Einmal volltanken, bitte!

Was würden Sie tun, wenn klar wäre, dass unsere Elektrizität aus der Steckdose unsauber ist? Richtig – sie reinigen.

Natürlich sollte man skeptisch sein, wenn einem eine Steckerleiste für etwas mehr als 1 000 Euro angeboten wird. Wenn diese verspricht, positive Auswirkungen auf den Sound einer HiFi-Anlage zu haben, dann sollte man zumindest aufmerksam aufhorchen. Erst recht, wenn man Redakteur einer Audio-Fachzeitschrift ist. Die Idee des Niagara 1000 ist relativ simpel beschrieben. Das Stromnetz mit dem wir tagtäglich zu tun haben, ist ein Wechselstrom-System und als solches eine Erfindung die nun schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel hat. Seitdem gab es bezüglich der Stromqualität auch keine nennenswerten Optimierungsprozesse oder einen Strom 2.0 oder ähnliches, wie man das vielleicht aus anderen Lebensbereichen kennt. Die ursprüngliche Versorgung mit Elektrizität war auch keineswegs darauf ausgelegt feinste Mikrotechnik zu versorgen, sondern Motoren und Licht, also Bewegung und Hitze. Das kann man auch nach wie vor gut mit dem Alternating Current (AC), also dem Wechselstrom. Dabei ist die Notwendigkeit für eine Stromaufbereitung in den letzten Jahrzehnten enorm gestiegen und man kann das auch gut an den Dimensionen erkennen, in denen sich Hersteller aller Art mit Netzteilen und Netzteiltechnik beschäftigen. Mit einem sauberen und stabilen Netzteil steht und fällt oftmals die Qualität eines jeden Audio-Produktes. Intern wird dann umgespannt, gleichgerichtet, geglättet, geschirmt und gefiltert. Doch was, wenn man den altertümlichen, von Hochfrequenz und Störgeräuschen durchsetzten Strom schon vorher bearbeitet? Genau da setzt der Niagara 1000 von AudioQuest an.

Die LEDs sind an taktisch kluger Stelle positioniert und bieten schnellen Überblick über den Arbeitszustand des Netzfilters

Ausgestattet mit den Standards wie automatischer Abschaltung bei Überspannung und klassischen Sicherungen sind eine Menge weiterer Feinheiten und Spezialitäten verbaut, die man in der Form nicht von einer Netzleiste erwartet. Das fängt beim Relais an, welches direkt beim Anschalten klackt und signalisiert, dass die Leiste startklar ist. Über zwei verschiedenfarbige LEDs wird der Zustand angezeigt. Der Clou aber sind natürlich die Bauteile. Hand- gewickelte Spulen und komplexe Filtergruppen in Verbindung mit hochreinen Bauteilen führen den Strom an die jeweiligen Abnahmebuchsen. Dabei ist zu beachten, dass es verschiedene Dosen für verschiedene Anwendungen gibt.
Der High-Current-Ausgang ist zu Deutsch ein Hochstromanschluss für Verstärker oder Receiver. Sein Fokus liegt auf niedriger Impedanz in der Filterung ohne Kompressionseffekte. Ein Verstärker muss möglichst direkt und sauber Leistung abrufen können, ohne dass dabei irgendeine Technik im Weg steht. Die anderen Dosen sind auf Kleinpegelschaltungen ausgelegt, also CD-Player, Streamer oder Wandler. Da hier nicht der hohe Stromfluss entscheidend ist, sondern die möglichst zuverlässige und elegante Störungsableitung, kann und muss mit anderen Methoden gearbeitet werden. Das patentierte Ground-Noise-Dissipation-System ist aber allen Anschlüssen gemein. Es sorgt durch mehrstufige, laufrichtungsgebundene Ableitung von Grundrauschen über die Erdung dafür, dass die Geräte weniger Verzerrungen verursachen und eine höhere Auflösung zur Verfügung haben.

Leider gibt es nur einen niederimpedanten Hochstromanschluss im Niagara 1000. Die großen Brüder haben da deutlich mehr zu bieten

Klang

Und das kann man jetzt hören? Ja! Wir waren ebenfalls erstaunt, aber die Verwendung einer HiFi-Anlage mit oder ohne Stromaufbereitung macht einen hörbaren Unter- schied. Die maßgebliche Rhythmus-Hihat im Song „Sad Nile“ auf dem Whitefield Brothers Album „Earthology“, erschienen 2009 bei Now-Again Records, klang ohne Stromreinigung belegt, wie ein schweres Blech, oder fettig, fast träge. Mit dem Niagara klingt sie voller Präsenz und Lebendigkeit. Der ganze Song wird feinperliger, griffiger und offener.
Einen ähnlichen Effekt konnten wir in einem Hörbeispiel von Sting vernehmen. Der Song „Inshallah“ aus dem aktuellen Album „57th & 9th“ wirkt wie durch ein Kontrast- mittel sichtbar gemacht, würde der Mediziner sagen. Die virtuos geslappte E-Gitarre Dominic Millers klingt deutlich markanter und auch Stings Bass-Sound erstrahlt runder und obertonreicher. Die dazugehörige Percussion von Rhami Krija wirkt dank des Niagara 1000 nicht mehr statisch, sondern natürlich.
Allgemein könnte man zusammenfassen, dass was vorher schwammig, komprimiert und energielos klang, hinterher offen, transparent, druckvoll erscheint. Es ist ein bisschen als würde man von CD auf DSD umschalten, oder als tankte man sein Auto mit einer hochgezüchteten Super-Mischung. Es bleibt Treibstoff, aber die Leistungsfähigkeit, die Laufruhe und Reichweite werden deutlich gesteigert. Man darf das Konzept der Stromaufbereitung nur bitte nicht falsch verstehen. Die Niagara 1000 nimmt keinen direkten Einfluss auf den Klang, indem sie ihn verformt oder bearbeitet. Ihre Aufgabe liegt darin das Potential des vorhandenen Equipments zu einhundert Prozent nutzbar zu machen. Was man also schlussendlich hört, ist nicht die Netzleiste, es ist die eigene Anlage, so wie sie klingt, wenn man ihr den optimalen Spielraum bietet und sie mit sauberem Sprit betankt.

Mehr Infos unter www.audioquest.com

Test: AudioQuest Niagara 1000 - Einmal volltanken, bitte!
Die AudioQuest Niagara 1000 Netzleiste hat uns sehr überrascht. Einen so deutlichen Unterschied im Klang unserer Test-Komponenten hätten wir nicht erwartet. Dabei ist das Funktionsprinzip scheinbar simpel. Was sauber rein geht, kommt auch sauber wieder raus. Die Niagara 1000 besticht durch ein enormes Preis-/Leistungsverhältnis, einfache Bedienung und tolles Design, auf dem man allerdings auch jeden einzelnen Fingerabdruck sieht. Putztuch bereithalten.
Wiedergabequalität90%
Ausstattung80%
Benutzerfreundlichkeit89%
Preis/Leistung95%
Vorteile
  • einfache Bedienung
  • starke Klangverbesserung
Nachteile
  • verchromte Oberfläche sehr empfindlich
  • nur ein Hochstromanschluss
89%Gesamtwertung
Leserwertung: (20 Votes)
43%

Bildquellen:

  • AudioQuest Niagara 1000: Auerbach Verlag
  • AudioQuest Niagara 1000: Auerbach Verlag
  • AudioQuest Niagara 1000: Auerbach Verlag