Hersteller werden sich mit der Zeit oft neu erfinden und entsprechend neue Technologien integrieren und adaptieren, aber eines wird sich bei T+A Elektroakustik vermutlich und auch hoffentlich niemals ändern: die sagenhafte Qualität. Wir haben uns den neuen T+A PA 1100 E Stereo-Vollverstärker mit D/A-Wandler im Test genauer angeschaut.

T+A: Alte Schule 2.0

Bei den Ostwestfalen von T+A Elektroakustik legt man zurecht besonders großen Wert auf herausragende Material- und Produktqualität. Dieser Ruf eilt dem Unternehmen voraus und hat über die Jahre zu einer großen Fangemeinde und Anhängerschaft geführt. Kurzlebige Kunststoffe oder unsauber ausgeführte Oberflächen, selbst im Inneren des Gerätes, wird man bei T+A nicht finden. So verwundert es kaum, dass allein das Gehäuse des Gerätes mehr Metall umfasst, als so manch ein ausgewachsener HiFi-Turm sonst im Ganzen. Mehrere Millimeter dicke Platten, statt billiger Bleche. Elektromagnetische Einstreuungen und Mikrofonie adé. Überall dort wo es möglich ist, entscheidet man sich für langlebige und umweltfreundliche Lösungen aus Metall, welches später im Zweifel wieder recycelt werden können. Dass es dazu vermutlich nicht kommen wird, weil die T+A Produkte viel zu gut dafür sind, ist eine andere Sache. Wir sind uns sicher: Der einzige Grund einen T+A zur Seite zu stellen, ist das Hobby High End HiFi an den Nagel zu hängen. Unrealistisch also.

Test: T+A PA 1100 E Vollverstärker mit DAC Review Amp Rückseite Anschlüsse Rear

Ausstattung vom T+A Stereovollverstärker

Der T+A PA 1100 E Vollverstärker bietet wie auch schon das Vorgängermodell eine Vielzahl an Eingängen. Statt der doppelt ausgeführten und zwischen symmetrisch und unsymmetrisch schaltbaren XLR-Eingänge des 1000er Modells spendierte man dem 1100er der E-Serie nun aber einen ausgewachsenen HiRes-Wandler mit extremer Klangperformance. Dafür musste ein XLR-Pärchen weichen. Vertretbar, bekommt man im Tausch für einen Analogweg doch dafür ganze fünf digitale Eingänge. Wem es nach einer Phonovorstufe dürstet, kann sich den PA 1100 E auch inklusive optionalen Phono-Modul bestellen. Der Schaltkreis dieses aufpreispflichtigen Moduls stammt aus der R-Serie von T+A und existiert als MC und als MM-Variante. Ähnliches Konzept auch bei den HDMI-Eingängen. Ab Werk ist der Slot leer, aber auch hier kann, wer es haben möchte, nachgerüstet werden. Dann lassen sich auch BluRay-Player, Spielekonsolen oder über den ARC auch TVs im Klang auf ein neues Level holen. Der T+A bleibt dabei aber natürlich voll und ganz dem Stereo verschrieben. Eine Mehrkanalunterstützung ist nicht vorgesehen. Im Inneren des T+A PA 1100 E Verstärkers verrichtet ein Linearnetzteil seine Dienste. Auch hier hat man auf die Verwendung von günstigen aber störanfälligen Schaltnetzteilen zugunsten der Performance verzichtet. Beim Verstärkerdesign wiederum schaut man schon auf die Effektivität, also entschied man sich für eine hauseigene Variante des Class-D-Verstärkers, der in erweiterter Form auch in den Großen Modellen der HV-Serie zum Einsatz kommt. Dabei wir mit einer Frequenz von 430 Kilohertz ein Pulswellengenerator angetrieben, der wiederum vom Audiosignal moduliert wird. Diese Trägerfrequenz sorgt nun dafür, dass die Transistoren auf Ausgang schalten und die entsprechenden Impulse ausgeben. Damit die 430 Kilohertz später am Ausgang nicht mehr ins Signal pfuschen, wird die Frequenz mit großen Spulen an den Terminals herausgefiltert. Insgesamt kommt der PA 1100 E auf eine satte Nennleistung von 2 x 250 Watt an 4 Ohm bzw. 2 x 140 Watt an 8 Ohm. Dabei haben wir das Gefühl, dass der 1100 E mit einer höheren Impedanz deutlich besser zurecht kommt, als viele andere Verstärker aus seiner Preisklasse. Der T+A ist dominant und mit einem Klirrfaktor von 0,004 % entsprechend neutral und er erwartet zurecht anspruchsvolle Mitspieler, damit alles in Waage bleibt. Hängt man Lautsprecher mit sehr geringer Impedanz an, spielt man Quellen fragwürdiger Qualität oder einfach nur mittelmäßige Lautsprecher, so bekommt man durchaus das Gefühl der Verstärker wird in seinen Möglichkeiten ausgebremst. Keine Angst also vor großen Impedanzen. Unterschätzen Sie den 1100 E nicht. Er kann mehr, als er vorgibt.

Test: T+A PA 1100 E Vollverstärker mit DAC Review Amp Innen Wandler

T+A PA 1100 E Vollverstärker mit Specials

Was wirklich lobenswert gelungen ist, aber von einem Unternehmen wie T+A auch erwartet wird ist die saubere elektronische Trennung von Analog-, Digital-, Netzteil- und Verstärkereinheit. Die akkurate Trennung der Wege und auch der Stromzufuhr führen zu einer enormen transparenz der Signale. Ein heimliches Highlight des DAC-Verstärkers ist neben der Fähigkeit über USB Formate bis DSD bis 256 (Mac bis DSD128) wiederzugeben auch die massiv ausgeführte Bluetooth-Schnittstelle. So kommt auch hier zum Beispiel nicht einfach eine integrierte Notlösung zum Einsatz, sondern standesgemäß allein schon eine Antenne, die man landläufig auf den ersten Blick eher mit Satelittenempfang, als Kurzstreckenfunk assoziieren würde. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der PA 1100 E über diese Schnittstelle enorm stabil mit Musik beschickt werden kann. Und das nicht einfach nur in verlustbehaftetem SBC oder AAC, sondern dank aptX auch in ansprechend hoch aufgelöster Qualität. Während Bluetooth von vielen leider immer noch belächelt wird, hat sich hier in den letzten Jahren tatsächlich viel getan, was die Übertragungsrate angeht. So trifft T+A aus unserer Sicht eine schlaue und weitsichtige Entscheidung, wenn es diesem Format so viel Qualität widmet. Sie werden es zu schätzen lernen. Wer sich die Rückseite des Gerätes genauer anschaut, entdeckt Netzwerk-Schnittstellen, aber wer jetzt an Internet-Integration denkt, wird enttäuscht. Das scheinbare Netzwerk ist keins. Der E2-Ethernet-Anschlüss dient lediglich zu Analyse- und Service-Zwecken. Über den LAN-Anschluss kann der PA 1100 E auch in Heimautomatisierunsgsysteme wie Crestron oder AMX eingebunden werden, was ihn für Custom-Install-Lösungen wiederum interessant macht. Einen Streamer gibt es beim T+A PA 1100 E deshalb aber nicht inklusive.

Test: T+A PA 1100 E Vollverstärker mit DAC Review Amp Fernbedienung Remote Control

Sound

Klanglich erleben wir einerseits Zurückhaltung was die Beeinflussung der Musik anbetrifft, andererseits die Weltklasse eines altehrwürdigen Dirigenten das Gesamtwerk in seiner vollen Pracht zur Aufführung zu bringen. Der PA 1100 E ist präzise. Der T+A PA 1100 E Stereovollverstärker mit DAC ist trocken und straff. Dabei verliert die Mikrodynamik, so sie in der Musik vorhanden, niemals an Seele. Im Gegenteil, sie wird erst sichtbar und freigelegt. Der Verstärker arbeitet also dann am besten, wenn auch die Produktion von uneingeschränkter Qualität ist und vor allem auch dann erst, wenn die Lautsprecher mit dieser Informationsfülle etwas anfangen könne. Wenn das ein oder das andere nicht gegeben ist, wir das schonungslos bloßgestellt. Bei einem Rauschspannunsgabstand von 108 dB und einem Frequenzgang bis 60 kHz auch keine Überraschung. Selbst wenn es zuweilen mal voll oder unübersichtlich im Material wird, bleibt der T+A PA 1100 E wunderschön durchhörbar. Ab einer subjektiven Schwelle der Lautheit kann dabei der Informationsreichtum auch zur Belastung werden, weshalb wir den T+A PA 1100 E Vollverstärker für langes und lautes hören eher nicht empfehlen würden. Für diese Disziplin sind Röhrenverstärker mit effizienten Hornlautsprechern oder teil- und vollaktive Lautsprecher vielleicht die bessere Wahl. Wer aber auf der Suche nach einem Verstärker ist, der sowohl in Sachen Headroom als auch Anzahl der Anschlüsse großzügig aufgestellt ist und der Kompromisse nicht duldet, sondern sich durch Qualität und Langlebigkeit absichert, wird mit diesem High End Premium-Produkt für Jahre aussorgen und Spaß haben. Echtes Made in Germany mit allem was man davon erwartet, gibt es nach wie vor. T+A hält die Flagge hoch. Auch in Zeiten voller Markt-Herausforderungen und steigendem Preisdruck bleibt man sich und seinen Prinzipien treu. Danke dafür nach Herford.

Preis und Verfügbarkeit

Den T+A PA 1100 E Stereovollverstärker gibt es im HiFi-Fachhandel zum Preis von 3.890 Euro (UVP) in den Farben schwarz und silber zu kaufen.

Mehr Informationen: https://www.ta-hifi.de/

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Magazin Ausgabe 08/2019.

► Lesen Sie hier: Test vom T+A PA 3100 HV Vollverstärker – Wunder der Wissenschaft

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Test: T+A PA 1100 E Vollverstärker mit DAC – Alte Schule 2.0
Der T+A PA 1100 E ist ein Vollverstärker mit alten Tugenden und neuer Technologie. Traditionelle Qualität kombiniert mit dem richtigen Gespür für Zeitgeist. Die modulare Form der HDMI- und Phono-Optionen kann helfen, wenn man sich vielleicht erst später entscheiden möchte, nachzurüsten. Aber selbst in der Grundausstattung ist der PA 1100 E mit DAC ein Hammerpaket, das den Erwartungen an echtes Made in Germany mehr als gerecht wird.
Wiedergabequalität95%
Ausstattung/Verarbeitung96%
Benutzerfreundlicheit94%
Preis-Leistungsverhältnis91%
Vorteile
  • Referenzklasse-Verarbeitung
  • exzellente technische Messwerte
Nachteile
  • Phono und HDMI-Module optional
94%Gesamtwertung
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Bildquellen:

  • AUDIO-TEST-0621: Auerbach Verlag
  • T+A PA 1100 E Vollverstärker mit DAC: Auerbach Verlag