Test: VPI Prime 21 – High End Plattenspieler

Test: VPI Prime 21 – High End Plattenspieler

Die US-amerikanische High-End-Manufaktur VPI Industries spendiert dem Plattenspieler Prime eine verbesserte Version. Der Prime 21 setzt das Kundenfeedback um und verspricht eine noch bessere Performance. Wir haben uns den Plattenspieler „made in USA“ genauer angeschaut.

Primetime

Der Hersteller VPI Industries ist ein echtes US-amerikanisches Familienunternehmen. Alles begann im Jahre 1976 in Cliffwood, New Jersey. Hier stellte Harry Weisfeld das erste Vinyl Precision Instruments – dafür steht die Abkürzung VPI – Gerät, eine Plattenreinigungsmachine namens HW-16 her. Bis heute ist diese übrigens mit wenigen Verbesserungen als VPI HW-16.5 erhältlich.

Sieben Jahre später, 1983 steigt Weisfelds Ehefrau Sheila mit ein und VPIs erster Plattenspieler HW-19 erblickt das Licht der Welt. Mittlerweile ist der Sohn Mat Weisfeld federführend. Für den Vertrieb in Deutschland ist Audio Reference aus Hamburg verantwortlich.

Seit dem ersten VPI Plattenspieler bleibt die amerikanische High-End-Manufaktur ihrem eigenen Anspruch treu. VPI legt großen Wert auf Aufrüstbarkeit ihrer Plattendreher. Doch nicht nur das: jede Komponente, jedes Bauteil eines VPI Modells stammt aus US-amerikanischer Herstellung. Eine lokale Produktion „made in USA“ von hochwertigen und gleichzeitig erschwinglichen Geräten und Zubehör scheint gegensätzlich.

Dennoch bewies VPI Industries bereits mit dem komplett voreingestelltem Plattenspieler VPI Player, dass sie das Kunststück bewerkstelligen können. Wir durften ihn für die AUDIO TEST Ausgabe 08/2021 testen und waren vom Komplettpaket beeindruckt. Mit einer Endwertung von ausgezeichneten 92,5 % (► lesen Sie hier unseren Test) konnte der Amerikaner in allen Belangen überzeugen.

Design

Dieses Mal dürfen wir den VPI Prime 21 Plattenspieler zum Test begrüßen. Dieser ist eine optimierte Version des Prime und hat Feedback und Wünsche von Kunden sowie HiFi-Experten umgesetzt. Der Prime 21 ist ein manueller Plattenspieler, der sich mit einem Kostenpunkt von 7.649 Euro zwischen Einsteiger- und Signature-Serie von VPI ansiedelt.

Die Formsprache des VPI Prime 21 erinnert an ein Puzzleteil. Die konkaven Wölbungen zwischen den Füßen machen das Design spannend. Die Zarge des VPI Prime 21 besteht aus vinylbeschichtetem MDF und Stahl. Insgesamt bringt das Gerät knappe 20 Kilogramm auf die Waage. Es gibt den Plattenspieler in zwei Farbvarianten: Schwarz und Walnuss.

Der Prime 21 steht auf vier Füßen mit Gummidämpfung. Diese sind höhenverstellbar und bestehen aus Aluminium. Der Plattenteller misst 12 Zoll und besteht ebenfalls aus Aluminium. Der Teller ist knapp 5 Zentimeter hoch und wiegt allein geschlagene 9 Kilogramm. In diesem ist die Lagerbuchse aus Messing eingelassen, womit er sich mit perfekter Passform auf der Edelstahlachse schmiegt.

Das Design des Plattenspielers ist ästhetisch gut durchdacht. Denn die Füße, Chassis und Teller sind jeweils fünf Zentimeter hoch, wodurch das Gerät massiv und unaufgeregt wirkt.

Test: VPI Prime 21 – High End Plattenspieler
Das Chassis besteht aus MDF und Stahl. Insgesamt bringt der VPI Prime 21 knappe 20 Kilogramm auf die Waage. (Bild: Audio Reference / VPI Industries)

Riemenantrieb

Der VPI Prime 21 ist ein Riemenantriebler. Der Motor ist dabei extern und findet in der linken Aussparung Platz. Hier hat man ein wenig Freiraum in der Positionierung. Der Motor ist ein schicker, metallischer Zylinder, aus dem der Pulley knapp 3,5 Zentimeter herausragt. Der Antrieb arbeitet äußerst präzise. Die Pulley-Genauigkeit gibt VPI mit einem Spiel von 0,0005 an. Die Geschwindigkeit schwankt ebenfalls um zu vernachlässigende 0,08%.

Der Prime 21 Plattenspieler kann sowohl in 33,3 und 45 Umdrehungen pro Minute laufen, wobei die Geschwindigkeit manuell geregelt wird. Hierzu muss man einfach den Riemen auf dem Pulley umlegen. Um den Motor an- beziehungsweise auszuschalten, verfügt er über einen simplen Button.

Gimbal 10-3D Tonarm

Ein Highlight des VPI Prime 21 ist der Tonarm. Der Gimbal 10-3D verfügt, wie der Name vermuten lässt, über eine vollständig kardanische Lagerung und stammt aus dem 3D-Drucker. Die Ziffer 10 im Namen des Tonarms Gimbal 10-3D gibt gleichzeitig auch die Tonarmlänge von 10 Zoll an. Die Verkabelung im Inneren besteht aus firmeneigenem VPI Kupfergewebe. Das Material des Tonarm setzt sich aus Epoxidharz- und Delrin-Material sowie Kupfer, Stahl und Aluminium zusammen. Seine effektive Masse beträgt dabei nur 10,2 Gramm.

Der Tonarm erlaubt flexible Einstellungen über alle Variablen. Die Armbasis sitzt in einer höhenverstellbaren Fassung aus Stahl. Die Verkabelung des Tonarms wird mit einer LIMO-Verbindung realisiert. Auf der Rückseite des Plattendrehers befinden sich dann die üblichen Cinchbuchsen und ein Masseanschluss.

Hier ist zu erwähnen, dass VPI die nötige Verkabelung, also Kaltgeräte- und Phonokabel nicht mitliefert. Der Hersteller geht wohl davon aus, dass der geneigte Käufer diese bereits besitzt. Schließlich ist der VPI Prime 21 ein recht anspruchsvoller Plattendreher und Vinyleinsteiger wählen eher vorjustierte Spieler, wie z.B. den eingangs erwähnten VPI Player.

Test: VPI Prime 21 – High End Plattenspieler
Der kardanische Tonarm stammt aus dem 3D-Drucker. Beinahe jede Variable lässt sich vollständig einstellen. (Bild: Audio Reference / VPI Industries)

Zusammenbau des VPI

Die ausführlichen Justiermöglichkeiten und die Aufrüstbarkeit des VPI Prime 21 ist Segen und Fluch zugleich. Segen ist es natürlich, weil er enorm flexibel und genau auf Tonabnehmer, Umfeld und Geschmack angepasst werden kann. Ein Fluch kann es sein, den Plattenspieler nach dem Auspacken aufzubauen, denn beim Aufbau ist Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Dennoch kommt VPI dem Kunden einen Schritt entgegen und legt eine digitale Tonarmwaage, Schablone und ein kleines Aluröhrchen zur Ausrichtung des Azimuts bei. Das gefällt uns.

Der Anfang des Aufbaus ist recht selbsterklärend. Zunächst muss der Motor platziert werden. Danach wird der Plattenteller aufgelegt. Das Lager empfiehlt sich übrigens einmal jährlich mit Teflon-Fett zu pflegen, damit keine Reibung entsteht. Die Installation des Tonabnehmers und die ideale Ausrichtung des Tonarms benötigt Erfahrung und Durchhaltevermögen. Da man die Möglichkeit hat, jede Variable anzupassen, muss man dies beim Aufbau schließlich erst einmal tun. Nach einiger Zeit ist es dann endlich soweit und wir können die erste Schallplatte auflegen.

Der Motor ist wirklich sehr ruhig und schön direkt. Der Teller kommt fix in Fahrt und bremst auch zügig wieder ab. Wir lassen es uns nicht nehmen und gehen der versprochenen Rotationsgenauigkeit nach. Und tatsächlich: wir messen nach und der VPI Prime 21 dreht mit perfekten 33,333 RPM. Auch die 45 Umdrehungen pro Minute rotiert er bis auf die zweite Nachkommastelle genau.

Lieferung ohne Tonabnehmer

Als Tonabnehmer installieren wir den Concept V2. Ein MM-System von Clearaudio. Dieser ist äußerst unkompliziert und liefert eine satte, aufgeräumte und dynamische Performance. Dafür benötigt er jedoch eine rauscharme Phono-Vorstufe, da der Clearaudio Tonabnehmer etwas leise daherkommt. Als Verstärker stellen wir dem VPI Prime 21 ein absolutes Referenzgerät zu Seite. Der Audionet WATT übersetzt wirklich jede Einzelheit des US-amerikanischen Plattenspielers.

Die aufgelegte Platte wird mittels der Plattenklemme fixiert. Diese wird direkt auf die Tellerachse gedreht, welche mit einem Gewinde versehen ist. Dies in Kombination mit der mitgelieferten Stoffmatte erlaubt ein sicheres Aufliegen der Platte und vermindert Resonanzen.

Test: VPI Prime 21 – High End Plattenspieler
Der Prime 21 wird ohne Tonabnehmer und Phonokabel ausgeliefert. Der Vertrieb empfiehlt das VPI eigene MC-System Shyla (produziert von Audio-Technica) und Kabel von Nordost. (Bild: Audio Reference / VPI Industries)

VPI Prime 21 im Klangtest

Den Anfang macht die britische Sängerin Adele. Wir legen ihr aktuelles Album „30“ auf und erfreuen uns an dem Opener „Strangers By Nature“. Die emotionale Ballade stellt den butterweichen Gesang Adeles in den Vordergrund und ergänzt diesen mit sanftem E-Piano und beinahe weihnachtlich-anmutenden Streichern. Ein präsenter Bass bildet das Tieftonfundament.

Der Gimbal 10-3D Tonarm ermöglicht im Zusammenspiel mit dem hochwertigen, ausgezeichnet gefertigtem Laufwerk eine sehr anspruchsvolle und emotionale Performance. Störgeräusche beschränken sich dank des ausgelagerten Motors auf ein absolutes Minimum. Um diesen zusätzlich zu entkoppelt, empfiehlt VPI ein Mousepad unter den Motor zu legen.

Wir hören uns weiter durch die Plattensammlung, von Elektro über Pop zu Klassik und Jazz. Eine Konstante zieht sich durch den gesamten Klangtest: der VPI Prime 21 Plattenspieler spielt mit einer sehr schönen und musikalischen Trockenheit. Die aufgelegten Platten klingen sehr natürlich und der Prime 21 lässt die Musik für sich stehen.

Ausbaufreundlicher Plattenspieler

Der Prime 21 von VPI Industries ist gewiss ein anspruchsvoller Plattenspieler für Vinylliebhaber, die Lust verspüren ihr Setup stetig auszubauen und vorm Tüfteln und Herumprobieren keine Berührungsängste haben. Die Grundausstattung des VPI Prime 21 besteht bereits aus einem äußerst kompetenten Laufwerk und einem flexiblen, hochwertigen Tonarm. Dennoch kann er mit einer Reihe möglicher Aufrüstungen noch weiter verfeinert werden.

So bietet VPI unter anderem eine Peripherie-Ringklemme (verbessert die Reduzierung von Plattenverwerfungen und die Haltbarkeit des Tonabnehmers), ein analoges Antriebssystem (verbessert die Genauigkeit und Geschwindigkeitsanpassung) oder den Fatboy Tonarm an. Der VPI Prime 21 birgt also noch einiges an Potenzial, was nicht bedeuten soll, er hätte diese Upgrades dringend nötig. Er ist in der Standardausführung bereits enorm flexibel und realisiert eine höchstpräzise, saubere Wiedergabe. Ein toller Premium-Plattenspieler!

Test: VPI Prime 21 – High End Plattenspieler
Den VPI Prime 21 gibt es auch in der Ausführung Walnuss zu kaufen. (Bild: Audio Reference / VPI Industries)

Preis und Verfügbarkeit

Den VPI Prime 21 High-End-Schallplattenspieler gibt es zum Preis von 7.649 Euro (UVP) im Fachhandel zu kaufen. Vertrieben und vermarktet wird das VPI Turntable in Deutschland von Audio Reference aus Hamburg.

Webseite: www.audio-reference.de/vpi // www.vpiindustries.com

Ausstattung

Allgemein:
GeräteklassePlattenspieler
PreiskategorieLuxusklasse
HerstellerVPI Industries
ModellPrime 21
Preis (UVP)7.649 Euro
Maße (B/H/T)53,3 x 38,1 cm
Gewicht20 kg
Technische Daten (lt. Hersteller):
MediumVinyl
Tonabnehmerohne
MotorAußenliegender Motor mit 300 RPM
AntriebRiemen
SteuerungManuell
AnschlüsseCinch, Masse
individ. Klangeinst.nein
A/D-Konverternein
Bluetoothnein

► Lesen Sie hier: Test: VPI Player – Plattenspieler mit Phonostufe und Kopfhörerverstärker

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Fazit
Der Prime 21 von VPI Industries ist ein hochwertiger Plattenspieler, der nicht nur ausführliche und präzise Justierungen ermöglicht, sondern auch einiges an Upgradepotenzial bietet – so wie es für den Hersteller typisch ist. Der Plattenspieler "made in USA" ist hervorragend verarbeitet und ein ausgelagerter Motor treibt ihn sicher und präzise an. Wer sich in puncto Vinyl ausprobieren und wachsen möchte, sollte sich den VPI Prime 21 unbedingt einmal beim Fachhändler anschauen und auch anhören.
Wiedergabequalität
97
Ausstattung/Verarbeitung
93
Benutzerfreundlichkeit
87
Preis/Leistung
80
Leserwertung0 Bewertungen
0
Vorteile
sehr flexibler Tonarm
präzises Laufwerk
exzellente Verarbeitung
Nachteile
Setup nichts für Ungeduldige
93
Gesamtergebnis

Bildquellen:

  • VPI_Prime_21_Turntable_Test_01: Audio Reference / VPI Industries (alle)