aber wie steht es mit härteren und vor allem lauteren Tönen? Um uns hier einen Eindruck zu verschaffen, nutzen wir den Soundtrack des ersten Mortal Kombat Films aus dem Jahr 1995. Bitte nicht ansehen. Er ist furchtbar. Aber die ist Musik überraschend gut. Richtig schön düster, teilweise technolastig, dann wieder rockig und sehr laut. Viele Klangarten können die Perla hier meistern. Und sie tun es ohne Kompromisse. Vor allem erstaunt uns der wummernde Bass in „Gravity Kills“. Er klingt so satt und voll. Da kann sich sogar manch großer Standlautsprecher eine Scheibe abschneiden. Auch die Drums tragen ordentlich auf und die verzerrte Gitarre fräst sich gekonnt in den Mix. Kaum zu glauben, wie viel Energie in den Kleinen steckt. Wir können uns nicht erklären, wo sie diese Dynamik und Kraft hernehmen. Natürlich können die tiefen Frequenzen nicht mit denen eines guten Subwoofers mithalten, aber wir sind uns sicher: Wer die Perla das erste Mal hört, der wird nicht glauben, dass dieser volle Sound aus den Kompakten kommt.

Hier der schmale Ausgang des Bassreflexrohres. Doch nicht täuschen lassen, die Perla glänzt gerade in den tiefen Frequenzen

Hier der schmale Ausgang des Bassreflexrohres. Doch nicht täuschen lassen, die Perla glänzt gerade in den tiefen Frequenzen12

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