Luxman D-05u & L-507uX: Mit knapp 4000 und 6000 Euro sind der SACD-Player D-05u und der Vollverstärker L-507uX nicht gerade günstig. Dementsprechend hoch ist unsere Erwartungshaltung an Bedienung und Klangqualität. Können die Luxmänner der gerecht werden?

Schon beim Auspacken wird deutlich, dass man hier wirkliche High-End-Geräte vor sich hat: Mit viel Liebe zum Detail wurde nicht nur verpackt, sondern präsentiert. So schützen Stoffsäckchen mit Gummizug die Geräte, alle Anschlüsse sind durch aufgesteckte Abdeckungen vor Beschädigungen gefeit.  Auch wenn dies nicht unbedingt in einen Test gehört, möchten wir betonen, dass das Auspacken Spaß gemacht hat.

Um eines vorweg zunehmen: Die beiden getesteten Luxman-Geräte gehören nicht zu derselben Reihe, weshalb sie optisch einige Unterschiede aufweisen. Dennoch ist unverkennbar, dass sie von einer Firma stammen, denn es ähneln sich die Gehäuseform und die Form der Regler.

Tolle Retro-Anzeige

Retro-Look

Besonders gut gefällt uns die Optik des Verstärkers L-507uX: Dieser Bolide erinnert – sicher mit vollster Absicht – an die Achtziger Jahre, das goldene Jahrzehnt analogen HiFis. Seinen Retro-Look gewinnt er durch die Farbkombination aus silber und schwarz, die beiden riesigen VU-Meter, die scharf gezogenen Linien und das stramm rechtwinkelige Design. Ebenso scheinen die sechs großen Drehschalter und das schwarz abgesetzte Kühlgitter auf der Oberseite direkt den Achtzigern entsprungen zu sein.

Übrigens waren die Achtziger für Luxman ein erfolgreiches Jahrzehnt. Mit den Verstärkern  L-410 und L-430 erzielten sie damals beachtliche Erfolge – beide Geräte sahen dem L-507uX nicht unähnlich. VU-Meter hatten sie allerdings nicht, denn diese galten früher, anders als heute, nicht unbedingt als schick, sondern hatten praktische Aufgaben zu erfüllen. Sie halfen beim Einstellen des Aussteuerungspegels bei Tonaufnahmen und machten daher nur in Tonstudios, bei Kassettendecks und Tonbandgeräten Sinn. Heute sollen sie hingegen wohlige Erinnerungen an die gute alte Zeit hervorrufen, und so verbauen sie Firmen wie Technics, Yamaha und eben Luxman auch in hochpreisige Verstärker.

Mit einem reduzierteren Design, kleineren Reglern und weniger Farbkontrasten kommt der SACD-Player D-05u moderner daher. Sein Alu-Farbton ist etwas heller als der des Verstärkers L-507uX, auch seine Fernbedienung hat eine grundlegend andere Form. Einen visuellen Typ könnte das etwas stören aber uns interessiert hauptsächlich der Sound. Nebenbei sei erwähnt, dass der Luxman-Vollverstärker L-505uX optisch besser zum D-05u passt.

Nostalgie auf japanisch: Schalter wie in den Achtzigern am L-505uX

Die Bedienung und vor allem die Haptik sind bei beiden Testgeräten über jeden Zweifel erhaben, so liegen die schweren Alu-Fernbedienungen super in der Hand, deutlich spürbares Klicken lässt die Betätigung einer Taste erkennen. Die stufenlosen Drehregler an den Haupteinheiten sind perfekt gewichtet und in der Nullstellung gerastert.

SACD D-05u

Hochwertig wirkt der SACD-Player D-05u nicht nur durch seine beachtliche Größe und sein ordentliches Gewicht von 15,5 Kilogramm (kg), sondern auch durch seine Verarbeitung. So sind die Anschüsse und Regler des SACD-Players auf dem erwartet hohen Niveau, die CD-Schublade fährt ruhig und ruckelfrei aus dem Gehäuse.

Die digitalen Eingänge (optisch und koaxial) machen den D-05u zum veritablen Digital-Analog-Wandler. Dank eines USB-Eingangs interagiert der D-05u als externe Soundkarte direkt mit dem Computer. Dafür müssen lediglich die Treiber von der mitgelieferten CD installiert werden. Der USB-In händelt PCM-Dateien bis 192 kHz und 32 Bit sowie DSD-Dateien bis 5,6448 Megahertz (mHz). Durch je einen optischen und koaxialen Ausgang kann man die Daten auch an einen externen Wandler weiterleiten, was aber eigentlich nicht nötig ist. Denn der  der D-05u hat schon extrem hochwertige DAC-Chips an Bord: nämlich zwei PCM 1795 von – der erfahrene AUDIO-TEST-Leser ahnt es bereits – Burr Brown, wem sonst! Es gibt zwei getrennte Wandler, die sich um den rechten und linken Kanal kümmern, um Kanalübersprechen von vorn herein auszuschließen.

Die CD-Schublade fährt ruhig und ruckelfrei aus dem Gehäuse des SACD-Players D-05u. Nur eines von vielen Beispielen für die tolle Verarbeitung des Gerätes

Um den D-05u an einen analogen Verstärker anzuschließen, braucht es natürlich analoge Ausgänge. Hier wartet der Player mit Cinch- und – besonders erfreulich – mit symmetrischen XLR-Anschlüssen auf.

Der tolle Gesamteindruck wird durch die integrierten Features abgerundet. Abgesehen von der bei solchen Geräten üblichen Jitter-Reduktion und der Möglichkeit, bei Hybrid-SACDs zwischen SACD- und CD-Qualität zu wechseln, verfügt der Player über zwei Filter, die minimal ins Soundgeschehen eingreifen – der eine digital- und der andere analog. Schön für alle kurzsichtigen Leidensgenossen: Ein Druck auf die Fernbedienung vergrößert die Anzeige von Tracknummer und Zeit im Display.

Vollverstärker L-507uX

Auf die einmalige Optik des Vollverstärkers sind wir oben schon eingegangen, überzeugen kann aber auch das Innenleben des 24-kg-Schwergewichts. Beachtliche 220 Watt leistet sich der Luxman pro Kanal. Ebenso wenig geizt er bei der Anschlussvielfalt: Mit vier Cinch-Eingängen, einem Phonoeingang und einem symmetrischen XLR-Eingang dürfte man alle Geräte im Medienrack angeschlossen bekommen. Den integrierten Phonovorverstärker kann man zwischen MM und MC umschalten. Ein Feature für echte High-Ender: Am XLR-Eingang kann man die Phase drehen. Passend dazu gibt es die Funktion „Phase-Invert“ auch am SACD-Player D-05u.

Mannigfache Anschlussmöglichkeiten auf höchstem Niveau zementieren den Status des L-505uX als echtes Luxusgerät

Zwei hochwertige Bananenstecker-Schraubanschluss-Pärchen können zwei Lautsprechersets versorgen, zwischen denen an der Haupteinheit hin und her geschaltet werden kann. Leider ist das Umschalten nicht mithilfe der Fernbedienung möglich.

Noch ein Retro-Feature, das wir hauptsächlich von Kassettenrekordern kannten, hat uns ein Schmunzeln aufs Gesicht gezaubert: Auf der Rückseite gibt es eine Anschluss-Sektion „Recording“, bestehend aus einem Cinch-Ausgang, um das verstärkte Signal zu einem Aufnahmegerät zu schicken und einem als „Monitor“ bezeichneten Eingang, wo sich das aufgenommene Signal zum Überprüfen zurückholen lässt.

Wer den L-507uX nur als Endstufe nutzen möchte, kann den Vorverstärker aus dem Signalpfad nehmen. Aufgrund des tollen Sounds wird allerdings das kaum möglich sein. Noch seltener wird vermutlich der Mono-Knopf betätigt, der das Stereosignal auf einen Kanal herunter rechnet. Die Loudness-Funktion und der Subsonic Switch (schneidet den nicht hörbaren Bassbereich ab) runden das Angebot des Herstellers ab. Eine wirklich lohnenswerte Idee war es, in der Fernbedienung des Verstärkers eine kleine SACD/CD-Sektion zu integrieren, mit der sich Player von Luxman bedienen lassen. Somit benötigt man im Normalfall nur eine Fernbedienung für zwei Geräte.

Feinste Analogtechnik mit Relais, Transistoren und Widerständen lassen das Herz eines jeden High-Enders höher schlagen. Die großen Transformatoren liegen in ein Kammer unter der Leiterplatte. Solch ein Bolide braucht Kühlung. Die besorgen große Kühlrippen unter den Öffnungen des Gehäuses

Happening

Wir schlossen den D-05u über XLR an den L-507uX an, betätigten das Inputselector-Rädchen des Verstärkers, legten eine SACD ein und ließen und in das Sofa fallen. Es hat etwas ungemein Beruhigendes, den VU-Metern bei ihrer Arbeit zuzuschauen. Bei akustischen Folksong Beekeeper von Aoife O‘Donovan wiegen sich deren Nadeln gemächlich wie Schilf am Ufer eines Badesees. Und so fühlen wir uns beim Lauschen der rauchig ruhigen Gitarrenmusik ins Naherholungsgebiet versetzt: Einfach entspannt.

Allerdings ist der Klang so gut, dass sich ein Nachteil einstellen kann. Wie das gehen soll? Ganz einfach: An der klanglichen Perfektion kratzende Systeme legen Produktionsfehler gnadenlos offen. Man hört etwa, wenn ein Instrument mit Digitalhall versehen wurde. Es klingt künstlich. Besonders Instrumente mit viel „Punch“, wie eine plektrumgespielte Westerngitarre sind dafür anfällig. Hören Sie gerne im Studio produzierte Musik? Dann können Sie versuchen, die Luxman-Kombo an ruhig aufspielende Boxen zu stöpseln, um einem analytischen Gesamtcharakter entgegenzuwirken. Wir testeten unter anderem mit der recht kleinen Nubert nuBox 513, die aufgrund des kleinen Gehäusevolumens etwas höhenlastig tönte und in Kombination mit der superehrlichen Luxman-Kette Hallfahnen von Becken und Stahlsaiten überdeutlich abbildete. Die Luxmänner können ruhig voluminösere Boxen vertragen – wir erinnern an die zweimal 220 Watt Verstärkerleistung. Überhaupt lässt sich feststellen, dass der überaus lineare Frequenzgang den Lautsprechern Platz zur Entfaltung lässt. Oder andersherum ausgedrückt: die Lautsprecher werden in der Kette die größten Signalverfärbungen zu verantworten haben. Das sollte man als Chance begreifen und möglichst Lautsprecher nach dem persönlichen Geschmack auswählen.

Tracknummer und Zeitangabe auf dem Display können vergrößert angezeigt werden

Ebenfalls hochwertig sollten die Musik-Aufnahmen sein, mit der die Luxmann-Kette gefüttert wird – zu denken ist an die Gattungen Klassik und Jazz, wo die Musiker „live“, das heißt, zusammen, einspielten. Nur dann kommt die ganze Klasse der Geräte in Sachen Raumabbildung zum Tragen. MP3s oder auch CDs mit diesen High-End-Geräten zu hören wäre schade und würde deren Potential nicht mal ansatzweise auskosten. SACDs oder DSD-Dateien hingegen ziehen uns mitten hinein in den Aufnahmeraum, den Konzert- oder den Kirchensaal. Die Aufnahme der Mozart-Arie „ch’io mi scordi di te“ mit der Sopranistin Christiane Karg etwa führt uns deutlich vor Ohren, dass sich optimal wiedergegebene High-Res-Dateien mit natürlichen Aufnahmen am wohlsten fühlen. Auch bei der eigentlich zurückgenommen Jazz-Aufnahme „Love Letters“ von Paul Novotny und Robi Botos, die nur aus Klavier und Kontrabass besteht, fühlen wir uns in den Raum hinein. Schließen wir die Augen, sitzen beziehungsweise stehen die beiden Musiker direkt vor uns. Für die exakte Abbildung der Räumlichkeit ist maßgeblich auch die tolle Anschlagsdynamik und das Impulsverhalten mitverantwortlich. Besonders schon hört man dies auf dem perkussiven Track „Los Indigenados“ des Trios Kalifé, Tristano, Schumacher. Geklicker, und Getrommel in allen Frequenzbereichen verdeutlicht die saubere Arbeit der Ingenieure.

Die übersichtliche Rückseite bietet viele Anschlussmöglichkeiten. Darunter optischer, koaxialer und USB-Anschluss für die Nutzung des D-05u als Wandler bzw. externe Festplatte

 

weitere Informationen unter: www.iad-audio.de

 
Luxman D-05u & L-507uX: Lineare Klangsezierer
Wiedergabequalität95%
Ausstattung/Verarbeitung96%
Benutzerfreundlichkeit97%
Preis/Leistung91%
Vorteile
  • Retro Look
  • Geräte optimal aufeinander abgestimmt
  • toller Klang
Nachteile
  • sehr groß und schwer
95%Gesamtwertung
Leserwertung: (3 Votes)
92%

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*