Der schwedische Lautsprecherhersteller XTZ stellt mit der Spirit-Serie eine Weiterentwicklung seiner legendären 95-Serie vor. Für relativ kleines Geld erhält man mit dem 5.1-Set (inklusive aktivem Subwoofer) ein fantastisches Heimkino-Erlebnis im Einstiegspreissegment.

Die guten Geister des Heimkinos

Gemeinsamkeiten

Die Lautsprecher der Spirit-Serie sind für Impedanzen zwischen 4 und 8 Ohm geeignet. Der Wirkungsgrad liegt mit 87 Dezibel im normalen Bereich, so dass die Anforderungen an den AV-Receiver nicht sehr hoch ausfallen dürften. XTZ-typisch arbeiten alle Schallgeber bis auf die Spirit 2 (Wand und Rearlautsprecher) nach dem Bassreflex-Prinzip und für das Bassreflex-Rohr liegt immer ein Schaumstoffstutzen bei, um die Lautsprecher zu verschließen und die Charakteristik des Schallwandlers anzupassen. Außerdem befinden sich bei den Standlautsprechern und dem Center eine Steckbrücke um den Hochtonbereich um drei Dezibel abzusenken. Ein tolles Feature und in dieser Preisklasse nicht üblich. Eine fantastische Ausstattung, die XTZ da liefert.

Die Schaumstoffstutzen gehören zur Standard-Ausrüstung von XTZ-Lautsprechern

Die Treibereinheiten

Als Hochtöner ist eine 25 Millimeter Seidenkalotte verbaut. Dieser besitzt den sogenannten Waveguide, was so viel wie „Wellenleiter“ bedeutet. Dies beschreibt die Funktionsweise eigentlich schon perfekt, denn ein Waveguide schwingt nicht aktiv mit, sondern unterstützt nur die Ausbreitung der Schallwellen. Genauer gesagt: Im Allgemeinen arbeitet ein Kalottenhochtöner ab einem und zwei Kilohertz. Unter einem Hertz ist das Schwingungsverhalten eines Hochtöners nicht optimal, so dass man hier mit einem Waveguide nachhelfen kann. Dieser kontrolliert die Abstrahlcharakteristik und verbessert den Übergang zum Tief-/Mitteltöner. In einem Zwei-Wege-System wie hier, muss der Hochtöner relativ tief spielen, weil die Übergangsfrequenz tiefer ist, als bei einem Drei-Wege-System.

Deutlich erkennbar: der Waveguide

Ab den oberen Frequenzen des Hörbereich kommt es verstärkt zu einer Bündelung des Schalls. Mit Hilfe eines Waveguides beginnt die Bündelung schon im unteren Bereich. So werden im Mitteltonbereich Raumreflexionen verringert, da der Strahl nach „vorn“ besser abgegeben wird. Deshalb finden Waveguides vornehmlich Einsatz bei Studiomonitoren, so dass der Tontechniker hört was konkret aufgenommen wurde und nicht was vom Raum reflektiert wird. Ein Nebeneffekt durch die Weitläufigkeit des Waveguides ist die Verringerung von Kantenreflexionen, die sich bei kurzwelligem Schall akustisch eher bemerkbar machen, als bei tieferen Frequenzen. Ein weiterer Vorteil liegt bauartbedingt auf der Hand: Die leicht nach hinten verschobene Schallquelle. Diese Phasenkorrektur unterstützt die räumliche Wiedergabe und reduziert das Phasenproblem. Doch wieder zurück zu den Lautsprechern.

Die Tief-/Mitteltöner wurden im hauseigenen Forschungslabor für die Spirit-Serie entwickelt und verwenden Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) in Kombination mit einer langfaserverstärkten Zellstoffmischung für die Membran. ABS ist ein Copolymer, schmilzt bei etwa 235 Grad und kann im flüssigen Zustand geformt werden. Zudem ist ABS wiederverwendbar und recycelbar. Andere Verwendungen dieses Werkstoffes findet man bei Mundstücken von Klarinetten oder Saxophonen und tatsächlich auch bei Lego-Bausteinen. Genau mit diesem Wundermaterial stattet XTZ also seine Treiber aus, um bei geringem Gewicht eine optimale Steifigkeit zu erhalten. Durch die Verwendung eines starken Magnetsystems wurde die Impulsantwort optimiert und kann so Auslenkungen mit einer präzisen Arbeitsweise unterstützen.

Die Membran des Tief-/Mitteltöners aus ABS

Die Spirit 11

Unser Testaufbau besteht aus einem Paar Standlautsprechern, den Spirit 11, den Wand- und Rearlautsprechern Spirit 2, dem kompakten Centerlautsprecher Spirit 6 (gibt es als Spirit 8 auch in einer breiteren Ausführung) und dem Subwoofer Spirit Sub 12. Mit einem Meter Höhe und 21 Kilogramm gehören die Standlautsprecher in die Kategorie „leicht“ und nicht zu den schwersten Vertreter ihrer Gattung. Mit Ihrem Frequenzgang von 34 Hertz bis 22 Kilohertz spielen sie normal auf und können bis 180 Watt Nennleistung vertragen. Schlicht und simpel muten sie an. Die Spirit-Serie gibt es in den klassischen Farbtönen schwarz oder weiß. Sie passen sie sich ganz elegant in den Wohnbereich ein und versprühen skandinavischen Charme. Die in dieser Preisklasse doch sehr hochwertige Verarbeitung überzeugt uns. Das Gehäuse ist aus sehr stabilem MDF gefertigt. Die 25-Millimeter-Front trägt den Höchtöner und die zwei Tief-/Mitteltöner.

Schlank erheben sich die Spirit 11

Die Anschlussterminals sind hochwertig verarbeitet, jedoch nicht Bi-Wiring-fähig. Für die Preisklasse völlig in Ordnung. Doch kann man den Hochtonbereich um 3 dB absenken, in dem man die Steckbrücke auf der Rückseite des Terminals einfach entfernt. Die im Lieferumfang befindlichen Gummifüße können gegen einen Aufpreis von etwa 80 Euro pro Lautsprecherpaar gegen metallene Spikes ausgetauscht werden. Diese sind selbstverständlich höhenverstellbar und werten die Lautsprecher extrem auf. Zu jedem Schallgeber gibt es noch eine magnetische Abdeckung auf der das XTZ-Logo angebracht ist. Sollte man keinen Gefallen daran finden, kann man darauf bei der heimischen Aufstellung verzichten.

Die Spikes können gegen einen Aufpreis erworben werden

Der Spirit Sub 12

Der Spirit Sub 12 besitzt ein 12-Zentimeter-Chassis und zwei Bassreflexrohre. Angetrieben wird er mit einer verbauten 400W-Endstufe mit Class-D-Technologie. Im Dauerbetrieb liefert sie jedoch stattliche 200 Watt. Anschließen kann man den Sub 12 über ein Mono- oder Y-Cinch-Kabel. Sollte man keinen Subwooferausgang am Verstärker besitzen, kann der Stereo-Hochpegeleingang genutzt werden. Wie bei einem Subwoofer-Terminal üblich, können die Lautstärke, die Phase und die Übergangsfrequenz eingestellt werden.

XTZ spendierte dem Subwoofer sogar einen Hochtonpegel-Eingang

Zusätzlich wurde ein Equalizer verbaut. Dieser hat drei Einstellungen. EQ REF ermöglicht einen maximalen Tiefgang, EQ1 lässt den Bass später aufsteigen, so dass nicht alle Tiefen genutzt werden und man so dröhnenden Geräuschen und Raumreflexionen vorbeugen kann. EQ 2 bietet einen tieferen Bass als EQ 1 und führt zu einem kontrollierten Bass. Die beiden letzteren Einstellungen eignen sich für kleinere Räume. Auf alle Fälle sollten Sie damit „spielen“ und die optimale Einstellung für sich herausfinden. Gleiches gilt für die beiden vorn angebrachten Bassreflex-Öffnungen. Mit Hilfe der zwei mitgelieferten Schaumstoffstutzen gibt es mathematisch gesehen vier Variationen und Möglichkeiten.

  1. Alle offen: Erhöhung des Basses in den hohen Bereichen
  2. Nur links geschlossen: Erhöhung des Basses in den mittleren Bereichen
  3. Nur rechts geschlossen: Dadurch wird der maximale Tiefgang erreicht
  4. Alle geschlossen: Dadurch wird ein linearer, knackiger und trockener Bass erreicht

Wichtig ist hier, wie die Bassreflex-Öffnungen geschlossen werden

Die Spirit 2

Die Spirit 2 sind so schlank, dass man sie bedenkenlos an der Wand anbringen kann. Mit einer Tiefe von nur 12 Zentimetern und einem Gesamtgewicht von 5,3 Kilogramm sind sie mit ihrer Schlüsselloch-Aufhängevorrichtung ideal dafür geeignet. Die Dauerbelastbarkeit liegt bei 75 Watt. Der angegebene Frequenzgang reicht von 78 Hertz bis 22 Kilohertz. In Beiden arbeiten Hoch- und Tief-/Mitteltöner.

Die Spirit 2 sind so schlank, dass sie auch als Wandlautsprecher fungieren können

Der Center Spirit 6

Der Spirit 6 ist der kleine Bruder der Spirit 8. In ihm wurden zwei 15-Zentimeter-große Tief-/Mitteltöner verbaut und der mehrfach erwähnte 25-mm-große Kalottenhochtöner mit Waveguide-Ausführung. Er besitzt wie die Spirit 2 ebenfalls eine Schlüsselloch-Aufhängevorrichtung, um ihn an der Wand anzubringen. Aus unserer Sicht hätte man seine Höhe minimal kleiner gestalten können, da er zu hoch ist, um ihn vor einen Stand-TV zu platzieren, weil er sonst die Sicht auf den Film verhindert. Entweder müsste dafür der TV an der Wand angebracht werden oder das Lowboard nimmt ihn auf. Mit seiner 125 Watt Dauerleistung übernimmt er souverän den Mitteltonbereich. Seine relativ großen Tief-/Mitteltöner können auch jede noch so tiefe Sprech- und Gesangsstimme wiedergeben und glänzen auf ganzer Strecke.

Zum Center Spirit 6 erhält man eine auch eine elegante Frontabdeckung

Praxistest

Geniales Konzert mit Joe Cocker (Bild: Amazon)

Nach der Aufstellung und der Einrichtung des System kann es endlich losgehen. Beginnen möchten wir mit einem Konzertmitschnitt der Europa-Tour „Fire-Up-Live“ von Joe Cocker, die ein Jahr vor seinem Tod im Jahr 2013 erschien. Das hochgelobte Album kannten wir schon als reine CD-Aufnahme und nun wollen wir uns vom Sound der Spirit-Serie begeistern lassen. Etwas skeptisch waren wir schon, ob die relativ günstige Serie das Konzerterlebnis ins heimische Wohnzimmer transportieren kann. Gleich vornweg: Der Spaß beginnt erst, wenn die Schallgeber richtig eingestellt sind. Das gilt insbesondere für den Subwoofer. Dafür sollte man sich wirklich genug Zeit nehmen und auch ein wenig ausprobieren, bis der persönliche, perfekte Sound erreicht wird. Doch dann wird man dafür mit einer tollen Klangwiedergabe belohnt.

So ließ das Spirit-Set von XTZ Joe Cocker in unserem Hörraum wieder lebendig werden, der britische Rockstar und seine Band rockten sprichwörtlich das Verlagsgebäude. Seine einzigartige, knorrige Reibeisenstimme strahlte uns entgegen. Gepaart mit Gitarrensoli, Klavier und Orgel fingen unsere Ohren die Wellen auf. Die Schwingungen der Bassgitarre wurden vom Subwoofer auf unseren Körper gepresst. Die Hi-Hat und ihre Obertöne wurden durch die Hochtonseidenkalotte großartig wiedergeben. So macht Musikwiedergabe Spaß und wir mussten das Album gleich ein weiteres Mal hören!

Auch bei Star Trek können die XTZ glänzen (Bild: Amazon)

Im Anschluss wollten wir natürlich noch austesten, wie sich XTZ bei der Wiedergabe eines Science-Fictions-Blockbusters auf Blu-ray schlägt. Aus diesem Grund schauten wir uns den neuen Star-Trek-Film „Beyond“ an. Hier fliegen Raumschiffe aus allen Ecken durchs Bild, es kracht gewaltig, doch trotzdem gibt es in diesem Film auch genug Platz für leise Töne. Und auch hier konnte uns das Spirit-Set von XTZ überzeugen und durch einen fantastischen dynamischen Umfang begeistern.

Fazit

Für diese Preisklasse bietet XTZ mit der Spirit-Serie ein wunderbares 5.1-Set, das sich hinter großen Namen nicht verstecken muss. Das Klangbild ist satt und kraftvoll, zugleich aber auch hörbar dynamisch. Individuell angepasst auf den eigenen Hör- bzw. Heimkinoraum – und das lassen die Schallwandler dankenswerterweise zu – erhält man als Musik- und Heimkino-Fan ein Rund­um-sorg­los-Pa­ket. Die XTZ spielen eine Liga höher, als man es bei dem Preis erwartet hätte. Wir sagen: Nicht zögern und einfach selbst zu Hause ausprobieren. Zu erwerben sind die Lautsprecher der Schweden nur Online auf der deutschen Webseite von XTZ unter www.xtz-deutschland.de.

Test: Spirit-Serie von XTZ - Heimkino
Wiedergabequalität85%
Ausstattung/Verarbeitung92%
Benutzerfreundlichkeit86%
Preis/Leistung92%
Vorteile
  • tolles Preis/Leistungsverhältnis
  • gute Klangwiedergabe
  • viele Einstellmöglichkeiten
Nachteile
  • keine
88%Gesamtwertung
Leserwertung: (5 Votes)
62%

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