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Test: rooExtend Box – Erweiterung für das Roon-System

Mit der rooExtend Box soll Roon noch flexibler werden, da physische Medien wir CD und Vinyl eingebunden werden können und eine KI für Sie Ihre Lieblingsplaylisten anlegt. Doch das ist noch längst nicht alles.

Das Schweizer Messer für roon

Bevor wir uns rooExtend ansehen, müssen wir wohl kurz ein paar Worte zu Roon verlieren. Immerhin glauben viele, es würde sich dabei um einen amerikanischen Musikstreamingdienst handeln. Doch das ist ein Irrglaube.

Das ist roon

Roon ist sowas wie ein super hilfreicher Musikbibliothekar mit Netzwerkverteilfunktion. Als Bibliothekar scannt die Software die eigene Musik auf Festplatten, USB-Sticks und Musikserver – eben alles, was zu Hause an digitaler Musik herumschwirrt. Dabei werden Credits, Künstlerbeziehungen, Genres, Songtexte, Konzert-/Tourdaten, Artwork und mehr genutzt, um eine informative Navigation und Erkundung der eigenen Musiksammlung zu ermöglichen.

Finden wir beispielsweise den Posaunisten im Song X super, dann schauen wir einfach auf die Credits und klicken den aufgeführten Posaunisten an. Roon sucht uns dann alle Stücke raus, in denen dieser Musiker ebenfalls auftaucht, die wir uns dann ebenso anhören können.

Kurz gesagt: Roon bringt eine perfekt aufbereitete Übersicht in die eigene Musiksammlung und macht Musikerkundung und -entdeckung informativ und unterhaltsam. Zudem arbeitet das System auch mit den beiden Musik-Streaming-Diensten TIDAL und Qobuz zusammen. Wir müssen also nicht in die TIDAL-App wechseln, um dort das Album Y zu hören, sondern können alles aus Roon heraus steuern und navigieren. Es ist schlichtweg für Roon und unser Nutzungserlebnis egal, ob wir die Musik der eigenen Sammlung hören oder aus dem Netz streamen.

Musikverteilung im heimischen Netzwerk

Des Weiteren kümmert sich Roon um die Musikverteilung im heimischen Netzwerk, und zwar in der bestmöglichen Qualität. Dafür hat es RAAT (RoonAdvanced Audio Transport) entwickelt. Roon selbst nennt es „das AirPlay für Audiophile“. RAAT gibt genau vor, was das Netzwerkgerät können muss, um mit Roon zu funktionieren.

Da lediglich Roon bestimmt, welche Parameter genau RAAT unterstützt, ist sichergestellt, dass eine besonders hohe Streaming-Qualität mit bitperfekter Wiedergabe im gesamtem Heimnetzwerk realisiert wird. Die entsprechenden Geräte, die RAAT verstehen, erkennt man an „Roon Ready“ oder „Roon Tested“.

Wenn Sie jetzt sagen: „Aber das kann mein Multiroomsystem auch alles.“ Dann haben Sie sicher Recht. Nur bei Roon können Sie alle Geräte nutzen, die „Roon Ready“ oder „Roon Tested“ sind. Sie sind also nicht auf einen Hersteller bzw. eine Produktfamilie beschränkt. Außerdem haben wir in unserem Test nie erlebt, dass es nennenswerte Verzögerungen bei der Musikwiedergabe und Steuerung gibt. Auch sonst läuft Roon einfach immer flüssig.

Andere Multiroomsysteme haben da schon mit wesentlich mehr Fehlerchen und Timing-Problemen zu kämpfen. Im Endeffekt bezahlen Sie bei Roon einen wunderbaren Bibliothekar, der Ihnen die Musik, die Sie wollen, gekonnt präsentiert und Sie geschickt zu ähnlichen Klangerfahrungen führt. Zudem erhalten sie ein Musik-Wiedergabe-Netzwerk, was wirklich funktioniert. Und allein das macht das Streamingleben für echte High-Ender schon wesentlich einfacher.

Roon an sich läuft auf Macs und Windows-PCs genauso wie auf Tablets, Linux-PCs, Android-Tablets, Apple iPads und iPhones. Die entsprechende Software kann über die roon-Webseite heruntergeladen werden oder ist als App im Google- oder App-Store verfügbar. Für unseren Test der RooExtend-Box installieren wir Roon auf einem Mac.

Jede Erweiterung lässt sich individuell über den Button „Einstellungen“ konfigurieren (Bild: Auerbach Verlag)

rooExtend

Nun ist Roon allein schon eine ziemlich geniale Sache, doch Dr. Carl-Werner Oehlrich dachte sich während des Corona-Lock-Downs, dass man noch mehr daraus machen könnte. So störte ihn beispielsweise die Lautstärkeregelung. Wenn er auf seinem Tablet las und die Musik leiser machen wollte, musste er erst zur Roon-App wechseln, um hier die Lautstärke zu reduzieren.

Er wollte eine haptische Lösung dafür haben. Da stieß er auf das Microsoft Surface Dial. Das ist ein Multifunktionsknopf, der Dreh- und Klickbewegungen erkennt – also ideal, um beispielsweise die Lautstärke zu regeln. Gekoppelt wird dieser Knopf über Bluetooth und kann damit frei im Raum genutzt werden.

Natürlich verstehen sich Roon und der Surface Dial nicht von Natur aus. Sie brauchen eine Art „Übersetzer“. Und diesen erfand Dr. Carl-Werner Oehlrich. Er steckte die dafür notwendige Hardware in eine Box und nannte das Ganze rooExtend.

Hier sehen wir die beiden Netzwerkanschlüsse der Box. Unseren Router verbinden wir mit dem Anschluss WAN. Am Anschluss LAN kann dann ein anderes Netzwerkgerät angeschlossen werden (Bild: Auerbach Verlag)

Externe Steuerung

Generell kann die rooExtend drei unterschiedliche externe Steuergeräte nutzbar machen, das Microsoft Surface Dial, die SpaceMouse Wireless und das SENIC Nuimo. Letztgenanntes ist gebraucht noch erhältlich. Wir konnten das rooExtend mit dem Surface Dial testen. Dazu muss natürlich erstmal die kleine Metallbox des rooExtend per Netzwerkkabel mit dem Router verbunden werden. Router und Computer bzw. Tablet, auf dem Roon installiert ist, müssen logischerweise im gleichen Netzwerk sein.

Am rooExtend befindet sich neben dem USB-C-Eingang, welcher der Stromversorgung dient, noch ein USB A-Anschluss und der sorgt für die Magie. Hier hinein stecken wir nämlich einen Bluetooth-Stick, an dem eine Antenne angeschraubt wird. Beides ist im Lieferumfang der Box enthalten. Am USB C-Eingang können wir jedes beliebige USB-Handy-Ladegerät anschließen, um diese mit Strom zu versorgen.

Das Surface Dial müssen wir bevor wir weitermachen noch mit dem rooExtend koppeln. Dazu öffnen wir den Batteriedeckel und drücken den einzigen Knopf so lange, bis die weiße LED blinkt. Die erlischt nach ein paar Momenten wieder und rooExtend und Dial sind miteinander verbunden.

Surface Dial

In der Roon-App auf unserem Mac gehen wir anschließend in die Einstellungen und darunter in die Erweiterungen. rooExtend und die weiter dort stehenden Dinge wie roo6D, rooPlay usw. finden wir hier. Für das Surface Dial ist die Erweiterung rooDial unbedingt zu aktivieren. Wir können dann anschließend sogar noch festlegen, wie das Dial unsere Eingaben interpretiert. Ist beispielsweise das Doppelklicken der Titelsprung vorwärts oder doch lieber rückwärts.

Wir nutzen die Standard-Einstellungen. Nachdem das geschehen ist, können wir tatsächlich über den silbernen Knopf die Lautstärke steuern, die Musik pausieren oder in den Titeln zurück- und vorspringen. Es ist nicht mehr notwendig, dazu die App zu öffnen. Für Leute, die gern haptisch ihr Musikerlebnis steuern oder nicht immer zum iPad greifen wollen, eine geniale Sache.

Für die erwähnten SpaceMouse Wireless und das SENIC Nuimo verläuft der Kopplungsprozess ähnlich. Achtung: Zum rooExtend gehören weder Surface Dial noch die anderen Steuerungsgeräte zum Lieferumfang. Der Erfinder Dr. Carl-Werner Oehlrich will, dass die Leute, die eventuell schon eines dieser Geräte bei sich zu Hause haben, dieses einfach auch für ihn Roon verwenden können.

In den Einstellungen für das Surface Dial legen wir fest, welche Befehle eine bestimmte Funktion auslösen sollen (Bild: Auerbach Verlag)

Apple Watch

Ziemlich cool ist die Funktion Roon nicht nur über externe Geräte wie das Surface Dial zu steuern, sondern auch vom Handgelenk aus. Dazu braucht man eine Apple-Watch und die rooWatch App, die im App-Store heruntergeladen werden kann. Die Aktivierung erfolgt über die entsprechende Erweiterung in Roon (rooWatch) und natürlich auf der Apple-Watch.

Ist die Anbindung vollzogen, können wir Roon mit der smarten Uhr steuern. Es ist sogar möglich, verschiedenen Apple-Uhren mit verschiedenen Roon-Zonen zu connecten, sodass etwa die Uhr der Tochter, die Roon-Zone in deren Zimmer steuert, während die Apple-Watch der Mutter, die Zone im Wohnzimmer beherrscht.

CD- oder Schallplatte

Nun ist Roon ein tolles System für Musik in Stream und Netzwerk. Doch wer gern mal eine CD einwirft oder eine Schallplatte auflegt, der hat das Nachsehen. Aber auch hier schafft rooExtend Abhilfe. Wir können nämlich mit dem USB-A-Anschluss einen aktiven USB-Hub verbinden. Aktiv bedeutet, dieser hat eine eigenständige Stromversorgung. An den Ports schließen wir dann beispielsweise ein kleines USB-CD-Laufwerk an, wie es dies auch für Laptops gibt.

Einen Analog-Digitalwandler (USB-Audio-Interface) lässt sich ebenfalls damit verbinden. In diesen speisen wir dann beispielsweise die analogen Signale eines Vorverstärkers ein, der wiederrum an einem Plattenspieler hängt. Es gibt auch USB-Interfaces, die schon einen Schallplattenvorverstärker integriert haben und natürlich ebenso Schallplattenspieler, die einen Vorverstärker ihr Eigen nennen, wie etwa der Sonoro Platinum oder der Denon DP-450USB.

Jedenfalls können wir CDs oder analoge Zuspieler über entsprechende USB-Interfaces mit dem rooExtend verbinden und deren Signale dann über Roon anhören. Ja, es ist sogar möglich, Aufnahmen, der eingespeisten Musik, auf einem ans System angeschlossenen USB-Stick als FLAC-Datei mit bis zu 24 Bit und 192 kHz abzulegen.  

Die Einrichtung dieses Features ist aber schon komplizierter, denn wir müssen dazu eine eigene Roon-Radio-Station anlegen. Wie das geht, beschreibt die Anleitung sehr gut, doch wir sind ehrlich – es ist selbst für Leute, die einen Router einrichten können und LAN-Drucker installieren nicht gerade einfach. Wir brauchten jedenfalls einige Anläufe, ehe es funktionierte.

Da wäre es schön, wenn man die Software einfach updaten könnte oder irgendein Add-on installieren, um diese Features zu nutzen. Hier sehen wir tatsächlich den größten „Kritikpunkt“ an der Box: Sie ist aktuell wirklich nur etwas für Leute, die Spaß an der Technik haben und gern auch mal ein wenig mehr Zeit in die Einrichtung investieren. Konsumentinnen, die einfach einschalten und loslegen wollen, sollten einen Bogen um das Gerät machen.

rooUPnP

Eine der größten Stärken von Roon ist, dass es ein eigenes System eben RAAT (RoonAdvanced Audio Transport) nutzt, um alle Daten Bit-genau auf die unterschiedlichen Geräte zu bringen. Doch diese Stärke ist auch eine Schwäche, da UPnP-Geräte nicht mit dem System zusammenarbeiten. UPnP basiert auf einer Reihe von standardisierten Netzwerkprotokollen und Datenformaten und wurde von Microsoft erfunden. Dabei war es so erfolgreich und einfach zu nutzen, dass selbst Apple UPnP unterstützt. Kein Wunder, dass es in der Welt des heimischen Musikstreamings praktisch der Standard geworden ist.

Damit auch Roon mit UPnP zusammenarbeitet, kann man diese Funktion ebenfalls über rooExtend integrieren. Dabei nutzt die Erweiterung rooUPnP MP3-Dateien und FLAC. High Res-Fans kommen natürlich nicht an FLAC vorbei, da dieses Format verlustfrei die Musikdateien komprimiert und bei rooUPnP Samplingraten von bis zu 24 Bit bei 192 kHz erlaubt. Unter Einstellung/System finden wir dabei unter der Rubrik Squeezebox alle UPnP-Geräte, auf die wir dann zugreifen können. Für jedes Gerät lassen sich die Abtastrate und das Audioformat einstellen.

rooAIDJ

Der rooAIDJ ist wohl die bemerkenswerteste Funktion des rooExtend. Denn damit integriert Dr. Carl-Werner Oehlrich die künstliche Intelligenz der aktuellsten Version von Chat-GPT in Roon. Um diese Intelligenz zu nutzen, installieren wir die App rooAIDJ. Diese verbindet sich dann mit Chat-GPT.

Dann können wir dort einfach eine Aufforderung eintippen, wie etwa: „Nenne mir die 10 größten Rocksongs der 1980er Jahre.“ Chat-GPT wird dann zwar sagen, dass es nicht einfach ist, die wirklich größten Songs zu benennen, denn es gab in dieser Epoche viele tolle Lieder, wird aber schlussendlich eine Liste ausspucken, die ungefähr so aussieht:   

  1. „Sweet Child o‘ Mine“ – Guns N‘ Roses (1987)
  2. „Livin‘ on a Prayer“ – Bon Jovi (1986)
  3. „Back in Black“ – AC/DC (1980)
  4. „Pour Some Sugar on Me“ – Def Leppard (1987)
  5. „Welcome to the Jungle“ – Guns N‘ Roses (1987)
  6. „Eye of the Tiger“ – Survivor (1982)
  7. „Walk This Way“ – Run-D.M.C. feat. Aerosmith (1986)
  8. „Crazy Train“ – Ozzy Osbourne (1980)
  9. „Jump“ – Van Halen (1984)
  10. „Every Breath You Take“ – The Police (1983)

Nachdem wir die Liste haben, können wir in der App auf „Quick Play“ drücken, unsere gewünschte Roon-Zone auswählen und rooAIDJ erstellt aus den Vorschlägen von Chat-GPT eine Playlist. Die hören wir dann sofort. Eine absolut geniale Sache, denn damit erkunden wir Musiksphären, von denen wir selbst keine Ahnung haben. Die App lässt sich auch per Sprache nutzen, wenn wir etwa die Diktierfunktion unserer Smartphones nutzen, um Chat-GPT etwas zu fragen.

Fazit

Die rooExtend Box ist wirklich ein Schweizer Taschenmesser für Roon. Wir richten damit Funktionen ein, wie eine externe Steuerung via Surface Dial oder über die Apple Watch. Auch die Anbindung von UPnP-Geräten ist damit möglich sowie der Anschluss von CD-Player und Schallplattenspieler und anderen analogen Zuspielern. Selbst vor der künstlichen Intelligenz macht rooExtend keinen Halt, denn dank Chat-GPT können wir uns die ausgefallensten Playlisten zusammenstellen lassen.

Leider ist die Einrichtung mancher Erweiterungen, wie beispielsweise CD und Schallplatte nicht ganz so simpel. Ein ordentliches Studium der umfassenden, deutschen Bedienungsanleitung ist absolute Pflicht. Wir können rooExtend deshalb allen Nutzerinnen und Nutzern von Roon empfehlen, die gern neue Sachen ausprobieren, die keine Angst vor Technik haben und auch ihre Alben, die es nicht bei TIDAL und Co. gibt, über Roon anhören wollen.

Preis und Verfügbarkeit von rooExtend

Die rooExtend Extension Box ist über die Webseite des Herstellers beziehbar. Sie kostet einen Preis von 398 Euro (UVP). Für den Vertrieb ist ATR – Audio Trade zuständig.

Webseite: shop.rooextend.com

Ausstattung Marke Produktname

Allgemein
GeräteklasseRoon-Erweiterung
HerstellerrooExtend
ModellrooExtend
Preis (UVP)398 Euro
Maße (B/H/T)6 x 6 x 3 cm    
Gewicht250 g
Informationenhttps://shop.rooextend.com

*Herstellerangaben

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 05/2023

▶ Lesen Sie hier: Test: Roon Nucleus+ Musikserver – Streaming fürs Leben

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Bildquellen:

  • RooExtend_Test_Review_01: Auerbach Verlag