Der „Lautheitskrieg“ nahm seinen Anfang im privaten Rundfunk, als erkannt wurde, dass die Hörer bei den Radiostationen auf Empfang blieben, die am lautesten, klarsten und potentesten wirkten. Ganz andere Töne schlägt die Pleasurize Music Foundation an, die dem Lautheitswahn nun den Kampf ansagt.

Die Thematik ist aktueller denn je. Ein hoher durchschnittlicher Lautheitseindruck steigert nachweislich die Ausschüttung vieler Botenstoffe im Gehirn. Bei dem einen erzeugt dies Glücksgefühle, bei dem anderen einfach nur psychoakustischen Stress; ferner können Gehörschäden auftreten. Diese Kausalkette erkannten auch Produzenten und Musikverlage, die ihren Inhalten die höchsten Absatzchancen sichern wollten.

Heute, nach ungefähr 15 Jahren, ist endlich bei einem Teil der Hörerschaft das Bewusstsein dafür erwacht, sodass die Bestrebungen zum Schutz des musikalischen Inhalts und dessen unverfälschter Aussage wieder an Wert gewinnen: Laut ist out.

Der Reiz der Musik besteht in der Dynamik, und nur was einmal leise war, kann auch wieder an Lautstärke gewinnen. So bauen sich Emotionen beim Musikgenuss auf, die im Radiozeitalter bewusst oder unbewusst unterdrückt werden. Nicht ohne Grund enthalten Partituren dynamische Spielanweisungen, denn das Spiel mit der Steigerung ist ein Schlüssel zur emotionalen Erlebbarkeit von Inhalten und Klangfarben.

Zum Schutz der Musik

Die Pleasurize Music Foundation (PMF) ist ein freier Zusammenschluss von Ton- und Musikschaffenden, die es sich zum Ziel gesetzt haben, der Musik wieder das zu geben, was dank der Lautheitsoptimierung vorrangig den Küchenradios, MP3-Playern und Notebooks zugutekam: Hörgenuss – eine dynamisch sinnvolle Erlebbarkeit von Musik, eine „Dynamic Range“, die es jedem Besitzer einer vernünftigen Audiosignalkette ermöglicht, räumliche Tiefe in der Wiedergabe des Mediums zu entdecken.

Leider hat das Lautheitsrennen auch nicht vor Medien haltgemacht, die aufgrund ihres Speicherplatzes genügend Systemdynamik bieten: Die CD, DVD und SACD wurden systematisch ausgebremst. Sollte die Blu-ray ebenfalls durch hastig veröffentlichte Remakes an Qualität einbüßen, indem der Ton nur kopiert statt angepasst wird, kann einzig von einem eingeschränkten Qualitätsbewusstsein der Verantwortlichen gesprochen werden.

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*