Cielo Suono

In Italien hat man bei Sonus Faber seit den 1980er Jahren den Anspruch, audiophiles Equipment mit High-End-Standards zu entwickeln. Einige Produkte aus Arcugnano zählen bereits zur HiFi-Elite. Ob sich der Standlautsprecher Venere S ebenfalls einreihen darf, haben wir versucht, für Sie herauszufinden.

Es ist noch gar nicht all zu lange her, da schmückten bereits zwei Lautsprecher aus dem italienischen Arcugnano den Hörraum der AUDIO TEST (Ausgabe 06/16). Es handelte sich um die sehr kompakten Regallautsprecher Principia 1 von Sonus Faber. Die mit einem Paarpreis von lediglich 550 Euro äußerst erschwinglichen Schallwandler überzeugten damals durch einen satten Tiefgang und einer verblüffenden räumlichen Darstellung. Zusammen mit der äußerst brillanten Höhenwiedergabe erwiesen sich die „Kleinen“ als überaus kompetente Schallwandler. Nur schweren Herzens ließen wir die Principia 1 nach bravurös bestandener Prüfung letztlich weiterziehen. Umso größer daher die Freude, ein weiteres Mitglied der Sonus Faber Familia im Testlabor begrüßen zu dürfen: der Standlautsprecher Venere S. Die Venere-Serie von Sonus Faber umfasst neben zwei weiteren Standlautsprecher-Modellen drei Kompaktlautsprecher und einen Center-Speaker, kann also durchaus ein ganzes Sourround-System aus den eigenen Reihen stellen. Abgesehen von einem kompetenten Sub-Woofer, aber wir wollen doch erstmal herausfinden, ob der vonnöten ist. Denn Sonus Faber verspricht für den Venere S, der das Vorzeigemodell seiner Produktlinie markiert, einen satten Bass bis zu 40 Hertz. Doch bevor das Gerät seine Qualitäten unter Beweis stellen darf, muss es erst mal von jeglicher Verpackung befreit werden. Dabei ist es unbedingt empfehlenswert, sich dieser Aufgabe nicht allein zu widmen! Denn durch die Höhe von knapp über einem Meter zwanzig, sein stolzes Gewicht von 28,8 Kilogramm und seine nahezu kantenfreie Ausführung ist der Lautsprecher zu schwer und sperrig, um von einer Person aus dem Karton gehievt zu werden. Doch ist diese Mission erst einmal bewerkstelligt muss nur noch der feine Baumwollüberzug entfernt werden und schon erhellt die Venere S in strahlendem Piano-Weiß einen jeden Hörraum. Der beigefügte Sockel ist auch ohne große Umstände montiert. Nur lässt das Zurückgreifen auf herkömmliche kleine Holzschrauben zur Befestigung der Fußplatte doch den Zweifel daran zu, ob ein häufiges An- und Abmontieren vorgenommen werden kann, ohne dass das Gehäuse kleine Beschädigungen davonträgt. Allerdings werden wohl die wenigsten 4.100 € für ein Paar der Venere S in die Hand nehmen, ohne sie längerfristig in Verwendung sehen zu wollen. Ein zu vernachlässigender Kritikpunkt also.

Sonus faber Venere S Spikes

Durch die Positionierung des Venere S auf Spikes ist der Lautsprecher vom Boden entkoppelt

 

Compagni Nobili

Bei der Positionierung der beiden Schallwandler empfiehlt sich, wie üblich, gesunde Entfernung zum Partner und ein gleicher Abstand zum Hörplatz. Leicht auf ebendiesen eingedreht, sollte die Trennung der beiden nicht weniger als 2,5 Meter betragen, um ein breites Stereopanorama zu gewährleisten. Was die Entfernung zu dahinterliegenden Wänden angeht, so verzichten die Italiener auf eine Abstandsempfehlung. Grund dafür: die Venere S ist nicht, wie viele andere Speaker ihrer Art mit einem rückseitig montierten Bassreflexrohr ausgestattet, sondern mit einer sogenannten Downfire-Öffnung. Diese versteckt sich an der Unterseite des Lautsprechers und ermöglicht ob der relativ hohen Spikes eine Abstrahlung der Bässe auf den Boden, von dem aus er sich gleichmäßig im Raum verteilen kann. (Wir erinnern uns an den Subwoofer US 2106 in AT 05/16.) Nachteil dieser Bauweise ist jedoch, dass Teppichböden verständlicherweise den Wirkungsgrad des Downfire-Woofers mindern, was die Venere S daher eher für glatte Böden, idealerweise Parkett, qualifiziert. Sind sie doch erst einmal aufgestellt, ziehen die schneeweißen Lautsprecher schonmal jeden Blick auf sich. Die windschnittige Form, welche unter anderem auch bei Produkten aus den Hausen Bowers&Wilkins oder Opera zu finden ist, verleiht der Venere S ein nahezu sportliches chic. Jedoch handelt es sich bei diesem designtechnischen Kniff nicht um Effekthascherei, sondern selbstverständlich um eine physikalische Maßnahme zur Klangoptimierung. Der Verzicht auf parallel stehende Gehäusewände bietet den Vorzug, dass die Eigenresonanz des Lautsprechers durch ausbleibenden Reflexionsstau minimiert wird. Das sportliche Auftreten kommt wohl auch durch die dezente Schräglage der Venere S. Die vorderen zwei Spikes sind etwas länger als die hinteren, weshalb die Front des Schallwandlers etwas nach oben gerichtet ist. Somit zielen die fünf Chassis der Venere noch präziser auf die Ohren des HiFi-Enthusiasten. Ganz genau: fünf Chassis! Unter der Oberkante des Gehäuses ist, eingelassen in einen breiten Rahmen aus gebürstetem Aluminium, ein mit 29 Millimeter Durchmesser vergleichsweise großer Hochtöner aus einer Textilmembran. Die massive Rahmung des Chassis ist wieder keine Spielerei zugunsten der Optik, sondern isoliert den Hochtöner von den innerhäuslichen Resonanzen seiner vier Kollegen. Diese wären zum einen ein 150 Millimeter Polypropylenmembran-Treiber mit konischem Phase-Plug für die Mittenwiedergabe zwischen 250 und 2500 Hertz und obendrein gleich drei Tieftöner mit einer 180 Millimeter Aluminium-Membran. Alle Achtung!

Sonus faber Venere S Mitteltöner

Zwischen 250 und 2500 Hertz spielt der Mitteltontreiber aus einer Polypropylen-Membran auf

 

Klangliches Multitalent

Wir verbinden beide Venere S per Lautsprecherkabel von Gauder Akustik mit unserem Referenzverstärker von Rotel. Sonus Faber empfiehlt eine Speisung der Venere mit einer Leistung von 40 bis 300 Watt. Die Möglichkeit den Hochtöner einzeln anzuspielen, ist aufgrund der Verbauung eines Bi-Wiring-Terminals gegeben, jedoch wollen wir für diesen Test keinen Gebrauch davon machen. Als Kontrast zur eleganten Erscheinung der Venere S im unschuldigen Weiß beginnen wir den Test mit dem Stück „Nuclear Fusion“ der australischen Band King Gizzard and the Lizzard Wizzard. Die sehr kompakt produzierte Nummer ihres neuen Albums klingt kräftig und mit ordentlich Attack. Sehr knackig, wenn auch nicht ganz so impulsiv wie etwa ein Manger p1, spielen Schlagwerk und Bassgitarre aus. Tatsächlich angenehm voll im Bass und den tiefen Mitten groovt das Lied daher, der arg verzerrte Gesang schneidet sich rotzig aber exzellent definiert durch den Mix. Psalm 28 aus den Psalmen Davids für Chor und Orchester von Krysztof Penderecki erklingt ebenfalls sehr detailgetreu und fein in den Texturen. Klar gezeichnet erklingt das Klavier zu Beginn, sehr impulsstark ist der dissonante Einsatz des Sopran. Die Becken klingen scharf aber nicht grell, alles in allem zeichnen die beiden Venere S von Sonus Faber ein sehr schönes, natürliches Klangbild. Auch dynamisch scheuen sich die beiden Kolosse nicht, bedacht und mit äußerster Vorsicht, aber nicht zu zaghaft auch die leisesten Passagen des Stückes abzubilden. Immer noch klar konturiert erklingt der Gesang im Pianissimo. Psalm 43 aus dem selben Werkskanon beginnt mit einem dichten Konvolut aus Percussion und Klavier. Obwohl sich alles im selben Frequenzband bewegt, erhält jedes Element seinen eigenen Raum – hier kommen wohl die drei Tieftöner zum Tragen. Breit gestaffelt bleibt dem Hörer eine unschöne Verschlackung der tiefen Mitten erspart. Auch räumlich erbringt das Stereopaar eine vorbildliche Leistung. Wenn auch nicht Weltklasse, so eröffnen die beiden Schallwandler doch ein sehr präzises Panorama. Alles in allem macht es wirklich großen Spaß, die Venere S von Sonus Faber in Aktion zu erleben, doch winken wir ihnen bei Abholung nicht mit tränenfeuchten Taschentüchern, aber wie es sich für eine Venus gehört immerhin mit einem Hauch italienischem Lebensgefühl und Sprezzatura hinterher. Ciao, bella venere!

Weitere Infos: www.sonusfaber.com

Test: Sonus faber Standlautsprecher Venere S
Wiedergabequalität88%
Ausstattung/Verarbeitung100%
Benutzerfreundlichkeit90%
Preis/Leistung90%
Vorteile
  • brillianter Klang
  • Downfire-System sorgt für satten Bass, egal wo im Raum positioniert
Nachteile
  • Downfire-System nicht auf jedem Untergrund wirksam
92%Gesamtwertung
Leserwertung: (3 Votes)
50%

Bildquellen:

  • Sonus faber Venere S: Bilder: Auerbach Verlag