In der Aprilausgabe der AUDIO TEST haben wir schon das Flaggschiff CS 600 von Dual unter die Lupe genommen. Nun folgt der CS 550 aus gleichem Hause.

Die Geschichte des Traditionsunternehmens hat unser Kollege Hecklau im Test des CS 600 bereits genauer beleuchtet (AUDIO TEST 04/16). Der auffälligste Unterschied zum großen Bruder ist das Gehäuse. Allerdings scheint es sich hier wirklich um ein hauptsächlich kosmetisches Detail zu handeln, denn unter der anthrazitgrauen Farbe in welcher der CS 550 makellos lackiert wurde, verbirgt sich hier wie beim CS 600 eine schwingungsgedämpfte Konstruktion aus massivem Holz. Der kleinere Dual braucht sich optisch dabei nicht zu verstecken. Der Drehzahlregler welcher in gewohnter Manier den Motor an- und ausschaltet, befindet sich an einer anderen Position als beim 600er Modell. Und hier fällt direkt der erste, wirklich relevante Unterschied auf. Der CS 550 verfügt über keine Position für die Geschwindigkeit von 78 rounds per minute (rpm). Für den Rest der HiFi-Welt sollte das allerdings kein Problem sein. Alles was die beiden Modelle sonst unterscheidet, lässt sich nicht mehr mit bloßem Auge erkennen.

Das träge Verhalten des Arm-Lifts ist durch den verwendeten Dämpfer bedingt und verbessert sich mit der Zeit

Das träge Verhalten des Arm-Lifts ist durch den verwendeten Dämpfer bedingt und verbessert sich mit der Zeit

Die Gleichlaufschwankung liegt mit 0,05% DIN im direkten Vergleich beim CS 550 ganz knapp höher. Allerdings kann er dafür in Sachen Rumpel-Fremdspannungs- und Rumpel-Geräuschspannungsabstand auftrumpfen und zwar mit 53 bzw. 75 Dezibel (dB) gegenüber 48 bzw. 72 dB beim CS 600. Es überrascht dann doch, dass hier der „Kleine“ dem „Großen“ den Rang abläuft. Gemein ist beiden Geräten der hochwertige, vierfach kugelgelagerte Tonarm mit einem Kopf aus Carbon-Faser für extra hohe Verwindungssteifheit. Anti-Skating und Auflagedruck können justiert werden. Außerdem kommt ein identischer Plattenteller aus Aluminium zum Einsatz. Dieser ist zur Vermeidung von Resonanzen als Sandwich Konstruktion mit Dämpfungsmasseringen aus Kupfer ausgeführt und wird bei beiden Modellen über einen Flachriemen von einem DC-Motor angetrieben. Der CS 550 kommt ohne Tonabnehmer. Die Kalibrierung des Tonarms selbst ist schnell erledigt. Betätigt man den Arm-Lift, so reagiert der Tonarm sehr behäbig, fast schon verzögert. Das ist an sich nicht schlimm, verwundert jedoch erst mal. Auf Nachfrage beim Vertrieb wurde uns mitgeteilt, dass der Grund hierfür beim Material der verwendeten Dämpfung liegt. Mit der Zeit soll die Reaktion aber schneller werden und bleibt dann konstant. Das elektronische Knacken, dass der CS 600 im Test beim Berühren des Arm-Lifts aufwies, konnten wir beim Testexemplar des 550er nicht feststellen. Und auch was Laufgeräusche angeht, gibt sich der Dual von seiner stillen Seite.

Klang

So gar nicht still hingegen ist die erste Band mit der wir die Klangeigenschaften unseres Testkanditaten prüfen. Heeads aus Berlin transportieren ganz viel Attitüde wie man sie von Bands des Chicagoer Labels Touch and Go aus den Neunzigern kennt, jedoch ohne hier jemand bestimmten nachzueifern. Krachig, stoisch und düster. Direkt bei den ersten Takten von „A Mural Is Worth A Thousand Words“ fängt der Kopf an mitzunicken. Ein gutes Zeichen. Besonders hervorzuheben ist der wunderbar eingefangene Raumklang der Aufnahme. Und diese Qualität reproduziert der CS 550 durch gute Kanaltrennung mit detaillierter Abbildung der Hallfahnen und akkurater Tiefenstaffelung. Auch hier klingt der Song genauso ausgewogen wie er von Magnus Lindberg abgemischt wurde. So weit so gut. Mal schauen ob das Traditionsunternehmen hier ein Produkt vorgelegt hat, das auch mit moderner elektronischer Musik mithalten kann.

Der Plattenteller ist als Sandwichkonstruktion aus Aluminium mit Dämpfungsmasseringen aus Kupfer gefertigt

Der Plattenteller ist als Sandwichkonstruktion aus Aluminium mit Dämpfungsmasseringen aus Kupfer gefertigt

Der nächste Titel ist „Lights On“ von der britischen Künstlerin FKA Twigs. Der von Arca produzierte Track wartet mit einer Fülle verschiedenster Sounds auf. Hintergründige Pads, Leads zwischen Synthie und Film-Noir-Trompete, allerlei Perkussives, tiefer Kontrabass, viel Hall und natürlich die Stimme FKA Twigs. Alles kein Problem für den CS 550. Auch Sibilanten und Plosive des sehr leise performten Gesanges steckt der Dual lässig weg. Einziges Manko, wenn man so bezeichnen möchte, ist, dass wie beim größeren Modell ein My mehr Druck im Bass schön wäre. Die Hörfreude wird dadurch nicht getrübt und man könnte die Wiedergabe auch genauso gut als kontrolliert bezeichnen. Und wer das letzte Quäntchen Energie im Bassbereich will, sollte vielleicht sowieso darüber nachdenken, zu einem digitalen Medium zu wechseln. Die sind da ja bekanntlich unkomplizierter. Der CS 550 macht auf jeden Fall auch mit modernen Stilistiken abseits von Jazz und Klassik uneingeschränkt Spaß und überzeugt durch seine akkurate und aufgeräumte Wiedergabe. Klanglich befindet man sich also wirklich in der selben Klasse wie beim Flaggschiff von Dual. Die Hauptunterschiede stellen die minimal höhere Gleichlaufschwankung und die fehlende Einstellung für 78 rpm dar. Und dass der CS 550 nur in einer Farbe erhältlich ist. Wer sich jetzt immer noch nicht entscheiden kann, dem raten wir einfach beide Exemplare beim Fachhändler des Vertrauens anzutesten. Letztlich kann man allerdings mit keinem der Modelle etwas falsch machen.

Weitere Infos unter: www.dual-plattenspieler.eu

Dual CS 550: Zum Verwechseln gut
Wiedergabequalität84%
Ausstattung/Verarbeitung85%
Benutzerfreundlichkeit86%
Preis/Leistung87%
Vorteile
  • präziser und aufgeräumter Klang
  • verlässliche Qualität
Nachteile
  • keine
86%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*