Musik ist gut für die Konzentration. Mit Musik kann man besser lernen und arbeiten. So sagen es die einen. Die anderen halten Musik eher für eine Ablenkung, die man tunlichst vermeiden sollte, wenn man sich konzentrieren muss. Die Wissenschaft zeichnet kein völlig einheitliches Bild, wie ein Blick auf wissenschaftliche Meinungen zum Thema zeigt. Aber wie halten es eigentlich diejenigen mit Musik, für die Konzentration besonders wichtig ist: professionelle Pokerspieler zum Beispiel? Hören sie Musik, während sie pokern, und hilft es ihnen dabei, sich zu konzentrieren? Soviel sei vorab verraten: Manchmal scheint das der Fall zu sein.

 

Musik hören ist bei Live-Turnieren oft erlaubt

Die Frage, ob man Musik während des Pokerns hören darf, stellt sich natürlich beim Onlinepokern nicht. Beim Onlinepoker sitzt man in der Regel alleine vor dem Screen und kann weitgehend tun und lassen, was man möchte. Bei privaten Pokerrunden entscheiden dagegen zumeist die Beteiligten, welche Regeln während des Spieles gelten. Bei offiziellen Pokerturnieren ist es wiederum der Veranstalter, der die Regeln festlegt.

 

Viele Veranstalter dulden es, wenn Spieler mit Kopfhörern während eines Turniers Musik hören. Zu ihnen gehören beispielsweise die Organisatoren der inoffiziellen Pokerweltmeisterschaften in Las Vegas. Laut Punkt 64 des Reglements für die World Series of Poker (WSOP) 2018 dürfen Spielerinnen und Spieler zugelassene elektronische Geräte wie iPods und MP3-Player in einem Turnier einsetzen. Erreichen sie den Finaltisch, müssen sie die Geräte jedoch entfernen.

 

Welcher Pokerstar hört was?

Viele Pokerspieler nutzen die Möglichkeit, sich während eines Turniers mit Musik vorübergehend von der Außenwelt abzuschirmen. Das war früher so. Und das ist heute nicht anders. Welche Musik sie hören, ist jedoch sehr unterschiedlich. Sandra Naujoks, die zu den besten deutschen Pokerspielerinnen zählt, hört zum Beispiel Klassik, Chopin und Oper. Das verriet sie dem Magazin Spiegel in einem Interview, das 2009 unter dem Titel „Ich bin keine Rampensau“ veröffentlicht wurde.

 

Die damalige Pokerspielerin Stefanie Bergener erzählte der Frankfurter Rundschau bereits 2008, dass Musik auf sie insbesondere bei langen Spielen entspannend wirkt. Ein Stück von Johann Sebastian Bach klingt aus ihren Kopfhörern, heißt es im Bericht über sie. Einige Herren der Zunft greifen oder griffen an Turniertagen ebenfalls gern auf Musik zurück. US-Pokerspieler David (Chino) Rheem soll zum Beispiel während seiner Spiele bisweilen Hip-Hop von Kanye West hören, hieß es 2009.

 

Die Deutsche Katja Thater bevorzugt angeblich George Michael und der US-amerikanische Rekordhalter bei der WSOP Phil Hellmuth mag während des Pokerns Rockmusik aus den 80er und 90er Jahren. Manchmal lieben Pokerspieler beruhigende Geräusche statt Musik. So soll sich der bekannte kanadische Pokerspieler Daniel Negreanu nicht nur für Musik von Interpreten wie Missy Elliot (RAP) begeistern, sondern auch für Tonträger mit Vogelgezwitscher.

 

Alle hier aufgeführten Beispiele für Musik hörende Pokerspieler könnten zur Annahme verführen, dass alle Spielerinnen und Spieler ihre Spiele mit Musik untermalen. Aber dem ist keineswegs so. So schrieb der Pokerspieler und Autor von Pokerbüchern Ashley Adams, dass ihm die Vorteile des Musikhörens beim Pokern zwar bekannt seien, dass er der Versuchung aber nie nachgegeben habe. Und der Autor Jan Meinert vertrat in seiner Pokerschule die Ansicht, dass Musik manchen Spielern helfe, besser zu pokern. Kopfhörer seien jedoch ein Luxus, den man sich eigentlich nicht erlauben dürfe, weil man durch sie zu wenig wertvolle Informationen aus seiner Umgebung erhalte.

 

Einfluss von Musik: die Wissenschaft ist sich uneins

Die Pokerwelt ist sich also uneins, was den Wert von Musik für das Pokerspiel angeht. Die Wissenschaft zeichnet ebenfalls kein einheitliches Bild. Ein Fakt scheint zu sein: Falls Musik einen positiven Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit eines Pokerspielers hat, dann nur, wenn sie zum jeweiligen Spieler passt und ihm gefällt. Allerdings ist wohl nicht jede Musik, die ihm gefällt, auch dafür geeignet, seine Konzentrationsfähigkeit zu steigern.

 

Im Artikel „Mit welcher Musik Sie den Job am besten bewältigen“ des Magazins WirtschaftsWoche empfiehlt Neurowissenschaftler Lutz Jäncke für eine Konzentration verlangende Arbeit eine unkomplizierte Musik. Bei komplizierteren Songs fange man an, die Musik zu deuten. Das gehe zulasten der Ressourcen, die man zur Erledigung der eigentlichen Aufgabe benötigt, heißt es im Artikel. So etwas wäre nicht nur im Job problematisch, sondern auch beim Pokern oder wenn man Poker-Regelnlernt. Im Internet existieren hervorragende Anleitungen, die Anfänger ins Spiel einführen und selbst für Fortgeschrittene noch manch einen guten Tipp bereithalten. Aber wenn man sich nicht konzentrieren kann, wird das Lernen schwierig.

 

Während Lutz Jäncke unkomplizierte Musik für die Konzentration durchaus befürwortet, vertritt die Psychologin Maria Klatte im ZEIT-Artikel „Wie Musik der Konzentration schadet“ eine etwas andere Meinung. Sie ist der Ansicht, dass Sprache, Musik mit Gesang und selbst bestimmte Arten instrumentaler Musik Menschen daran hindern, „Information im Kurzzeitgedächtnis zu behalten“. Deshalb rät sie beispielsweise davon ab, Musik für eine bessere Lernleistung in Hörsälen einzusetzen.

 

Bezieht man die hier vorgestellten wissenschaftlichen Meinungen auf das Pokern, muss man sich aber vor Augen halten, dass es während eines Pokerturniers nicht unbedingt immer um die Frage geht, ob man Musik der Stille vorzieht. Stille ist allzu häufig gar keine Option, weil es bei manch einem Turnier relativ laut zugeht. Und dann könnte Musik im Vergleich zur Geräuschkulisse, die den Spieler ohne sie erwartet, die bessere Alternative sein, selbst wenn sie im Vergleich zur Stille die schlechtere wäre.

 

Fazit: Man sollte es einfach ausprobieren!

Letztlich bleibt wohl auch für Pokerspieler am Ende nur ein Versuch als Lösung. Es schadet nicht, einfach einmal auszuprobieren, ob Musik einen positiven Einfluss aufs eigene Spiel hat oder nicht. Vielleicht sollte man den ersten Test aber nicht unbedingt bei einem besonders wichtigen Turnier durchführen. Besser ist der Test in einem etwas wichtigeren Spiel. Funktioniert die Sache, spielt man fortan mit Musik, wann immer es möglich ist. Falls die Musik dagegen keinen oder einen negativen Einfluss auf die Spielleistung hat, verzichtet man fortan während des Spiels auf sie. Manchmal können Dinge ganz einfach sein. Wie schön.