Schon wieder herrscht Premierenstimmung in den Redaktionsräumen von AUDIO TEST und Likehifi.de. Denn nachdem wir Ihnen erst kürzlich Piegas Kompaktlautsprecher Ace 30 vorstellen durften, wird uns nun die große Ehre zuteil, Ihnen die brandneue kabellose Aktivvariante des schweizerischen Feinschmeckers präsentieren zu dürfen!

Traumstart für Feinschmecker

Ganz in der Nähe von Zürich liegt am Ufer des Zürichsees das malerische Städtchen Horgen. Dort niedergelassen ist das vor nunmehr drei Dekaden gegründete Unternehmen Piega. 1986 von Leo Greiner und Kurt Scheuch ins Leben aus der Taufe gehoben, zählt die Lautsprecher-Manufaktur heute zu den Top-Adressen des Schweizer Handwerks – nicht nur auf den HiFi-Bereich bezogen. Und das hat bekanntlich einen weltweit erstklassigen Ruf.

Mittlerweile zählt Piega 96 verschiedene Modelle zu seiner Produkthistorie, wobei sich zwei Charakterzüge der ersten Stunde auch auch heute noch in nahezu allen Schallwandlern wiederfinden: Das klare, puristische Design der kennzeichnenden nahtlosen Aluminiumgehäuse und Piegas hauseigener Bändchen-Hochtöner. Die bevorzugte Verwendung von Koax-Bändchen oder Air-Motion-Transformern im Gegensatz zu Schwingspulen ist auch bei Piega eine Grundsatzfrage. Denn nicht nur einem Schweizer Uhrwerk wohnt bekanntlich Präzision inne, sondern auch Piegas Koax-Bändchenchassis, welche sich genau aus diesem Grund in ihrer ausladenden Form als ein Markenzeichen des Herstellers etabliert haben. Fast könnte man behaupten, Piega setze bei der Konzeption eines Lautsprechers alles auf diese eine Karte.

Schweizer Präzision

Denken wir zum Beispiel an Piegas Master Line, die bei den Standlautsprechern Master Line Source 2 und 3 auf ganze vier Hochtonbändchen vertraut und beim Flaggschiff Master Line Source sogar satte 24 Bändchentreiber im Hochtonbereich und zusätzlich neun Bändchen für die Mitteltonwiedergabe in einem eigenen Lautsprecher unterbringt, während die sechs Tieftöner einen eigenen Tower spendiert bekommen.

Dass Piegas Konstruktionsansatz dabei den höchsten Ansprüchen gewachsen ist, stellen die Schweizer auch in der AUDIO TEST in verlässlicher Regelmäßigkeit bravourös unter Beweis. So erzielte das Unternehmen über die vergangenen elf Jahre in insgesamt zehn Tests einen ausgezeichneten Testdurchschnitt von stolzen 91 Prozent. Klassenprimus war dabei ganz klar die erwähnte Master Line Source 2, welche in Ausgabe 04/2019 ein kaum zu schlagendes Testergebnis von 99,5 Prozent mit nachhause nahm ( hier im Test).

Zuletzt hatten wir im Sommer den Kompaktlautsprecher Ace 30 auf dem Prüfstand. Im Test konnte dieser den Redaktionskollegen Simon Mendel vor allem ob seiner Affinität für sinnliche Dynamiken überzeugen. Erst vor wenigen Tagen hob Piega nun den Vorhang für die Premiere des kabellosen aktiven Pendants zum Ace 30, dem Ace 30 Wireless. Uns wurde in diesem Zusammenhang die große Ehre zuteil, den neuen Regallautsprecher bereits vorab seines Launches ausführlich testen zu dürfen, sodass wir Ihnen nun pünktlich zum Karrierestart des Piega Ace 30 Wireless unsere Eindrücke schildern können. So viel vorab: Wir wurden alles andere als enttäuscht. Aber nun: In medias res!

Piega Ace 30 Wireless Test Review 01 Speaker Streaming Active Aktiv Boxen HiFi
Piega Lautsprecher: bekannt durch die markante Aluminiumbauweise und die Bändchenhochtöner-Technik.

Aus einem Guss

Über das eine unverkennbare Markenzeichen eines Piega-Speakers sprachen wir ja bereits. Das zweite Kennzeichen, an dem sich zweifelsfrei ein Lautsprecher des Schweizer Herstellers festmachen lässt, ist das markante geschwungene Gehäuse. Der Korpus der meisten Piega-Lautsprecher ist aus einem Stück gebürstetem Aluminium gefertigt und verzichtet mit seiner elliptischen Grundfläche auf parallel zueinander stehende Seitenwände, was vor allem den gehäuseinternen Resonanzen des Speakers entgegen kommt, da stehende Wellen vermieden werden.

Eine Premiere begeht Piega bei den Ace 30 Wireless Aktivlautsprechern jedoch in der Oberflächenbearbeitung des Gehäuses. Erstmals kommt hier ein Sandstrahlverfahren zum Einsatz. Dieses gibt sich ebenso hochwertig wie gebürstetes Metall, tritt jedoch mit deutlich subtilerer Eleganz auf. Verfügbar ist der Lautsprecher in drei verschiedenen Farbausführungen. Im natürlichen Silberton des Werkstoffs, sowie mattschwarz und weiß. Abgeschlossen wird der Korpus frontseitig von einer schlichten Textilblende.

Antrieb

Dahinter befindlich sind die beiden Klanggeber des Piega Ace 30 Wireless Streaming-Lautsprechers. Wie auch bei der passiven Variante des Modells zählt der Hersteller hier auf einen Tiefmitteltöner von 120 Millimetern (mm) Durchmesser und ein Hochtonbändchen vom Typ Piega AMT. Der Air Motion Transformer ist dabei die ökonomischere Variante des in anderen Lautsprechern des Herstellers Verwendung findende Bändchen LDR 2642 MKII, welches wir zum Beispiel vom Piega Premium Wireless 301 kennen ( hier im Test).

Der AMT besteht aus einer hauchzarten gefalteten Membran, welche von einem leistungsstarken hochreinen Neodymmagneten in Bewegung versetzt wird. Diese Arbeitsweise beschert einem Hochtöner eine ausgezeichnete Impulsivität und eine äußerst nuancenreiche Dynamik. Im Zusammenspiel mit dem Tiefmitteltöner kommt der aktive Ace 30 Wireless dabei auf einen deutlich anderen Frequenzverlauf als das passive Modell.

Spielte dieser von 50 Hertz (Hz) bis 40 kHz auf, so verfügt der kabellose Piega Ace 30 Wireless über ein Bandbreite von 35 Hz bis 25 kHz. Die Einbußen im Hochtonbereich sind gern verziehen, da die obere Hörschwelle trotzdem deutlich überschritten ist. Zumal ließ der passive Ace 30 etwas an Punch vermissen, welchen wir uns nun von den zusätzlichen 15 Hz im Tiefgang erhoffen dürfen.

Piega Ace 30 Wireless Test Review 01 Speaker Streaming Active Aktiv Boxen HiFi
Obwohl wir eigentlich offenliegende Frontseiten bei Lautsprechern favorisieren, so müssen wir leider gestehen, dass die Blende dem Ace 30 Wireless ganz gut zu Gesicht steht.

Tech Specs

Einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zu den beschaulichen 3,4 Kilogramm Kampfgewicht des Piega Ace 30 Wireless leistet die in beiden Lautsprechern verbaute Elektronik. Zum einen ist da die 100 Watt starke Verstärkereinheit, welche dem gerade mal 22 Zentimeter (cm) hohen Speaker wohl so ordentlich einheizen dürfte. Zum anderen verfügt der Piega Ace 30 Wireless selbstverständlich über ein umfangreiches Digitalmodul, welches dem Speaker zum einen seine umfangreichen kabellosen Features beschert.

Nämlich lässt sich der Ace 30 Wireless nicht nur über Bluetooth 4.2 anspielen, sondern auch über die üblichen Verdächtigen, die da wären: Spotify Connect, Roon Ready und Google Chromecast. Physisch lässt sich die Aktivvariante des Ace 30 jedoch natürlich ebenfalls ansteuern. Und zwar entweder analog über eine kleine Stereoklinke oder digital via S/PDIF. Außerdem wurde dem Piega Ace 30 Wireless ein HDMI-Kanal (via HDMI eARC) spendiert für die Implementierung in ein Home-Cinema Ensemble. Die Signalwandlung von digital in analog und umgekehrt wird von Piegas Ace 30 Wireless übrigens mit einer Auflösung von maximal 24 Bit an 192 kHz Samplingrate bewerkstelligt.

Setup

Zwei Lautsprecher eines Ace 30 Wireless-Stereo-Setups funktionieren dabei im so genannten „Master/Slave-Prinzip“, hier jedoch nicht der Hersteller eine Unterscheidung der Speaker durch bauliche Maßnahmen vornimmt, sondern der Nutzer im Installationsprozess. Und dieser geht denkbar einfach von der Hand. Wenn beide Lautsprecher aufgestellt und mit dem Stromnetz verbunden sind, müssen sie lediglich ins heimische Netzwerk eingepflegt werden. Dies geht entweder via WiFi oder Ethernet.

Je nach Aufstellung empfiehlt es sich übrigens, vom rückseitig verbauten „Sound Switch“ Gebrauch zu machen, welcher den Lautsprecher auf eine wandnahe, bzw. freistehende Aufstellung anpasst. Ist dieser Schritt erledigt, lassen sich die beiden Speaker zu einem Stereopaar verbinden. Nun genügt es, einen Lautsprecher mit Signal zu speisen. Dies wird nun kabellos an seinen Spielpartner weitergegeben.

Während wir für die beiden Testmuster im schnöden Stereobetrieb testen werden, offeriert Piega natürlich auch umfassendere Anwendungsmöglichkeiten. So lassen sich verschiedene Speaker beispielsweise auch zu einem Mehrkanal-Arrangement bis zu 7.1 zusammenschalten. Der letzte Schritt des Installationsprozesses besteht schließlich in der Eröffnung einer Bedienoberfläche. Hierfür vertraut der Hersteller auf Google und bittet uns, anhand der Google Home App Kontakt zu den Lautsprechern aufzunehmen. Dies funktioniert auch einwandfrei.

Piega Ace 30 Wireless Test Review 01 Speaker Streaming Active Aktiv Boxen HiFi
Das Terminal des Speakers informiert über den Verbindungsstatus und Anwendung des Lautsprechers und offeriert die verschiedenen Anbindungsmöglichkeiten, welche bei Auslieferung zum Schutz mit Gummikappen.

Phantomzwerge

Sowie wir den ersten Track zünden, gelingt Piegas Neulingen die erste Überraschung. Mit „Don’t Explain“ von Chet Baker springen wir zunächst ungläubig vom Stuhl und laufen die ebenfalls im Hörraum befindlichen Standlautsprecher ab, um sicherzustellen, dass wir nicht doch einen von ihnen in Betrieb gesetzt haben. Aber nein – es sind tatsächlich die gerade mal 22 cm kleinen Piega Ace 30 Wireless, die den kompletten Raum in Klang kleiden. Alle Achtung!

Auch wenn es nach einer abgedroschenen Floskel klingen mag, so wachsen die beiden Speaker klanglich über sich hinaus und klingen nach deutlich mehr, als man von ihrer zarten Erscheinung zu erwarten wagt. Der Sound der Prüflinge gibt sich vollmundig und raumfüllend und weiß vor allem ob eines unfassbaren dynamischen Feingefühls zu punkten. Feinste Nuancen werden vom Ace 30 Wireless mit großer Kunstfertigkeit artikuliert.

„Im Rauch“ von Bohren & Der Club of Gore zum Beispiel lebt von den hauchfeinen Transienten vor allem in Saxophon, Drums und Piano. Für den Lautsprecher, der von der Größe her beinahe in einen Schuhkarton zu passen scheint, absolut kein Problem. Eine bisher durchaus beachtliche Darbietung. Vor allem, da Piegas Neuling nicht nur abstimmungstechnisch, sondern auch mit Gehör auf das Abstrahlverhalten eine überaus große Figur macht. Der Sound des Piega Ace 30 Wireless Aktivlautsprechers ist auch bei kleineren Lautstärken sehr voluminös und braucht sich kaum hinter größeren Vertretern seiner Zunft verstecken.

Der einzige Punkt, an dem wir doch etwas Kritik äußern wollen, liegt auch bei der Aktivvariante des Ace 30 in den Bässen. Bei „Sandpaper Kisses“ von Martina Topley-Bird etwa fußt der Song auf einer übersättigten Sub-Kick, welche eigentlich mit ordentlich „Thump“ daherkommt. Diesen Druckpunkt vermissen wir beim Ace 30 Wireless jedoch ein wenig. Wohingegen die verbleibenden Elemente des Songs jedoch mit einer ungeheuren Wucht transportiert werden. Sowohl Gitarren als auch Vocals brillieren durch ein natürliches Timbre und eine exzellente Präsenz.

Zauberkünstler

Den Vogel endgültig abgeschossen hat unser Testduett dann schließlich bei der Darbietung klassischer Musik. Etwa die Arie „Ah! Mio Cor!“ Aus Händels Oper „Alcina“, gesungen von Joyce DiDonato in Begleitung des Il Complesso Barocco unter dem Vorsitz des bekannten Cembalisten und Dirigenten Alan Curtis kommt so derart temperamentvoll daher, wie es uns selbst bei einem Standlautsprecher beeindruckt hätte. Das beeindruckende Milisma á capella bei etwa der Hälfte des Stückes ist von solch einer puren Schönheit in seiner Fragilität und gleichzeitigen Strahlkraft, dass es uns fast ein wenig rührt. Definitiv eine Performance, die Standing Ovations verdient hätte.

Letztlich lässt sich sagen, dass es Piega mit dem Ace 30 Wireless ausgezeichnet gelungen ist, die klanglichen Kompetenzen des passiven Ace 30 um die Benutzerfreundlichkeit und Flexibilität eines kabellosen Aktivlautsprechers zu erweitern. In jedem Fall wollen wir Piegas Neuling hiermit einen gelungenen Traumstart in eine lange Karriere attestieren!

Außerdem sind wir sehr gespannt darauf, inwiefern die Schweizer die Ace Wireless-Serie noch aufstocken werden. Bisher umfasst die Reihe nämlich neben dem Ace 30 nur den Standlautsprecher Ace 50 Wireless, den Piega als stylischen All-In-One-Speaker offeriert. Weiteren Zuwachs hat das Unternehmen bisher nicht angekündigt. Sie können gewiss sein, dass wir Sie über alle Neuigkeiten auch hier auf likehifi.de informieren werden!

++ Update: Mit dem Connect Plus, dem Subwoofer Sub Medium und dem Lautsprecher Ace Center Wireless hat Piega Anfang April 2022 Zuwachs in seiner Wireless-Serie angekündigt. Hier geht’s zur Newsmeldung mit allen Informationen. ++

Preis und Verfügbarkeit

Die Piega Ace 30 Wireless Aktivlautsprecher gibt es für 1.900 Euro (Paarpreis, UVP) im Fachhandel zu kaufen.

Webseite: www.piega.ch/ace-30-wireless

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 01/2022.

▶ Lesen Sie hier: Test: Piega Ace 30 Regallautsprecher (2-Wege) – Schicke Kraftpakete

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Test: Piega Ace 30 Wireless - Kompakte Aktivlautsprecher
Auch wenn der Ace 30 Wireless zwar musikalisch keine eierlegende Wollmilchsau ist, verhilft ihm am Ende genau das zu einer kaum anfechtbaren Expertise bei der Darbietung kaum komprimierter und daher umso dynamischerer Werke. Vor allem seine intuitive Bedienbarkeit via Google Home und integrierte Streaming Clients, sowie Flexibilität in Anwendung und Einbindung in größere Setups machen ihn im Vergleich zu größeren Kollegen überaus attraktiv.
Wiedergabequalität 87%
Ausstattung/Verarbeitung 99%
Benutzerfreundlichkeit 91%
Preis/Leistung85%
Vorteile
  • aktives All-In-One System
  • tolle Dynamik & Feinzeichnung
  • mit beliebiger Fernbedienung koppelbar
Nachteile
  • mattes Low-End
87%Piega Ace 30 Wireless
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Bildquellen:

  • Piega-Ace-30-Wireless-Test-Review-02: Auerbach Verlag
  • Piega-Ace-30-Wireless-Test-Review-03: Auerbach Verlag
  • Piega-Ace-30-Wireless-Test-Review-04: Auerbach Verlag
  • Piega Ace 30 Wireless: Auerbach Verlag