Im Sommer 2021 brachte Nubert seine neue nuBoxx B-Serie raus. Das größte Modell der Einsteigerreihe haben wir uns in unsere wohnlichen Testräume geholt.

Echte Universalgenies

Mann oder Frau kennt das leider von diversen Herstellern, die gefühlt jedes Quartal eine neue und angeblich noch bessere Lautsprecher-Serie auf den Markt werfen. Doch dann klingen die Neuen kaum anders, geschweige denn besser. Doch wenn Nubert mit nuBoxx eine neue Lautsprecher-Serie ins Leben ruft, dann werden nicht nur leere Versprechungen gemacht. Nein, dann folgen reale Taten und wir hören den Unterschied zu den Vorgängern der Serie (in diesem Fall der Nubert-Klassiker die nuBox) und das ist gut.

Doch fangen wir am Anfang an. Bereits in der Oktober-Ausgabe von AUDIO TEST haben wir die kompakten Nubert nuBoxx B-50 Lautsprecher gründlich unter die „Hör-Lupe“ genommen. Einmal als Surround-Setup (Ausgabe 06/21) und als Stereo-Set (AUDIO TEST Ausgabe 07/21). Jedes Mal konnte uns der preiswerte Nubert Centerspeaker eine 94-Prozent-Wertung entlocken. Ob sich dieses Ergebnis auch bei den größten Lautsprechern (nuBoxx B-70) der neuen Nubert nuBoxx B-Reihe wiederholt?

Design und Verarbeitung

Nubert nuBoxx B-70 Abdeckung Standlautsprecher Test Review Testbericht 2021
Um die vier Töner zu verbergen, ist eine magnetisch haftende Frontabdeckung dabei. Diese verkleidet den Standlautsprecher als minimalistischen Monolithen

Fürs Auspacken der Standlautsprecher empfehlen wir einen kräftigen Menschen einzuladen. Dann lassen sich die 30 kg schweren Schmuckstücke einfach aus dem Karton befreien und die Standplatte montieren. Das geht schnell, denn es müssen nur vier Schrauben mit dem beigelegten Sechskant eingedreht werden. Wer möchte kann noch die 4 Bumpons unter die Platte kle- ben. Spikes oder Ähnliches liegen nicht bei. Doch die Drei-Wege- Standlautsprecher in Bassreflexbauweise sind trotzdem bestens vom Boden entkoppelt. Die beiden Ausgänge des Bassreflex strahlen übrigens nach hinten ab.

Das Gehäuse der Nubert nuBoxx B-70 besteht aus 19 bis 38 Millimeter starken MDF-Gehäusewände. Innen gibt es perfekt berechnete Innenverstrebungen. Sie erhöhen die mechanische Stabilität des Gehäuses und unterdrücken unerwünschte Resonanzen. Von außen bieten die Lautsprecherboxen die typische, minimalistische Nubert-Form. Klare, gerade Linien bestimmen das Bild. Die Frontplatte ist im seidenmatten Grau lackiert, während das restliche Gehäuse in weiß erstrahlt. Wählen wir ein schwarzes Gehäuse, dann ist die Frontplatte in einem dunkleren Grau gehalten. So ergibt sich immer ein kleine Farbspielerei an der Front. Die vier Töner lassen sich auch hinter einer Frontabdeckung verbergen. Die haftet magnetisch am Gehäuse.

Bestückung

Nubert nuBoxx B-70 Hochtöner Standlautsprecher Test Review Testbericht 2021
Der auf den Namen nuOva B hörende Hochtöner ist so perfekt abgestimmt, dass der Hörgenuss auch außerhalb des Sweet Spots wahrhaft ein Genuss ist

In der Nubert nuBoxx B-70 Standbox arbeiten ein 26-Millimeter-Hochtöner sowie ein 123-Millimeter-Mitteltöner. Dazu gesellen sich zwei 180-Millimeter-Tieftöner. Letztgenannte zeichnen sich durch ihr strömungsgünstiges Design und die großzügige Hinterlüftung der Zentrierspinne aus. Die vermeidet Kompressionseffekte und kühlt die extra lange Schwingspule bei hoher Dauerbelastung.

Der Hochtöner hingegen nutzt eine Kalotte aus Seidengewebe. Er wurde auf Basis des nuOva-Chassis der nuLine-Serie entwickelt und heißt deshalb nuOva B. Eine Wide-Dispersion-Schallführung soll dafür sorgen, dass Abstrahlcharakteristik und Feinzeichnung des Superhochtonbereichs oberhalb von 7 Kilohertz optimal sind. Laut Nubert wird damit erreicht, dass auch Hörer und Hörerinnen außerhalb des Sweet Spots ein beeindruckendes Hörerlebnis haben. Und wir können hier schon verraten, das ist wirklich so.

Am Anschlussterminal haben die Schwaben diesmal auf Bi-Wiring verzichtet. Das wird in dieser Preisklasse eh kaum genutzt. Jetzt finden wir auf der Rückseite zwei hochwertige, angewinkelte Schraubanschlüsse mit Präzisionsgewinde. Die bieten auch Bananensteckern einen sicheren Halt. Der Frequenzgang, den die Standlautsprecher erreichen, liegt zwischen 32 – 24 000 Hz bei –3 dB und 30 – 28 000 Hz bei –6 dB. Das reicht schon für HiRes-Wiedergabe. Dank ihrer Musikbelastbarkeit von 450 Watt fühlen sie sich auch in großen Räumen bzw. Sälen sehr wohl. Die Nennbelastbarkeit liegt im Übrigen bei 320 Watt. 

Das sind auf dem Papier alles sehr schöne Werte. Einzig der Wirkungsgrad könnte etwas besser sein. Er liegt bei 83,5 dB an 1 W/1 m. Da sind vergleichbare Standlautsprecher schon deutlich lauter. Es heißt also den Verstärker ein wenig mehr aufdrehen, sollen die Nubert voll schön klingen. Jetzt stellt sich aber die Frage, wie voll und schön ist denn der Sound der nuBoxx B-70?

Nubert nuBoxx B-70 Bass-Mittentreiber Standlautsprecher Test Review Testbericht 2021
Etwas ungewöhnlich, aber sehr effektiv: der zusätzliche Mitteltontreiber. Er agiert im Mitteltonspektrum mit minimalen Klirrwerten und Resonanzen

Kino ganz groß

Wir starten unseren Klang-Test diesmal nicht mit Musik, sondern mit Filmton. Gerade bei ihrem attraktiven Preis können wir uns nämlich gut vorstellen, dass es viele Menschen gibt, welche die Nubert nuBoxx B-70 im Heimkino als Lautsprecher einsetzen wollen. Da sie zudem eine ordentliche Größe haben und bereits ab 32 Herz aufspielen, liegt die Vermutung nahe, dabei auf einen Subwoofer zu verzichten. Doch genug geredet: schmeißen wir „Sherlock“ in den Player. Die britische Ausnahmeserie diente uns ja schon des Öfteren zum Testen von Lautsprecherboxen. Doch hier bei den nuBoxxen tritt sie nochmal ganz neu in Erscheinung.

Nubert, was habt ihr da angestellt? Der Sound ist so wundervoll transparent und offen, wie wir es nur von Lautsprechern zwei bis drei Preisklassen über der nuBoxx-70 kennen. Die Stimmverständlichkeit ist perfekt. Die Atmosphären und Geräusche werden quasi lebensecht wiedergegeben. Auch wird nichts beschönigt oder „unter den Tisch fallengelassen“.

Um diesen ersten Eindruck zu überprüfen, schauen wir noch in „Justice League“ – leider in der Kinofassung – hinein. Hier rumst es natürlich ordentlich. Und die elegante Basskraft der nuBoxx B-70 Standlautsprecher präsentiert sich dabei in all ihrem Glanz. Wer nicht unbedingt beim Filmansehen einen Punch in die Magengrube bei jeder Explosion erwartet, der braucht definitiv keinen Subwoofer, wenn die Nubert-Lautsprecher im Heimkino stehen. Sie bauen ein knackiges Bassfeld mit genau dem richtigen Druck und der perfekten Weichheit auf.

Natürlich kommen die Stimmen und anderen Geräusche auch exzellent herüber. Wir fühlen uns die Tonwelt des Film versetzt und das ganz ohne Surround-Sound, Dolby Atmos und Co. Schade nur, dass wir nicht „Zack Snyder’s Justice League“ im Testraum haben, dann würde der Film nicht nur soundtechnisch, sondern auch beim Ansehen mehr Spaß machen.

Nubert nuBoxx B-70 Anschlussterminal Standlautsprecher Test Review Testbericht 2021
Auf ein Bi-Wiring-Anschlussterminal verzichtet Nubert – in dieser Preiskategorie eh kaum gefragt. Dafür lassen sich Klemmen und Bananenstecker perfekt und sehr zugsicher anschließen

Damm da da daa

Nein, bei der Zwischenüberschrift hatte der Verfasser dieser Zeilen keinen dadaistischen Anfall. Er versucht nur die prägnantesten Töne des James Bond-Themes „fachgerecht“ aufzuschreiben. Klar ist warum. Nein, nicht weil der letzte Daniel Craig Bond aktuell in den Kinos läuft. Vielmehr hören wir alle James Bond Songs auf den neuen Nubert nuBoxx Lautsprechern an. Dabei kommen sie so richtig in Fahrt. Gerade beim erwähnten Theme des Komponisten Monty Nor- man wird es so richtig „bondig“. Immerhin arrangierte es der britische Bandleader John Barry derart einprägsam, dass es seit 1962 die Figur James Bond bei ihren Abenteuern begleitet und es wohl jeder kennt. Besonders einprägsam ist hier die elektrische Gitarre, welche die erwähnte „Damm da da daa“-Melodie spielt.

Wir sind begeistert wie bombastisch voll und ausgewogen die Nuboxxen das Theme uns in den Testraum zaubern. Jedes Instrument, jeder Streicher, jeder Bläser, das Schlagzeug und und und – alles tritt perfekt kombiniert und detailliert auf der akustischen Bühne auf. Und alles ruht auf einem herrlich voll klingenden Bassfundament mit einer Ausgewogenheit, die schon fast unverschämt gut ist.

Beim Song „Skyfall“ präsentieren die Nubert Standlautsprecher die Stimme von Adele mit einer Wahrhaftigkeit, die tatsächlich an sehr, sehr hochwertige Studiomonitore erinnert. Und als dann das volle Orchester einsetzt, lässt sich eine Gänsehaut nicht vermeiden.

Derart ausgewogen und herrlich transparent klingt der Song. Das ist schon bemerkenswert, denn der Nubert nuBoxx B-70 gelingt dieser Balance-Akt zwischen Neutralität und Musikalität perfekt. Sie ist genau und präzise, aber niemals nervig und übertrieben. Sie spielt beherzt, treibt den Sound weit in den Raum, aber ohne zu trick- sen. Das Nubert-Motto „ehrliche“ Lautsprecher wird übererfüllt und beherzt in Klarheit, Klang und Gefühl umgesetzt.

Auf unserem YouTube Kanal findet sich auch ein Testvideo zur Nubert Soundbar nuBoxx AS-425 max.

K-Pop und Klassik

Über K-Pop lässt sich herrlich streiten: Ist das überhaupt noch Musik oder nur auf Kommerz getrimmter Retortenklang? Doch unbestritten ist, dass die Musikrichtigung aus Südkorea sich in unserer westlich orientierten Musikkultur ihren festen Platz erobert hat. Deshalb ist es kein Verbrechen, die Nubert mit TWICE, LALISA oder ITZY zu beglücken. Dabei schlagen sie sich ausgezeichnet. Immerhin knallt der Bass ordentlich rein, die Stimmchen zeichnen sich klar ab, der Stereoraum wird perfekt dargestellt und überhaupt scheint die Musik den ganzen Testraum auszufüllen. Hier können wir den Verstärker auch mal voll aufdrehen, denn Party-tauglich sind die Nuberts auch. Sie spielen herrlich laut und bringen Tanzfeeling pur herüber.

Am Ende unserer Hörsession wenden wir uns der obligatorischen Klassik zu. Der alte Smetana mit seiner Moldau darf uns mal wieder in wilde Gewässer entführen. Obwohl wir unserer Aufnahme die Jahre wirklich anhören, bezaubern uns die Nuberts mit ihrer Wiedergabe der Töne.

Sie schaffen es den Fluss in all seiner Schönheit wahrhaftig werden zu lassen und wenn wir die Augen schließen, vergessen wir, wo wir uns gerade befinden. Wir sind jetzt nämlich im Konzerthaus und schauen auf das Orchester, was dort aufspielt nur allein für uns. Dieses Gefühl stellt sich sogar dann ein, wenn wir nicht in der Mitte des Stereo-Dreiecks sitzen. Da sind die Nubert nuBoxx B-70 Standlautsprecher wirklich weiträumig abgestimmt und wir Zuhörer und Zuhörerinnen bekommen an fast allen Plätzen im Raum einen musikalischen Hochgenuss serviert.

Preis und Verfügbarkeit der Nubert nuBoxx B-70

Die Nubert nuBoxx B-70 Standlautsprecher gibt es zum Preis von 1.396 Euro (Paarpreis, UVP) direkt auf der Nubert Webseite zu kaufen. Die verfügbaren Farbausführungen sind Eisgrau und Graphit.

Webseite: www.nubert.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 08/2021.

▶ Lesen Sie hier: Test der Nubert nuBoxx AS-425 max Soundbar

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Test: Nubert nuBoxx B-70 | 3-Wege-Standlautsprecher
Die neue nuBoxx-B-Reihe konnte uns schon mit ihrem Centerspeaker überraschen, doch die nuBoxx B-70 setzt die Messlatte nun noch höher. Sie klingen detailreich, sehr offen und luftig, haben einen wunderbar vollen Bass und bauen einen wirklich großen Schallraum um uns herum auf. Sie sind echte Universalgenies für Filmton und jede Art Musikrichtung. Sie machen einfach alles richtig und das zu einem unverschämt günstigen Preis.
Wiedergabequalität100%
Ausstattung/ Verarbeitung80%
Benutzerfreundlichkeit70%
Preis/ Leistung100%
Vorteile
  • sehr voller, lebendiger Bass
  • luftiger, weiter Sound
  • hohe Neutralität und Musikalität
Nachteile
  • keine
95%Nubert nuBoxx B-70
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Bildquellen:

  • Nubert nuBoxx B-70 Abdeckung: Auerbach Verlag
  • Nubert nuBoxx B-70 Hochtöner: Auerbach Verlag
  • Nubert nuBoxx B-70 Bass-Mittentreiber: Auerbach Verlag
  • Nubert nuBoxx B-70 Anschlussterminal: Auerbach Verlag
  • Nubert nuBoxx B-70: Auerbach Verlag