Einen Kritiker zu überzeugen, der seit Jahren nichts anderes macht, als verschiedenste Lautsprecher zu hören. Das ist hohe Kunst.

Dort anfangen, wo andere aufhören

Das 1972 von Mo Iqbal in Cambridge gegründete Unternehmen Monitor Audio Ltd. genießt bei Liebhabern und Insidern seit vielen Jahren einen exzellenten Ruf und wird immer wieder, vor allem in einschlägigen Foren, als heißer Tipp gehandelt. 

Bisher hatten wir aus der Redaktion die Briten noch gar nicht so richtig auf dem Schirm, denn um die Marke war es die letzten 10 Jahre etwas still geworden, was vermutlich auch etwas damit zu tun hat, dass die Verantwortung für den Deutschland-Vertrieb in der Vergangenheit mehrfach wechselte. Nun, so scheint es, kommt sowohl wieder etwas Ruhe und Stabilität ins Geschäft, aber gleichzeitig auch neues, unverbrauchtes Engagement in eine Marke, die zu unrecht noch viel zu wenig Aufmerksamkeit genießt. Immerhin kann man Monitor Audio als den Erfinder des Metallchassis bezeichnen und auch heute noch werden alle Chassis nicht nur in England selbst entwickelt, sondern auch selber hergestellt. Be- sonders die Eigenkonstruktionen im Tief-Mitteltonbereich sind hier positiv hervorzuheben. Günstige Fremdimporte findet man beim englischen Traditionsunternehmen nicht.

Sowohl Hoch- als auch Mitteltöner werden von einem Wave-Guide gerahmt. Der empfindliche MPD-Folienhochtöner ist zusätzlich hinter einem stabilen Gitter geschützt

Das High-End Flaggschiff aus dem HiFi-Sortiment von Monitor Audio dürfte die Platinum-Serie sein. Der Verkaufsschlager aber ist die für ambitionierte Einsteiger interessante Silver-Serie. Preislich direkt dazwischen ist die neue Gold-Serie verortet, aus der wir das größte Exemplar, die Gold 300 zum Test zur Verfügung gestellt bekommen haben. Es ist die 5. Generation der Gold mittlerweile. Innovation, Tradition und Reinkarnation bei gleichzeitigem Streben nach dem Absoluten sind also weder Gegensatz noch Utopie, wie Monitor Audio unter Beweis stellt. Und was sind nun die ausschlaggebenden Unterschiede zwischen der Silver und Gold-Variante? Das Mittendrin-Gefühl. Die Gold verspricht mehr Auflösung und soll präsenter klingen. Was steckt dahinter? Wir blicken kurz auf die Technik.

Technik

Für die Frequenzweiche der Gold 300 wurden potente Stahlkernspulen und aufwändige Polypropylen-Kondensatoren kombiniert. Die Innenverkabelung aus versilbertem PureFlow OFC-Kupfer gehört ebenso in die Kategorie „kompromisslos“. Das Gehäuse – in unserem Fall aus satiniertem, weißen MDF – wirkt wertig und sauber verarbeitet. Natürlich sind auch Echtholz-Furniere oder alternativ auch schwarzer Pianolack verfügbar. Anschlussseitig präsentieren sich die Boxen startklar für Bi-Wiring und Bi-Amping, was allerdings vermutlich eher dem englischen Markt geschuldet ist, wo diese Methode eine hohe Akzeptanz genießt. Der deutsche Hörer schwört dagegen oft auf die einfache Variante, deshalb sind natürlich auch Brücken dabei und diese sind sogar schon vormontiert.

Monitor Audio Gold 300 Rückseite
Bi-Wiring gehört in Großbritannien zum guten Ton, Brücken sind aber vormontiert

Der Lautsprecher präsentiert mit einem Frequenzgang von 30 Hertz bis 50 Kilohertz bei -6 dB Grenzfrequenzen und einem Wirkungsgrad von 90 dB stattliche Werte und verspricht auch an kleinen Verstärkern gesunde Lautstärken und ein weites, offenes Klangbild. Allerdings sollte der Spielpartner eher autoritärer Natur sein und ein bisschen Grip mitbringen, um die Chassis perfekt zu kontrollieren, denn diese sind anspruchsvoll in ihrer Quellqualität, was als Gütemerkmal zu verstehen ist. Der ultraleichte MPD-Folienhochtöner und der Mittentreiber sind in einem Druckgusskörper vom Rest des Gehäuses isoliert und mit Wave-Guides versehen. Im Vergleich zur Vorgänger-Variante sind die akustischen Zentren der Mitten und Höhen nochmals um 50 % näher aneinander gerückt. Der 2,5″ Mitten- und die 2×8″ Basstreiber bestehen aus dem selben Material: einem mit Keramik beschichtetem Aluminium-Magnesium-Verbundstoff in Wabenstruktur. Die Rückseite der Membran ist zudem mit einer gewebten Karbonfaser beschichtet. Diese Kombination verhilft ihnen zu herausragender Steifigkeit bei geringem Gewicht. Neben den verwendeten, für Monitor Audio typischen Metallmembranen fällt vor allem auf, dass die Sicken invertiert, also nach innen, statt nach außen gewölbt sind. Die Abstimmung der Treiber erfolgte dabei so, dass eine lineare Auslenkung bis 11 Millimeter gewährleistet wird. Das ist doppelt so viel, wie noch beim Vorgänger! So langsam dämmert uns voller Ehrfurcht vor der Leistung der Ingenieure, wohin die Reise gehen wird. Erst recht, wenn man sich die ein oder andere technische Zeichnung der Entwickler anschaut, die sich diese exquisiten Treiber ausgedacht haben. Also auf zum spannenden Teil, dem Praxischeck.

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Bildquellen:

  • Monitor Audio Gold 300 Treiber: Johannes Strom
  • Monitor Audio Gold 300 Rückseite: Johannes Strom
  • Monitor Audio Gold 300 Füße: Johannes Strom
  • Monitor Audio Gold 300 Bassreflex: Johannes Strom
  • Monitor Audio Gold 300: Johannes Strom