Wer kürzlich unseren Test vom Thorens TD 1601 Plattenspieler gelesen hat, weiß, dass wir uns als Thorens-Newbies geoutet haben. Setzen wir also fort, wo wir aufgehört haben.

Im Kleinen wie im Großen

Wer ganz genau hingeschaut hat, wird bemerkt haben, dass der Thorens TAS-1600 nahezu inkognito bereits in der Vorausgabe zu Gast war. Und zwar mit seinem Spielpartner dem Thorens TD-1601. Während wir uns beim letzten Mal vorzugsweise dem Teller und Dreher gewidmet haben ( lesen Sie hier unseren Test), möchten wir an dieser Stelle das Bindeglied zwischen Rille und Spannung noch einmal näher betrachten. Doch zuvor eine kleine Rekapitulation. Das Unternehmen um die Marke Thorens hat in den letzten Jahren wieder deutlichen Aufschwung ausgestrahlt. Da geht was! Das war nicht immer so. Zeit auch für uns, da endlich mal genauer hinzuschauen. Wir müssen jetzt mal ganz ehrlich mit Ihnen sein und offen und klar gestehen: Wir haben eine Bildungslücke.

Es gibt eine ganze Generation Menschen, die nicht mit der Marke Thorens groß geworden sind. Die Kinder der 80er. Wir sind Generation Walkman und Gameboy. Das ist eine Generation nach Generation HiFi-Anlage. Den goldenen Zeiten. Und da wir und auch viele unserer Leser Teil eines noch sehr junges Magazin sind, schreiben und testen auch eine Vielzahl an Redakteuren für uns, die zu dieser verlorenen Thorens-Generation gehören. Unseren ersten und letzten Produkt-Kontakt im Magazin hatten wir mit dem TD 206 im Jahre 2016 (90%, 999 Euro). Um zu verstehen womit wir es hier vor uns zu tun haben, ist also eine kleine geschichtliche Exkursion eventuell hilfreich. Fangen wir an uns die Marke Thornes zu erarbeiten.

Thorens TAS 1600 Anschluesse
Anschlussseitig ist der TD 1600, der Plattenspieler für den der TAS 1600 entwickelt wurde, großzügig ausgestattet. Neben einem klassischen Phono-Out besitzt der Dreher auch symmetrische Ausgänge. Zudem kann auf der Rückseite die Umdrehungszahl feinjustiert werden

Geschichte

Die Geschichte beginnt im Jahre 1883 in Ste Croix im Schweizer Jura, als Hermann Thorens die Firma ins Handelsregister eintragen lässt. Zweck des Unternehmens ist die Fabrikation von Musikdosen und Musikwerken. Anfang des 20. Jahrhunderts werden die ersten Walzenphonographen produziert, ein paar Jahre später folgen Trichtergrammophone, die bis zur Ablösung durch Plattenspieler für mehrere Jahrzehnte im Programm bleiben.

Zwischenzeitlich gibt es auch Mundharmonikas und Feuerzeuge aus dem Werk in Ste Croix. Im Jahr 1928 erfolgt die Vorstellung des ersten elektrischen Motors für Grammophone, ein Jahr später ein Tonabnehmer nach dem Magnetprinzip. Hinzu kommen neu entwickelte Tonarme, selbst nach dem Tangentialprinzip, die damals ihrer Zeit weit voraus sind. Ab den 1940er Jahren beginnt die Produktion zunächst von Schneidemaschinen für Schallplatten und Tondosen, später kommen Plattenwechsler und weitere Radioapparate dazu. Trotzdem gerät die Firma Thorens in den 80ern und 90ern mit dem Aufkeimen der CD in eine finanzielle Krise und es wird mehrfach massiv umstrukturiert. Die Fertigung wird teilweise ausgelagert. Ohne Erfolg. Mit dem im Jahre 2000 nicht mehr zu vermeidendem Konkurs der Thorens Vertriebs GmbH endet eine Ära in der Unterhaltungselektronik.

Mit dem TAS 1600 möchte Thorens unter Leitung von Gunter Kürten auch wieder an die Goldenen Zeiten der Tonabnehmerproduktion anküpfen

Heinz Rohrer, ein Schweizer Kaufmann, der schon in den 1990er Jahren Thorens in Asien vertrieblich betreut, erwirbt die Marke und wird zu ihrem neuen Eigentümer. Aufgrund einer fehlenden Nachfolgeregelung verkauft Heinz Rohrer im April 2018 Thorens an den früheren Elac Electroacustic Geschäftsführer Gunter Kürten. So. Und da stehen wir nun. 100 Jahre später mit dem 2020er Modell TD 1601 und dem TAS-1600 Tonabnehmersystem. Unser Autor ist Jahrgang 1985 und hat die Blütezeit und einen Initiationsritus in die Legende Thorens verpasst. Was nun. Wo einordnen? Die aktuellen Thorens TD-1600er-Modelle orientieren sich in ihrer Umsetzung an den legendären TD 160 Geräten der 70er Jahre. Diese gelten als extrem audiophil und sind auch heute noch heiß begehrt. Damals fand eine Geschwindigkeitswahl noch mechanisch statt und der Motor wurde über die Netzfrequenz reguliert.

Der TAS 1600 sieht augenscheinlich nicht danach aus, hat aber viele technische Gemeinsamkeiten mit dem OC9SL von Audio-Technica

Weltruhm

Im Jahr 1957 beginnt die Ära der Plattenspieler, die die Marke Thorens zu Weltruhm führen. Das Modell TD 124 kommt auf den Markt und wird innerhalb kurzer Zeit zum großen Erfolg. Es richtet sich sowohl an die Profis in den Rundfunkstudios, als auch an engagierten Heimanwender, die die etwa zur selben Zeit verfügbaren neuen Stereo-Langspielplatten aus Vinyl in bester Qualität abspielen wollen. 1968 wird der TD 124 durch den komplett neu entwickelten TD 125 abgelöst. Ein Modell mit 7 kg schwerem, gefederten Subchassis, für das der kleine TD 150 Pate gestanden hat, und elektronischer Motorsteuerung mit Feineinstellung. Beides ist neu in dieser Klasse. Ein Jahr später kommt die zweite Generation des TD 150 mit verbessertem Tonarm.

1972 dann der TD 125 Mk II, der zusammen mit dem TD 160, dem Nachfolger des TD 150 auf den Markt kommt. Beide haben den neuen Tonarm TP 16 montiert, der mit präzisem magnetischem Antiskating ausgerüstet, in seinen verschiedenen Versionen für viele Jahre zum Standardarm bei Thorens Plattenspielern wird. Während der TD 160 in mehreren Entwicklungsstufen bis in die 1990er Jahre im Programm bleibt, präsentierte Thorens 1974 mit dem TD 126 electronic den Nachfolger des TD 125. Den Höhepunkt dieser Zeit bildet der 1979 ohne Rücksicht auf Kosten und Aufwand entwickelte Thorens Reference, ein handgefertigtes, 90 kg schweres Laufwerk für bis zu drei Tonarme.

Der elektrische Tonarmlift ist ein echtes Highlight. Ein bisschen ungewohnt am Anfang vielleicht für manuelle Menschen, aber dafür mit automatischer Endabhebung

TAS 1600

Der TAS wirkt zuweilen wie eine Spezialanfertigung des AT-OC9XSL, eventuell speziell nach den Vorgaben von Thorens. Nahezu identische Werte, bis auf das Gewicht. Das ist mit 0,6 Gramm beim TAS 1600 etwas schwerer. Und das obwohl der TAS vier statt zwei der Gewindelöcher besitzt. Es ist davon auszugehen, dass der Überhang für die Extra-Löcher das zusätzliche Gewicht verursacht. Es wäre wirklich mal interessant zu erfahren, wie sich diese beiden unterschiedlichen Aluminium-Gehäuse in Bezug auf Resonanzen zueinander verhalten. Der TAS macht tatsächlich einen rigideren Eindruck und wir tippen auf eine entsprechend höhere Resonanzfreuenz.

Abgesehen davon gleichen sich die beiden MCs technisch gesehen. Andersherum gibt es auch Händler, die den TD 1600 Plattenspieler zum AT-Tonabnehmer empfehlen. Hier scheint sich ein Paar gefunden zu haben. Thorens selber nennt das TAS “ein low Output-MC aus japanischer Fertigung, welches speziell für den THORENS TD 1600 und TD 1601 entwickelt wurde.” Hier war also deutsch-japanische Freundschaft am Werk. Aber auch vollkommen zurecht. Die OC9-Serie hat sich ihren guten Ruf redlich erarbeitet. Und darauf kann man auch schon mal aufbauen und sich das Know-how zukaufen, wenn das Ergebnis stimmt. Und wenn wir uns den TD 1600, den TAS 1600 und die japanische Fertigungskunst anschauen, dann verbindet diese beiden Länder die Liebe zum Detail, die Gewissenhaftigkeit und Klarheit.

Diese Integrität findet sich auch im Klang wieder. Mit einer Ausgangsspannung von knapp 0,6 Millivolt bei 5,5 cm/s Schnelle liefert es ausreichend Pegel, um mit den gängigen Phono-Vorverstärkern zu harmonisieren. Gleichzeitig sollte man jedoch einen Vorverstärker wählen, der genug Power mitbringt. 55 bis 60 dB dürfen es gerne sein. Mit einem Innenwiderstand von 12 Ohm fühlt sich das TAS-1600 an einem Abschlusswiderstand von mehr als 100 Ohm bestens aufgehoben. Am Ende eines massiven Bornadelträgers sitzt ein feiner Diamant mit Line-Contact Schliff, der jede musikalische Feinheit der Plattenrille entlockt.

Der TAS 1600 kommt in einem rigiden Aluminium-Gehäuse, das Mikrovibrationen erfolgreich bedämpft. Besonders lobenswert finden wir die Gewinde direkt im Gehäuse

Klang

Das haben wir vor allem an einem Klangbeispiel einer Aufnahme der Berliner Philharmoniker unter Leitung von Karajan gehört. Hector Berlioz’ Symphonie fantastique Op. 14, erschienen 1975 bei der Deutschen Grammophon. Die goldenen Jahre bei Thorens. Sie wissen schon. Gibt es eine bessere Form, um seine Kenntnisse und sein Empfindungsvermögen historisch in Relation zu setzen? Zurück zum Klangeindruck. Der war äußerst musikalisch! Karajan ist ja jetzt nicht unbedingt für seine romantischen und verträumten Spielweisen bekannt und so verwundert es kaum, dass auch der Esprit der Platte entsprechend aufbraust. Das TAS macht das ganz gewaltig. Besonders die großen dynamischen Schwankungen sind hervorragend ausgearbeitet und abgestuft. Ein MC mit tüchtig Headroom. Der akustische Raum bekommt ebenfalls genug Luft um die Bühne zu Umrahmen und zusammenzuschweißen, nicht jedoch so viel sie zu verschmieren. Die Spitzenpegel sind sauber umrissen.

Trotzdem schafft es der 1600er die weniger energiereichen Stellen zu erhalten. Das Pizzicato im Pianissimo ist dadurch genauso prächtig ist seiner emotionalen Gewalt, wie die teils aufbrausenden Ausbrüche in die Tutti. Das beste was einem passieren kann, ist doch, dass man für einen Moment vom Zauber des Klanges ergriffen die Aufmerksamkeit verliert, nur um dann mit ganzem Herzen bei der Darbietung zu sein. Mitzugehen und sich gleichzeitig selbst mal ruhen zu lassen, obwohl man das vielleicht gar nicht beabsichtigt hatte. Sich in ein Album reinhören. Und dann eine halbe Stunde später erschrocken festzustellen, dass die Seite zu Ende ist und bereits die Leerrille dreht. Das 1600er TAS strahlt besonders, wenn man ihm ein bisschen mehr Zeit gibt. Dann erlebt man die wahren Qualitäten, die Klarheit, die einen nicht mehr loslässt. Unser ganz persönliches Highlight war jedoch die Kombination Thorens TAS-1600 und TD-1601 an einem Audionet Watt Verstärker. Prachtvoll! So gut haben wir lange nicht mehr Platte gehört. Eine Kombi, die sehr füreinander spielt und voneinander profitiert.

Thorens TAS 1600 TD 1601
Der TD 1600 bzw. der TD 1601 ist das passende Laufwerk zum TAS 1600. Thorens möchte damit an die legendären Zeiten der 70er anschließen

Preis und Verfügbarkeit

Den Thorens TAS 1600 MC Tonabnehmer (low Output-MC) gibt es zum Preis von 1.199 Euro (UVP) im autorisierten Thorens Fachhandel zu kaufen.

Webseite: www.thorens.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 1/2021

▶ Lesen Sie hier: Test vom Thorens TD 1601 High-End Subchassis Plattenspieler

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Test: Thorens TAS 1600 – MC Tonabnehmer
Der TAS 1600 ist, wie im großen, so im kleinen, genauso makellos verarbeitet wie sein passender Dreher der TD 1600. Die Qualitäten, die seinen Preis mehr als rechtfertigen, sind hundertprozentige Zuverlässigkeit in der Darstellung, ohne Anspruch auf Attitüde, und eine non-chalante Zurückhaltung. Das einzige, was hier zur Geltung kommt, ist der Inhalt Ihrer Plattensammlung.
Wiedergabequalität 97%
Ausstattung/Verarbeitung 100%
Benutzerfreundlichkeit 87%
Preis/Leistung90%
Vorteile
  • hohe Transparenz und Güte
  • passende Optik
Nachteile
  • einen Tick teurer als vergleichbare MCs
95%Thorens TAS 1600
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Bildquellen:

  • Thorens TAS 1600 Anschluesse: Bild: © Auerbach Verlag
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