Der Hessische Jazzpreis 2016 ging an die junge Band Contrast Trio. Bei ihnen verbinden sich Jazz mit Elektro und Folk. Ihr neues Album „Letila Zozulya“ schafft genau das mit intensivem und experimentell virtuosem Sound.

Für „Letila Zozulya“ (ausgesprochen „Sosulja“) fuhr das Trio im Juni 2017 nach Kiev, in die Heimat des Pianisten Yuriy Sych. Dort traf man sich unter anderem mit einem ukrainischen Chor für die Aufnahmen. Ein Novum für das Contrast Trio. 

Contrast Trio – On The Road Again

„Letila Zozulya“ VÖ: 23.02.2018

Für die Produktion des neuen Albums haben die drei einiges auf sich genommen. Nach Konzerten in Krakau und Lemberg, stundenlanger Wartezeit an der Grenze, kam das Contrast Trio in den Kiewer Dowschenko Studios an. In dieser historischen Filmfabrik aus dem Jahr 1927 wurden zu Sowjetzeiten erste Stummfilme (u.a. der Soundtrack zu „Man with a Movie Camera“) vertont. Wo früher das Orchester untergebracht war und die Musik eingespielt wurde, schlugen die Musiker ihr Lager mit Mikrofonen und viel Elektronik auf. Fast zwei Wochen lang schloss man sich (mit Gast-Drummer Florian Dreßler) in den Studios ein, nahm mit lokalen Musikern auf und spielte ganz nebenbei Konzerte. 

Bassist Tim Roth war begeistert: „Eine solche Aufgeschlossenheit gegenüber unserer Musik haben wir sonst nirgendwo erlebt. Es ist eher ungewöhnlich, dass westliche Bands in die Ukraine kommen. Standing Ovations nach jedem Stück sind dort ganz normal.“

Neue Wege entstehen beim Gehen

Preis: EUR 21,16
Im Gegensatz zum vorangegangenen Album „2“ fügt das Contrast Trio ihren Beats noch Chöre und Gesang hinzu. „Wir singen selbst wahnsinnig gerne, aber wir wollten auch traditionelle Einflüsse mit einbinden.“ Entstanden ist eine ungemein reizvolle Verbindung traditioneller ukrainischer Kultur mit modernem Jazz. Die oft beschriebene Melancholie osteuropäischer Musik verleiht der Platte eine ganz besondere Grundstimmung. So zum Beispiel der Titelsong „Cuckoo Flying“ oder auf Ukrainisch „Letila Zozulya“. Es ist die Übersetzung und elektronisch-akustische Interpretation eines alten ukrainischen Volksliedes. 

Dabei ist für die Frankfurter das Klavier eher Percussions- als Melodie-Instrument. Klaviersaiten werden gezupft. Dazu sphärische Vocals und trockene Drumbeats. Hatte das letzte Album noch diesen nordisch virtuosen Touch, so beschreiten die drei Deutschen bei der aktuellen Platte neue Wege. Doch wie heißt es doch so schön: Neue Wege entstehen beim Gehen. Es lohnt sich, hier dabei zu sein. 

Musik: Letila Zozulya - ab 23. Februar von Contrast Trio
AUFNAHMEQUALITÄT
ATMOSPHÄRE
KULTFAKTOR
ANSPRUCH
4.3Gesamtwertung

Bildquellen:

  • CD Artwork-Contrast Trio: http://heartbeatandsoul.com/de/release/letila-zozulya
  • Contrast Trio (c)Lorenz Klingebiel-Kiew_02: Bild: Pressefoto © Lorenz Klingebiel