Canton schafft es immer wieder, uns die Grenzen des Möglichen hinterfragen zu lassen. Von der Soundbar bis zum Atmos-Setup – klangliche Perfektion und immersive Illusionen gehen bei den Hessen Hand in Hand. Wir haben mit dem Kompaktlautsprecher Canton Smart Vento 3 nun die neueste Lautsprecherkreation von Entwickler Frank Göbl ins Testlabor geladen.

Wie so ziemlich jeder Bereich des menschlichen Lebens, durchläuft auch die Unterhaltungselektronik, und mit ihr auch die HiFi-Kultur, eine technische Revolution. Nicht nur die zunehmend jüngeren Endverbraucher stellen zeitgemäße Anforderungen an den Markt, auch eingefleischte HiFi-Enthusiasten erkennen immer mehr die unbestreitbaren Vorteile kontemporärkonzipierter und entwickelter Produkte. Universelle und dennoch einfache Bedienbarkeit, unkomplizierte Ansteuerung einzelner Geräte ohne großes Kabel-Wirrwarr und vor allem eine flexible Zusammenstellung individueller Arrangements spielen eine immer größere Rolle bei der Kaufentscheidung. Auch bei den oft anspruchsvolleren, hochfidelen Kunden. Und da Kunde nicht von „kaufen“ sondern von „erkunden“ kommt, sehen sich Hersteller mit immer größeren Erwartungen konfrontiert. Features sind heute kaum weniger wichtig, als technische Daten. Und da sich diese dank immer besser werdender DSPs und zunehmend hochfideler Übertragunsraten auch nicht mehr verstecken müssen, kommt so manch ein kompaktes All-In-One-Gerät mit einer Performance daher, die sich mitunter mit der einer audiophilen Gerätekette messen kann. Somit stehen viele Hersteller vor der Herausforderung, nicht nur klangliche, bauliche und ästhetische Qualitäten zu optimieren, sondern alles gleichzeitig bequemer, flexibler und smarter zu entwickeln, und dabei schneller und günstiger zu produzieren, um einen höheren Output an den Tag zu legen. Denn wer in einer schnelllebigen Zeit, wie unserer, nicht regelmäßig nachlegen kann, gerät schnell in Vergessenheit und läuft Gefahr, den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren. Für den einen oder anderen mag dies ein wenig fatalistisch erscheinen. Doch wer sich mal mit den Akteuren der Szene unterhält, wird feststellen, dass wir schnurstracks auf immer unwägbarere Marktverhältnisse zusteuern. Frank Göbl, Technical Director bei Canton, kann zum Beispiel ein Lied davon singen, wie es ist, als Lautsprecherhersteller immer komplexeren Anforderungen entsprechen zu wollen. Es bedeutet Arbeit. Sehr viel Arbeit. Und da gehört ein Ausflug nach Leipzig in die Redaktionsräume der AUDIO TEST hoffentlich zu den angenehmeren Terminen einer übervollen To-Do-Liste.

Canton Smart Vento 3 Testbericht
Das Anschlussterminal des hier abgebildeten Master-Lautsprechers unterscheidet sich nur durch den USB-B-Anschluss

Vento goes Smart

Frank Göbl hat den Weg aus Weilrod zu uns mit der Mission auf sich genommen, uns zu präsentieren, wie etwas sehr gutes noch besser sein kann. Denn Lautsprecher mit dem Namen Canton Vento haben wir bereits kennenlernen dürfen, als wir im Schweiße unseres Angesichts ganze zehn Lautsprecher zu einer umwerfenden Dolby-Atmos-Installation formierten. In AUDIO TEST Ausgabe 07/2017 können Sie gerne en Détail nachlesen, weshalb die Einrichtung dieses Setups durchaus ein paar Stündchen in Anspruch nahm. Das ansehnliche Verlegen von knapp einem Dutzend Kabel spielte dabei keine unerhebliche Rolle. Wo wir wieder beim Eingangs angeschnittenen Zeitgeist wären, der nun auch durch Cantons Produktionsstätten spukt. Denn zwei Modelle der Vento-Kollektion tragen nun stolz den Titel „Smart“ in ihrer Anrede und smart heißt nicht zuletzt auch drahtlos – bei Bedarf. Zu diesem Zweck verfügt der Kompaktlautsprecher Smart Vento 3 über ein ein komplexes DSP-Modul, wie es in etwa auch beim Master-Speaker von Cantons GLE 496.2 BT Verwendung findet.

Same but different

Lediglich in der Bestückung des Anschlussinterfaces lassen sich einige Unterschiede verzeichnen. Während der Master GLE 496.2 BT noch über drei HDMI-Eingänge und einen HDMI-Ausgang verfügt, wird dieses Format beim Smart Vento komplett vernachlässigt. Denn hierfür soll künftig ein Gerät namens Canton Connect zum Einsatz kommen, welches mit Cloud-Content-Anbindung und Multiroom-Control die Kompetenzen der Smart Ventos nochmals erweitert. Auch deshalb ist jeder Lautsprecher der Smart Vento-Reihe mit einem eigenen Verstärker ausgestattet. Somit kommt jeder Kompaktlautsprecher mit 350 Watt Spitzenleistung auf die Kraft eines Stereopaares GLE 496.2 BT, bei denen der aktive Master über ein Speakon-Kabel an den Slave weitergibt. Für die Einrichtung des Smart Vento 3 empfiehlt sich daher jedoch eine kurze Konsultation der Bedienungsanleitung. Denn zur Kommunikation mit dem Lautsprecher stehen uns nur drei Tasten und drei Lettern auf einem kleinen LCD-Bildschirm zur Verfügung. Hat man unter den mannigfachen Menüs das entsprechende gefunden, lässt sich dem Master unkompliziert seine Rolle zuweisen – in unserem Falle vorne links. Wählt man nun den nächsten Lautsprecher – vorne rechts – und schaltet diesen jetzt ein, verbindet er sich sofort und wartet nun auf „Befehle“ vom Master-Speaker. Das war’s. Zugegeben – die Einrichtung eines Stereopaares geht in der Regel schnell von der Hand. Doch da sich die Smart Vento-Lautsprecher auch in größere Mehrkanal-Setups zusammenfügen lassen, wird sich diese absolut kinderleichte Installation noch einmal auszahlen, wie Sie in der Ausgabe 03/19 der AUDIO TEST erfahren werden (bzw. schon haben) dann am Beispiel der Smart Vento 9.

Individuell anpassbar

Unser Stereopaar ist jetzt zwar einsatzbereit, allerdings empfiehlt es sich im Menü DST (Distance) die Entfernungen der Lautsprecher zum Hörplatz einzustellen. So wird sichergestellt, dass das Stereo-Panorama auch auf den Sweet-Spot ausgerichtet ist. Alle vorgenommenen Einstellungen lassen sich übrigens in Presets abspeichern. Dafür muss lediglich eine der drei Options-Tasten auf der mitgelieferten Fernbedienung gedrückt gehalten werden. Neben den DST-Einstellungen können auch verschiedene Equalizer gespeichert werden. Eine weitere Möglichkeit zur Klangoptimierung findet sich im DRC-Menü. DRC steht für Dynamic Range Control und ist eine Option von Dolby Laboratories. Codierte Signale können hier etwas komprimiert werden. Soll heißen, dass Lautstärkeunterschiede ausgeglichen werden – Leise Töne werden etwas angehoben, laute Momente werden etwas abgesenkt. Des Weiteren lässt sich eine Phasenkorrektur eines optionalen Funk-Subwoofers vornehmen und im Menüpunkt VOI lässt sich die Sprachverständlichkeit bei Filmen verbessern. Sollten Bild und Ton hier asynchron sein, lässt sich das über die Lipsync-Funktion beheben. Ein integrierter Limiter kann die Ausgabelautstärke begrenzen und ein Sleep-Timer versetzt den Smart Vento 3 nach einer gewünschten Zeit automatisch in den Stand-by-Modus. Dies ist nur eine Auswahl der mannigfachen Einstellungsoptionen des Lautsprechers, der sich offensichtlich auf jede Bedürfnislage zuschneiden lässt.

Canton Smart Vento 3
Der DSP des Smart Vento 3 ist nahezu baugleich mit dem Prozessor, welcher im Standlautsprecher GLE 496.2 Verwendung findet

Canton Smart Vento 3 = Klangstark

Wir verspüren nun das große Bedürfnis, endlich zum praktischen Teil des Tests überzugehen und koppeln den Master unseres Stereopaares via Lichtleiterkabel mit dem Blu-Ray-Player CXUHD von Cambridge Audio. Dieser soll aber vorerst als Netzwerkstreamer dienen, sodass wir uns vom Redaktionsserver den Titel „Lazarus“ von David Bowies letzten Album „Blackstar“ zu Gemüte führen können. Der düster-melancholische Titel erklingt sehr kraftvoll und einnehmend aus dem Kompaktlautsprecher Smart Vento 3. Der Zwei-Wege-Speaker zeichnet ein ungeheuer muskulöses Klangbild. Bassgitarre und Bass-Drum werden sehr voluminös akzentuiert wiedergegeben. Das Zusammenspiel zwischen 18 Zentimeter (cm) Titanium-Treiber und dem rückseitig verbauten Bassrefex sorgen für überaus lebendige Tiefen, die man dem 40 cm hohen Schallwandler auf den ersten Blick gar nicht zugetraut hätte. Laut Hersteller reicht die Tieftonabteilung des Smart Vento bis 25 Hertz (Hz) hinab. Bei 3 000 Hz übernimmt der 2,5 cm weite Hochtöner mit Keramik-Kalotte. So fundiert und scharf umrissen sich die Wiedergabe der Bässe gestaltet, so fein aufgelöst und klar artikuliert erklingen in den oberen Frequenzbändern die Transienten von Stimme und Bläsern. Der Smart Vento stellt hier sofort klar, dass sich heutzutage moderne Ausstattung und audiophile Performance bei aktiven Lautsprechern absolut überzeugend zusammenbringen lassen. Raumfüllend und zugleich mit ungemein viel Fingerspitzengefühl weiß der Smart Vento 3 aufzuspielen. Dieser Lautsprecher ist durchaus nichts für zwischendurch, sondern eine kraftvolle Klangmaschine. Mit dem Flume Remix von Disclosures „You & Me“ lässt sich diese Feststellung nur einmal mehr dick unterstreichen. Dynamisch und voller Vitalität gibt der Smart Vento den Titel zum Besten. Dabei hat er selbst bei hoher Lautstärke die Ruhe weg und saugt uns erfolgreich in eine immersive Klangblase ein. Der Regallautsprecher Smart Vento 3 zeigt sich als Meister der Räumlichkeit. Das gesamte Panorama wirkt sehr sorgfältig ausgestaltet. Die genaue Einstellung des Lautsprechers auf unsere Hörposition scheint Rechnung zu tragen.

Canton Smart Vento 3 Testbericht
Die drei Optionstasten bieten die Möglichkeit, persönliche Einstellungen als Presets abzuspeichern

Die perfekte Illusion

Noch eindrucksvoller stellt er dies bei der Wiedergabe von Filmton unter Beweis. Das Pod Race aus „Star Wars Episode I“ wird im DTS-Format vom CXUHD an den Smart Vento 3 weitergegeben. Dort wird es decodiert und als Stereosignal in den Hörraum übertragen. Wählt man nun jedoch den Wiedergabemodus „Movie“ so weitet das Lautsprecherpaar das Klangbild auf die volle Breite des Raumes. Der Abstrahlwinkel der beiden Speaker scheint nun 180 Grad zu betragen. Links und rechts werden nicht mehr durch die Klanggeber markiert, sondern erklingen tatsächlich auf der horizontalen Achse des Sweet-Spots. Wir fühlen wir uns an den Test des GLE 496.2 BT erinnert, welcher uns eine ähnlich beeindruckende Klangerfahrung bescherte. Was Frank Göbl hier aus dem Kompaktlautsprecher Smart Vento 3 herausholt, ist schier unglaublich. Und dabei haben wir die beiden Testmuster noch nicht auf ihre Mehrkanaltauglichkeit hin überprüft. Das folgt dann demnächst hier auf www.likehifi.de der kommenden Ausgabe der AUDIO TEST, wenn wir Ihnen davon berichten, was ein 4.0-Arrangement aus den kompakten Smart Vento 3 und zwei Standlautsprechern Smart Vento 9 so auf die Matte bringt. Fortsetzung folgt!

Weitere Informationen finden Sie unter www.canton.de

Anmerkung: Dieser Test erschien ursprünglich in AUDIO TEST Ausgabe 2/19.

Test: Canton Smart Vento 3 - Von Zeitgeist und Raumklang, Teil I.
So klingt die Zukunft! Und die Zukunft ist glücklicherweise nicht morgen, sondern jetzt. Anders lässt sich kaum beschreiben, was Canton mit dem aktiven Kompaktlautsprecher Smart Vento 3 erfolgreich zu vermitteln ver- sucht. Klanglich von höchster Güte – raumfüllend und kraftvoll. Und was die technische Ausstattung angeht, ist der „kleine“ Smart Vento ebenfalls auf dem aktuellsten Stand der Dinge. Vielseitigkeit, Raffinesse und Individualität heißen hier die Zauberwörter.
Wiedergabequalität91%
Ausstattung/Verarbeitung100%
Benutzerfreundlichkeit90%
Preis-/Leistungsverhältnis80%
Vorteile
  • herausragende Klangqualität
  • beeindruckende Räumlichkeit in verschiedenen Wiedergabemodi
91%Gesamtergebnis
Leserwertung: (16 Votes)
51%

Bildquellen:

  • Canton Smart Vento 3: Bild: Auerbach Verlag
  • Canton Smart Vento 3: Bild: Auerbach Verlag
  • Canton Remote: Bild: Auerbach Verlag