Für manche Musikliebhaber bilden die Grenzen des hörbaren Spektrums eine beinahe transzendentale Zone, welche zu ergründen ganz neue akustische Dimensionen off enbaren kann. Daher gehen wir heute auf Tauchgang mit Velodynes Deep Blue 12, den wir zum Tiefbass-Test in den Hörraum geladen haben.

Geheimnisse der Tiefe

Was assoziieren Sie mit der Farbe blau? Den Frühlingshimmel, der hierzulande langsam Einzug hält? Einen vom Pech verfolgten Fußballclub aus dem Ruhrgebiet? Beruhigend durchleuchtende Status-LEDs? Nicht zuletzt wohl vor allem Wasser, nicht wahr? Den Hotelpool, nach dem sich nach über einem Jahr Corona so viele sehnen. Das Spaßbad, welches wir hoffentlich schon bald wieder besuchen können. Und natürlich das blaue Meer, Sinnbild des Friedens und der Entspannung. Allerdings auch Spielplatz der Gezeiten und gefährlicher Naturgewalten. Das Meer birgt Geheimnisse, welche für uns noch immer unergründbar sind.

Seit jeher ist der Mensch fasziniert von der scheinbar endlosen Weite des Ozeans und seiner mysteriösen Tiefe. Erst im vergangenen Jahr gelang es dem chinesischen Tiefsee-Tauchboot Fendouzhe erst als vierte Mission überhaupt den in fast 11.000 Metern Tiefe gelegenen Grund des Challengertiefs im Mariannengraben zu erreichen. Der erste Mensch, welcher im Jahr 2012 allein in diese unheimliche Tiefe hinabtauchte, war übrigens Filmregisseur James Cameron, unter dessen Federführung mit Avatar und – passenderweise – Titanic zwei der drei kommerziell erfolgreichsten Titel der Filmgeschichte entstanden. Man merkt: Die blaue Tiefe regt zum Nachdenken an, lädt zum Imaginieren ein.

Velodyne goes deep

Als Hersteller von HiFi-Geräten könnte einem daher wohl kaum ein treffenderer Name für eine Subwoofer-Serie einfallen als Deep Blue. Velodyne Acoustics gehört zu den Herstellern, welche nicht nur in der AUDIO TEST und hier auf Likehifi.de bisher selten besprochen wurden, sondern insgesamt bisher wenig Aufmerksamkeit der hiesigen HiFi-Comunity auf sich zogen. Wir hatten bis dato tatsächlich nur zwei Geräte des Herstellers zu Gast. Das erste Mal übrigens vor ziemlich genau zehn Jahren, als der Subwoofer Velodyne CHT-12-Q in Ausgabe 04/2011 ein sehr gutes Testergebnis von 86,5 % einholte. Dann hörten wir eine knappe Dekade nichts aus dem Hause Velodyne, bis wir im vergangenen Jahr Bekanntschaft mit dem beeindruckenden Velodyne Wi-Q 10 Subwoofer (► lesen Sie hier unseren Test) machen durften.

Dabei gehört Velodyne seit knapp dreißig Jahren zu den Pionieren der Tieftonwiedergabe und hat sich seit jeher mit innovativen Ideen und Konzepten als treibende Kraft dieser Gattung etabliert. Das ursprünglich in Kalifornien ansässige Unternehmen gehört mittlerweile zum Hamburger HiFi-Imperium von Audio Reference. Firmengründer Mansour Mamaghani beweist dabei schon seit über zwanzig Jahren ein exzellentes Händchen bei der Markenauswahl. So befindet sich Velodyne mit Namen wie unter anderem Krell, Miller & Kreisel (M&K Sound) und Wilson Audio in wohl bester Gesellschaft. Während einige Hersteller mit einem breit gefächerten Produktportfolio verschiedenste Geräteklassen abdecken, lässt sich Velodyne eher als Spezialist für Heimkino-Lautsprecher mit Tiefgang – ergo Subwoofer – einordnen. Der Katalog des Unternehmens umfasst aktuell nämlich ausschließlich verschiedenste Subwoofertypen und dezidierte Subwoofer-Verstärker. Sei es der kabellose aktive Wi-Q oder die „unsichtbare“ In-Wall-Lösung aus der SubContractor-Serie – Velodyne weiß für sämtliche Befürfnislagen in puncto Basswiedergabe eine Lösung.

Test: Velodyne Deep Blue 12 (DB-12) Subwoofer
Die Textilblende verbirgt den Namensgebenden 12-Zoll-Treiber. Zum Vorschein kommt dieser aber ohne Weiteres dank einer praktischen Schlaufe.

Velodyne Deep Blue 12 (DB-12) Subwoofer

Für diese Ausgabe interessiert uns jedoch, wie bereits angekündigt, die erst kürzlich erschienene Kollektion Deep Blue Series und daraus das zweitgrößte Subwoofer Modell Velodyne Deep Blue 12 (DB-12). Nachdem wir mit dem Velodyne WiQ-10 einen innovativ und modern gedachten Subwoofer kennenlernten, haben wir es mit dem Vertreter der Deep Blue Series mit einem eher konventionellen Vertreter seiner Zunft zu tun. Anspielen lässt sich der aktiv arbeitende Deep Blue 12 nämlich ausschließlich analog, entweder über Hochpegel-Eingänge (Stereo und LFE) oder vergoldete Cinch-Inputs. Dabei wiederholt Velodyne den Auftritt des WiQ und gibt mit Blick auf die Verabeitungsqualität keinerlei Anlass für Beanstandungen. Sowohl die Anschlüsse als auch die Potentiometer sind sehr hochwertig ausgeführt und lassen auf eine langlebige Funktionalität schließen.

Letztere finden wir am Bedienfeld des Deep Blue 12 übrigens drei. Zum einen ist da der obligatorische Lautstärkeregler, zum anderen lassen sich außerdem Phasendrehung und Grenzfrequenz des Tiefpassfilters einstellen. Vor allem die Möglichkeit der Phasendrehung bis zu 180 Grad kann sich aufgrund der großen Wellenlängen tieffrequenter Signale als überaus nützlich erweisen. Und auch von der Möglichkeit der Feinjustage der Frequenzweiche werden wir später noch Gebrauch machen. Dazu jedoch später mehr. Wandlungsseitig arbeitet der Velodyne Subwoofer Deep Blue 12, wie der Name bereits vermuten lässt, mit einer 12-Zoll-Membran aus verstärktem Polypropylen. Angetrieben wird diese von einem feisten Doppelferrit-Magneten und einer 65 Millimeter messenden Schwingspule. Die dynamische Ausgangsleistung von satten 850 Watt generiert dabei ein leistungsstarker Class-AB-Verstärker. Als Frequenzumfang des Deep Blue 12 gibt Velodyne ein Spektrum von 15 bis 250 Hertz (Hz) an, wobei wir mal davon ausgehen wollen, dass wir den Sub schon weit unterhalb der oberen Grenzfrequenz kappen wollen.

Test: Velodyne Deep Blue 12 (DB-12) Subwoofer Rückseite Anschlüsse
Nicht zuletzt ob der nützlichen Konfigurationen von Phasenlänge und Tiefpassfilter macht sich Velodyne um seinen guten Ruf verdient.

Velodyne Acoustics DB-12 Subwoofer im Praxistest

Für den musikalischen Teil dieses Tests bringen wir den Velodyne Deep Blue 12 mit der Gerätekette um die Elegance G120 Standlautsprecher und dem Netzwerkplayer Joy S119 aus dem Hause Revox in Verbindung. Die Positionierung des Subwoofers gestaltet sich ja in der Theorie äußerst flexibel aufgrund der eigentlich nicht lokalisierbaren Bassfrequenzen. In der Praxis haben wir jedoch oft genug andere Erfahrungen gemacht, sodass wir auch in diesem Test den Deep Blue 12 mittig zwischen den Lautsprechern zu positionieren.

Generell tendieren wir sogar dazu, auch in den Bässen auf ein Stereo-Setup zu vertrauen, wobei dann jedoch penibel auf die Phasenlage geachtet werden sollte, um eine gegenseitige Signalauslöschung zu vermeiden. Nun, da wir unser Testmuster positioniert und via LFE-Weg mit dem Zuspieler verbunden haben, können wir eigentlich mit dem Hörtest loslegen. Den begehen wir obligatorisch mit dem Referenz-Track für Bassperformance schlechthin: Dem 2010 erschienenen Song „Limit To Your Love“ von James Blake. Kaum eine andere Produktion traut sich auf der Türschwelle zum Infraschall so viel Modulation und Bewegung wie die Coverversion des ursprünglich von Feist und Chilly Gonzales komponierten Titels.

Nicht allein die Tiefe der der unverkennbaren Bassmelodie, sondern auch die darauf platzierten Frequenz- und Amplitudenmodulationen machen den Song zu einer echten Herausforderung für die meisten Schallwandler. Dabei hören wir den Titel beim ersten mal ohne die Revox-Lautsprecher, um einzuordnen, wo wir die Trennlinie des Filters verorten sollten. Wir pegeln uns zwischen etwa 70 und 100 Hz ein. Dort soll die Frequenzweiche das Signal mit 12 Dezibel pro Oktave kappen. Und wie wir den Song einmal nur im Frequenzkeller hören, fällt sogleich auf, wie sauber Velodynes Deep Blue 12 hier zu Werke geht. Die gefährlich wabernden Bewegungen des Basses werden vom Sub klar artikuliert und die melodischen Bewegungen klar von einander abgesetzt.

Dabei legt der Zwölfzoller auch eine beeindruckende Impulstreue an den Tag. Dies fällt vor allem bei elektronischer Tanzmusik, wie etwa dem Titel „Sponsored By Destiny“ der schwedischen Combo Slagmalsklubben auf. Die schon sehr tief geschliffene Sub-Kick wird vom Velodyne Deep Blue 12 Heimkino-Lautsprecher mit sehr viel Präzision und „Punch“ transportiert. Was dem James Cameron die Deepsea Challenger, das ist uns heute ganz klar der Deep Blue 12 von Velodyne. Mit Forscherdrang und Risikobereitschaft ist er uns ein unabdingbarer Gefährte bei der Ergründung akustischer Tiefen. Auf einen solchen Tauchgang gehen wir gerne wieder – Ahoi! ■ Text: Alex Röser, Stefan Goedecke

Preis und Verfügbarkeit

Den Velodyne Acoustics Deep Blue 12 Subwoofer gibt es zum Preis von 1.190 Euro (UVP) im Fachhandel zu kaufen.

Webseite: www.velodyneacousticssubwoofer.com/de und www.audio-reference.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 4/21

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Test: Velodyne Deep Blue 12 (DB-12) Subwoofer
Diskretion bei gleichzeitig ordentlich Hubraum offeriert Velodyne mit dem Deep Blue 12. Der aktive Zwölfzoller lässt sich aufgrund nachstellbarer Lautstärke, Filter und Phasenlage in jedes Setup integrieren und auf verschiedenste Bedürfnisse zurechtschneiden. Man merkt dem Tiefgänger an, dass er aus einem Hause kommt, das sich seit beinahe dreißig Jahren mit nichts anderem beschäftigt als dem perfekten Bass.
Wiedergabequalität93%
Ausstattung/Verarbeitung85%
Benutzerfreundlichkeit75%
Preis-Leistung80%
Stärken
  • präziser, beherrschter Sound
  • in Anwendung flexibel
Schwächen
  • keine
89%Velodyne Deep Blue 12
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Bildquellen:

  • Test-Velodyne-Deep-Blue-12-DB-12-Subwoofer-02: Auerbach Verlag
  • Test-Velodyne-Deep-Blue-12-DB-12-Subwoofer-03: Auerbach Verlag
  • Test Velodyne Deep Blue 12 (DB-12) Subwoofer: Auerbach Verlag