Der VPI Player ist ein unkomplizierter Einsteigerplattenspieler made in USA, vertrieben von Audio Reference. Mit rustikalem Charme und einer reduzierten Aufmachung ist er der möglicherweise perfekte Einstieg in die High-End Welt des Vinyls. Für all jene, die Schallplatten lieben und erst einmal einfach Musik hören wollen, ist der VPI Player vielleicht genau der richtige Plattenspieler.

Kein Schnickschnack

Der VPI Player ist ein spannendes Modell. Er ist ein manueller Plattenspieler mit Riemenantrieb, kardanischem Tonarm und integrierter Phonovorstufe. Soweit scheint das alles nicht besonders, doch es steckt mehr hinter dem amerikanischem Plattendreher.

VPI Industries ist ein amerikanisches Familienunternehmen, welches nun schon seit 40 Jahren, High-End Audioprodukte made in Cliffwood, New Jersey liefert. Ihre selbsterklärte Mission besteht darin hochwertige Plattenspieler und Zubehör zu erschwinglichen Preisen möglich zu machen. Dabei liegt ein Fokus darauf, dass jede Komponente, jedes Bauteil sowohl von höchster Qualität ist, als auch in den Vereinigten Staaten von Amerika hergestellt wurde.

Eine Art von lokalem Selbstverständnis, welches in letzter Zeit immer mehr als unwirtschaftliche Utopie abgetan wird. Zugegeben, dieser Anspruch schlägt sich wohl auch im Preis des VPI Players von um die 2.000 Euro nieder. Dennoch ist er auf keinen Fall eine überteuerte Image- und Marketingfalle. Er ist vielmehr ein wundervolles Beispiel dafür, dass entglobalisierte Produktionen durchaus funktionieren können.

Test VPI Player Plattenspieler Turntable Review Tonabnehmer Audio Technica
Der AT-VM95E Tonabnehmer leistet gute Arbeit, doch ist wahrscheinlich die erste Komponente, die man nachrüsten kann, so man denn möchte.

Das Plattenspieler-Komplettpaket

Der VPI Player ist ein vorjustierter Komplett-Plattenspieler. Soll heißen, dass er aus der Box, sofort spielbereit ist. Er ist direkt fertig zusammengebaut und eingestellt. Man muss weder den Tonarm anbringen, noch den Plattenteller aufsetzen, sogar der Riemen ist schon gespannt. Außerdem sind alle Parameter, wie Auflagegewicht der Nadel, Azimut und Tonarmhöhe bereits eingestellt und benötigen keinen Handgriff.

Natürlich haben wir uns es nicht nehmen lassen, den Werkszustand noch einmal genau nachzuprüfen und nachzumessen. Unser Ergebnis: der VPI Player war tatsächlich recht genau eingestellt und ohne Nachjustieren spielbereit. Lediglich das Anti-Skating schien nicht richtig, beziehungsweise gar nicht eingestellt worden sein. Es scheint auch gar keine Möglichkeit zugeben die Anti-Skating-Kraft des VPI Players ein zustellen. Dies ist etwas schade, dennoch sollte es bei den meisten Nadeln keinen nennenswerten Negativeinfluss auf den Klang haben.

Dass der Player aus der Box unmittelbar spielbereit ist, ist nicht nur komfortabel, da man seine neuste Anschaffung sofort ausprobieren kann. Es ist auch sehr einsteigerfreundlich und für all jene, die vom selbstständigen Aufbauen eines Plattenspielers eingeschüchtert sind und erst einmal weniger Risikobereitschaft zeigen. Sie wollen sich erstmal ins Plattenhören reinfinden und dann allmählig ausprobieren und experimentieren.

Für letzteres bietet der VPI Player übrigens zahlreiche Möglichkeiten. So ist er ausrüstbar und soll mit dem Besitzer mitwachsen. In der Anleitung und auf der Webseite sind einige Upgrades, für z.B. Tonarm, Mittelgewicht, Füße und Tonabnehmer vorgeschlagen. Dabei ist interessant, dass nicht per se auf Produkte von VPI Industries verwiesen wird, sondern geraten wird, sich an einen lokalen Händler seiner Wahl zu informieren.

Geliefert wird er VPI Player mit einem 9,4 Zoll kardanischem Tonarm und einem massiven, circa 3,1kg schweren Aluminiumteller. Beide sind relativ schwer und sehr robust. Als Tonabnehmer ist ein AT-VM95E verbaut, der obwohl er das Einstiegsmodell von Audio Technica ist, durch die massive, penibel aufeinander abgestimmte Konstruktion des Plattenspielers, einen guten Job macht.

Es ist auch wirklich ein Segen, dass so ziemlich alle Parameter, außer wie vorher erwähnt die Anti-Skating-Kraft, vorjustiert sind. Denn die einzelnen Werte werden mittels Stellschrauben oder sogar von der Unterseite des Plattenspielers angepasst. Da es keine Markierungen oder Beschriftungen an den einzelnen Gewinden gibt, kann es etwas undurchsichtig sein, was man denn gerade überhaupt lockert oder festzieht.

Test VPI Player Plattenspieler Turntable Review Tonarm
Alle Komponenten sind nach dem Auspacken schon feinjustiert. So auch der Tonarm. Dadurch ist er direkt einsatzbereit.

VPI Plattenspieler: Alles was man braucht

Der VPI Player gibt sich im rustikalen Chic. Das Gestell besteht aus mit schwarzem Vinyl umwickeltem MDF und ist recht schwer. Allgemein hält er sich im schwarzen Gewand, lediglich der Plattenteller, der Tonarm und der Lautstärkeregler verleihen dem Plattenspieler silberne Akzente. Gelagert ist der Player auf vier Kunstofffüßen. Dies birgt stets die Gefahr, dass ein Fuß minimal schwebt, wodurch der Stand des Plattenspielers an Stabilität verliert, was bei unserem Modell auch leider der Fall war.

Der Plattenteller wird von einem Rundriemen angetrieben. Dieser wird wiederum von einem 24V Synchron-Wechselstrommotor angetrieben. Um Die Rotationsgeschwindigkeit zu wechseln muss man manuell den Riemen von einem Rad auf das andere spannen. Das Kleinere lässt den Teller in 33,3 RPM und der Größere in 45 RPM rotieren. Der Riemen findet, nach einigen Umdrehungen die ideale Laufrinne auf dem Plattenteller, ganz von selbst. Damit die Platten nicht zerkratzen und sanft aufliegen ist eine dünne Matte mitgeliefert.

Zum Ausspielen des Audiosignals der Platte bietet der VPI Player mehrere Möglichkeiten. Erstens ist auf der vorderen, linken Seite ein Kopfhörerverstärker verbaut. So kann man über einen 3,5 Millimeter Klinkenstecker die Lieblingsplatten direkt über Kopfhörer genießen. Zur Lautstärkeanpassung ist neben der Buchse ein großer und stabiler silberner Regler verbaut. Die Rückseite des VPI Players liefert Auskunft über die zweite Ausspielmöglichkeit. Dort sind Cinch-Anschlüsse für links und rechts und ein Masse-Anschluss verbaut.

Der VPI Player hat wie vorhin bereits angemerkt eine integrierte Phonovorstufe. Auf Grund des Masse-Anschlusses, würde man außerdem darauf schließen, dass diese abschaltbar, beziehungsweise umgehbar ist. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Der Phonoverstärker ist zwar mit etwas Rumtüftelei ausschaltbar, dazu muss man jedoch von der Unterseite ein paar Handgriffe tun. Dies ist also eher nichts, um es öfters zu machen. Außerdem wird in der Gebrauchsanweisung ausdrücklich davor gewarnt, da dabei schnell etwas schief gehen kann.

Da die Phonovorstufe also eher als nicht abschaltbar zu betrachten ist, sollte man vorsichtig sein und den VPI Player nicht in eine weitere Phonostufe stecken. Das kann nämlich die Lautsprecher und andere Geräte in der Signalkette beschädigen. Der Masseanschluss des VPI Players wird also in den meisten Fällen nicht gebraucht. Sie wird lediglich relevant, falls es doch zu Störgeräuschen kommt. Dies kann passieren, wenn der Verstärker an den VPI Player angeschlossen ist, selbst nicht geerdet ist. Leider sind die Kabel, die zum Anschließen des Plattenspielers nötig sind, also Cinch- und eventuelles Massekabel nicht mit im Lieferumfang enthalten. Diese muss man also schon daheim haben, wenn man den VPI Player sofort nach dem Auspacken benutzen möchte.

Test VPI Player Plattenspieler Turntable Review Anschlüsse
Die integrierte Phonovorstufe verstärkt das Signal bereits so, dass kein separater Vorverstärker nötig ist. Der Masseanschluss wird im Normalbetrieb nicht gebraucht.

VPI Player: Bodenständig und kompetent

Die Herkunft des VPI Players Plattenspieler erkennt man auch in seinem Design und Aussehen. An so einigen Stellen erkennt man, dass er mit viel Hingabe in Handarbeit gefertigt wurde. So ist der Aufkleber auf der Rückseite, der Modell- und Seriennummer trägt leicht schief aufgetragen. Außerdem ist die Seriennummer eingeprägt und nicht gedruckt. Auch bei der Platte, die die Kopfhörerbuchse, den Lautstärkeregler und den Power-Button einfasst, sind so ein paar kleine Unperkfektheiten zu sehen. Zum Beispiel sind die Schrauben nicht gleichmäßig stark angezogen und ein Loch der Platte wurde gar nicht von einer Schraube genutzt.

Dies sind Details die auf keinen Fall negativ oder gar als Mangel auffallen. Sie sind vielmehr Zeugnis der kleinen, familiären Produktion, die dem VPI Player so viel Charakter gibt. Dieser wird noch einmal durch seine im Allgemeinen reduzierten Aufmachung unterstrichen. Denn nicht nur ist die Phonostufe kaum umgehbar und die Rotationsgeschwindigkeit rein mechanisch geregelt, sondern gibt es auch keine Abdeckhaube. Diese wurde nicht weggelassen, um den Kunden zum Nachkauf zu bewegen, denn VPI Industries bietet gar keine an. Durch das Fehlen der Haube werden jedoch stets die massiven Komponenten, die auch farblich akzentuiert sind, noch weiter hervorgehoben. So präsentiert sich der VPI Player als der bodenständige, reduzierte aber in sich vollkommende Plattenspieler, der er ist.

Qualität zahlt sich aus

Auch in Sachen Klang erweist sich der Amerikaner als geschmackvoll. Die Konfiguration des VPI Players ist zwar aufrüstbar, dennoch ist der Klang des Plattenspielers mehr als eine gute Grundlage. Im Vergleich mit anderen Plattenspielern bestach der Player mit seinem vielseitigen und ausdrucksfähigen Klang. Zwar war er im Vergleich etwas leiser und der Verstärker muss ein bisschen mehr aufgedreht werden, doch spielte er deutlich detaillierter.

Der VPI Player überzeugte durch einen offenen und dynamischeren Klang, der sich vor allem sehr sauber in den Höhen abzeichnet. Auch den Bassbereich gibt er sehr gut und druckvoll wieder, obwohl sich die Transienten dort etwas kraftloser abzeichneten, als bei unserem Vergleichsobjekt. Trotzdem gleicht der VPI Player den etwas weniger ausgeprägten Punch, mit seinem feinfühligen und mehrdimensionalen Klangbild aus.

Ob emotionsstarker Jazz, ausbrausende Klassik oder dreckiger Techno, der VPI Player ist für jede Aufgabe gewappnet. Außerdem kam nie das Gefühl auf, der integrierte Wandler hielte die Dynamik des Players zurück. Der VPI Player ist ein Plattenspieler, der darauf getrimmt ist möglichst unkompliziert und verlässlich zu sein. Er soll mit dem Besitzer und seinen Ansprüchen mitwachsen und bietet den perfekten Einstieg in das vielseitige Feld der Vinylwiedergabe.

Test VPI Player Plattenspieler Turntable Review Kopfhörerverstärker
Der integrierte Kopfhörerverstärker ist ein gern gesehenes Feature. Außerdem klingt er richtig gut.

Preis und Verfügbarkeit

Den VPI Player Plattenspieler gibt es zum Preis von 2.000 Euro (UVP) im Fachhandel zu kaufen. Vertrieben und vermarktet wird das VPI Turntable in Deutschland von Audio Reference aus Hamburg.

Webseite: www.audio-reference.de/vpi // www.vpiindustries.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 08/2021.

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Test: VPI Player - Plattenspieler mit Phonostufe und Kopfhörerverstärker
Der VPI Player ist ein vielseitiger Plattenspieler, der den perfekten Einstieg in die Welt des Plattendrehens ermöglicht. Aus der Box ist er sofort einsatzbereit. Man benötigt dank des integrierten Phonostufe und dem Kopfhörerverstärker nur wenig restliches Equipment. Außerdem gibt ihm das robuste, rustikale Design made in USA einen besonderen, bodenständigen Charakter. Der Player überzeugt mit seiner unkomplizierten Natur und einem mehrdimensionalen Klang.
Wiedergabequalität 95%
Ausstattung/Verarbeitung 91%
Benutzerfreundlichkeit 94%
Preis/Leistung82%
Vorteile
  • integrierter Kopfhörerverstärker & Phonostufe
  • Plug & Play: bereits aus der Box spielbereit
  • mehrdimensionaler Klang
Nachteile
  • Anti-Skating nicht einstellbar
  • Keine benötigten Kabel dabei
93%VPI Player
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Bildquellen:

  • VPI Player Plattenspieler: Auerbach Verlag (alle)