Nicht viele Lautsprecher dürfen bei uns eine Ehrenrunde drehen. Die Kompaktlautsprecher Oberon 1 und 3 von Dali haben uns aber in unserem Surround-Spezial so gut gefallen, dass wir Sie noch mal sozusagen in der Pole Position als Stereopaare testen wollten. Wie  sich die Regallautsprecher von Dali geschlagen haben, lesen Sie hier im Test.

Dali steht für Danish Audiophile Loudspeaker Industries. Die in Nørager, einem beschaulichen Örtchen im Norden von Jütland, ansässige Firma kann mittlerweile auf mehr als 35 Jahre Erfahrung im Lautsprecherbau zurückblicken und entwickelt und fertigt – bis auf wenige Ausnahmen – alle seine Lautsprecher mit seinem über 100 Mitarbeiter starken Team direkt in Dänemark. Ganz ursprünglich hat sich Dali aus der bekannten skandinavischen HiFi-Fachandelskette „Hi-Fi Klubben“ entwickelt. Deren Gründer Peter Lyngdorf sah die Bedürfnisse seiner Kunden zunehmend durch andere Hersteller unerfüllt und beschloss daraufhin die Sache lieber selber in die Hand zu nehmen. Das führte dann 1983 zur Gründung von Dali und anscheinend wissen die Dänen wirklich was Freunde des gepflegten Klangs so wollen. Man bleibt schließlich nicht ohne Grund dreieinhalb Dekaden am Markt.

So wundert es auch wenig, dass das Sortiment von Dali recht breit aufgestellt ist. Von High-End-Standlautsprechern, über extrem günstigen Regallautsprecher, bis hin zu Bluetooth-Lautsprechern und Kopfhörern findet man hier alles. Die Dali Oberon Serie ist immer noch im Einsteigerbereich anzusiedeln, liegt aber preislich noch etwas über den Modellen der Spektor Serie und bietet dafür auch in technischer Hinsicht mehr. Neben unseren Testkandidaten besteht die Oberon Reihe noch aus den Standlautsprechern Oberon 7 und Oberon 5, sowie dem Center Lautsprecher Oberon Vokal und dem Oberon On-Wall. Zusammen mit der Oberon 7 und dem Oberon Vokal wahren unsere Testprobanden schon in der letzten Ausgabe von AUDIO TEST (Nummer 06/19) als Teil eines monolythischen Dolby Atmos 7.1.4-Systems inklusive Subwoofer und Höhenlautsprechern – ebenfalls von Dali – zu Gast. Die Kombination hat uns so überzeugt, das wir es direkt zum Anlass genommen haben, für unser Kompakt-HiFi-Spezial nochmal zu überprüfen, wie sich die beiden kleinsten Oberon Modelle denn so ohne ihre großen Dali Geschwister schlagen. Und so viel sei schon mal verraten: die beiden kommen auch sehr gut alleine klar.

Dali Oberon 1 und 3 Hochtöner  Test Lautsprecher Review Speaker
Bei den Hochtönern setzt Dali auf Treiber mit 29mm Gewebekalotten die sich durch das besonders niedrige Gewicht des Membranmaterials auszeichnen

Geteilte DNA

Wenig überraschend teilen sich die Dali Oberon 1 und 3 nicht nur in techni- scher Hinsicht diverse Merkmale, man sieht ihnen ihre Verwandtschaft natürlich auch an. Die Erscheinung der Oberons ist ganz im Geiste des skandinavischen Designs gehalten. Mit montierter Frontabdeckung aus strukturiertem Stoff versprühen sie auch eine gute Portion Hygge. Hätten wir nicht schon mal in die Preisliste gespickt, hätten wir die Oberon rein optisch auf jeden Fall teurer geschätzt, als sie sind.

Diese Aura von Hochwertigkeit ist natürlich auch der Verarbeitungsqualität der Dänen geschuldet. Versenkte Inbusschrauben, geringe Spaltmaße, hier gibt es nichts zu meckern. Und obwohl wir wissen, dass die Gehäuse aus MDF gefertigt werden, hätte uns der Folienbezug aus Vinyl in Esche-Optik fast hinters Licht geführt. Neben der schwarzen Ausführung unserer Testexemplare stehen übrigens noch die Farboptionen: Eiche-Hell und Wal- nuss-Dunkel, sowie das gute alte Weiß zur Auswahl, wobei letzteres ohne Holzstruktur auskommt. Die Schallwände sind entweder matt schwarz oder weiß lackiert. Die hellen Farboptionen kommen dabei mit grauen Stoffblenden, während die dunklen Varianten mit Abdeckungen aus schwarzen Strukturstoff ausgeliefert werden. Wer möchte, kann auch optional weiße Abdeckungen nachkaufen. So sollte für jede Umgebung und auch jeden Geschmack eigentlich was dabei sein. Wir persönlich finden die schwarze Ausführung unserer Testobjekte fast schon am schicksten, aber das bleibt natürlich Geschmackssache.

Bei beiden Modellen sind die Gehäuse als Bassreflexkonstruktionen mit hintenliegenden Port ausgeführt. Dort befindet sich auch das Anschlussfeld, das trotz der Kunststoffausführung einen sehr stabilen Eindruck vermittelt. Die Anschlüsse nehmen Bananenstecker wie Kabelschuhe mit festem Sitz auf, ohne dass es in Gefriemel ausartet. Das hatten wir im unteren Preissegment auch schon ganz anders im Labor. Besonderes Augenmerk – oder in diesem Falle vielleicht eher Ohrenmerk – legt man Dali auch auf die verwendeten Treiber. Hier kommt keine eingekaufte Stangenware zum Einsatz, sondern eigene Chassis aus dem Hause Dali. Als Membran für die Tiefmitteltöner kommt ein Gemisch aus konventionellem Papier und Holzfasern zum Einsatz, das zusätzliche Stabilität bei gleichzeitig geringem Gewicht liefern soll. Und ganz nebenbei gibt das Material den Membranen auch ihren einzigartigen Look.

Darüber hinaus kommt auch Dalis SMC-Technologie zum Einsatz, die sich sonst erst in den höherpreisigen Modellen des Herstellers findet. SMC bezeichnet dabei ein spezielles Magnetpulver, aus dem sich starke Magnete formen lassen, die jedoch nicht elektrisch leiten. Eine Scheibe aus eben jenem Material wird nun bei den Tiefmitteltönern der Oberon Serie auf das Polstück aus Ferriteisen aufgebracht, so dass die SMC-Scheibe im Hauptarbeitsbereich der Schwingspule des Antriebs liegt. Diese Konstruktion reduziert laut Dali unerwünschte Verzerrungen und befördert die entspannte Mittenwiedergabe der Treiber.

Damit aber nicht genug. Auch bei den Hochtönern setzt Dali auf die eigene Expertise und spendiert den Oberons eigens für sie entwickelte Treiber mit 29 Millimeter Gewebekalotte. Dabei kommt für die Membranen ein besonders leichtes Gewebe zum Einsatz das nur 0,06 Milligramm pro Quadratmillimeter wiegt. So bleibt die Masse der Membran auch trotz des leicht überdurchschnittlichen Durchmessers gering. Und durch die große Membranfläche können größere Schalldrücke mit geringerer Auslenkung erreicht werden. Das macht definitiv neugierig auf die Höhenwiedergabe. Apropos. Die den Hochtöner umgebende Frontplatte ist an die Modelle der Opticon und Rubicon Modelle angelehnt und soll ein möglichst breites Abstrahlverhalten im Hochtonbereich bewirken. Dali empfiehlt sogar explizit, die Lautsprecher der Oberon Serie nicht, wie nach dem klassischen Stereodreieck üblich, um etwa 30 Grad zur Hörposition einzudrehen, sondern parallel zur Rückwand aufzustellen. Im Ergebnis sollen die Oberon so einen breiten Sweetspot liefern, ohne die gefürchteten Einbrüche im Höhenbereich, wenn man nicht exakt an der richtigen Hörposition sitzt.

Dali Oberon 1 und 3 Tiefmitteltöner  Test Lautsprecher Review Speaker
Die Membranen der Tiefmitteltöner sind aus einem Gemisch aus Papier und Holzfasern gefertigt, was laut Dali eine idealen Kompromiss zwischen Steifheit und Gewicht erzielt

En eller tre?

Soweit die Gemeinsamkeiten der beiden Oberon Sprößlinge. Kommen wir nun zu den Unterschieden. Neben dem offensichtlich unterschiedlichen Gehäusevolumen wäre der Membrandurchmesser der Tiefmitteltöner wohl der noch auffälligste Unterschied. Während bei der Oberon 1 ein 13 Zentimeter (cm) Modell zum Einsatz kommt, ist die Oberon 3 mit einem 18cm Treiber bestückt. In Kombination mit den logischerweise ebenfalls unterschiedlich abgestimmten Bassreflextunneln, ergibt sich für die Oberon 1 eine untere Grenzfrequenz von 51 Hertz (Hz) während die Oberon 3 bis auf 47 Hz hinabreicht. Uns freut an dieser Stelle, das Dali beim Frequenzgang auch den Toleranzbereich der Messung von ± 3 Dezibel (dB) angibt. Das macht leider längst nicht jeder Hersteller.

Aber zurück zum Thema. Neben der schon zu erwartenden unterschiedlichen Basswiedergabe gibt es weiter oben im Frequenzspek- trum eine Überraschung. Zwar gehen beide Modelle in der Wiedergabe bis zu 26 Kilohertz (kHz) hinauf, interessanter Weise unterscheidet sich jedoch die Übergangsfrequenz der 2-Wege-Systeme. Bei der Oberon 1 liegt diese bei 2,8kHz während sie bei der Oberon 3 mit 2,4kHz etwas tiefer angesetzt ist. Das macht zwar hinsichtlich der unterschiedlich dimensionierten Tiefmitteltöner absolut Sinn, ist aber im Einstiegssektor nicht unbedingt zu erwarten, zumal die unterschiedlich abgestimmten Frequenzweichen schließlich einen Mehraufwand in der oft knapp kalkulierten Herstellung bedeuten. Abseits davon weichen auch Wirkungsgrad und maximaler Schalldruck leicht voneinander ab, aber die Unterschiede sind wirklich nicht eklatant genug um auf deren Basis hier einem Modell klar den Vorzug zu geben. Da hilft nur eins: der Vergleich in der Praxis.

Dali Oberon 1 und 3 Anschlüsse Rear Test Lautsprecher Review Speaker
Die Anschlussfelder beider Modelle sind schlicht aber praktikabel und bieten Bananensteckern wie Kabelschuhen sicheren Halt ohne Friemelei

Klare Ansage

Aber auch der macht die Entscheidung nicht unbedingt leichter, zumal sich die Dali Oberon 1 und 3 viele positive Klangeigenschaften teilen. Die SMC-Technik scheint sich auszuzahlen, denn die Mitten geben sich fantastisch detailliert und klar in der Wiedergabe, ohne aufdringlich oder harsch zu wirken. Die Oberon 1 geht hier ein Mü mehr nach vorne. Über- oder unterbetont wirkt das Mittenspektrum bei keinem der Lautsprecher. Am Ende wohl Frage der persönlichen Präferenz. Der Bass geht, wie den Messwerten nach zu vermuten war, bei der Oberon 3 tiefer hinab, wodurch sie das insgesamt größere und vollere Klangbild liefert. Aber die aufgeräumte Art der Oberon 1 hat ebenfalls ihren nicht zu leugnenden Charme.

In puncto Räumlichkeit nehmen sich die Dali Oberon 1 und 3 nichts. Beide liefern ein weites Stereobild, das teilweise sogar über die Stereobasis hinaus zu gehen scheint und sich deutlich in die Tiefe staffelt. Die Phantom-Mitte ist dennoch stabil und man hat nie das Gefühl, Signale im Panorama zu suchen. So soll das sein. Auch ist der Sweet-Spot wie versprochen sehr groß und wir müssen uns wirklich weit bewegen, bevor sich der Klang unvorteilhaft verändert. Zu allem Überfluss sind die Oberons auch extrem flinke Lautsprecher und müssen sich in Sachen Impulstreue nicht vor teureren Boxen verstecken. Kritikpunkte? Zu dem Preis keine. Manch andere Box klingt vielleicht in den ganz hohen Höhen eine Spur offener, aber da reden wir von ganz anderen Preisdimensionen. Die Dalis sind einfach eine schlichte Offenbarung hinsichtlich dessen, wie viel mittlerweile auch bei preiswerten Lautsprechern klanglich möglich ist.

Auch sind die Dali Oberon 1 und 3 sehr offen was ihren Musikgeschmack angeht. Der orchestrale Soundtrack des David Robert Mitchell Films „Under A Silver Lake“ vom Komponisten Richard Vreeland steht ihnen genauso gut wie die elektronisch-experimentellen „Ist das noch Rock?“-Klänge von Autoluxs 2016er Album Pussy’s Dead. Und auch beim modernen Jazz von Brian Blade & The Fellowship Band auf deren Album Landmarks machen die Dalis einfach Spaß. Spätestens beim nächsten Stück jedoch hat es uns wirklich nicht mehr auf der Couch gehalten. The Internets „Hold On“ vom im letzten Jahr erschienen Album Hive Mind scheint wie eigens für die Oberons aufgenommen. Der sonore Bass trägt das Stück über die ersten gut zweieinhalb Minuten. Darüber schweben die Vocals von Sid, der Sängerin und Produzentin der Band, zusammen mit dem atmosphärischen und glockigen E-Piano und glitzernden Gitarren-Sprenkeln. Wenn dann die Drums einsetzen – Wahnsinn. Das klingt einfach nur groß und macht Laune. Auch auf den 1ern.

Letztlich ist Spielfreude hier wohl das entscheidende Stichwort. Die Dali Oberon 1 und 3 zuhauf. Für wen abseits davon welche der kompakten Oberons die Richtige ist? Das hängt einerseits vom Geschmack des Käufers ab und auch vor allem davon, wie groß der heimische Hörraum ist. Wirklich etwas falsch machen kann man jedoch mit keinem der beiden Dali Oberon Regallautsprecher. Dafür machen sie schlichtweg zu viel Freude.

Weitere Infos unter: www.dali-speakers.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 7/2019.

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Anm.: Die dargestellte Prozenz-Bewertung bezieht sich auf die Dali Oberon 3

Test: Dali Oberon 1 und 3 Regallautsprecher - Vier Boxen für ein Halleluja!
Die Kompaktlautsprecher aus Dalis Oberon Serie besitzen viele gute Eigenschaften: Wertige Verarbeitung, ansprechende Optik und einen niedrigen Preispunkt. Was sie aber aus der Masse an günstigen Lautsprechern hervorhebt, ist ihre ausgezeichnete Spielfreude und ihr, den Preispunkt bei weitem übertreffenden, Klang. Unserer Meinung nach ein echter Volltreffer für die dänische HiFi-Marke.
Wiedergabequalität89%
Austattung/Verarbeitung81%
Benutzerfreundlichkeit83%
Preis/Leistung93%
87%Gesamtwertung
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Bildquellen:

  • _MG_0255: Bild: Auerbach Verlag
  • _MG_0279: Bild: Auerbach Verlag
  • _MG_0215: Bild: Auerbach Verlag
  • Dali Oberon 1 und 3: Bild: Auerbach Verlag