Wer Wärme in diesen Tagen sucht, muss nicht unbedingt die Heizung aufdrehen (Anm. d. Red.: Dieser Test wurde in den Wintermonaten durchgeführt). Es genügt, sich die F502 Standlautsprecher (koaxial) von Fyne Audio ins Haus zu holen. Wie genau die schottischen Lautsprecher einheizen, verrät unser Test.

Die Lautsprecher von Fyne Audio wurden erst 2018 von uns das erste Mal auf diversen HiFi-Messen gesichtet. Das lässt darauf schließen, dass die schottische Firma noch recht jung ist. Doch trotz ihrer Jugend stecken 200 Jahre Lautsprecher-Erfahrung dahinter. Nein, wir haben es hier nicht mit einem schottischen Gespenst zu tun, das seit 1819 Lautsprecher in seinem Schloss baut. Hinter Fyne Audio steht vielmehr ein siebenköpfiges Team von Sound-Experten, die zuvor bei einem berühmten – hier nicht genannten – englischen Lautsprecherbauer arbeiteten.

Diese Experten bringen zusammen 200 Jahre Erfahrung auf die Klangwaage. Warum die sieben Männer ihren alten Auftraggeber verließen? Sie wollten die Chance nutzen, beste Soundtraditionen fortzuführen und dabei moderne Ansätze und neues Know-how in den Lautsprecherbau einfließen zu lassen. Und wie das gelingt, das schauen wir uns am Beispiel des Fyne Audio F502 an.

Im Testvideo gibt es einen kleinen, aber feinen Ersteindruck der Fyne Audio F502

BassTrax-Reflexsystem

Trotz ihrer mehr als 25 Kilogramm pro Stück kann ein Mann oder eine Frau die F502 allein aufbauen. Karton öffnen, umdrehen, abziehen und schon stehen die Lautsprecher „auf dem Kopf“ da. Schnell die Spikes anschrauben, für die auch Unterlegscheiben beigelegt sind, Lautsprecher herumdrehen und fertig. Bei der Positionierung im Raum machen es uns die Schotten ebenfalls leicht, denn sie verfügen über ein sogenanntes BassTrax-Reflexsystem.

Dabei ist im unteren Bereich ein zum Boden gerichteter Tunnel untergebracht, der in einem Diffusor mit Traktix-Kontur endet. Der Diffusor ist so berechnet, dass er im Tieftonbereich eine gleichmäßige Wellenfront erzeugt. Dank dieser einheitlichen Verteilung der tiefen Frequenzen können wir den Aufstellort der F502 frei wählen. Also frei im Gegensatz zu anderen Lautsprechern, die doch genaue Ansprüche an den Standort stellen, wie etwa Wandabstand, keine Ecke usw.

Optisch macht sich das BassTrax-Reflexsystem durch das Gitter über der Fußplatte bemerkbar. Es verleiht den Fyne Audio Lautsprechern F502 einen lebendigen Auftritt, der sie von vielen Standlautsprecher-Konkurrenten abhebt. Doch das ist nicht der einzige Unterschied gegenüber den anderen. Denn wo ist der Hochtöner versteckt?

Fyne Audio F502 mit Abdeckung Test Review Lautsprecher Box Koax Grill
Wer bei seinen F502 ein schlichtes Äußeres mag, der greift zu den magnetisch haftenden Abdeckungen. Die lassen die Standlautsprecher quasi im Raum „verschwinden“

Koaxial-Lautsprecher

Gut, lange mussten wir den Hochtöner nicht suchen. Schnell machten wir ihn in der Mitte des oberen Tief-Mitteltöners aus. Diese koaxiale Bauweise nennt Fyne IsoFlare-Punktschallquellen-Treiber. Gut, eine laut Theorie echte ideale Punktschallquelle ist es trotz des Namens nicht, aber sie kommt der Sache verdammt nah. Der Druckkammer-Hochtöner besitzt eine 25-Millimeter-Kalotte mit steifer Fasermembran. In Zusammenspiel mit dem Neodymium-Magnet, der hinterlüftenden Druckkammer und der thermisch leitenden Polplatte erreicht das System HiRes- Frequenzen mit bis zu 34 kHz. Die untere Frequenz liegt übrigens bei 30 Hz. Ein Subwoofer ist da praktisch überflüssig.

Für die unteren Mitten sind die zwei 20 Zentimeter messenden Tief-Mitteltöner verantwortlich. Die besitzen eine hauseigene Membran aus Fasermaterial. Die extra von Fyne Audio entwickelte Randeinspannung soll dabei dafür sorgen, dass die Membran Bewegungsenergie optimal aufnimmt und Resonanzen mindert. Die Schotten versprechen einen entsprechend verfärbungsfreien Bass- und Mittenbereich. Die Übergangsfrequenzen des 3-Wege-Systems liegen bei 250 Hz und 1,7 kHz.

Fyne Audio F502 Detailshot Test Review Lautsprecher Box Koax IsoFlare
Mit dem IsoFlare-Punktschallquellen-Treiber sollen die F502 einen wirklich ausgewogenen Frequenzgang mit hoher Abbildungsgenauigkeit realisieren

Rückseitige Ansichten

Auf der Rückseite der Fyne Audio F502 sind, wie nicht anders zu erwarten, die Anschlüsse untergebracht. Diese deuten an, dass die Standlautsprecher Bi-Wiring können. Und diese Andeutung stimmt, denn die Frequenzweiche ist dafür ausgelegt. Des Weiteren können wir den F502 nur die höchste Verarbeitungsqualität bescheinigen. Das ist erstaunlich, da der Paarpreis (UVP) bei gerade einmal 2.000 Euro liegt. Für solch hochwertig gefertigte Lautsprecher mit dieser technischen Bestückung wird in der Regel das Doppelte verlangt.

Wobei, wir wissen ja noch nicht, ob der äußere Schein und die technischen Daten nur viel versprechen und die Lautsprecher im Endeffekt wenig halten. Deshalb schließen wir die Fyne Audio an unseren Referenz-Verstärker an, legen eine Vinyl-Scheibe auf den Plattenspieler und lauschen, wie die Schotten klingen. Als Erstes kommt Led Zeppelin mit dem gleichnamigen Album zum Zug.

Fyne Audio F502 Anschlusspanel Test Review Lautsprecher Box Koax
Über dem Fuß ist das „Gitter“ des nach unten strahlenden BassTraxx zu sehen. Der sorgt für eine ideale Verteilung der tiefen Frequenzen im Raum. Im Test überzeugte uns das Konzept absolut

Good Times Bad Times

Den Titel „Good Times Bad Times“ haben wir wahrscheinlich noch nie mit soviel Lässigkeit gehört wie über die F502. Sie rollen die Band auf einer Bühne aus, vor der wir sitzen und von dort strömt ihr Spiel in den Hörraum. Das Hörgefühl, was sich dabei entwickelt, lässt sich schwer beschreiben. Die Lautsprecher sind unheimlich cool. Das aber bitte nicht wörtlich verstehen. Cool ist hier die Haltung. Sie geben jeden Klang wirklich ehrlich, aber nie analytisch aus. Sie erzeugen stattdessen eine stimmige Hülle aus Wärme und Dynamik, die den Song selbst für Led-Zeppelin-Hasser zu einem musikalischen Genuss macht. Und das muss ein Lautsprecher erstmal schaffen. Dieser Höreindruck manifestiert sich auch beim Rest des Albums.

Wir hören weitere Aufnahmen aus dem Rock- und Pop-Bereich, alles Vinyl und immer mit dem gleichen Ergebnis: Weich, rund, vollmundig und unheimlich lässig. Doch dabei niemals schlampig oder ungenau. Auch Fehler in der Aufnahme verzeihen die F502. Sind beispielsweise Gitarrentöne zu spitz oder scharf abgemischt, dann sind sich die Schotten nicht zu schade, diese Unfeinheiten glattzubügeln, ohne vom originalen Klangbild abzuweichen.

Digital: Warm und weich

Nun hat Vinyl von sich aus viel Wärme im Klang. Da stellen wir uns die Frage, ob auch digitale Medien den F502 diesen Klangcharakter bescheinigen. Doch schon nach den ersten Tönen von unserem hauseigenen Musikserver wird klar: Ja. Wir haben hier absolut musikalisch arbeitende Lautsprecher mit wirklicher Liebe zur Wärme und Lust an Dynamik. Gerade der Bass macht uns dabei immer wieder Freude. So weich und kraftvoll mit schönem Bouquet, wie der Weinfreund sagen würde, hört man ihn selten. Und wir haben ja schon wirklich viele Lautsprecher hier in unseren Testräumen gehört.

Klassik beweisen

Zum Schluss unseres Hörtests müssen wir aber noch die Königsdisziplin bemühen, in der sich jeder Lautsprecher schlussendlich beweist: die Klassik. Wir suchen passend zur Jahreszeit „Schuberts Winterreise“ heraus. Hier zimmern die F502 schnell einen Raum aus der Romantik zwischen sich. Sie stellen ein Klavier hinein und daneben den Bariton, der uns die melancholischen Worte von „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus“ zuruft. Eine nahezu perfekte Bühne.

Wir wechseln von den saften Schubert-Tönen hin zu den kraftvollen Klängen des „Vorboten des Frühlings – Tanz der jungen Mädchen“ von Strawinsky. Und hier laufen die Fyne Audio F502 zur Höchstform auf. Die hämmernden Streicher haben wir noch nie mit so viel Wucht und Agilität gehört. Wir garantieren, dass Fans des Stückes garantiert Freudentränen in die Augen schießen. Mitreißender kann der Frühlingsreigen wahrscheinlich nicht interpretiert werden. Hier liefern die Schotten dank des saftigen Basses eine berauschende Leistung ab. Hin und wieder würden wir uns dabei gleichzeitig noch ein wenig mehr Brillanz und damit Rauminformationen wünschen. Für diese Preisklasse ist die Performance aber mehr als überzeugend.

Weitere Informationen: www.tad-audiovertrieb.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 1/2020.

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Test: Fyne Audio F502 Standlautsprecher - Wärme aus der Box
Die F502 gehören zur Mittelklasse im Portfolio der schottischen Lautsprecherbauer. Doch musikalisch spielen sie in der Oberklasse. Für 2 000 Euro das Paar bekommen wir hier Standlautsprecher, die mit Wärme, Dynamik und Musikalität glänzen. Von dem saftigen Bass ganz zu schweigen. Gerade wer gern und viel Musik hört, ist mit diesen Fyne bestens beraten.
Wiedergabequalität88%
Ausstattunmg/Verarbeitung80%
Benutzerfreundlichkeit70%
Preis/Leistung80%
Vorteile
  • perfekter Bass
  • weicher, vollmundiger Sound
  • hohe Musikalität
Nachteile
  • Klang nicht neutral, sondern färbend
85%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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Bildquellen:

  • Fyne Audio F502 mit Abdeckung: Auerbach Verlag
  • Fyne Audio F502 Detailshot: Auerbach Verlag
  • Fyne Audio F502 Anschlusspanel: Auerbach Verlag
  • Fyne Audio F502: Auerbach Verlag