HiFiMAN sollte durch ihre Kopfhörer im Referenzbereich der versammelten Leserschaft fraglos ein Begriff sein. Aber da man sich auf den Lorbeeren nicht ausruhen will, betreibt die Firma fleißig Modellpflege und beschert uns den HiFiMAN Edition X V2 zum Test.

Edition eXzellent

Innerhalb von nur 10 Jahren hat der in New York gegründete und in China ansässige Hersteller sich einen exzellenten Ruf im Feld hochwertigster Kopfhörer erarbeitet. Das Vorgängermodell unseres Testprobanden wurde auch schon als „HE-1000 des armen Mannes“ betitelt. Wir sind dementsprechend umso mehr gespannt, was die Neuauflage zu bieten hat. 

Konstruktion

Gegenüber der ersten Inkarnation haben sich auf jeden Fall ein paar Dinge hinsichtlich der Konstruktion des HiFiMAN Edition X V2 geändert. So sind die angeschrägt anliegenden Ohrpolster hier tiefer als beim Vorgänger und das Material der Auflagefläche wurde von Velour zu Polyester gewechselt. Jedoch ist das nicht die einzige Veränderung bei der Materialwahl. Denn das die Muscheln des Over-Ear-Kopfhörers haltende Joch ist neuerdings erfreulicherweise aus Metall. Und darüber hinaus wurde auch der Einstellbereich des Kopfbandes erweitert, so dass so ziemlich jeder Kopfgröße ein angenehmer Sitz geboten werden kann.

HiFiMAN Edition X V2

Der erweiterte Einstellbereich des Kopfbandes bietet höchsten Tragekomfort

Nicht geändert hat sich hingegen, dass es sich auch bei der Edition X V2 natürlich weiterhin um ein Modell mit magnetostatischem Treiber handelt. Anders als bei konventionellen elektrodynamischen Treibern mit Schwingspulenantrieb, ist hier der Leiter des Antriebs auf einer flachen Membran aufgebracht. Dies soll zu einer besseren Verteilung der wirkenden Kraft und zu verringerten Partialschwingungen der Membran führen. Diese ist gut von außen durch den vom Hersteller so genannten Window Shade Grill der offenen Konstruktion zu sehen. Diese Bauweise soll störende Reflexionen auf ein Minimum reduzieren. Und schick sieht das Ganze obendrein auch noch aus. Apropos schick aussehen.

Gleiches kann man auch über den Wiedergabebereich sagen. Dieser reicht mit 8 Hertz (Hz) bis 50 Kilohertz (kHz) an beiden Enden des Spektrums weit über das menschliche Hörvermögen hinaus. Speziell die Höhenwiedergabe ist der Theorie nach ja auch eine Stärke von Magnetostaten. Von den knapp 400 Gramm Lebendgewicht unseres Testprobanden merkt man auf dem Kopf relativ wenig. Auch bei längerem Tragen. Das Kopfband aus Kunstleder schmiegt sich sanft und ohne großen Druck an und dank der luxuriös dimensionierten Muscheln kommen auch Menschen mit großen Ohren problemlos ohne gequetschte Pinnae in den Genuss des HiFiMAN Edition X V2.

HiFiMAN Edition X V2 Grill

Der Grill der offenen Konstruktion soll unerwünschte Reflexionen minimieren

Mindestens genauso angenehm ist der Fakt, dass das beidseitig geführte Kabel über Klinkenbuchsen im 3,5 Millimeter (mm) TRS Format am Kopfhörer angeschlossen werden und somit problemlos ausgetauscht werden kann. Und als ob das nicht genug wäre, sind auch gleich zwei verschiedene Kabel im Lieferumfang enthalten. Ein kurzes 1,5 Meter (m) Kabel mit einem als 3,5 mm Klinke ausgeführtem Abschluss und ein 3 m langes Kabel mit einem 6,3 mm Klinkenstecker. Zwar gibt es kopfhörerseitig keine spezielle Verriegelung, die ein versehentliches Herausrutschen des Kabels verhindern würde, aber die Buchsen packen so fest zu, dass wir uns hier keinerlei Sorgen machen. So lange niemand auf die Idee kommt mit dem HiFiMAN joggen zu gehen.

Klang

Aber kommen wir zu wohl wichtigsten und schönsten Aspekt des HiFiMAN Edition X V2: dem Klang natürlich. Und Natürlich ist direkt das richtige Stichwort, wenn man eben diesen beschreiben will. Hier gibt es keine Spur von überzeichneten Höhen oder Bässen zwecks Effekthascherei. Vielmehr gibt sich das obere Ende des Frequenzspektrums ausgeglichen und dabei trotzdem luftig. Die Bässe auf der anderen Seite reichen für ein offenes System extrem tief hinab, wirken aber ebenfalls nie überbetont oder künstlich aufgeblasen. So bleibt viel Platz für die detaillierten Mitten. Alles rundum ausgewogen und sehr geschmackvoll abgestimmt.

Unser erstes Hörbeispiel ist der Song „Think About It“ vom 1981er Platinum-Album „Bella Donna“ von Stevie Nicks. Klar und mit fester Kontur ertönt hier das Klavier im Intro und lässt zusammen mit der glitzernden Gitarre direkt Assoziationen zum Heartland- Rock aufkommen. Macht ja auch nur Sinn, zumal hier auch Roy Bittan von Bruce Springsteens E-Street Band seine Finger mit im Spiel hat. Sobald das Schlagzeug einsetzt, wird klar, das ein großer Teil der Natürlichkeit der Wiedergabe auch der exzellenten Impulstreue des Magnetostaten geschuldet ist. So ist es auch kein Wunder, dass man sogar kleinste Lautstärkeschwankungen auch zum Beispiel in Stevie Nicks Vibrato ausmachen kann. Großartig!

Als zweites Beispiel etwas ein wenig moderneres. Demi Lovato mit ihrem Hit „Sorry Not Sorry“ vom ihrem aktuellen Album „Tell Me You Love Me“. Und auch hier macht der HiFiMAN eine extrem gute Figur. Die Vocals sitzen schön weit vorne im Mix und man hört sogar ganz klar solche Produktionstricks, wie den bewussten Einsatz von Sättigung hier heraus. Ein Testament dafür wie verzerrungsfrei die Kopfhörer selber arbeiten. Die Neuauflage des HiFiMAN Edition X weiß schlichtweg durch ihre natürliche und akkurate Wiedergabe unabhängig vom Musikstil zu überzeugen. Solange die Musikproduktion was taugt. Und ob das der Fall ist, hört man mit diesen Kopfhörern sehr schnell.

 

Weitere Infos unter: www.hifiman.com sowie über den deutschen HiFiMAN Vertrieb Sieveking Sound.

Test: HiFiMAN Edition X V2 - Edition eXzellent
Wiedergabequalität90%
Ausstattung/Verarbeitung89%
Benutzerfreundlichkeit92%
Preis/Leistung78%
88%Gesamtwertung
Leserwertung: (1 Judge)
89%

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