Wo andere nachlässig zu Werke gehen, schöpft der M6x Vinyl von Musical Fidelity aus dem Vollen, denn seine diskrete vollsymmetrische Schaltung formuliert ein deutliches Statement: Man meint es ernst.
Keine halben Sachen
Dass wir es bei Produkten aus dem Vertriebs-Portfolio von Reichmann Audiosysteme eigentlich durch die Bank weg mit hochmusikalischen Geräten zu tun haben, stellten die Testgeräte von Triangle, Music Hall, Magnepan und Musical Fidelity in den vergangenen 100 Ausgaben der AUDIO TEST und hier bei Likehifi.de immer wieder eindrucksvoll unter Beweis.
Alle drei Hersteller kommen in unserer „Hall of Fame“ auf stets sehr gute bis ausgezeichnete Mittelwerte. Wobei die britische Edelschmiede Musical Fidelity bisher ganze 23 mal bei uns vertreten war und sich mit dem potenten Vollverstärker M8xi (► hier im Test) sogar einen festen Platz im Referenz-Ensemble unseres Hörlabors erspielt hat. Zuletzt wusste uns Musical Fidelitys Plattendreher M8xTT zu begeistern (► hier im Test). Der knapp 9.000 Euro schwere High Ender erwies sich schon nach wenigen Umdrehungen als echtes Schmuckstück und machte Hoffnung darauf, dass die Briten bald schon einen einstiegsfreundlicheren Vertreter für die M6-Kollektion präsentieren.
Mit von der Partie war bei unserem Hörtest ein solcher M6er, welchen wir als Schnittstelle zwischen M8xTT und M8xi konsultierten. Der Musical Fidelity M6x Vinyl machte uns dabei ganz schon neugierig, konnte aufgrund der Prominenz des neuen Drehers nicht für eine ausführlichere Besprechung berücksichtigt werden. Dies wollen wir nun schleunigst nachholen.
Dafür haben wir die Kette aus Musical Fidelity M8xTT Plattenspieler, M6x Vinyl Phonovorstufe und M8xi Vollverstärker für diese Ausgabe um ein Paar Magnepan 3.7i Flächenstrahler (► hier im Test) erweitert. Ganz einfach um dem Phono-Vorverstärker nochmal die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu widmen. Die „Maggies“ haben wir übrigens auch genauer unter die Lupe genommen, wie Sie seit kurzem hier nachlesen können!

Bitte Outsourcen
Es ist freilich stets ratsam, bei der Zusammenstellung einer hochwertigen HiFi-Kette mit analogen Ambitionen auf eine dezidierte Phono-Vorstufe zu vertrauen. Ausgelagert aus einem Vollverstärker besteht dabei die beste Gewährleistung für eine saubere Performance ohne das Risiko störender Einflussnahmen durch andere Baugruppen – denn Phonosignal ist sensibel.
Man muss kein Einstein sein, um nachzuvollziehen, dass Spannung im einstelligen Millivoltbereich, wie sie von Tonabnehmern ausgegeben wird, extrem störanfällig ist und auch die kleinsten Irritationen nicht verzeiht. Wer es ernst meint, lässt die Verarbeitung von Hochpegelsignalen also nicht in dem selben Gehäuse vornehmen, in dem auch Phono-Signale verstärkt werden.
Nun ist jedoch Phono-Vorstufe nicht gleich Phono-Vorstufe. Die meisten Vertreter dieser Zunft haben ein nicht ganz unwesentliches Manko: sie sind verschwenderisch. Wie wir das meinen? Ganz einfach: Jeder MC-Tonabnehmer (und auch einige MM-Systeme) gibt standardmäßig ein symmetrisches Signal an die Ausgangsstufe, denn die vier bunten Pins, welche Sie bestimmt auch schon mal geduldig in die filigranen Buchsen eines Abnehmers gefummelt haben, sind allesamt Signalträger.
Während weiß und rot für die positiven Signale der beiden Stereokanäle verantwortlich sind, liegen auch auf grün und blau die beiden Kanäle – nur eben invertiert. Aber warum geben die allermeisten Phonosysteme dann bekanntermaßen asymmetrisches Signal über Cinch-Buchsen aus? Ganz einfach: Da die invertierten Signale einfach über die Masse im Boden verpuffen. Ganz schön drastisch, wenn man sich nochmal vor Augen führt, wie wenig Spannung ein Tonabnehmer überhaupt zu generieren vermag. Wie gesagt: einstelliger Millivoltbereich.
Musical Fidelity M6x Vinyl
Und genau hier wollen wir uns dem M6x Vinyl von Musical Fidelity zuwenden. Denn dessen Kernkompetenz liegt in der tatsächlich nachhaltigen, da verlustfreien Verstärkung hochsensiblen Phono-Signals. Soll heißen, dass der M6x Vinyl Phono-Vorverstärker eine vollsymmetrische Signalverstärkung gewährleistet. Selbstverständlich vorausgesetzt, dass der angeschlossene Dreher auch symmetrisches Signal ausgeben kann und nicht bereits in seiner Ausgangsstufe die invertierten Signale auf die Masse legt.
Musical Fidelitys M8xTT, den wir ja auch in diesem Testbericht zurate ziehen, ist tatsächlich in der Lage, alle vier Signalanteile des Tonabnehmers an den Verstärker weiterzuleiten. Im M6x Vinyl sind vier volldiskrete Verstärkerstufen untergebracht, welche jedem einzelnen Signal ihre volle Aufmerksamkeit widmen.
Diese volldiskrete Schaltungstopologie lässt sich der Hersteller einige Mühen kosten. Während bei einer integrierten Schaltung mit Operationsverstärkern lediglich ein paar Dutzend Bauteile benötigt werden, kann der Bedarf bei einem diskreten Schaltungsdesign gleich mal auf einige Hundert Bauteile anwachsen. Was wiederum auch mehr mögliche Fehlerquellen bedeutet und ein weit umfangreicheres Troubleshooting im Entwicklungsprozess erfordert. Aber wer schön sein will, muss leiden. Das gilt auch für HiFi-Ingenieure und -Ingenieurinnen. Zumal es mit der bloßen Verstärkung noch lange nicht getan ist.

One amp, countless options
Beinahe so divers und facettenreich wie die Welt der Musik ist auch der Vinyl-Kosmos. Moving Coil oder Moving Magnet? Mono oder Stereo? Und welches von zahllosen Systemen ist das passende für meine Musik? An welchem Arm hängt die Nadel? So ziemlich jede Entscheidung bei Zusammenstellung und Einrichtung eines Analogsystems hat Einfluss auf die entsprechend erforderlichen Verstärkungsleistungen.
Bei einem Phono-Vorverstärker mit audiophilen Ansprüchen macht das umfangreiche Möglichkeiten der Feinjustage erforderlich. Musical Fidelity erfüllt diese Anforderungen beim M6x Vinyl vorbildlich. Alle drei Eingänge, die beiden asymmetrischen sowie auch der symmetrische, können wir individuell konfigurieren. Dazu gehört zunächst die Wahl zwischen MM- oder MC-System. Bei MM-Abnehmern offeriert der Amp sechs Abschlusskapazitäten: 50, 100, 200, 300, 350 & 400 Picofarad. MC-Systeme wiederum können mit sechs Abschlusswiderständen (25, 50, 100, 400, 800, 1200 Ohm) konfiguriert werden.
Ein integrierter Subsonic-Filter kann sich vor allem, aber nicht nur bei Subchassis-Systemen als hilfreich erweisen, da er tiefe Frequenzen filtert, welche etwa in Form von Trittschall oder anderen Erschütterungen störenden Einfluss auf die Performance des Drehers nehmen.
Dank der Möglichkeit, das Signal um 6 dB anzuheben, gleichen wir das Ausgangssignal des M6x Vinyl auch an die Pegel anderer Komponenten der Kette an. Ist erstmal die Konfiguration für das angeschlossene System gefunden, speichert der Amp die jeweilige Einstellung für den jeweiligen Kanal. Selbst bei der Erdung können wir korrigierend eingreifen. So lässt sich über die drei Schalterstellungen Direct, Lift und Soft individuell auf eventuelles Brummen reagieren.
Sowohl bei MM- als auch bei MC-Systemen garantiert der M6x Vinyl übrigens eine mehr als ausreichende Übersteuerungsreserve von 26 dB. Der Signal-Rauschabstand ist bei beiden Systemvarianten beeindruckend und liegt bei MM-Systemen bei über 80 dB und bei MC-Systemen bei über 60 dB. Die harmonische Verzerrung liegt hier unterhalb bereits zu vernachlässigender 0,02 % bei 1 kHz und bei MM-Systemen unterhalb von 0,005 %.
HiFi = MuFi
Obwohl Jürgen Reichmann, der Geschäftsführer vom deutschen Musical Fidelity Vertriebspartner Reichmann Audiosysteme, wenig von der Abkürzung MuFi hält, ist sie dennoch interessant und zutreffend. Bei dem M6x Vinyl wird schnell deutlich, dass den Briten eine hochfidele Performance besonders wichtig ist. Legen wir etwa „Sincerly, Future Pollution“ der kanadischen Gruppe Timber Timbre auf den Teller des M8xTT, so übersetzt der M6x Vinyl die vom Dreher ausgespuckten Informationen in nichts anderes als Kunst.
Der M8xi gibt die Musik pflichtbewusst an die „Maggies“ weiter, aus denen wir bereits beim ersten Titel „Velvet Gloves & Split“ Musik in Reinform vernehmen. Eine stimmungsvolle Exposition, bevor es bei „Grifting“ so richtig zur Sache geht. Hier stellt der M6x Vinyl sein ganzes Können unter Beweis. Vor allem im Vergleichstest mit dem nicht mal preiswerteren Konkurrenten eines deutschen Herstellers erweist sich der Brite als unfassbar dynamisch und zielstrebig.
Wo der Wettbewerber vielleicht in puncto Tiefgang und Impulskraft Schritt halten kann, geht der M6x Vinyl in Sachen Auflösung als haushoher Sieger hervor. Die fein ziselierten Oberstonstrukturen von Hallfahnen werden von unserem Prüfling mit einer herausragenden Präzision ausformuliert. Gerade in der räumlichen Verortbarkeit einzelner Stimmgruppen macht sich das umgehend bezahlt. Gerade Drums und Synths profitieren hier von einer plastischen Tiefenstaffelung.
Wir könnten jetzt noch ausführlicher ins Schwärmen kommen, aber so langsam wird der Platz eng. Und glücklicherweise haben wir ja noch einen zweiten Text für diese Traumkette aus Musical Fidelity und Magnepan reserviert. Also möchten wir Sie herzlich einladen, an dieser Stelle noch ein bisschen ausführlicher mit uns in die klanglichen Höhen dieses Setups aufzusteigen.
Preis und Verfügbarkeit
Den Musical Fidelity M6x Vinyl Phono-Vorverstärker gibt es zum Preis von 1.999 Euro (UVP) im Fachhandel zu kaufen. Farbausführungen: Silber oder Schwarz
Der Vertrieb und das Marketing für die Produkte von Musical Fidelity läuft in Deutschland über den HiFi-Vertrieb von Reichmann Audiosysteme. In Österreich ist die Audio Tuning Vertriebs GmbH aus Wien für den Vertrieb zuständig.
Datenblatt Musical Fidelity M6x Vinyl
Allgemein | |||
Geräteklasse | Phonovorverstärker | ||
Hersteller | Musical Fidelity | ||
Modell | M6x Vinyl | ||
Preis (UVP) | 1.999 Euro | ||
Preiskategorie | Oberklasse | ||
Maße (B/H/T) | 44,0 x 10,0 x 38,5 cm | ||
Gewicht | 5,5 kg | ||
Informationen | www.reichmann-audiosysteme.de | ||
Technische Daten* | |||
Tonabnehmer | MM & MC | ||
Abschlusswiderstand | Abschlusswiderstand 25 – 1200 Ohm | ||
Abschlusskapazitäten | 50 – 400 pF | ||
Eigänge | 2 x Cinch, 1 x XLR (symmetrisch) | ||
Ausgänge | 1 x Cinch, 1 x XLR |
*Herstellerangaben
Webseite: www.reichmann-audiosysteme.de
Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 04/2024.
► Lesen Sie hier: Test: Musical Fidelity M8xTT – High End Plattenspieler

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Bildquellen:
- Musical_Fidelity_M6x-Vinyl-silver_Test_02: © Musical Fidelity (alle)