Teil 6 unserer neuen und mittlerweile sehr beliebten Likehifi.de-Rubrik "Test Klassiker", bei der wir einmal im Monat auf moderne oder traditionelle HiFi-Klassiker zurück blicken. Dieses Mal im Fokus unseres Testberichts: der Naim SuperUniti. Das All-In-One HiFi-Gerät sprengt alle Produktgrenzen und vereint Streamer, Audioplayer, Internetradio, DAB+/DAB/UKW-Tuner, Bluetooth aptX, Spotify Connect, Vorstufe (zehn Eingänge), D/A-Wandler und Stereo-Endstufe (80 Watt) in sich. Naim scheute sich also nicht davor, seinen eigenen Produkten die Superlative zu verleihen und spendierte nach dem Vollverstärker SuperNait nun auch der Uniti-Familie ein solches „Super-Gerät“. Ob der All-in-One-Player diesem Titel gerecht wird, wollten wir im ausführlichen Test für Sie herausfinden.

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien bereits im Herbst 2012 in AUDIO TEST Ausgabe 05/2012.

Der Super-Player

Um was es sich beim Naim SuperUniti genau handelt, wird bis heute noch bei uns in der Redaktion diskutiert. Für die einen ist es primär ein Vollverstärker mit Tuner-Funktion, die anderen sehen darin vorrangig einen Netzwerkplayer mit D/A-Wandler. Zumindest in einem sind sich beide Parteien einig: der All-in-One-Player schafft es, im HiFi-Rack gehörig Platz zu schaffen! Nach Naim-gewohnter Bauweise ist das komplette Innenleben auf einer äußerst stabilen Aluminiumplatte montiert, deren ein Zentimeter starke Frontpartie direkt aus einem Guss gefräst ist. Das amtliche Gewicht von fast 13 Kilogramm addiert sich zu großen Teilen aus dem üppig proportionierten Ringkerntrafo und dem den Korpus komplett umrahmenden Aluminiummantel. Das zentral eingelassene Frontlogo bietet neben seiner Status-Funktion einen berührungsempfindlichen Stummschalter. Auf der Rückseite nimmt der All-in-One-Player externe Daten über sechs digitale und vier analoge Eingänge entgegen – der Front-USB-Anschluss bezieht Musik von Apples Mobilgeräten sowie Speichersticks.

Test Review Naim SuperUniti Verstärker Streamer All-In-One-Player App Display
Mit der kostenfreien Naim-App nStream lassen sich die Eingänge vom Smartphone aus steuern.

Direkt am Gerät gelingt die Steuerung sehr behände – ohne verzögernde Reaktionszeiten und mit flüssiger Display-Anzeige. Noch eleganter erfolgt die berührungsempfindliche Steuerung des SuperUniti: dafür hält Naim alternativ zur klassischen Fernbedienung die iOS-App nStream bereit. Neben der Lautstärkeregelung, schaltet die App Eingänge um und dient als Control Point für den integrierten Audiostreamer. Den Kontakt zum Netzwerk nimmt der Player wahlweise per Ethernet-LAN oder WiFi auf, wobei wir aufgrund der unterstützten Datenraten bis zu 24 Bit und 192 Kilohertz (kHz) zur kabelgebundenen Variante raten. Das Übertragungsprotokoll baut standesgemäß auf den UPnP-Standard, der die wichtigsten verlustfreien Formate wie Apple Lossless, FLAC und WAV unterstützt. Die Albenübertragung erfolgt dabei vorbildlich lückenlos (Gapless), was ein unterbrechungsfreies Hören von zusammenhängenden Werken wie Live- und Konzeptalben garantiert. Nur beim Verwenden einer externen Control-Point-App wie dem Plug Player, um Alben-übergreifende Playlisten zu erstellen, muss man auf diese Funktion verzichten.

Technik im Inneren

Das Herzstück der Streaming-Platine baut auf mehrere Bridge-Co-Chipsätze, die die Verarbeitung aller relevanten Audioformate in HD-Auflösung übernehmen. Eingehende Digitalsignale durchlaufen augenscheinlich keinen Abtastratenwandler, lediglich eine Impedanzanpassung durch einen Line-Driver von Texas Instruments wird vorgenommen. Zwei Quarzoszillatoren sorgen für die Aufbereitung eines digitalen Taktes. Bevor es zur eigentlichen Wandlung kommt, übernimmt ein „Sharc“-DSP von Analog Devices mit großer Rechentiefe die Aufarbeitung der ankommenden Audiodaten. Dem Burr-Brown-PCM1791-Wandler stehen zwei digitale Rekonstruktionsfilter zur Seite, wovon Naim sich für den impulsoptimierten und phasenlinearen Slow-Filter entschieden hat, der bei allen Auflösungen zur Verfügung steht. Der maximal übertragbare Frequenzbereich endet für alle höheren Formate als der CD bei 30 kHz (–6 dB), was angesichts der integrierten Verstärkung als absolut sinnvoll zu werten ist. Alle Analogfilter wurden ebenfalls mit OPVs des gleichen Herstellers in Verbindung mit Polystyrol-Folienkondensatoren verwirklicht. Die auch unter dem Namen Styroflex bekannten Kondensatoren genießen bei Audiokennern einen besonderen Ruf und kommen nicht ohne Grund auch für weitere Klang-entscheidende Schaltungsabschnitte zum Einsatz. Im Allgemeinen überwiegt im Naim SuperUniti jedoch die SMD- und Subminiatur-SMD-Technik, denn nur so ist es möglich, solch komplexe Widerstandsnetzwerke für die Lautstärkesteuerung in Zusammenarbeit mit CMOS-Schaltern aufzubauen.

Test Review Naim SuperUniti Verstärker Streamer All-In-One-Player Offen Chip
In einem für Naim typischen schweren Aluminiumgehäuse wurde die sauber aufgebaute Elektronik untergebracht.

Für den digitalen und analogen Teil des Gerätes existieren gleich mehrere Netzteile. Diese werden von einem Ringkerntrafo von Talema, aus tschechischer Fertigung, gespeist. Die gesamten Sieb-und Ladekondensatoren stammen aus Großbritannien, darunter auch die 40 000 Mikrofarad für die beiden Class-AB-Endstufen. Am Ende der Bauteilekette übernimmt jeweils ein Komplementärpaar aus Leistungstransistoren von Sanken die Verstärkung. Dabei werden bei 1 Prozent THD an 8 Ohm beachtliche, aber meist ausreichende 87 Watt (W) pro Kanal abgegeben, im Burst-Test sogar 98 W. Der kanalgetrennte Aufwand äußert sich in einem ausgezeichnet geringen Übersprechen der Stereokanäle ineinander. Mit –80 dB bei 10 kHz und knapp unter –100 dB bei 1 kHz steht einer optimalen akustischen Bühne nur noch der Lautsprecher und die eigene Raumakustik im Weg. Eine nützliche Zugabe ist der Masseschalter an der Gehäuserückseite. Er erzeugt einen messbaren Unterschied am Spektrumanalyzer und kann damit wirkungsvoll bei Brummproblemen in Verbindung mit dem SuperUniti eingesetzt werden.

Naim SuperUniti im Klangtest

Als reiner Verstärker überzeugte Naims SuperUniti von Beginn an mit kräftigen Snare-Anschlägen und guter Energieverteilung bei rockigen Musiktiteln. Hi-Hats und Becken rückten angenehm nach hinten und ließen Gesangsstimmen Platz zum Atmen. Dies taten sie dann auch ohne übertriebene Sibilantendarstellung. Obertonreiche Instrumente wie Triangeln wirkten zu keiner Zeit vordergründig oder silbrig und selbst komplexere Kompositionen überzeugten mit gehobener Detailzeichnung. Nylonsaiten waren nicht zu spitz, nur eine Sopranstimme bewies in ihrer höchsten Lage eine leichte Strenge. In Verbindung mit ihrer Orgelbegleitung hoben sich beide deutlich voneinander ab, andere Verstärker neigen an dieser Stelle stärker zum Verwaschen. Impulsstarke Klänge, wie sie etwa Kesselpauken liefern, wurden kräftig reproduziert. Die räumliche Darbietung präsentierte sich ebenfalls auf ausgezeichnetem Niveau, was unserer Stepp-Tänzerin viel Raum für ihre Bewegungen ließ. Die sehr ausgeprägte Räumlichkeit ging stellenweise auf Kosten einer nicht konsequenten Durchhörbarkeit im tiefmittigen Bereich, was wir dem SuperUniti aufgrund der sehr breit verteilten Instrumente gerne verzeihen.
■ Text: Torsten Pless & Jens Voigt

Preis und Verfügbarkeit

Den Naim SuperUniti All-in-one-Player gibt es bei autorisierten Naim Fachhändlern zu kaufen. Das hier im Test verwendete Modell kostete zum damaligen Zeitpunkt (2012) einen Preis (UVP) von 4.200 Euro.

Mehr Infos unter: www.naimaudio.com/de/product/superuniti

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 5/2012.

► Lesen Sie hier: Test Klassiker – Vivid Audio Giya G3 Standlautsprecher

AUDIO TEST Magazin Ausgabe 0521 2021 Juni Kopfhörer Test Stax Bowers Review Magazin

+++ Die neue AUDIO TEST Ausgabe ab 18. Juni 2021 überall am Kiosk oder ganz einfach und bequem nach Hause liefern lassen: ► www.heftkaufen.de/audio-test

Oder gleich ein Probe-Abo über die kommenden 4 Ausgaben (August, Oktober, November, Dezember) abschließen: ► www.heftkaufen.de/schnupperabo-audio-test +++

Test Klassiker: Naim SuperUniti (Verstärker/Streamer) - Der All-In-One Super-Player
Der Naim SuperUniti ist nicht nur ein All-in-One-Player mit vielfältigen technischen Möglichkeiten, sondern macht auch bei sämtlichen Musikrichtungen Freude am Hören. Eine klare Kaufempfehlung!
Wiedergabequalität88%
Ausstattung/ Verarbeitung93%
Benutzerfreundlichkeit92%
Preis/ Leistung85%
Vorteile
  • massive Verarbeitung
  • sehr räumliches Klangbild
  • vielfältige Anschlüsse und Funktionen
Nachteile
  • eingeschränkte Playlisten-Funktion
90%Gesamtergebnis
Leserwertung: (11 Votes)
74%

Bildquellen:

  • AUDIO TEST Ausgabe 05/2021: Auerbach Verlag
  • Naim SuperUniti Netzwerkplayer Test: Auerbach Verlag