Gepflegter Wireless-Sound aus Norwegen

Mit dem Tana SL-1 präsentiert die EC-Living-Linie von Electrocompaniet ihre Interpretation eines All-In-One-Lautsprechers. Er soll die heimische Musiksammlung genauso einfach streamen, wie Musik aus dem Internet und dabei noch einfach zu bedienen sein. Wir testen, ob die Norweger genauso gut klingen, wie sie aussehen.

 

Eigentlich gehen wir bei unseren Tests nicht auf die Verpackung ein, aber hier wollen wir sie doch erwähnen. Sie besteht nur aus Karton und einer Umschlag für den Lautsprecher sowie das mitgelieferte Netzkabel. Dabei ist sie so clever aufgebaut, dass sie nicht nur gut aussieht. Sie schafft es, ganz ohne Styropor und ähnliche Materialien den Lautsprecher auf kleinstem Raum effektiv zu schützen. Ein schönes Beispiel dafür, wie ökologisches Bewusstsein und gutes Aussehen zusammenfinden können – ein Extra-Lob bereits vor den ersten Klängen aus dem Lautsprecher.

Metall, Hochglanz und Textil

Das gute Aussehen hört bei der Verpackung natürlich nicht auf, es ist nur der Vorgeschmack auf den Inhalt. Die Tana SL-1 und Tana L-1 sind nämlich echte Hingucker. Beide messen gut 18 × 18 × 25 Zentimeter und bestehen aus einem extra versteiften Aluminiumgehäuse, was unerwünschte Vibrationen und Resonanzen effektiv verhindern soll. Das Metall ist im unteren Bereich als eine Art Sockel zu sehen. Darüber spannt sich eine schwarze Textilverkleidung, die von einer Kunststoffabdeckung in Hochglanzoptik gedeckelt wird.

Erhältlich sind die Norweger mit einem silbernen, schwarzen oder kupferfarbenen Metallsockel. Die Textilbespannung und die Kunststoffabdeckung sind immer schwarz. Doch egal in welcher Farb-Kombi die Tana gewählt werden, sie ziehen die Blicke auf sich. Das liegt an der zurückhaltenden Eleganz, die der Multiroom-Lautsprecher gekonnt ausstrahlt. Wie etwa auf der Oberseite auf der die drei Bedienelemente liegen, um die Tana per Touch zu steuern. Damit können wir den jeweiligen Lautsprecher ein- und ausschalten und die Lautstärke regeln. Von beiden Touchelementen machen wir allerdings kaum Gebrauch, da wir die Bedienung per App vorziehen. Darüber hinaus leuchtet hier noch das Logo von Electrocompaniet in einem schönen Blau. Stellen wir die Lautsprecher in den Standby, wechselt die Farbe ins Hellblaue.

Electrocompaniet Tana SL-1

Die Tana SL-1 setzten auf Steuerung per Touch. Die leuchtenden Bedienelemente auf der Oberfläche passen sich wie das Logo hervorragend ins Gesamtbild ein

Class AB statt D im Tana SL-1

Wenden wir uns den inneren Werten zu, so halten sich die Norweger nicht zurück. Erstaunt sind wir da über den internen Class-AB-Verstärker mit 150 Watt Leistung, der natürlich im Tana SL-1 sowie im L-1 verbaut ist. In den meisten Audiogeräten dieser Größe würde nur ein Class-D-Verstärker verwendet werden, da der einfach weniger Platz braucht. Doch die Nordmänner machen hier keine Kompromisse und verbauen einen Amplifier, der auf der Schaltung des Vollverstärkers Electrocompaniet ECI-3 beruht. Und der kostet knapp 2 800 Euro. Das allein lässt schon aufhorchen. Dafür nehmen sie sogar die höhere Wärmeentwicklung in Kauf. Doch keine Sorge – das Aluminiumgehäuse der Multiroom-Lautsprecher leitet sie gekonnt ab.

Der Digital-Analog-Umsetzer beider Tana arbeitet mit 24 Bit bei 192 kHz und der digitale Soundprozessor setzt bei seinen Berechnungen auf 32-Bit-Gleitkomma. Werte also, die wir ebenfalls von Oberliga-Geräten kennen. Wiedergeben kann der Tana SL-1 alle gängigen Audioformate wie WAVE, MP3, AAC+, Vorbis usw. Diese werden selbst im Stream bis zu einer Auflösung von 192 kHz/24 Bit zu Gehör gebracht.

Der kabellose High-Res-Musik-Genuss aus dem Internet oder dem heimischen Netzwerk wird möglich, da im Inneren des Tana SL-1 ein WLAN-Modul mit dem Standard 802.11 AC arbeitet. Bei der kabellosen Verbindung des SL-1 mit dem L-1 wird auf eine hochauflösende Funkstrecke mit 96 kHz bei 24 Bit gesetzt. Alles ganz ausgezeichnete Werte und Eigenschaften, die den Tanas in die DNA gelegt wurden.

Installation nur per LAN

Die Inbetriebnahme der Lautsprecher gestaltet sich einfach. Dazu muss nur der Tana SL-1 ins heimische Netzwerk integriert werden. Der Tana L-1 verbindet sich dann als Slave mit seinem Zuspieler. Für die Installation genügt es, die Android- bzw. iOS-App auf dem Smartphone zu installieren und den Stecker des LANs auf der Rückseite des SL-1 einzustecken und ihn einzuschalten. Den Rest erledigt die App selbsterklärend.

Auch die Stereopaarung wird mit ihr zum Kinderspiel. Hat der SL-1 den L-1 gefunden, brauchen wir nur noch den linken und den rechten Kanal dem korrekten Lautsprecher zuweisen. Ohne Netzwerkanbindung per Kabel funktioniert die Installation leider nicht. Aber nach der Erstinstallation kann der Tana SL-1 im WLAN betrieben werden – ein Procedere, das wir bereits von anderen Multiroom-Systemen kennen.

Electrocompaniet Tana SL-1, L-1

Rechts die Rückseite der Tana L-1. Links die Tana SL-1. Die Verbindung der beiden Boxen geschieht drahtlos über eine Funkstrecke mit 96 kHz bei 24 Bit

Wer mehrere Tana in unterschiedlichen Räumen nutzen will, kann natürlich auch Zonen in der App festlegen. Quellenvielfalt Die Oberfläche der App ist selbsterklärend aufgebaut. Streaming- Features wie AirPlay, Spotify Connect, Tidal, WiMP oder Qobuz sind bereits installiert und lassen sich nach der Anmeldung sofort nutzen. Natürlich ist auch Internetradio an Bord.

Erwähnen wollen wir außerdem die Anschlüsse auf der Rückseite des Tana SL-1, die natürlich auch per App angesteuert werden. Dort kann ein USB-Gerät angesteckt werden, um Musik vom Stick zu hören. Auch eine Toslink- sowie eine SPDIF-Schnittstelle sind integriert. Dank ihr lassen sich etwa der Fernsehton, Spielkonsolensound und andere digitale Zuspieler über die Tana präsentieren. Das Einzige, was wir vermissen, ist die Möglichkeit uns per Bluetooth bei den Norwegern einzuklinken.

Electrocompaniet Tana SL-1

Die Anschlüsse der Tana SL-1: USB, SPDIF,
Toslink und LAN

Hollywood made by Tana SL-1

Um uns vom Klang der Tana SL-1 und L-1 zu überzeugen, testen wir sie als Stereopaar. Immerhin sollen Sie laut Hersteller sogar eine HiFi-Anlage ersetzen können. Was das Marketing verspricht, muss es im Labor auch beweisen. Wir wählen als erste Testmusik den Soundtrack des Hollywood-Hits „La La Land“.

Preis: EUR 7,97
Sofort fällt uns der überraschend kraftvolle Bass auf. Dass er nicht allein der cleveren 2-Wege-Bassreflex-Konstruktion der Tana zu verdanken ist, hören wir aber auch. Das digitale Soundprozessing leistet hier einfach sehr gute Arbeit und bastelt tiefe Töne vom Feinsten. Die wirken natürlich nicht so ausdifferenziert, wie bei einer großen Standbox, die ihre tiefen Klänge analog erzeugt. Im Vergleich zur Größe kann sich aber der Bassbereich wirklich hören lassen.

Das gilt ebenso für die Mitten, die sehr klar und differenziert herüberkommen. Die Höhen sind ebenfalls sehr gut ausgearbeitet, wobei sie einen Tick mehr Energie vertragen könnten. Im Stereobetrieb baut sich ein gut gestaffeltes Stereobild auf. Jedoch fehlt die präzise räumliche Aufl ösung. Das liegt am weiten Abstrahlwinkel dar Tana, was die Ortung im Stereobild erschwert. Doch genau diese Weitenstaffelung kommt ihnen dagegen wieder zugute, wenn sie im Monobetrieb laufen.

Toccata und Fuge in D-Moll

Preis: EUR 19,99
Beim Soundtrack von „La La Land“ passt alles ins Bild. Hier steht klar die Spielfreude ganz weit oben und die ist bei den Tana auf jeden Fall gegeben. Bei klassischen Stücken wie der „Toccata und Fuge in D-Moll“ von Johann Sebastian Bach vermissen wir jedoch die klar definierte Räumlichkeit. Der Hall und feine Nuancen könnten besser herausgearbeitet werden. Hier merkt man das fehlende Volumen und damit die physikalischen Grenzen gegenüber einem Paar Regallautsprechern der gleichen Preisklasse.

Allerdings hinkt der Vergleich, da die Norweger als Multiroomlautsprecher konzipiert wurden. Sie soll dort zum Einsatz kommen, wo eine teure HiFi-Anlage keinen Platz findet oder eben schlicht nicht gebraucht wird. Dafür eignen sich die Lautsprecher ausgezeichnet. Sie überraschen sogar mit einem satten Klang und das schon im Monobetrieb. Vollends zum Genuss werden sie dann in der Stereopaarung. Hier können sie es mit einer Kompaktanlage im gehobenen Preissegment auf jeden Fall aufnehmen. 

Weitere Infos: ecliving.electrocompaniet.no 

Test: Electrocompaniet Tana SL-1, L-1 - Wireless-Sound
Wer wirklich gut aussehende Multiroom-Lautsprecher sucht, der macht mit den beiden Tana alles richtig. Auch die Anschlussvielfalt des Tana SL-1 sollte für die meisten Bedürfnisse ausreichen. Allerdings vermissen wir Bluetooth. Beim Klang machen der SL-1 und der L-1 bis auf die Höhen kaum Kompromisse. Insgesamt schaffen sie ein HiFi-Klangerlebnis, was durch Spielfreude und differenzierten Klang überzeugt und allemal besser und leistungsstärker daherkommt als viele andere Vertreter dieses Genre.
Basswiedergabe93%
Mittenwiedergabe93%
Höhenwiedergabe80%
Wiedergabequalität89%
Benutzerfreundlichkeit84%
Ausstattung/ Verarbeitung100%
Vorteile
  • kraftvoller Bass
  • einfache Bedienbarkeit
  • sehr gut aufgelöster Klang
Nachteile
  • Stereobild verbesserungswürdig
  • Höhen etwas zurückgenommen
90%Gesamtwertung
Leserwertung: (3 Votes)
85%

Über den Autor

Thomas Kirsche

ist Hörspielmacher, Autor und Journalist. Ob beim Geräusche machen, Musik für ein Hörspiel abmischen oder die beste EQ-Einstellung für den Sound einer Stimme finden, immer ist er auf der Suche nach dem richtigen Klang. Beim Verfassen von Testberichten nimmt er mit Vorliebe die Perspektive des Hörers bzw. Nutzers ein. So zählen für ihn Klang und Bedienbarkeit viel mehr als emotionslose Messdaten.

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