Fly Me To The…

Moon by Simaudio erfuhr bisher ganz klar zu wenig Aufmerksamkeit durch unsere Redaktion. Nach dem Test des Duos aus Moon 340i X Vollverstärker und Moon MiND 2 Netzwerk-Player steht fest, dass sich dies künftig ändern wird!

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – mit diesen berühmten Worten wollen wir diesen Bericht beginnen. Denn Protagonist dieses Texts ist der kanadische Edel-Hersteller Moon. Dieser ist freilich kein Unbekannter und genießt doch seit dem laufenden Kalenderjahr deutlich mehr Aufmerksamkeit auf der hiesigen HiFi-Bühne. Grund dafür ist der Wechsel zum Deutschlandvertrieb von Dynaudio. Dort lösten die Kanadier NAD und Bluesound ab, welche seitdem bei Dali unter Vertrag sind. Wenn sich zu den Mitteldeutschen HiFi-Tagen also unsere Redaktionsräume das nächste Mal in den Messestand von Dynaudio verwandeln, können Sie sich auf spannende Produkte aus dem Hause Moon by Simaudio freuen! Vor allem in Übersee ist das Unternehmen schon seit nunmehr 39 Jahren gut unterwegs. Gegründet wurde die Firma im Jahr 1980 in St. Hubert in der Nähe von Montreal unter dem Namen Sima Electronics, angelehnt an den Gründervater Victor Sima. Der wollte als Audio-Entwickler und gelernter Ton-Ingenieur im goldenen Zeitalter des HiFi seinen Beitrag zum Hype um audiophile Elektronik leisten. Diese sollte seinen Vorstellungen nach ohne viel Hokus Pokus und auf die wesentlichen Funktionen reduziert eine Musikwiedergabe höchster Güte ermöglichen. Der erste Zögling Simas, der Stereoverstärker im halbtiefen Rackformat PW2000 erfüllte diese Kriterien bereits ganz gut – vor allem das rudimentäre Design ist wohl bis heute der Inbegriff von Schnörkellosigkeit. In den 1990er Jahren erschien die Celeste-Kollektion, welche auch den Grundstein für Moon by Simaudio legen sollte. Unter diesem Namen wurden von da an Geräte für die Heimanwendung vertrieben, während sich Simaudio hauptsächlich an Kunden aus dem professionellen Audio-Geschäft richtete. Heute ist Moon wohl der kanadische HiFi-Export schlechthin, wenn man einmal von der Lenbrook Group absieht, die ja streng genommen nicht als Hersteller zu werten ist. Wir freuen uns daher gewaltig, auch endlich mal auf diesem Wege Bekanntschaft mit den Frankokanadiern schließen zu dürfen, deren beide Testmuster wir dann gleich bis zu den Mitteldeutschen HiFi-Tagen im Hörraum behalten dürfen.

Testbericht Moon by Simaudio 340i X Verstärker Amp Vollverstärker Hifi High End Test Review
Die seitlich am Gehäuse des 340i X montierten Kühlrippen der Verstärkersektion strahlen bei hoher Auslastung schon ordentlich Wärme ab – daher unbedingt freistehend positionieren

Das Duo

Bei besagten Geräten handelt es sich zum einen um den Netzwerk-Player Moon MiND 2, sowie den Stereo-Vollverstärker Moon 340i X. Letzterer ist zwar keine Neuheit, aber hin und wieder lohnt es vielleicht sogar, den Gerätewahn und Fortschrittsfetisch ein wenig zu entschleunigen und sich darauf zu besinnen, was uns bereits an kompetenter Technik zur Verfügung steht. Zumal es sich stets empfiehlt einen Zuspieler mit einem hauseigenen Spielpartner zu versehen, sofern verfügbar. Für beide Geräte werden insgesamt 6.600 Euro aufgerufen, wobei ein Drittel des Preises in den Netzwerk-Streamer und zwei Drittel in den Verstärker investiert werden. Preislich ordnen sich die beiden also in der oberen Mittelklasse ein – wohl auch die umkämpfteste Preisklasse. In Puncto Produktdesign erfüllen beide Produkte noch ganz klar die Ansprüche von Firmengründer Sima – vor allem der Netzwerkplayer Moon MiND 2 ist sehr schnörkellos ausgeführt, während der Amp 340i X mit einem dezent eingelassenen Control-Panel bestückt wurde. Unsere Testmuster erreichen uns ganz in schwarz. Der Moon Verstärker ist jedoch auch in silber und zweifarbig erhältlich, was ihn optisch an einen Mark Levinson erinnern lässt. Zur Kommunikation mit dem Nutzer wurde dem 340i X ein schlichtes Display spendiert, während der MiND 2 lediglich über verschiedene LEDs verfügt.

Testbericht Moon by Simaudio Mind 2 Netzwerkplayer Network Player Streamer Hifi High End Test Review
Der MiND 2 kommuniziert ausschließlich per LEDs mit dem Nutzer, um Sampling-Rate und Quellenwahl anzuzeigen

Moon MiND 2 Netzwerk-Player

Ausgestattet ist der Netzwerk-Player mit drei digitalen Ausgängen. S/PDIF, optisch und sogar eine AES/EBU-Schnittstelle ist verfügbar – das sehen wir nicht so häufig. Die Netzwerk-Einheit lässt sich sowohl kabelgebunden via Ethernet, als auch über WiFi ansteuern. Hierfür muss lediglich eine entsprechende Antenne angeschraubt werden, welche natürlich im Lieferumfang enthalten ist. Auch eine Bluetooth-Antenne muss vor der Inbetriebnahme montiert werden. Der Wandler im Inneren des Moon MiND 2 ermöglicht eine Wiedergabe aller benötigten Formate bis hin zu MQA und DSD 256. Die höchste abspielbare Auflösung setzt Moon hier bei 384 kHz Samplingrate und 32 Bit Datensatz an. Absolutes State-of-the-art also. Neben der Integration von TuneIn, Qobuz, Deezer und Tidal, zählt auch Roon zu den verfügbaren Services. Da sich der Netzwerk-Player vor allem via Smartphone-App bedienen lässt, ist außerdem eine Einbindung ins heimische Multiroom-System möglich.

Moon 340i X Stereo-Vollverstärker

Der Moon 340i X Stereovollverstärker versteht sich als leistungsstarke Class-A-Maschine. An 8 Ohm liefert er bis zu 100 Watt pro Kanal. Die Stromaufbereitung geschieht dabei durch einen feisten Ringkerntrafo, flankiert von zwölf Elkos. Die Platinen im Inneren des 340i sind obendrein übersät von knallroten WIMA-Kondensatoren, welche der Spannungsstabilisierung und -glättung dienen. Auffällig ist außerdem die Kanaltrennung, welche Moon hier sehr vorbildlich strukturiert hat. Die seitlich angebrachten Transistoren, welche die Verstärkung des Audiosignals übernehmen, könnten räumlich nicht besser voneinander getrennt verbaut worden sein. Was die Möglichkeiten der Anspielung des Amps angeht, so lässt der Hersteller auch hier keine Wünsche offen. Fünf analoge Eingänge stellt man uns zur Verfügung, davon ein dezidierter Phono-Input und ein symmetrische XLR-Eingang. Zusätzlich finden wir an der Vorderseite des Geräts ein 3,5 mm-Klinkebuchse für die Kopplung mit einem mobilen Zuspieler. In der Digitalsektion bietet der Hersteller zwei S/PDIF und zwei optische Inputs zur Verwendung an. Wie auch der MiND 2, so verfügt auch der 340i X über SimLink-Anschlüsse – also Miniklinke-Trigger. Der Wandler, welcher die Verarbeitung eingespeister digitaler Signale übernimmt, liefert ebenfalls eine Prozessierung von maximal 32 Bit zu 384 kHz und DSD-Abtastraten bis 256 kHz.

Testbericht Moon by Simaudio 340i X Verstärker Amp Vollverstärker Hifi High End Test Review
Ohne unnötigen Schnickschnack – so hat sich das auch Firmengründer Victor Sima seinerzeit gewünscht. Der 340i X kommt zeitlos elegant daher und ist obendrein sehr gewissenhaft verarbeitet. Durchaus ein Gerät mit Lebenserwartung also

Inbetriebnahme

Dynaudio bat uns vor dem Test beide Geräte etwa 150 Stunden einspielen zu lassen. Überaus ordentlich, wie wir finden, aber okay. Wir lassen das Duett also eine gute Woche daddeln, bevor wir damit in unseren Hörraum umziehen, wo wir den MiND 2 per Lichtleiterkabel an den 340i X hängen, welcher wiederum zwei Standlautsprecher Contour 30 von Dynaudio bespielt. Die App zur Steuerung des MiND 2 ist sowohl für iOS als auch für Android-Geräte erhältlich. Sie wirkt auf uns sehr aufgeräumt und übersichtlich gestaltet. Die Einrichtung verschiedener Zonen ginge bei Bedarf ebenso schnell von der Hand wie die Navigation durch Streaming-Clients und Netwerk-Speicher.

Testbericht Moon by Simaudio Mind 2 Netzwerkplayer Network Player Streamer Hifi High End Test Review
Eine AES/EBU-Schnittstelle sehen wir nicht alle Tage. Könnte schwierig werden hierfür einen Spielpartner zu finden

Performance

Wir streamen aus unserem Redaktionsnetzwerk den Titel „Purple Rain“ von Prince. Zum einen zeigt uns nun der Netzwerk-Player die Auflösung des Titels an, indem er das Lämpchen mit der Beschriftung 48k aufleuchten lässt. Bei höheren Auflösungen wird diese Status-LED mit der 4k- oder 2k-LED kombiniert. Obendrein kommuniziert uns der Verstärker zum einen die Quellenwahl (D1 in diesem Falle) und zum anderen auch die Auflösung von 48 kHz. Musikalisch weiß das Duo sofort zu überzeugen. Die Wiedergabe ist voll und glasklar. Eine hohes Maß an Detailreichtum kombiniert der Amp mit einem satten stark konturierten Sound. Die verträumte Chorusgitarre wabert farbenfroh und lebendig durch den Hörraum, die Drums sind sehr gesättigt, ihre authentische Hallfahne wird mit sehr viel Brillanz zum besten gegeben. Das Stereobild ist sehr weit und gleichzeitig stabil, das Zentrum durch Pinces Stimme sehr gut definiert. Im direkten Vergleich zu unserem Referenzverstärker von Rotel spielt diese Kombo mit einer Portion mehr Tiefe und Prägnanz auf. Der Sound ist ein Stück wärmer und gefällt durch eine sehr vitale Dynamik. Wir sind überrascht, mit welchem Schmelz die Performance daherkommt, hätten wir von so viel geballter Digitalprozessierung doch wesentlich mehr Hochton und weniger Bauch erwartet. Auch bei geringem Pegel bleibt der Sound sehr ausgewogen und kräftig, räumliche Einbußen lassen sich ebenfalls nicht verzeichnen.

Testbericht Moon by Simaudio 340i X Verstärker Amp Vollverstärker Hifi High End Test Review
Gut bestückt: Der 340i X lässt anschlusstechnisch keine Wünsche off en. Sicherlich – USB könnte schon noch gehen, haben wir aber grundsätzlich nicht vermisst

Mit dem Titel „Deese Barama“ von Bachar Mar-Khalifé wollen wir das Ensemble dann etwas aus der Reserve locken. Doch auch kurz vor der Schmerzgrenze bleibt der Amp cool – zumindest klanglich. Denn das Gehäuse strahlt nun doch gut Wärme ab, weshalb wir empfehlen, das Gerät möglichst freistehend zu positionieren. Musikalität büßt der 340i X jedoch überhaupt nicht ein. Immer noch klingt alles gut platziert und ausgewogen – von Klirr oder Zerr keine Spur. Ganz im Gegenteil – vor allem in den Mitten gewinnt der Sound noch ein Stück dazu. Klar umrissene Konturen lassen die Musik sehr plastisch aus den Schallwandlern spielen. Die Navigation durchs Netzwerk und Streaming-Clients macht währenddessen dank der toll gestalteten App auch nach einigen Stunden noch richtig Spaß. Ohne Weiteres lassen sich Wiedergabelisten erstellen und zwischen verschiedenen Services wechseln. Die Session mit dem Netzwerk-Player MiND 2 und dem Verstärker-Boliden 340i X hat uns große Lust bereitet, diese Bekanntschaft künftig zu intensivieren. Die Kanadier haben uns eine große Musikalität und ein Bewusstsein für solide und langlebige Verarbeitung unter Beweis gestellt. Mit Dynaudio scheint uns der Hersteller außerdem einen vielversprechenden Partner für die Behauptung auf dem deutschsprachigen Markt gefunden zu haben. Schauen Sie unbedingt auf dem Stand der Dänen und Kanadier vorbei, wenn Sie uns auf den Mitteldeutschen HiFi-Tagen besuchen kommen! Aber bringen Sie etwas Zeit mit – denn erfahrungsgemäß herrscht hier ein überaus reger Andrang.

Weitere Informationen: www.simaudio.com/de/

Anmerkung: Dieser Artikel erschien erstmals in Ausgabe 08/19 der AUDIO TEST

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Test: Moon by Simaudio MiND 2 Netzwerk-Player & 340i X Vollverstärker
Netzwerk-Player erfreuen sich stetig wachsender Beliebtheit. Der MiND 2 bedient da die Bedürfnisse an klanglich hochwertiges Streaming auf ganzer Linie. Die Bedienung via App ist kinderleicht und auch die vielseitige Funktionalität des Players bringen Punkte. Dabei vermag der MiND 2 absolut hochauflösend aufzuspielen – gerade in Kombination mit dem 340i X eine echte Perle!
Wiedergabequalität95%
Ausstattung/Verarbeitung85%
Benutzerfreundlichkeit95%
Preis-/Leistungsverhältnis80%
Vorteile
  • intuitive Bedienung
  • vielseitig einsetzbar
91%Gesamtergebnis
Leserwertung: (2 Votes)
90%

Bildquellen:

  • Moon 340i X Detail: Auerbach Verlag
  • Moon MiND 2 Detail: Auerbach Verlag
  • Moon MiND 2 Detail: Auerbach Verlag
  • Moon MiND 2 Detail: Auerbach Verlag
  • Moon 340i X Detail: Auerbach Verlag
  • AUDIO TEST 3/20: Auerbach Verlag
  • Testbericht: Moon by Simaudio: Auerbach Verlag