Der Edge A von Cambridge Audio ist ohne Frage eine imposante Erscheinung, hinter der ein nicht minder ambitioniertes Konzept steht.

Cambridge Audio verspricht mit dem Edge A nicht weniger als puren, britischen Klang. Sprich: Bei der Wiedergabe kommt nichts hinzu und es wird auch nichts weggelassen. Eine vollmundige Versprechung, die sich nur wenige Unternehmen herausnehmen können, ohne direkt nach übertriebenem Marketing-Sprech zu klingen. Cambridge Audio darf das – schließlich gehört man zu den Herstellern, die diesen Begriff geprägt haben. Von der Gründung 1968 und den bescheidenen Anfängen als eine Gruppe enthusiastischer, junger Absolventen des Technikstudiums, bis zur heute in London ansässigen festen Größe der HiFi-Landschaft, kann Cambridge Audio auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken.

Begonnen hat diese mit dem mittlerweile schon legendären, ersten Verstärker der Marke: dem Cambridge Audio P40. Dieser gilt als der erste kommerziell erhältliche Stereovollverstärker, bei dem ein Ringkerntrafo zum Einsatz kam. Auch beim Edge A wird es bei den Ringkerntrafos spannend, aber alles zu seiner Zeit. Einer der damals an der Entwicklung des P40 beteiligten Gründer von Cambridge Audio war Professor Gordon Edge, dessen Nachname nun Synonym mit der PremiumSerie des Herstellers ist. Entsprechend war die Zielsetzung bei der Entwicklung der Serie auch, ohne Rücksicht auf Kosten und Aufwand, sozusagen das Traumsystem der Entwickler von Cambridge Audio umzusetzen.

Cambridge Audio Edge A Stereovollverstärker Amp Integrated Amplifier Test Review
Beim Edge A setzt Cambridge Audio auf eine entgegengesetzt symmetrische Doppelringkern-Konstruktion, die effektiv die elektromagnetischen Streufelder der Trafos unterdrückt. Die Unterschriften der Entwickler auf den Platinen ist ein weiteres, schönes Detail. Die massive Power des Edge A bringt auch entsprechende Abwärme mit sich. Daher sind nicht minder massive Kühlrippen verbaut

British Understatement

Beim Cambridge Audio Edge A manifestiert sich dieser Entwicklertraum als ein bulliger Stereovollverstärker mit einerseits puristisch aufgebautem, analogen Signalpfad, aber gleichzeitig einer Fülle an analogen wie digitalen Anschlussmöglichkeiten. So findet sich beim Edge A sogar ein ARC-fähiger HDMI-Anschluss, was den Luxusverstärker auch für Heimkinooder sogar Gaming-Anwendungen interessant macht. Zunächst wollen wir uns aber der Konstruktion widmen. Und diese ist vor allem eines: massiv! Dabei ist der Edge A mit seinen 24,4 Kilogramm Lebendgewicht ein echter Brocken. Das Design macht einiges her, mit den dicken Kühlrippen, welche die kompletten Flanken des Verstärkers bedecken und unmissverständlich ausdrücken: „Hier steckt Power drin!“. Zusammen mit dem gediegenen, grauen Finish des Aluminium-Gehäuses und minimalistischen Bedienelementen am Gerät ergibt sich ein absolut gelungenes Erscheinungsbild das gleichzeitig Kraft, aber auch eine gute Portion britisches Understatement versprüht.

Wo wir gerade schon bei den Bedienelementen sind: Diese bestehen lediglich aus einem konzentrischen Drehregler, wobei der untere Ring die Eingangswahl ermöglicht und der obere den Wiedergabepegel kontrolliert. Angezeigt wird der jeweils aktive Eingang über einen LED-Kranz. Ein Display sucht man vergebens. Das sieht ziemlich schick aus, jedoch ergaben sich in der Anwendung zwei Probleme bei dieser Umsetzung. Erstens sind die LEDs nicht mit gängigen Abkürzungen für den jeweiligen Input betitelt, sondern mit A1 bis A3 für die analogen und D1 bis D5 für die digitalen Eingänge beschriftet. Das an sich wäre vielleicht noch problemlos zu verschmerzen, aber leider ist die Lesbarkeit der Beschriftung auch ab wenigen Metern vor dem Gerät nicht mehr gegeben. Das bedeutet, wenn man die mitgelieferte Fernbedienung benutzen will, dass man schlichtweg die LED-Positionen samt der korrelierenden Eingänge auswendig lernen muss.

Cambridge Audio Edge A Stereovollverstärker Amp Integrated Amplifier Test Review
Die Silent Coat-Beschichtung dient der Schwingunsdämpfung des Trafos

Dafür lässt sich jedoch die Fernbedienung dank der ergonomischen Tastenanordnung komplett nutzen, ohne den Griff zu wechseln oder die andere Hand zu nutzen. Das liegt natürlich auch daran, dass der Funktionsumfang durch das puristische Konzept des Signalwegs ebenso minimalistisch ausfällt. Auf Klangregelung, Loudness-Schaltung oder gar digitale Raumkorrekturen wurde hier konsequent verzichtet. Dafür beherbergt der schon erwähnte Lautstärkeregler eine ganz besondere Überraschung. Dieser ist nicht nur motorisiert, sondern auch sonst kein gewöhnlicher Potentiometer. Cambridge Audio realisiert den Pegelsteller hier mittels Halbleitertechnologie, was das übliche Problem bei Stereo-Potentiometern ausmerzen soll: Die oft hörbaren Toleranzen zwischen den Kanälen. Das Problem wird den meisten Lesern bekannt sein. Selbst bei höherpreisigen Geräten merkt man speziell im unteren Regelbereich, dass die Stereobalance durch Pegelunterschiede zwischen den Kanälen zur einen oder anderen Seite verzogen wird. Das ist keineswegs Faulheit der Hersteller, sondern dem Problem geschuldet, dass eng tolerierte Stereopotis nur mit einem enormen Aufwand herzustellen sind, was wirtschaftlich oft nicht darstellbar ist. Die Halbleiterlösung des Edge A funktioniert jedenfalls ganz wunderbar. Die Stereokanäle bleiben über den gesamten Regelweg perfekt ausgewogen! Und die Haptik ist übrigens auch ein Traum.

Cambridge Audio Edge A Stereovollverstärker Amp Integrated Amplifier Test Review
Der Kopfhörerausgang bietet exzellenten Klang und immense Leistungsreserven. Zwischen den Pegelstellungen für Lautsprecher und Kopfhörer schaltet der Amp automatisch um

Schaltung und Spezifikation

Der Solid-State-Pegelsteller ist jedoch nicht der einzige technische Kniff, der sich im Cambridge Audio Edge A finden lässt. So ist die Endstufe als von Cambridge Audio betitelte Class-XA-Schaltung realisiert. Diese soll die klanglichen Vorzüge einer Klasse-A-Schaltung mit der Kraft und Effizienz einer Class-A/B-Verstärkerstufe kombinieren. Dafür wird hier ein Class-A/B-Design mit einer so gewählten Vorspannung versehen, dass Übernahmeverzerrungen zwischen den Transistoren, die für die Verstärkung der positiven und negativen Halbwelle des Signals zuständig sind, quasi eliminiert werden. Wie genau sich das von einer konventionellen AB-Schaltung unterscheidet, wird uns nicht unbedingt klar. Wir tippen darauf, dass der Bereich in dem die Endstufe sozusagen als ClassA arbeitet sehr groß gewählt ist. Darauf deuten auch die gemessenen 160 Watt hin, die der Edge A im Ruhebetrieb zieht.

Wie schon angekündigt, erwartet uns bei den Transformatoren des Edge A ebenfalls etwas Besonderes. So arbeitet Cambridge Audio hier mit entgegengesetzt symmetrischen Doppelringkern-Transformatoren. Diese sollen – ähnlich wie bei einer symmetrischen Kabelverbindung – Störspannungen effizient unterdrücken und gleichzeitig stabile Leistung unabhängig vom Wiedergabepegel sicherstellen. Wir sind gespannt auf das klangliche Ergebnis! Vor allem, da die Entwicklung des Edge A hauptsächlich per Ohr stattfand, man also die Komponentenwahl via Hörtest und nicht nach der Preisliste oder den Spezifikationen entschieden hat.

Dennoch liest sich interessanterweise der Blick ins Datenblatt extrem gut. So ist der Crosstalk mit unter –100 Dezibel (dB) gemessen bei 1 Kilohertz (kHz) angegeben. Auch ist der wohlgemerkt ungewichtete Klirrfaktor mit unter 0,002% bei 1kHz und für den gesamten Hörbereich von 20 Hertz (Hz) bis 20kHz mit immer noch ausgezeichneten 0,02% angegeben. Der Frequenzgang reicht von unter 3 Hz bis über 80kHz mit einem Toleranzbereich von gerade mal ±1dB. Auch erfreulich ist, dass über den USB-Anschluss des Edge A hochauflösende PCM-Files mit bis zu 32 Bit Auflösung und 384kHz Samplingrate und sogar DSD 256 unterstützt werden. Apropos Anschlüsse: Dass Cambridge Audio auch symmetrische XLREinund Ausgänge spendiert hat, soll auch lobend erwähnt werden.

Cambridge Audio Edge A Stereovollverstärker Amp Integrated Amplifier Test Review  Anschlüsse Rear Back
Der entschieden puristische Signalpfad des Edge A lässt sich dank der zahlreichen Anschlüsse von einer Vielzahl analoger und digitaler Quellen aus bespielen

Cambridge Audio Edge A – Klang und Praxis

Aber die wirkliche Probe aufs Exempel ist natürlich immer noch in der Praxis zu suchen. Offen gestanden blieb jedoch der erwartete „Wow-Effekt“ zu Beginn des Hörtests überraschenderweise aus. Das heißt jedoch keineswegs, dass es sich beim Edge A nicht um einen tollen Verstärker handelt, vielmehr, dass er – wie auch so manches Lieblingsalbum – seine Qualitäten erst nach und nach zum Ausdruck kommen. Zum Beispiel ist auch stundenlanges Hören über den Edge A ohne Anstrengung oder Ermüdung möglich. Zumal hier keine knalligen Höhen oder andere, sich schnell abnutzenden Tricks, zunächst Eindruck machen, nur um dann schnell ermüdend zu werden. Der Charakter des Edge A lässt sich am besten mit einem Wort zusammenfassen: sauber. Und das wirklich, wie versprochen, weitestgehend unabhängig vom Wiedergabepegel. Auch wenn man den Edge A soweit ausfährt, wie es das Ohr noch schmerzfrei zulässt, kommen hier keine hörbaren Verzerrungen seitens des Verstärker zustande. Hier ist wirklich Beherrschung beim Anwender gefragt, da der Höreindruck auch bei hohen Pegeln sehr angenehm bleibt, ohne jede Spur der harschen Klanganteile, die sich bei anderen Verstärkern dort oft warnend einschleichen.

Auch am anderen Ende des Pegelbereichs sticht unser Testproband positiv hervor. Die Klangbalance bricht auch bei flüsterleiser Wiedergabe nicht zusammen und sogar das Stereobild bleibt stabil. Beeindruckend. Apropos Stereobild. Wie die exzellente Kanaltrennung schon hoffen lies, ist das Stereobild gestochen scharf. Sogar in dichten Arrangements sind alle Elemente im Mix stets ohne Anstrengung auszumachen. Und wenn die Aufnahme dies hergibt, kann man fein der Mikrodynamik jedes Instruments folgen. Besonders beeindruckend war für uns die Sprachverständlichkeit, als wir uns über den ARC-fähigen HDMI-Anschuss mit dem TV verbunden und den einen oder anderen Film gegönnt haben. In Kombination mit unseren Dynaudio Referenzlautsprechern ergab sich stets eine hervorragende Balance aus Effekten, Musik und glasklarer Sprache. Das einzige Problem waren merkliche Phasenunsauberkeiten bei der Ausgabe als Bitstream am UHD-Player eines Films mit 5.1-Dolby-DigitalSoundspur. Diese verschwinden aber, sobald man die Audio-Ausgabe auf PCM umstellt. Das kann man nicht dem Edge A selber anlasten, ist jedoch gut zu wissen. Unser einziger wirklicher Kritikpunkt am Klang des Edge A ist, dass die Tiefenstaffelung gegenüber seinen anderen Qualitäten abfällt.

Cambridge Audio Edge A Stereovollverstärker Amp Integrated Amplifier Test Review  Remote Control
Leider erschwert die Beschriftung am Verstärker die Bedienung aus der Ferne

Wir wollen den Test aber natürlich gerne mit einer positiven Note beenden. In diesem Falle mit einem Hörbeispiel eines Künstlers, der ohne Frage auch seinen Teil zum „britischen Sound“ beigetragen hat. Peter Gabriels Song „Sledgehammer“ vom Album „So“ des ehemaligen Genesis-Sängers ist eine exzellente Produktion, die dennoch Schwächen in der Wiedergabekette gut aufzudecken weiß. Hier gibt es jedoch nur Lob. Bei Tony Levins legendärem, heftig mit dem Octaver bearbeiteten Fretless-Bass hört man sogar ganz genau das Einschwingen der Saite heraus. Der Instrumentenklang ist sonor und knurrig mit fantastisch präzisem Drahtklick im Anschlag. Die Drums sind groß und knallig mit wunderbar gezeichneten Transienten. Die Bläsersektion ertönt kraftvoll und präsent und Gabriels Stimme wird ebenfalls klar herausgestellt. Anders gesagt: Der Song macht über den Edge A einfach richtig Laune. Punkt.

Cambridge Audio Edge A Vollverstärker im Test-Video

Auf unserem YouTube-Kanal gibt es ein kurzes Testvideo zum Edge A.

Weitere Infos unter: www.cambridgeaudio.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 3/2020.

Mehr spannende Testberichte finden Sie hier.

► Lesen Sie hier: Cambridge Audio Edge – Alt-gegen-Neu Aktion

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Test: Cambridge Audio Edge A Stereovollverstärker - Livin’ on the Edge
Der Edge A von Cambridge Audio glänzt durch schier endlose, analoge Kraftund Dynamikreserven, sowie eine ordentliche Portion Spielfreude. Der Klang ist zwar absolut neutral abgestimmt, aber transportiert dennoch Charakter und man merkt, dass es sich hier um eine wahre Herzensangelegenheit des Entwicklerteams handelt. Schade nur, dass bei der frontseitigen Beschriftung die Form über die Funktion gewinnt. Abseits davon erhält man hier jedoch ohne Zweifel einen durchdachten, wie auch optisch ansprechenden Vollverstärker, der ohne Zweifel ein tolles Herzstück des heimischen Entertainment-System darstellt.
Wiedergabequalität94%
Ausstattung/Verarbeitung96%
Benutzerfreundlichkeit76%
Preis/Leistung92%
Vorteile
  • Dynamik
  • Klang
  • Stereobalance
Nachteile
  • Tiefenstaffelung nicht auf einem Level mit restlichem Klang
  • Lesbarkeit der Quellenwahl
91%Gesamtwertung
Leserwertung: (21 Votes)
57%

Bildquellen:

  • _MG_4731: Auerbach Verlag
  • _MG_4740: Auerbach Verlag
  • _MG_4642: Auerbach Verlag
  • _MG_4638: Auerbach Verlag
  • _MG_4652: Auerbach Verlag
  • AUDIO TEST Ausgabe 8/20: Auerbach Verlag
  • Cambridge Audio Edge A: Auerbach Verlag