Mit dem TN-3B hat Teac im August 2019 einen Plattenspieler vorgestellt, der als Allrounder verkauft wird. Oft bedeutet das Mittelmäßigkeit. Ist das ein Vorurteil? Mit Sicherheit! 

Zunächst ein Kompliment an Teac: Oft ist es etwas knifflig, einen Plattenspieler aufzubauen, doch beim TN-3B geht das selbst ohne Anleitung zügig von der Hand. Sogar der Tonabnehmer ist wunderbar schnell montiert, da er per Bajonettverschluss mit dem Tonarm verbunden wird.

Und selbst wer kein Plattenspieler-Experte ist, wird die Auflagekraft problemlos einstellen. Eine Waage ist hier nicht notwendig. Auch das Anti-Skating können wir per Drehregler dosieren. Zwar machen wir bei schweren Systemen keinen Gebrauch davon, wer aber die gigantische Fliehkraft kennt, die eine Schallplatte mit 33 Umdrehungen in der Minute ausübt, der kann es gern nutzen, besonders bei kleinen Auflagekräften.

Kurzum, nach nicht einmal 15 Minuten steht der Teac im Regal des Testraums. Da sind wir ganz andere Aufbauzeiten gewöhnt. Wichtig für alle Feinde des Staubs: Der TN-3B besitzt eine Schutzhaube. Sie ist auch ein idealer Schutz vor herumfliegenden Gegenständen, etwa für Haushalte mit tobenden Kindern.

Kurztest des Teac TN-3B im Video

Viel drin

Der TN-3B ist von Hause aus sofort spielbereit, ein Entzerr-Vorverstärker wird also nicht benötigt. Den hat der Plattenspieler an Bord. Er wird auf der Rückseite über den Schalter „Phono EQ“ aktiviert. Steht der Schalter auf „On“, kann der Teac mit einem ganz normalen Line-Eingang der HiFiAnlage verbunden werden. Versetzen wir den „Phono EQ“ hingegen auf die Position „Thru“, dann gibt der Plattenspieler das pure Signal des MM-Tonabnehmers AT-VM95E von Audio-Technica aus. So schließen wir ihn am Phono-Eingang des Verstärkers oder einen separaten Entzerr-Vorverstärker an. Wir haben beide Varianten getestet.

Zum Unterschied kommen wir ein wenig später im Text. Neben dieser analogen Technik ist der Plattenspieler ebenso digital aktiv. Dafür werkelt im Gerät ein A/D-Wandler. Er baut aus den analogen Tönen 16-Bit Signale mit maximal 48 kHz Sampling-Frequenz. Die Daten lassen sich dank des eingebauten USB-Anschlusses abgreifen. Wie das Digitale klingt, werden wir ebenfalls etwas später erörtern.

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Der TN-3B kann dank internem AD-Wandler auch Schallplatten digitalisieren. Der interne Entzerr-Vorverstärker erlaubt den Anschluss am AUX-Anschluss einer HiFi-Anlage

Feinheiten

Damit der S-förmige Tonarm immer bestens der Rille folgen kann, verwendet Teac ein Pivot-PunktTonarmlager. Das wurde vom High-End-Tonarmhersteller SAEC konzipiert, wie der Hersteller verrät. Der Plattenteller besteht aus Aluminiumdruckguss und die Füße sind so gelagert, dass sie Vibrationen absorbieren. Das klappt wirklich gut.

In unserem Test konnten Erschütterungen der Umgebung, durch Stöße am Regal oder lautes Vorbeitrampeln den Plattenspieler nicht aus der Ruhe bringen. Zusammen mit dem hochdichten MDF-Sockel mit mehrschichtiger Lackierung bringt es der TN-3B auf gut 5 Kilogramm Gewicht. Sicher kein Schwergewicht in der Plattenspielerwelt, aber wenn es auch ohne Schwerlast mit der Laufruhe klappt, warum nicht?

An Geschwindigkeiten bietet der Teac die üblichen 45 und 33 Umdrehungen pro Minute. Eine Abschaltautomatik für das Ende der Schallplatte gibt es leider nicht. Er arbeitet also vollkommen manuell, was aber auch seine Vorteile im Bereich Wartung und Klang hat.

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Das Pivot-Punkt-Tonarmlager sorgt dafür, dass der Tonarm butterweich gleiten kann. Das Anti-Skating können wir per Drehregler einstellen

Klangunterschiede

Neben den üblichen Verdächtigen wie Lautsprecher und Verstärker sind für den Klang eines Plattenspielers vor allem der Tonabnehmer sowie der Vorverstärker entscheidend. Da der TN-3B einen internen Phono-EQ-Verstärker bietet, wollen wir zunächst diesen genauer betrachten. Es handelt sich dabei um den HiFi-Operationsverstärker NJM8080 IC von New Japan Radio Corporation. Der schafft es tatsächlich dem Vinyldreher einen echt detailreichen Klang zu entlocken. Er zeichnet sich durch eine leichte Betonung der Mitten aus sowie eine gekonnte Anhebung der Höhen. In den Tiefen verhält er sich eher neutral. Die Dynamik ist ausgewogen und im Gesamtbild gefällt uns der Klang der internen Lösung ausgezeichnet.

Greifen wir das Signal des Tonabnehmers direkt ab und speisen es in den Phono-Eingang unseres Verstärkers wird der Sound etwas bassbetonter und klingt einen Tick weicher. Das ist weder besser noch schlechter, sondern eher eine Frage des Geschmacks.

Wer also einen Phono-Eingang an seinem Verstärker hat, sollte ruhig zwischen beiden Varianten herumprobieren. An den Klang eines guten externen Vorverstärkers kommt aber der interne Phono EQ nicht heran. Extern holen wir definitiv das Maximum aus dem AT-VM95E.

USB-Aufnahme

Um zu testen, wie die USB-Ausgabe funktioniert, schließen wir einen Laptop mit Windows 10 an den TN-3B an. Der Plattenspieler wird vom Betriebssystem sofort erkannt und wir starten Samplitude Pro X4, um ein paar Töne zu digitalisieren. Als Testmedium dient uns ein Album von Thomas Siffling. Wir nehmen die Seite A auf.

Anschließend schließen wir unsere Referenzkopfhörer an einen externen D/A-Wandler, der wiederum mit dem Laptop verbunden wird. Gespannt lauschen wir der Aufnahme und sind wirklich im positivsten Sinne überrascht.

Der Klang ist ausgezeichnet. Perfekt ausgewogen ohne Brummen oder auch nur eine Spur von zusätzlichem Rauschen. Und wir müssen zugeben, wenn wir nicht wüssten, dass die Aufnahmen „nur“ mit 16 Bit bei 44,1 kHz erfolgte, würden wir ihr auch das Klangniveau einer HiRes-Datei abnehmen. Hier hat Teac ausgezeichnete Arbeit geleistet. Der Analog-Digital-Wandler des TN-3B kann uns vollends überzeugen.

Wer schnell und mit wirklich hoher Qualität seine LPs digitalisieren will, ist mit dem Plattenspieler gut beraten. Natürlich werden echte HiResEnthusiasten einen ganz anderen Weg wählen, um ihr Vinyl zu konservieren, aber an die richtet sich der Plattenspieler sowieso nicht.

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Der AT-VM95E-Tonabnehmer von Audio-Technica wird einfach per Bajonett-Anschluss montiert

Allround ist kein Makel

Norah Jones, Led Zeppelin und andere Künstler lassen wir natürlich auch noch während unserer Hörsession antreten. Das machen wir weniger, um den Plattenspieler-Klang weiter zu analysieren. Es macht vielmehr Spaß dem Teac zuzuhören. Das System läuft ruhig und souverän, der Tonarm spielt hervorragend mit dem Tonabnehmer zusammen und insgesamt werden wir uns einer Sache sicher: Allrounder, die mehrere Sachen richtig gut können, gibt es tatsächlich. Teac beweist es mit dem TN-3B zweifelsohne. Ob wir ihn nun mit internen oder externen Phono-EQ anhören oder damit Schallplatten digitalisieren – immer kommt Vinylfreude auf. Und darauf kommt es im Endeffekt bei einem Schallplattenspieler an, denn keinen Musikträger verbinden wir mit mehr Emotionen, als die schwarzen Scheiben der „guten alten, analogen Zeit“.

Weitere Informationen: www.teac-audio.eu

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 2/2020.

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Test: Teac TN-3B Plattenspieler - Kleines Meisterstück
Mit dem TN-3B vollbringt Teac ein kleines Meisterstück. So verbinden sich im Gerät mehrere Tugenden. Der Schallplattenspieler ist schnell montiert und bietet eine hervorragende Laufruhe ohne mit Masse trumpfen zu müssen. Außerdem erweist sich der AT-VM95E Tonabnehmer in der vorliegenden TonarmKombination als kleines Klangwunder. Der interne Phono-EQ macht ebenso Freude wie der AD-Wandler zur Digitalisierung von Schallplatten. Wer einen wirklich guten Allrounder für den Alltag sucht, kann ohne Nachzudenken zugreifen.
Wiedergabequalität92%
Ausstattung/Verarbeitung93%
Benutzerfreundlichkeit87%
Preis/Leistung100%
Vorteile
  • gute Laufruhe + lebendiger Klang
  • einfache und hoch- wertige Digitalisierung
  • einfach aufzubauen
Nachteile
  • keine Abschaltautomatik
92%Gesamtwertung
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Bildquellen:

  • Teac TN-3 Anschlüsse: Auerbach Verlag
  • Teac TN-3B Tonarmlift: Auerbach Verlag
  • Teac TN-3B Tonabnehmer: Auerbach Verlag
  • Teac TN-3B: Auerbach Verlag