Ob offen, geschlossen, knallig oder schlicht – Kopfhörer lassen den Hörer bislang unentdeckte Klangwelten erkunden. Ihre Konzepte sind oft so verschieden wie das Zielpublikum. Wir wollen prüfen, ob mehr Innenleben auch besseren Klang bedeutet.

Musik wie im Konzertsaal und das ohne andere zu stören? Das vollbringen nur Kopfhörer. Hier kommt es dann ganz auf den individuellen Geschmack des Hörers an, welchen Musikstil er hören möchte, wie viel Platz am Ohr ihm gefällt und wie seine ideale Verteilung der Frequenzbereiche sein mag. Wir wollen gleich vier völlig unterschiedliche Kopfhörer mit sowohl offener, als auch geschlossener Bauweise vorstellen, um die Suche nach dem perfekten Kopfhörer zu erleichtern – deshalb unser Kopfhörerspezial.

Beats: Solo²

Unter zehn Fitnessstudiobesuchern finden sich mindestens zwei glänzende Solo² Kopfhörer in der Lieblingsfarbe des Sportfreunds. Beliebt sind sie vor allem wegen des geringen Gewichts von 200 Gramm und der geringen Größe des Bügels und der Ohrpolster. Diese umschließen das Ohr dadurch nicht ganz, sitzen aber bequem auf. Der Solo² ist gemacht, Musik genießen zu können, wo immer man ist. Aus diesem Grund ist er zusammenklappbar und wird mit einem kleinen Softcase geliefert. Das mitgelieferte Kabel ist mit iOS-Geräten kompatibel und ermöglicht es, Telefonanrufe anzunehmen und Lieder zu überspringen, ohne das Handy auszupacken. Erhältlich ist dieser stylische Wegbegleiter in verschiedenen glänzenden Farben. Er besteht aus Hartplastik, Aluminiumteilen, einem Gummi-Kopfpolster und kunstledernen Ohrpolstern. Eine gelungene Optik, die stabil wirkt und sich gut verstellen lässt.

Innen sieht es dann nicht ganz so spannend aus. Zwei 40-Millimeter-Treiber und eine Impedanz von 32 Ohm sollen laut Beats für unglaublich emotionsgeladene Bässe sorgen. Eine passive Geräuschunterdrückung wird bei fast allen Beats verbaut und hält störende Außengeräusche fern, jedoch gelingt es den Beats Solo² weniger gut.

Fast schon provokant, diese Kopfhörer mit klassischer Musik spielen zu lassen.

Das auch „Rondo“ von Ludwig van Beethoven klingt nicht schlecht, aber nicht präzise genug. Das Gesamtbild der Musik stimmt, doch es wirkt, als spiele das Orchester

Die Ohrmuscheln kann man ohne weiteres einklappen und eignen gut sich für Reisen

hinter einem Schleier. Besonders die tiefen Töne des Klaviers verschwimmen zu einem leichten Dröhnen. Die Höhen sind teilweise relativ klar – Spaß machen die Kopfhörer bei diesem Genre jedoch nicht. Besser sollte es sich mit Rock verhalten, da die Beats für moderne Musik konzipiert sind.

„Calling all Stations“ von Genesis klingt leider etwas dumpf und die E-Gitarre kratzt etwas. Trotzdem, während des Trainings wird diese Wiedergabe für die meisten Menschen ausreichen und die Außengeräusche werden relativ gut abgehalten. Der Bass hingegen klingt verhältnismäßig kräftig und schafft es in den Körper des Hörers.

 

Onkyo: A800

Schlicht und gleichzeitig prunkvoll kommt der offene Kopfhörer A800 von Onkyo aus Japan daher. Zum einen liegt das an der Größe, zum anderen am Design, das Elemente der 60er Jahre mit asiatischen Einflüssen verbindet. Dekadenz spiegelt sich in der unterschiedlichen Material- und Oberflächenwahl wider und die Farben Schwarz, Titangrau und Gold wirken sehr edel. An die 600 Gramm wiegt der Ohrschmeichler, was bei den übergroßen Ohrhörern mit zehn Zentimetern Durchmesser nicht überrascht. Mit diesem Kopfhörer sollte man wenn möglich den Kopf anlehnen, denn auf Dauer ist er sehr schwer. Bis auf sein Gewicht, ist der A800 jedoch sehr komfortabel und die weichen Ohrpolster aus samtenem Material und Memory Foam liegen gut am Kopf an. Lediglich die verstellbare Aluminiumverbindung zwischen Bügel und Ohrhörern könnte noch etwas stabiler sein. Onkyo hat sich bei diesem Modell für 50-Millimeter-Hochleistungstreiber entschieden. Diese Größe eignet sich besonders gut für kraftvolle Bässe. Niedrigere Frequenzen haben weniger Wellenberge und –täler pro Zeiteinheit, das bedeutet also, dass die Membran viel einheitlich schwingt. In diesem Falle setzt der japanische Hersteller eine mehrlagige Membran mit großem Durchmesser ein. Natürlich kann diese im Schwung mehr Kraft erzeugen. Da sie bei der Basswiedergabe stabiler schwingt, spielt dieser dementsprechend mächtig auf.

Stabil gelöst: die stabile Verbindung zur Größeneinstellung der Ohrmuscheln

Dem Kopfhörer wird ein drei Meter langes Kabel spendiert, das aus sauerstofffreiem Kupfer besteht. Dieses wird beidseitig an den A800 angeschlossen und verbindet sich via 6,3-Millimeter-Stereoklinke oder einem 3,5-Millimeter-Adapter mit dem Endgerät. Empfehlenswert ist die Verwendung der größeren Stereoklinke, da der Ohrhörer High-Res-Audio unterstützt. So kann man ihn mit einem kraftvollen Kopfhörerverstärker betreiben, um sein komplettes Potenzial abzurufen. Beeindruckend ist auch der Frequenzbereich von 4 Hertz bis 40 Kilohertz.

 Wir starten den Hörtest mit dem Largo aus dem ersten Klavierkonzert von Beethoven. Nicht zufällig ist die Optik der eines teuren Flügels nachempfunden. Der A800 singt sich durch perlende Läufe und sanfte Melodien. Musik umgarnt den Hörer. Jeder noch so ruhige Klang bekommt die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt und wird abgerundet wiedergegeben. Selbst die Streicher erklingen so sanft, als würden sie ein Kind in den Schlaf wiegen.

Die extrem weichen Ohrpolster schützen den großen 50-mm-Treiber und sorgen dafür, dass man ihn nicht auf dem Ohr spürt. Dafür drückt mit der Zeit sein Gewicht

Eine tolle Dynamik zwischen eher ruhigen und dann wieder kraftvollen Passagen. Es wirkt so, als säße man inmitten des Konzertsaales. Angenehm fällt uns auch das Zupfen der Geiger und der nahezu schon lyrische Tiefgang der Kontrabässe auf. Wirklich spektakulär mit wahnsinnig gutem Raumklang! Lebendig werden die niedrigen Frequenzen natürlich mit Rock-Musik.

[[Amazon_Link_Text]] „I Can’t Dance“ von Genesis geht dementsprechend direkt ins Blut. Höhen und Mitten werden nicht erschlagen, sondern vom Rhythmus, der dem Herzschlag eines Menschen ähnelt, angetrieben. Solche und weitere Details werden klar und deutlich wiedergegeben. Hier wünschen wir und jedoch ein klein bisschen mehr Platz zwischen Hörer und Bühne. Sehr positiv fällt uns hingegen auf, dass die Snares sich nicht zu stark in den Vordergrund drängen. Dadurch entsteht ein sehr harmonisches, rockiges Gesamtbild.

Audio-Technica: ATH-MSR7NC

Unser nächstes Testobjekt ist ein geschlossener Kopfhörer mit aktiver Schallunterdrückung. Das handliche Modell ist viel kleiner und lässt sich so auch unterwegs verwenden. Es kommt mit nur einer 3,5-Millimeter-Stereoklinke nach Hause, ist damit eher für iPods und Smartphones, als die heimische Anlage, geeignet. Im Lieferumfang enthalten sind deswegen auch ein Transporttäschchen, zwei 1,2-Meter-Kabel, eins davon mit Fernbedienung und Mikrofon und ein Stecker für das Flugzeug. Ein richtiger Reisekopfhörer also. Von dieser Ausstattung sollte man sich dennoch nicht täuschen lassen, denn der MSR7NC sieht auch professionell aus. Mattes Schwarz mit Aluminium-Akzenten ist unaufdringlich und gleichzeitig modern. Ein gepolsterter Kopfbügel sowie Memory Foam-Ohrpolster sorgen für Komfort und liegen nicht zu fest am Kopf an. Gerade mal 300 Gramm machen den Kopfhörer zum idealen Begleiter. Damit man unterwegs nicht auf hervorragenden Klang verzichten muss, verbaut Audio-Technica High-Resolution-Treiber mit einem Durchmesser von 45 Millimetern.

Unter den Bauteilen finden sich neben der üblichen ringförmigen Spule und runden Membran noch weitere interessante Details. So werden zwei akustische Widerstände in den Kampf gegen eine unausgewogene Klangproduktion geschickt, eine halbmondförmige Leiterplatte sorgt mit einem Flansch für eine gute Wiedergabe der Mitten und Tiefen. Damit der Geräuschpegel der anderen Passagiere und des Verkehrs nicht stört, findet sich in den Ohrhörern die aktive, mikrofongesteuerte Schallunterdrückung, die gemeinsam mit der Lüftung für hochauflösenden Klang sorgt. Ein Lithium-Polymer-Akku versorgt die Schallunterdrückungstechnologie circa 30 Stunden mit Strom und kann via USB-Ladekabel in vier Stunden voll aufgeladen werden. Aktiv beträgt die Impedanz 150, passiv nur 30 Ohm: Gekoppelt mit einem Frequenzgang von 5 Hertz bis 40 Kilohertz und einem Ausgangsschalldruckpegel von 104 Dezibel pro Milliwatt in aktivem Zustand, scheint der MSR7NC ganz schön Druck auf die Ohren geben zu können. Tatsächlich macht er seine Sache sehr gut. Dabei ist bei eingeschaltetem NC ganz klar zu hören, dass die Musik strahlender, facettenreicher und auch lauter wird. Etwa so, als zieht man einen durchsichtigen Schleier vor ihr weg. Die Schallunterdrückung stellt einen großen Unterschied zum Passivmodus dar, lässt leider trotzdem Außengeräusche zum Hörer vordringen, das löst Sony mit dem MDR-1000 deutlich besser. Wenn die Musik spielt, merkt man seine Umgebung kaum noch, doch der ein oder andere Laut kommt trotzdem durch – hier muss Audio-Technica nachbessern.

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Dennoch, das Rondo, ein „Allegro scherzando“ auch aus dem Klavierkonzert von Beethoven, klingt keck, beschwingt und luftig. Kristallklare Klänge aus dem Konzertflügel reißen uns mit und laden zum Tanzen ein. Mit dem Aufspielen des Orchesters gewinnt die Musik an Kraft und Detailreichtum. Ein Spiel zwischen Solist und Orchester beginnt. Dynamisch, authentisch und mühelos meistert der Kopfhörer diese oft sehr schnellen Wechsel. Dort taucht eine Piccoloflöte aus der Musik hervor, hier eine Oboe. Immer lustiger bewegt sich der Tanz und trotz kleiner Modulationen in Richtung Moll wird der Hörer gleich wieder auf die tänzerische Reise mitgenommen. Bravo!

Der gutverarbeitete Bügel läßt sich auf jede Kopfgröße anpassen

Auch „Over My Shoulder“ von Mike & The Mechanics wird mit guter Auslastung aller Frequenzbereiche wiedergegeben. Der für die 90er typische sanfte Pop-Rock stellt eine Herausforderung an Kopfhörer von heute. Da die meisten zu basslastig sind, würde das Schlagzeug die Stimme des Sängers und das E-Gitarrenspiel durchschlagen. Mit dem MSR7NC passiert dies nicht. Melancholisch und gleichzeitig rhythmisch bewegen diese Klänge sowohl Herz als auch Füße.

Beyerdynamic: DT 1990 PRO

Dynamische Kopfhörer erreichen üblicherweise eine Feldstärke von 0,5 Tesla. Mit der Tesla-Wandlertechnologie von Beyerdynamic und einem Wert von 1,2 Tesla wird diese bei Weitem übertroffen. Eine besondere, dennoch extrem unkomplizierte Bauweise und die Verwendung von hauchdünnen Kupferdrähten macht das möglich. Hierbei wird die filigrane Schwingspule von einem Neodym-Magneten umgeben, der wiederum von einem Permanentmagneten umringt wird. Um Störungen zu vermeiden, verwendet Beyerdynamic kein Schallwandlergehäuse aus Kunststoff, sondern nutzt Aluminium und Edelstahl. Diese Kombination aus Metallen lässt weder elektromagnetische Strahlung nach innen noch Magnetstrahlung nach außen entweichen. Weil diese Technologie besonders viel Magnetkraft erzeugt, wird weniger Energie benötigt, um Musik laut wiederzugeben. So geht auch bei geringerer Lautstärke kein Detail verloren.

Eine besonders steife Sandwich-Membran garantiert dabei ein harmonisches Klangbild mit ausreichend Punch. In schallisolierter Umgebung entfaltet der offene Kopfhörer sein volles Potenzial, doch selbst im Wohnzimmer lässt er wahre Klangfeuerwerke entstehen. Ein weites Frequenzspektrum von 5 Hertz bis 40 Kilohertz lässt die Musik nicht nur in die Ohren, sondern auch den Körper fließen. Eine Nennimpedanz von 250 Ohm zeigt, dass der DT 1990 PRO für die heimische Anlage oder ein professionelles Studio geeignet ist. Ein kleines MP3-Gerät kann den Kopfhörer nicht lange mit ausreichend Energie füttern, dazu braucht es schon einen Kopfhörerverstärker, um den optimalen Klang aus dem Kopfhörer herauszukitzeln. Möchte man den Kopfhörer sowohl im Studio als auch zu Hause verwenden, so macht Beyerdynamics den Transport mit einem stoffüberzogenem Hardcase möglich. Gleichzeitig schützt es den Kopfhörer vor Einflüssen von außen. Im Inneren finden wir neben individuell angepassten Mulden für den Kopfhörer und die separat gelieferten ET 1990 B Ohrpolster für leichte Bassanhebung, noch ein Gummitäschchen für zwei Kabel. Dabei handelt es sich um ein drei Meter langes gestrecktes Kabel und ein fünf Meter langes Spiralkabel. Wie für High-End-Kopfhörer üblich, werden diese mit vergoldeten 3,5-Millimeter-Stereoklinkesteckern und einem 6,3-Millimeter-Adapter mitgeliefert. Beide Kabel verbinden sich via 3-pol-Mini-XLR-Kabelbuchse einseitig mit dem DT 1990 PRO. Beyerdynamic überzeugt auch in den Bereichen Optik und Tragekomfort. Ein modernes, hochwertiges Design in schwarz und silber verleiht dem Kopfhörer Klasse.

Der gutverarbeitete Bügel läßt sich auf jede Kopfgröße anpassen

Setzt man ihn auf, so versinkt der Träger sofort in den Velours-Ohr- sowie den Kopfpolstern. Die Nennandruckkraft von circa 6,6 Newton lässt den Ohrhörer fest ansitzen, ohne dem Träger Kopfschmerzen zu bereiten. Es wirkt fast so, als wäre der DT 1990 PRO eine Maßanfertigung. Mächtige Tiefen, glasklare Höhen und detailreiche Mitten liefert der professionelle Kopfhörer im Klangtest ab.

[[Amazon_Link_Text]] Con brio, also mit Schwung, werden die Klänge aus dem gleichnamigen Allegro aus Beethovens Erstem Klavierkonzert in C-Dur abgefeuert. Doch werden auch die ruhigeren Momente elegisch und bedeutungsvoll wiedergegeben. Natürlich ist das Klavier in Freude und Leid der Hauptakteur des Werkes, doch auch das Orchester bietet einen unglaublichen Facettenreichtum, der mit dem DT 1990 PRO genauestens aufgezeichnet wird. Selbst der komplizierteste Triller verschwimmt nicht und verziert die dynamische Musik. Schnellste Läufe sowie rhythmische Betonungen überzeugen mit Genauigkeit und fügen sich in die Dynamik des Werkes ein. Hier zeichnet sich auch die offene Bauweise aus, denn sie lässt den Klängen genug Raum sich zu entfalten.

[[Amazon_Link_Text]] Ein schneller Wechsel der Ohrpolster macht dann bei „Invisible Touch“ von Genesis tatsächlich einen Unterschied. Etwas basslastiger und rockiger kommt die Musik daher. Ob der Befestigungsmechanismus der Ohrpolster viele Jahre hält, bezweifeln wir allerdings. Hier wünschen wir uns eine stabilere Konstruktion.

weitere Infos unter:

www.beatsbydre.com, www.onkyo.de, www.audio-technica.de, www.beyerdynamic.de

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