Pink Floyd: Über viele Generationen hinweg begeistern die Briten schon seit einer halben Ewigkeit ihre Fans auf der ganzen Welt. Unter den fantastischen Veröffentlichungen von Pink Floyd fiel unsere Wahl nicht ganz zufällig auf „The Division Bell“. Das ist die letzte Neuerscheinung mit dem 2008 verstorbenen Sänger und Keyboarder Richard Wright. Danach folgte zwar noch "The Endless River", allerdings auch "nur" mit Songs, die ursprünglich schon für "The Division Bell" vorgesehen waren. Somit ist für viele Fans der britischen Kultband "The Division Bell" das Finale einer großartigen Reise, die 1965 in Cambridge begann.

Pink Floyd & Friends

Auf den Namen „The Division Bell“ kam übrigens der britische Science-Fiction-Autor Douglas Adams („Per Anhalter durch die Galaxis“), ein enger Freund der Band Pink Floyd. The Division Bell ist die Glocke, die im Palace of Westminster geläutet wird, um alle Abgeordneten zur Stimmabgabe aufzurufen. Im Gegenzug spendete Bandleader David Gilmour £ 5000 für Umweltzwecke und gab Adams (am 42. Geburtstag des Schriftstellers) einen Gutschein, damit er live mit der Band auf der Bühne auftreten konnte. So wurde ihm die Ehre zuteil, Pink Floyd auf der folgenden Tour bei einem Konzert in London am 28. Oktober 1994 auf seiner Gitarre begleiten. Was für eine Geste! Doch auch andere prominente Zeitgenossen durften am Projekt „The Division Bell“ mitwirken. So ist zum Beispiel der Physiker Stephen Hawking in dem “Lied Keep Talking” zu hören. Ein echtes Zeitdokument!

Ikonisches Cover

Für das Cover engagierten Pink Floyd wieder den Künstler Storm Thorgerson, von dem u. a. die Albumcover von “The Dark Side of the Moon” und “Wish You Were Here” stammten. Auf dem Foto des Titelcovers sind, je nach Betrachtungsweise, die beiden abgebildeten Metallskulpturen sowohl als zwei miteinander sprechende Personen als auch als ein Gesicht zu erkennen. Es dauerte mehrere Wochen, bis bei optimalen Lichtverhältnissen für Thorgerson ein zufriedenstellendes Foto entstand. Dieser Perfektionismus pass ganz gut zum Spirit von Pink Floyd. Im Hintergrund der beiden Köpfe ist die Kathedrale von Ely bei Cambridge abgebildet, welche auch im Video zum Song „High Hopes“ eine wichtige Rolle spielt.

Pink Floyd - The Division Bell 25th Anniversary Edition mit farbigem Vinyl
Pink Floyd – The Division Bell 25th Anniversary Edition mit farbigem Vinyl.

Studiosessions

Schon ein Jahr vor Veröffentlichung, im Januar 1993, zogen sich Gilmour, Mason und Wright in die Britannia Row Studios zurück, um an den neuen Songs zu arbeiten. Während der Sessions stieß dann auch noch der Bassist Guy Pratt hinzu. Er gab zusammen mit Richard Wright am Keyboard dem Album seine besondere Note. Aber dazu später mehr. Nach zwei Wochen des Komponierens und Improvisierens entstand die stattliche Anzahl von 65 Songs.

Auf Gilmours Hausboot ging es zusammen mit dem Toningenieur Andy Jackson und dem Co-Produzenten Bob Ezrin mit der Produktion weiter. Hier destillierten Pink Floyd in quasi demokratischer Abstimmung 27 Songs in die engere Auswahl für „The Division Bell“. In einer weiteren Auswahl schafften es schließlich elf Songs auf die Platte. Für die Bewertung der Lieder nutzte die Band angeblich ein besonderes Punktesystem, bei dem jedes Mitglied die Songs mit bis zu zehn Punkten bewertete.

Pink Floyd – The Division Bell – Tracklist:

  • 1. Cluster One
  • 2. What Do You Want From Me
  • 3. Poles Apart
  • 4. Marooned
  • 5. A Great Day For Freedom
  • 6. Wearing The Inside Out
  • 7. Take It Back
  • 8. Coming Back To Life
  • 9. Keep Talking
  • 10. Lost For Words
  • 11. High Hopes

Erscheinungsdatum: 30. März 1994
Label: EMI (Europa) / Columbia Records (USA)
Spielzeit: 65:56 Minuten
Formate: CD, LP, Kassette, Minidisc, Blu-ray, DVD, Streaming, Download

Chartstürmer

Damit hatten Pink Floyd wohl ins Schwarze getroffen. „The Division Bell“ führte nach seiner Veröffentlichung weltweit die Charts an. In den Verkaufscharts erreichte das Album Platz 1 in Großbritannien, den USA als auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Insgesamt wurden über 12 Millionen Tonträger verkauft. Auch hierzulande gingen rund 1,3 Millionen Alben (damals noch vorrangig CDs) über die Ladentheke. Fast 60 Wochen in den Top 100-Charts sprechen für sich.

Auf Abschluss-Tour

Viele Kritiker waren da allerdings anderer Meinung. Es ist nachzulesen, dass der hochangesehene US-amerikanische Musikjournalist Robert Christgau „The Division Bell“ nichts abgewinnen konnte und auch der Rolling Stone Album Guide nur eine sehr schlechte Bewertung hinterließ. Aber wen kümmerte das schon?! Ganz bestimmt nicht die vielen begeisterten Pink Floyd Fans, denen das große Glück zuteil wurde, die letzte Tour der britischen Rock-Legenden live zu mitzuerleben. So feierten 63.000 Fans im ausverkauften Joe Robbie-Stadium in Miami die Megastars des Psychedelic-Sounds.

Und auch wenn die Band 1994 schon nicht mehr ganz auf der Höhe ihrer Zeit war, so konnte sie doch mit einer fantastischen Bühnenshow und unvergesslichen Bildern begeistern. Den Abschluss bildete am 29. Oktober 1994 das Konzert im Earls Court in London. Die Aufnahmen der Tournee wurden im Rahmen des Live-Albums “Pulse” als VHS sowie später auch auf DVD veröffentlicht.

Ein einzigartiges Kunstwerk

Besonders aus heutiger Sicht ist „The Division Bell“ trotz aller Kritik ein einzigartiges Kunstwerk, das auch durchaus mit den für Pink Floyd so typischen monumentalen Songs aufwarten kann. Dass sie sich von anderen Alben so abhebt, liegt zum einen sicher auch an externen musikalischen Einflüssen. Pink Floyd gaben einigen Künstlern außerhalb der Band die Gelegenheit, am Projekt mitzuwirken. Neben Anthony Moore konnte sich mit Gilmours Ehefrau Polly Samson erst zum zweiten Mal nach der Sängerin Clare Torry (Co-Autorin auf The Great Gig in the Sky) eine Frau am Songwriting beteiligen.

Samson und Gilmour heirateten 1994 während der anschließenden Tournee. Ein Novum war, dass Richard Wright seit dem 1973er-Album “The Dark Side of the Moon” auf “Wearing The Inside Out” wieder als Sänger in Erscheinung trat. Damit drückte er „The Division Bell“ endgültig seinen Stempel auf. Und so hört man in den Songs vor allem die musikalische Handschrift von Richard Wright und Guy Pratt.

Man beachte den sphärischen Synthesizer-Sound im Instrumentalstück „Cluster One“ oder gleich im Anschluss das fulminante Bass-Intro von „What Do You Want From Me“. E-Gitarren-Soli kommen im Verlauf der recht gefällig arrangierten Titel gewiss auch nicht zu kurz. An der einen oder anderen Stelle werden unverkennbar Brücken zu vergangenen Meisterwerken geschlagen, was die Kritiker seinerzeit doch eigentlich besänftigen hätte müssen.

Jubiläumsedition auf Vinyl

Heute gehört „The Division Bell“ zu Recht in das Plattenregal eines jeden Pink Floyd Fans. Ein besonderes Schmankerl kam im Jahr 2021 die auf eine begrenzte Stückzahl limitierte Jubiläumsedition in blauem Vinyl in den Handel! Wir sagen, nachträglich „Happy Birthday“.

Webseite: www.warnermusic.de

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Bildquellen:

  • Pink Floyd – The Division Bell: Auerbach Verlag