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Serie: HiFi For Future – Wie nachhaltig ist Musikgenuss?

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Wertschätzung vorleben – Ideen und Gedanken zum Nachhaltigen Umgang mit Mitarbeitern, Händlern und Kunden am Beispiel von IAG, Focal Naim und Onkyo

In der vorangegangenen Folge haben wir einen Piloten für eine neue Serie gestartet, weil wir gerne mit Ihnen über Zukunft sprechen wollen. 

Vielen lieben Dank zunächst einmal für Ihr freundliches Feedback zur außergewöhnlichen letzten Ausgabe. Es zeigt uns, dass es bei „HiFi For Future“ um ein Thema geht, das uns alle beschäftigt und über das wir uns austauschen sollten. Wir haben viele, teils unbequeme Fragen gestellt, zum Beispiel wo das ganze Kupfer herkommt für Kabel und Lautsprecher und wie es wieder recycelt wird. Und wie lange ein Produkt halten darf, kann und soll. Wir haben Händler befragt, Umweltstatistiken gewälzt und CO2-Bilanzen verglichen. Und wir haben auch Geschichten und Blickwinkel gefunden mit der ein oder anderen persönlichen Antwort. Wir haben vor allem festgestellt, dass Nachhaltigkeit in der HiFi-Welt etwas damit zu tun hat, wie lange die Produkte halten. Doch damit soll es noch nicht alles gewesen sein. Denn die Meinungs- und Initiativenvielfalt ist groß! Deshalb zeigen wir Ihnen gerne noch ein paar weitere Gedanken und Ideen zur Zukunft und Verantwortung unserer Branche. Manchmal sind es nämlich vielleicht nur kleine Impulse, aber oft haben sie in der Summe eine enorm große Auswirkung. Neben der Frage wie lange Produkte halten, stellt sich in diesem Kontext nämlich auch die Frage: Wie lange „halten“ Menschen und menschliche Beziehungen und wie sieht ein nachhaltiger Umgang miteinander aus?

IAG Group Ltd

Bei IAG, der International Audio Group Ltd, dem Mutterunternehmen und Inhaber solch renommierter Marken wie Wharfedale, Quad, Mission und Audiolab, weiß man um das Geheimnis der kurzen Wege. Präzision, Genauigkeit und Reproduzierbarkeit sind der Garant für langfristige Erfolge. Daher verwundert es kaum, dass nahezu alles In-house und vor Ort gefertigt wird. Überall wo möglich wird versucht selber zu produzieren. Nicht selbstverständlich in einer globalisierten Welt, wo Lieferketten sonst gerne mal dreifach um den Erdball reichen. Der Unternehmenssitz und die strategische und technische Hauptentwicklung der britischen Marken ist in Shenzhen, die Fertigung und Produktion kommt aus einer Hand in Ji’an, China. Hier wird dann alles nach europäischen Maßstäben selbst gebaut. Gehäuse, Treiber, Platinen. Sogar ein Großteil der Werkzeuge wird einfach selbst produziert, so Tief reicht der ganzheitliche Prozess. Durch das geschlossene System und die Kontrolle über den gesamten Vorgang kann IAG eine hervorragend konstante Qualität garantieren. Noch dazu ISO 9001 zertifiziert. Damit das überhaupt möglich ist, sind auch die Mitarbeiter am Standort untergebracht. Immerhin mehr als 1 500 Menschen sind das, für die man da allein im Großraum Ji‘an auf 400 000 Quadratmeter Firmengelände Verantwortung trägt.

Firmengelände der IAG, Luftbild

Das Wohlbefinden der Mitarbeiter hat für IAG dabei einen sehr hohen Stellenwert. Das liest sich vor allem durch die Ausgestaltung des Firmengeländes und die Arbeitsatmosphäre. Viel grün, großzügige und moderne Unterkünfte, Kinos, Fitnessstudios, Swimming Pools, Bars und sogar eins von Asiens größten Tonstudios sowie ein firmeneigener, großer See zur Entspannung in der Mittagspause stehen den Mitarbeitern zur Verfügung.

Firmengelände der IAG, Gärten

An klassische, triste Fabriken mit monotonen Arbeitsabläufen wie wir uns das als Europäer vielleicht manchmal vorstellen, erinnert hier jedenfalls nichts. In China sind in den letzten Jahrzehnten, auch dank der HiFi-Welt und ihren Aufträgen, tausende moderne Arbeitsplätze geschaffen worden, die Menschen langfristig aus der Armut befreien, Bildung und soziale Sicherheit ermöglichen und so eine Weiterentwicklung der Menschheit überhaupt erst möglich machen. Nachhaltigkeit ist schließlich auch eine Form der Wertschätzung für den Mitmenschen in Verbindung mit einem ganzheitlichem Denken und Blick. Frei nach Ghandis Motto: „Wenn Du die Welt ändern willst, dann fang bei Dir selbst an“. Es verwundert daher keineswegs, dass das firmeninterne Mantra bei IAG „Work hard, play hard!“ lautet.

Firmengelände der IAG, Pools

Mehr Infos zu IAG via https://iad-audio.de/kontakt/

Focal Naim Deutschland

Im Gespräch mit dem neuen Country Manager Christian Stuhrmann von Focal Naim Deutschland zu Beginn des Jahres durften wir bereits erfahren, dass dem französischen Traditionshaus Focal auch in der kommenden Dekade nicht die Luft ausgehen wird. Man ist gut aufgestellt. Es sind Investitionen und große Summen im Millionenbereich für die Forschung und Weiterentwicklung der Produkte geplant. Man will sich dadurch ganz bewusst vom Massenmarkt absetzen, einen zusätzlichen Mehrwert generieren und Zukunftsorientiertheit und langfristiges Denken unterstreichen. Darüber hinaus machte Stuhrmann eine klare Zusage an den Fachhandel. „HiFi ist im Prinzip sehr nachhaltig, aber wir müssen die Werte wieder besser kommunizieren um Musiktechnologie im Wert zu steigern, vor allem gegenüber anderen langfristigen oder hochpreisigen Mitbewerbern wie Uhren oder Fernreisen. Natürlich wird es auch mal einen Focal-Einsteigerkopfhörer in einem Expert-Ladengeschäft zu finden geben, aber Focal wird sich nicht im großen Stil selbst entwerten. Es wird keinen Amazon-Ausverkauf der Produkte geben“ so Stuhrmann.

Christian Stuhrmann, Focal Naim Deutschland

Ein klares Statement gegen das schnelle Geld und für ein Unternehmen mit Weitblick. Da kennen wir leider zur genüge andere Beispiele, weshalb wir diese Strategie gerne unterstützen. Zur aktiven Förderung der Fachhandels-Verkaufsstrukturen, und hier reden wir schließlich auch von vielen Menschen und Existenzen, möchte man „Local Heroes“ aufbauen und so als Hersteller und Vertrieb aktiv den Handel unterstützen. Mithilfe von hochwertigen Produkten, Schulungen, viel Image- und Bildungsarbeit und ausgefallenen Events soll das Thema HiFi wieder sexy gemacht werden. Ein gesundes Werte- und Selbstbewusstsein, das die Branche dringend wieder benötigt, um auch in 10 Jahren noch relevant zu sein.

Mehr über Focal unter https://www.focal.com/de

Onkyo

Onkyo geht einen ebenfalls interessanten Weg, um sich als Unternehmen an seiner gesellschaftlichen Verantwortung zu beteiligen. Es gibt zum Beispiel seit Jahren eine herausragende soziale Initiative: Den Onkyo Braille Essay Contest. Diese Initiative wurde 2003 in Zusammenarbeit mit dem Japan Institute of Scientific Research for Education und den Braille Mainichi Newspapers gestartet, der Contest findet seitdem jedes Jahr statt. Ziel ist es, auf die ganz alltäglichen Probleme blinder Menschen aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass man es mithilfe gemeinsamer, zwischenmenschlicher Unterstützungen schaffen kann, auch Menschen mit Handicap ein erfolgreiches und erfülltes Leben zu ermöglichen. Verständnis aufbauen, rücksichtsvoller sein. „Even after so many impressive stories introduced in the past 16 Onkyo World Braille Essay Contests, the essays that we have received this time brought us fresh new surprises and discoveries in the various environments surrounding the visually impaired, and we have been deeply moved and encouraged by the fresh thoughts and insights of the writers“ sagt der Chief Director des Japan Institute of Scien- tific Research for Education, Naoto Otsuki dazu. Interessant, wie gerade eine Marke, die sich durch einen Fokus auf akustische Technologien etabliert und auszeichnet, denen, die nahezu ausschließlich aufs Hören angewiesen sind, aktive Unterstützung leistet. Bravo!

Mehr Infos zu Onkyo unter https://eu.onkyo.com/de-DE/

Weiter zu Folge 3: Interview – Claudia Sommer, ehemalige Mitarbeiterin von Greenpeace Deutschland, Digitalisierungs-Expertin und Gesellschafterin von Audio Physic im Gespräch

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Dieser Artikel erschien erstmalig in AUDIO TEST Ausgabe 3/2020.

Bildquellen:

  • Screenshots auf Wish.com: Bildrechte beim Autor
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  • Screenshot MDR Mediathek: MDR Mediathek
  • Einstiegsbild HiFi For Future: by Free To Use Sounds on Unsplash