Pures Hörvergnügen

Von Beginn an schaffte es Transrotor, Hörvergnügen und Optik in Einklang zu bringen. Immerhin erschuf Räke HiFi schon 1976 die Urform des Acrylplattenspielers. 41 Jahre später steht nun der Transrotor Massimo in unserem Hörraum. Wir sind gespannt, welche Klänge das neueste Gerät aus dem Bergischen Land hervorzuzaubern vermag.

Wenn es um Schallplattenspieler im Luxussegment geht, dann verbindet man damit sehr oft gewichtiges Design und ausladende, platzfordernde Geschöpfe. Dabei taucht ein Name unweigerlich auf: Transrotor. Die Vinyldreher aus dem Bergischen Land haben seit jeher einen hervorragenden Ruf und wagen es, in puncto Design immer wieder neue Wege zu gehen. So baute Räke HiFi etwa den legendären Quintessence. Ihn trieben drei in Sternenform angeordnete Motoren an. Auch der nun bei uns angekommene Massimo kann mit mehreren Motoren bestückt werden. Wobei wir ein Testobjekt mit zwei separaten Motoren im Testraum aufbauen durften.

Aller Anfang ist schwer

Aller Anfang ist schwer, das gilt für den Transrotor Massimo im doppelten Sinn. Zunächst haben wir da die Bauteile. Sie wiegen zusammen mehr als zehnjähriges Kind. Allein der Plattenteller aus massivem Aluminium kommt auf 15 Kilogramm. Das Motorsteuergerät, an dem bis zu drei Motoren betrieben werden können, kommt auf fünf Kilogramm und das Lager mehr als 20 Kilogramm. Da ist schon allein aufgrund des Gewichts, eine Erschütterung des Plattenspielers so gut wie ausgeschlossen. Doch nicht nur die 40 Kilogramm Masse machen den Anfang schwer. Auch das Zusammenbauen erfordert Energie und Geduld – willkommen zurück in der analogen Welt!

Der Massimo ist kein Vinyldreher, der einfach spielbereit aus der Kiste genommen werden kann. Nein, wir müssen ihn erst kennenlernen und uns mit ihm beschäftigen. Dafür sorgt nämlich der Aufbau. Wir schmieren mit dem mitgelieferten Öl die Welle des Plattenlagers ein, tarieren das Masselaufwerk sowie die beiden Motoren mit der Wasserwaage aus, verbinden die Riemen mit dem Plattenlager, setzten den Drehteller auf und so weiter.

Transrotor Massimo Antrieb

Die Welle des Transrotor Massimo Motors und der Riemen werden mit einem Deckel geschützt, so wirkt das ganze System geschlossener

Eine gute Dreiviertelstunde sind wir allein mit Auspacken und Aufbau beschäftigt. Die Auflagekraft haben wir da noch nicht eingestellt. Das dauert ebenfalls seine Zeit und schon ist eine gute Stunde um. Und verlieben uns nach und nach mehr in Material und Komponenten des Massimo. Doch der relativ langwierige Aufbau hat seine guten Seiten. Wir lernen das Masse-Laufwerk, den Tonarm und die Antriebseinheit sehr gut kennen. Sollten Probleme auftauchen, können wir selbst die Ursachen suchen. Allerdings dürften die sich, bei der hochwertigen und auf Langlebigkeit getrimmten Verarbeitung kaum einstellen. Daneben stellt sich durch den anspruchsvollen Zusammenbau eine emotionale Verbindung mit dem Gerät ein. Wir haben immerhin viel Zeit und Energie hineininvestiert.

Transrotor Massimo – Augenweide fürs Wohnzimmer

Wie es die Hersteller hochwertiger HiFi-Komponenten gerne tun, so legt auch Transrotor Handschuhe für den Aufbau bei. Beim Massimo sind sie besonders wichtig, da fast alle Komponenten aus massivem Aluminium gefertigt und auf Hochglanz poliert sind. Daher rührt zum einen das Gewicht und zum anderen die Anfälligkeit für Fingerabdrücke aller Art. Doch ist er erst aufgebaut und eingestellt, ist der Massimo wirklich eine Augenweide.

Unter dem Design-Aspekt können Transrotor wirklich nur wenige Hersteller das Wasser reichen. Von den hervorragenden Materialien und deren Verarbeitung wollen wir hier nur als Beispiel die Steuereinheit anführen. Sie reguliert die Spannungsversorgung und Geschwindigkeit der Motoren. Andere Hersteller neigen dazu, dieses Gerät beim Design zu vernachlässigen. Es wirkt dann, wie etwas Fremdes, Dazugestelltes. Transrotor macht das erfrischend anders: Das fünf Kilogramm schwere Gerät ist mit 17,5 × 33 × 7,5 Zentimeter großzügig dimensioniert und sieht absolut passend aus.

Die breiten Kühlrippen leiten extrem gut die Wärme ab. Wir konnten nach mehreren Stunden Betrieb nur eine minimale Temperaturerhöhung an der Unterseite der Steuereinheit messen. Das kühle Metall des mittigen Steuerknopfs fühlt sich nicht nur hochwertig an, es erlaubt auch den einfachen Wechsel der Geschwindigkeit von 33 1/3 zu 45 Umdrehungen pro Minute und zurück. Nur der auf der Rückseite befindliche Netzschalter ist aufgrund seiner Position nicht ideal zu erreichen. Hier hätten wir uns eine Lösung gewünscht, die besser zur restlichen Optik passt.

Transrotor Massimo Motorsteuergerät

Auf der Rückseite des Motorsteuergerätes Konstant FMD Massimo sind die drei Anschlüsse für die Motoren zu erkennen. Der Netzschalter ist links und wirkt etwas deplatzier. Der einzige „Fehler“, dem wir beim Transrotor Massimo ausmachen können

Perfekt im Duett

An unserem Testmodell ist der Tonarm SME 5009 montiert. Natürlich lassen sich auch andere Tonarme am Gerät befestigen und das sogar parallel. Bis zu vier (!) können montiert werden. Der 5009 genügt uns schon allein, denn er ist eine Klasse für sich. Er besteht aus Magnesium, ist extrem leicht und erlaubt es dem Tonabnehmer absolut präzise und ohne unangenehme Beeinflussungen der Rille zu folgen. Er geht wahrlich an die Grenze des technisch Machbaren. Kombiniert wird er mit dem Tonabnehmer Merlo Reference. Das MC-System basiert auf dem Elite des britischen HiFi-Pioniers Goldring. Sein Harmonic-Diamantschliff soll eine ungeheure Räumlichkeit bei der Wiedergabe erlauben. Außerdem steht der Tonabnehmer für eine nahezu perfekte Detailauflösung. Ob das wirklich stimmt, werden wir sofort im Klangtest erfahren.

Transrotor Massimo Tonarm

Im Vordergrund das Einstellrädchen fürs Antiskating. Der Tonarm SME 5009 gehört zu den Spitzenmodellen und ist beim Transrotor Massimo montiert

Leise, leiser, lautlos

Wie schon erwähnt, wird der Transrotor Massimo über den Powerknopf an der Rückseite des Motorsteuergerätes in Gang gebracht. Hierbei erleben wir schon die erste Überraschung. Wir hören nichts. Klar, die Nadel ist noch nicht auf der Platte. Was wir aber meinen ist: Die Motoren, das Steuergerät, der Plattenteller – nichts gibt irgendein Geräusch von sich, kein Brummen, kein Schnurren – wirklich absolute Stille. Da bleibt der HiFi-Freund selbst in den leisesten Passagen eines Klassikkonzerts ungestört. Aber wir wollen ja nicht nichts hören, wir wollen den Massimo zum Klingen bringen.

Preis: Derzeit nicht verfügbar
Deshalb setzen wir die Nadel auf die LP „Human Impressions“ von Thomas Siffling & The Public Sound Office, veröffentlicht beim Label Phazz-a-delic. Sanfter Jazzsound wird hier mit modernen Drum-Sounds und sogar Hip-Hop-Elementen vermischt. Alles klingt sehr plastisch und lebendig. Wie schon erwähnt, profitieren die leisen Passagen von der absoluten Laufruhe des Massimo. Der gesamte Klang ist wahnsinnig detailliert. Ja, er könnte fast an eine SACD erinnern, wäre da nicht die tolle analoge Wärme. Kurzum, der Massimo klingt, als hätten eine High-Res-Datei und eine Langspielplatte ein Kind gezeugt und dem hören wir gerade zu.

 

Schwankungen? Mit dem Transrotor Massimo niemals!

Während wir den Klängen von Thomas Siffling & The Public Sound Office lauschen, testen wir gleich mal, wie resistent das System gegen Störungen ist. Kraftvolles Herumtrampeln vor dem Regal, auf dem der Transrotor steht, bringt ihn nicht aus der Ruhe. Auch als wir einen der Riemen kurz festhalten und daran sanft ziehen, passiert nichts. Der Plattenteller dreht sich aufgrund seiner hohen Masse und der damit verbundenen Trägheit unbeeindruckt weiter. Gleichlaufschwankungen gibt es mit dem Massimo nicht. Ruckler und Resonanzen sind Fehlanzeige. Bei unserer nächsten Testschallplatte, darf es ruhig lauter werden.

Wir legen „Hotel California“ von den Eagles auf. Wie wir es nicht anders erwartet haben, weiß der Massimo auch rockigere Töne mit Bravour wiederzugeben. Wieder ertönt ein toller, hoch aufgelöster Stereosound. Die Bässe sind kraftvoll und voluminös, die Drums knackig und die rockigen Gitarren und feinen Snares runden das Gesamtbild perfekt ab. Als wäre eine vergessene Zeit neu belebt wurden, doch diesmal noch lebendiger und echter. Wir entdecken tatsächlich neue Facetten in Tönen und Zwischentönen des Klassikers. Beste Detailwiedergabe und perfekte Räumlichkeit mit analoger Wärme, das realisiert der Transrotor Massimo als wäre es ein Kinderspiel.

Weitere Informationen unter: www.transrotor.de

Test: Transrotor Massimo - Pures Hörvergnügen
High-End-Plattenklang in der Luxusklasse, dafür steht der Transrotor Massimo. Er geht dabei keine Kompromisse ein. Die Materialien sind extrem hochwertig, die Verarbeitung auf absolutem Top-Niveau und die Bedienbarkeit tadellos. Vielleicht ist der Aufbau ein wenig aufwendig, aber dafür lernen wir das Gerät gut kennen.
Wiedergabequalität98%
Ausstattung/ Verarbeitung100%
Benutzerfreundlichkeit93%
Vorteile
  • Klang auf Topniveau
  • perfekter Gleichlauf
  • sehr hochwertige Verarbeitung und Materialien
Nachteile
  • Netzschalter etwas ungünstig positioniert
96%Gesamtwertung
Leserwertung: (1 Judge)
100%

Über den Autor

Thomas Kirsche

ist Hörspielmacher, Autor und Journalist. Ob beim Geräusche machen, Musik für ein Hörspiel abmischen oder die beste EQ-Einstellung für den Sound einer Stimme finden, immer ist er auf der Suche nach dem richtigen Klang. Beim Verfassen von Testberichten nimmt er mit Vorliebe die Perspektive des Hörers bzw. Nutzers ein. So zählen für ihn Klang und Bedienbarkeit viel mehr als emotionslose Messdaten.

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