Magnepan 3.7i Speaker Test

Test: Magnepan 3.7i – Standlautsprecher / Vollbereichsmagnetostaten


Bändchentreiber haben viele Fans. Auch in unserer Redaktion. Dass wir noch nie einen Flächenstrahler von Magnepan im Test hatten, ist daher überaus verwunderlich. Höchste Zeit, dies nachzuholen und Vorhang auf für den Magnepan 3.7i Vollbereichsmagnetostaten.

Eine Offenbarung

Nach einhundert Ausgaben der AUDIO TEST haben wir angenommen, so langsam alles aktuell technisch Machbare im Lautsprecherbau erfahren zu haben. Bei Lautsprechern vom Wert eines brandneuen Sportwagens, wie wir sie doch ab und an besprechen dürfen, kann man wohl davon ausgehen, elektroakustische Superlative erlebt zu haben.

Doch mit diesem Test kam das Aha-Erlebnis. Die Erkenntnis, dass wir spät und mit jahrelanger HiFi-Erfahrung noch klangliche Offenbarungen erleben können. Protagonist dieser Erhellungsgeschichte ist dabei ein Lautsprecher der ganz besonderen Art, wie wir ihnen bisher in unserem Testbetrieb noch nicht begegnet sind. Die Flächenstrahler MG-3.7i von Magnepan.

Made in USA

… sold in China. Mit diesem selbstbewussten Slogan wirbt das amerikanische Unternehmen Magnepan für seine weltweit beliebten Lautsprecher. Dabei zählt der Hersteller Magnepan hierzulande jedoch noch nicht zu den Popstars der Branche. Dies wird sich nun aber schnell ändern. Seit Anfang 2024 ist niemand geringeres als HiFi-Koryphäe Jürgen Reichmann im deutschsprachigen Raum mit dem Vertrieb von Magnepan betraut.

Nicht ohne Stolz erzählt Reichmann gern von seiner ersten eigenen „Maggie“, die ihn schon in jungen Jahren von der einzigartigen Musikalität der Flächenstrahler überzeugte. Nun obliegt ihm die Ehre, diese Faszination mit der hiesigen HiFi-Szene zu teilen. In den USA, wo Magnepan seine Fertigungsstätten unterhält, gehört das Unternehmen freilich bereits seit längerem zu den bekannteren Playern.

Diese Erfolgsgeschichte nahm übrigens bereits im Jahre 1969 ihren Anfang. Damals absolvierte Magnepan-Gründer Jim Winey sein Ingenieurstudium und heuerte in einem großen Konzern in Minnesota an, welches durch seine Fertigung von Folien und die Entwicklungen aufwendiger Beschichtungstechniken großen Erfolg erlangte. Diese Tätigkeit inspirierte ihn zur Forschung an einem eigenen Folienlautsprecher. Es folgten erste Prototypen und zahlreiche Patente, bis Winey im Jahr 1969 schließlich mit einem Kredit von über 50.000 Dollar den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, um sich Vollzeit seiner Suche nach dem perfekten Sound zu widmen.

Während dieser ominöse perfekte Sound wohl vermutlich so gar nicht existiert, schaffte es Jim Winey jedoch schon bald, ein großes Interesse an seinem Treiben zu generieren. Rasch wurden Lautsprecher des Namens Magnepan zu einem richtigen Bestseller bei US-amerikanischen HiFi- Connaisseuren. Heute gehen Magnepan-Speaker weltweit über den Ladentisch. Gründervater Jim Winey verstarb übrigens bedauerlicherweise Anfang des Jahres im Alter von 89 Jahren. Jetzt führen seine Söhne Mark und Steven die Geschicke des noch immer in Minnesota ansässigen Unternehmens.

Der Flächenstrahler

Aber was ist denn so besonders an Lautsprechern á la Magnepan? Ganz einfach: ihre Funktionsweise. Was wir als mehr oder weniger schmalbandige Bändchentreiber kennen, überträgt Magnepan auf den gesamten Frequenzgang ihrer Lautsprecher. Magnepans Flächenstrahler operieren also als Vollbereichsmagnetostaten. Im Gegensatz zum Elektrostaten wird die große Folie, welche als Membran fungiert, nicht durch angelegte Hochspannung in Schwingung versetzt, sondern eben durch hinter der Membran montierte Dauermagneten. Diese regen feine Leiterbahnen an, welche auf die hauchdünne Folie aufgebracht sind, die somit in Schwingung gerät.

Und wenn wir hauchdünn schreiben, meinen wir genau das. Die spezielle Mylarfolie ist fünfmal dünner als ein menschliches Haar. Die Vorteile eines magnetostatischen Funktionsprinzip gegenüber einem elektrostatischen liegen dabei auf der Hand. Beispielsweise erfordern Elektrostaten Spannung, sprich eine eigene Stromversorgung. Somit muss ein passiver Lautsprecher dieser Bauweise stets mit dem Stromnetz verbunden sein.

Durch die elektrostatische Aufladung der Membran kommt es nach und nach zu unvermeidlichen Staubablagerungen auf der feinen Folie. Das macht sich irgendwann durch einen matteren Klang bemerkbar. Außerdem kann es bei hoher Belastung eines Elektrostaten mitunter zu Funkenschlag kommen. Es bedarf eigentlich keiner weiteren Erläuterung, dass dabei klitzekleine Löcher in die Membran gebrannt werden können. Mit der Zeit reißen die Löcher weiter auf, bis die Membran irgendwann einfach unbrauchbar ist.

Zudem müssen Elektrostaten für einen fühlbaren Tiefgang sehr ausladende Dimensionen annehmen. Daher werden Lautsprecher dieser Bauweise häufig in Hybridbauweise unter Zuhilfenahme eines herkömmlichen Bass-Konus angeboten. Dies fordert jedoch oft klanglichen Tribut, da „dynamische“ Treiber schlicht nicht mit der Impulsschnelle von Folientreibern mithalten können.

Zu guter Letzt haben Magnetostaten den Vorteil, dass sie über den gesamten Frequenzumfang einen sehr konstanten Impedanzverlauf aufweisen. Elektrostaten sind hingegen bei abnehmender Frequenz auch zunehmend niederohmig. Für den antreibenden Verstärker kann dies schnell zum Problem werden.

Magnepan 3.7i

Mit der Magnepan 3.7i haben wir also erstmals einen Vollbereichsmagnetostaten im Test. Nicht zuletzt ob der hohen Patentdichte in den sogenannten „Maggies“ hat sich Magnepan die offizielle Lautsprecherbezeichnung Magneplanar rechtlich schützen lassen.

Die 3.7i ist dabei ein Magneplanar-Lautsprecher im drei-Wege-Prinzip. Zwischen 35 Hertz und 40 kHz kommen also drei magnetostatische Treiber zum Einsatz. Diese verbergen sich hinter einer schlichten Textilblende. Gehalten wird das gesamte System von einem unauffälligen Rahmen. Sowohl Blende als auch Rahmen können übrigens in verschiedenen Ausführungen erstanden werden.

So stellt Magnepan für den Rahmen insgesamt fünf Farben in den Ausführungen Holz oder Aluminium und für die Blenden drei Farben zur Verfügung. Somit ergeben sich eine Handvoll Kombinationsmöglichkeiten für jeden Gusto.

Unser Testmuster ist jedoch in der schlichtesten, allerdings auch bei den Magnepan-Fans beliebtesten Variante im Kofferraum von Jürgen Reichmann verpackt, als dieser im Hof unserer Redaktion vorfährt: Schwarz in Schwarz. Dabei sind wir zunächst schockiert und befürchten, Jürgen Reichmann habe einen Lautsprecher zuhause vergessen. Denn in seinem Auto liegt nur ein sehr schmaler Karton.

Doch tatsächlich sind da schon beide Lautsprecher drin! Allerdings ist eine „Maggie“ ohne Sockel auch nur 4 (!) Zentimeter tief. Dafür aber knapp 180 cm hoch und 61 cm breit. Nachdem Magnepan ihre Lautsprecher lange mit zwei simplen, aber auch etwas lieblos gestalteten L-Shape Stativen auslieferte, werden die Speaker heute auf einem formschönen elliptischen Sockel montiert. Das verleiht dem Auftreten der „Maggies“ formsprachliche Vollendung.

Setup

Insgesamt sind der Aufbau und die Installation zweier Magnepans kein Hexenwerk und mit vier Händen schnell gemacht. Zur Not geht es bestimmt auch allein. Ratsam ist das jedoch nicht. Zum Schutz von Technik und Rücken. An der Rückseite der 3.7i finden wir das Anschlussterminal. Auch hier geht es nicht ohne zwei Besonderheiten zu. Zum einen lassen sich Hoch- und Mitteltöner über eine Steckbrücke etwas dämpfen, um individuelle räumliche Eigenschaften auszugleichen. Zum anderen werden beide Treiber durch Sicherungen vor Beschädigungen durch plötzliche Spannungsspitzen geschützt.

Die Positionierung der Magnepan 3.7i ist auch überaus unkompliziert. Im Vergleich zu „herkömmlichen“ Lautsprechern können sie sehr nah an seitlichen Wänden aufgebaut werden. Aufgrund rückwärtiger Abstrahlung des Flächenstrahlers, sollte jedoch ein Abstand von etwa einem Meter zur hinteren Wand gewährleistet sein. Zwischen den Speakern empfiehlt sich zunächst eine Distanz von etwa zwei Metern.

Von hier aus kann man in kleinen Schritten die optimale Position eruieren. Eine leichte Einwinklung von 15° verhindert obendrein die ungewünschte Anregung von Raummoden. Der schmale Hochtöner sollte dabei übrigens nach innen gerichtet sein. Bei größeren Räumen kann auch mit einer umgekehrten Ausrichtung experimentiert werden.

Sound

Für unseren Test stellen wir den beiden magnetostatischen Flächenstrahlern eine potente Reichmann-Kette mit Geräten von Musical Fidelity zur Seite – und zwar den Plattenspieler Mx8TT ( hier im Test), den Phono-Preamp M6x Vinyl und den M8xi Vollverstärker ( hier im Test). Als wir das 2021 erschienene Album „30“ von Adele auflegen, macht sich große Verwirrung breit. Verlieben wir uns gerade in die Stimme der jungen Grand Dame oder in die Magnepan 3.7i?

Der Sound ist unfassbar direkt. Der Bass klingt ansatzlos und gleichzeitig voluminös. Die Mitten sind klar differenziert und luftig, die Höhen zeichnen unfassbar hochaufgelöste Texturen in Stimme und Hallfahnen. Durch die offene Abstrahlung nach hinten profitiert die Performance der „Maggies“ von einer unglaublichen Tiefe.

Der hier gezeichnete Raum ist richtiggehend immersiv. Das Timbre von Adeles gottgleichem Gesang ist so unfassbar reich an Obertönen, dass es fast unheimlich wird. Was die Magnepan Standlautsprecher hier ausgeben, klingt fast besser als live. Wie bei einigen 8K-Videoaufnahmen haben wir das Gefühl, mehr Information wahrzunehmen, als wir mit bloßen Ohren wahrnehmen könnten.

Der Klang ist mikroskopisch crisp. Alles, was die absolut höchstfähige Aufnahmetechnik der insgesamt zwölf an der Produktion dieser Platte beteiligten Studios an Details einzufangen vermag, können die Magnepans eins zu eins wiedergeben.

Magnepan 3.7i  Standlautsprecher Magnetostat Farbvarianten
Dabei gibt es eine Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten. (Bild: www.magnepan.com)

Eine Offenbarung

Oft wird Magnetostaten weniger Tiefgang als Konus-Tieftönern angekreidet. Ein Vorwurf, den wir nicht nachvollziehen können. Etwa bei „Random Access Memories“ von Daft Punk schiebt es auch im Low-End ganz schön ordentlich. Dabei ist der Bass nur eben nicht überbetont, was manch einem vielleicht als Manko erscheinen mag.

Wir mögen diesen ehrlichen, unprätentiösen Tiefgang. Er ist rund und gut gesättigt, ohne aufdringlich zu sein. Alle Stimmgruppen sind konsequent emanzipiert ausformuliert, dass man beinahe das Gefühl bekommt, jedes Instrument habe seinen eigenen Lautsprecher in einer komplex gestaffelten Mehrkanalinstallation spendiert bekommen.

Es ist eine Performance zum Dahinschmelzen. Mit einem Paarpreis von 13.000 Euro spielen diese beiden 3.7er so einige Wettbewerber vom zehnfachen Marktwert an die Wand, ohne mit der Wimper zu zucken – so ehrlich muss man sein. Wir gratulieren Reichmann Audiosysteme an dieser Stelle zu diesem wirklich genialen Zuwachs und sind uns sicher, dass Magnepan innerhalb kürzester Zeit auch hierzulande eine riesige Fangemeinde gewinnen wird.

Preis und Verfügbarkeit

Die Magnepan 3.7i Standlautsprecher gibt es zum Preis von 13.000 Euro (Paarpreis, UVP) im Fachhandel zu kaufen.

Der Vertrieb und das Marketing für die Produkte von Magnepan läuft in Deutschland über den HiFi-Vertrieb von Reichmann Audiosysteme. In Österreich ist die Audio Tuning Vertriebs GmbH aus Wien für den Vertrieb zuständig.

Datenblatt Magnepan 3.7i

Allgemein
GeräteklasseStandlautsprecher
HerstellerMagnepan
Modell3.7i
Preis (UVP)13.000 Euro (Paarpreis)
PreiskategorieOberklasse
Maße (B/H/T)181 x 61 x 4 cm
Gewichtk.A.
Informationenwww.reichmann-audiosysteme.de
Technische Daten*
Arbeitsweise3-Wege, Vollbereichsmagnetostat
Bauform35 Hz – 40 kHz
Frequenzverlauf35 Hz – 40 kHz
Raumempfehlung25 – 60 m²
individuelle Klangeinst.Zweiband-Dämpfung
EingängeSingle-Amping

*Herstellerangaben

Webseite: www.reichmann-audiosysteme.de // www.magnepan.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 04/2024

► Lesen Sie hier: Test: Triangle Antal 40th Anniversary Edition Standlautsprecher

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Fazit
Selten hat uns ein Lautsprecher so in seinen Bann gezogen wie die 3.7i von Magnepan. Ihr Sound hält alles, was das Funktionsprinzip eines Vollbereichsmagnetostaten verspricht: ansatzlose Tiefen, hyperrealistische Auflösung und unfassbar impulsschnelle Dynamik. Wir sehen uns von Magnepans Credo überzeugt: Music does not live in boxes.
Wiedergabequalität
100
Ausstattung/Verarbeitung
90
Benutzerfreundlichkeit
90
Preis/Leistung
100
Leserwertung0 Bewertungen
0
Vorteile
hyperrealistische Auflösung
großartige Tiefenstaffelung
impulsschnelle Dynamik
Nachteile
keine
98
Gesamtergebnis

Bildquellen:

  • Magnepan_3.7i_Speaker_Test_01: Auerbach Verlag