Den Standlautsprecher ARF-51 aus Elacs aktiver Navis-Reihe kennen Sie ja bereits (► lesen Sie hier unseren Test). Nun wollen wir die Reihe komplett machen und Ihnen noch den kompakten Vertreter der Kollektion vorstellen: Den Elac Navis ARB-51.

Vor wenigen Wochen waren wir in Hamburg zur alljährlichen Hörtest: der Norddeutschen HiFi-Tagen, welche glücklicherweise nicht aufgrund Covid 19 ins Elbwasser fielen. Fast 400 Marken präsentierten sich dem neugierigen Publikum, standen Rede und Antwort. Mit dabei waren natürlich auch die Kieler Elektroakustiker von Elac, für die das HiFi-Spektakel in Hamburg ja fast wie ein Heimspiel ist. Neben dem brandneuen Concentro S 507 Standlautsprecher und dem kompakten, neuen Debut Reference DBR62 standen natürlich vor allem die Modelle der aktiven Navis-Kollektion im Mittelpunkt der Holsteiner Präsentationen. Kollege Thomas Kirsche hat aus dieser Produktserie in der AUDIO TEST 03/19 den Standlautsprecher Navis ARF-51 unter die Lupe genommen. Mit einem Testergebnis von 86 % schloss der Speaker knapp zwei Prozent unterhalb des Mittelwerts des Herstellers ab.

Das beste Ergebnis fuhren die Kieler, welche mittlerweile zum dreißigsten Mal in diesem Magazin vertreten sind, übrigens 2016 ein, als der 8.000 Euro schwere Standlautsprecher Air-X 409 bei uns gastierte. Der Navis ARF-51, dessen kleineren Bruder Navis ARB-51 wir für diesen Test in unser Testlabor ordern durften, punktete vergangenes Jahr vor allem ob einer sehr räumlichen und klar differenzierten Wiedergabe, wobei Kollege Thomas Kirsche kritisch anmerken musste im kabellosen Betrieb ein leises Grundrauschen zu vernehmen. Außerdem fiel die Tatsache, dass der Navis-Signaltransmitter nicht im Lieferumfang eines Navis-Speakers enthalten ist und zusätzlich nachgekauft werden muss, ins Gewicht. Wir sind dennoch gänzlich unbefangen und freuen uns auf einen spannenden Test.

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Neben den analogen Anschlüssen finden wir an der Rückseite des ARB-51 diverse Möglichkeiten, den Sound etwa mit einem EQ feinzutunen

Navis ARB-51

Dass Elac als Hersteller von der Ostseeküste einen Faible für maritime Namensgebung hat, liegt durchaus nahe. Ein Lautsprechermodell Navis, zu deutsch „Schiff“, zu taufen, gibt jedoch ganz besondere Interpretationsimpulse. Gefundenes Fressen für einen HiFi-Redakteur, welcher sich nun aufgefordert sieht, auf klangliche Entdeckungsfahrt zu segeln. Jedoch wollen wir zuerst mal einen analytischen Blick auf den Navis ARB-51 werfen, um den Kahn etwas genauer kennenzulernen, bevor wir zu weiterer Metaphorik greifen.

Mit einer Größe von knapp 35 Zentimetern (cm) Höhe zu 19 cm Breite und 24 cm Tiefe scheint der ARB-51 schon mal den Phänotyp eines klassischen Regallautsprechers aufzuweisen. Wiederum eher selten bei Lautsprechern dieser Zunft anzutreffen ist seine bauliche Ausführung als Drei-Wege-System. Und darum handelt es sich bei unserem Testkandidaten.

Treiber

Wie auch sein größerer Bruder Navis ARF-51 verfügt der ARB-51 über einen 10 cm messenden Mitteltöner mit Gummisicke und Aluminium-Membran, in welcher eine 2,5 cm-Hochtonkalotte eingelassen ist. Diese ist wiederum aus Textil gefertigt. Großer Vorteil eines Koaxial-Chassis ist natürlich das räumlich präzise Abstrahlverhalten des Treibers, welche Elac zusätzlich eine ausladende Schallführung um die Membranen zu begünstigen sucht. Auf den Norddeutschen HiFi-Tagen stellte der Hersteller einen Querschnitt des Speakers zur Schau, wobei wir feststellen konnten, dass der Koax-Treiber außerdem in einem eigenen Gehäuse untergebracht wurde, was die störende Einflussnahme des Tieftöners ausmerzen dürfte. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Aluminiummembran von 13 cm Durchmesser plus 2 cm Gummisicke. Damit ist das Basschassis nicht gerade riesig, aber es kommt ja bekanntlich nicht nur auf die Größe an. Vor allem der Antrieb ist hier zu berücksichtigen. Elac greift hierfür auf einen Heavy-Duty-Ferritmagneten von 10 cm Durchmesser zurück. Um die Schwingspule bei hoher Auslastung vor Überhitzung zu schützen, wurde das Magnetsystem zur Belüftung mit einer Polkernbohrung versehen. Untergebracht ist das Ensemble in einem Korb aus verwindungssteifem Stahlblech, was laut Hersteller die Impulstreue des Treibers fördern soll. Die Entscheidung, die Membranen aus Aluminium zu fertigen, geht zweifelsfrei auf die besonders steife und gleichzeitig leichte Beschaffenheit des Werkstoffs zurück. Als Nachteil wird bei Aluminium allerdings oft seine geringe innere Dämpfung angeführt. Dies kann unter Umständen zu unerwünschten Resonanzen führen. Elac versichert wiederum, dass die Partialschwingungen der Membranen des Navis außerhalb der Übertragungsbereiche der Treiber liegen. Womit wir bei den Grenzfrequenzen der Treiber wären, welche für den Basstreiber bei 260 Hertz (Hz) und den Mitteltöner bei 2200 Hz angesetzt sind. Insgesamt kommt der Navis ARB-51 laut Hersteller auf einen Frequenzgang von 44 Hz bis 28 kHz.

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Verstärkung

Da der Navis ARB-51 unter die Kategorie Aktivlautsprecher fällt, wollen wir natürlich auch auf die verbauten Signalverstärker eingehen. Während die meisten Modelle dieser Gattung mit energieeffizienten Class-D-Endstufen arbeiten, fällt der Navis ARB-51 mit seiner Class-A/B-Endstufe etwas aus dem Raster. Besonders ist außerdem, dass alle drei Treiber mit ihren eigenen Verstärkern versehen wurden. Beim Tieftöner sowie beim Mitteltontreiber kommen hier Systeme zum Einsatz, welche Elac mit dem griffigen Namen Bash versehen hat. Folgendes hat man sich darunter vorzustellen: Die Verstärkertopologie greift auf einen Class-D-Amp als Schaltnetzteil für einen Class-A/B-Verstärker zurück. Sinn der Sache ist, den Einsatz eines Filters zu umgehen, welcher bei herkömmlichen Class-D-Verstärkern für die Beseitigung der Trägerfrequenz benötigt wird, die wiederum dadurch entsteht, dass die Pulsweitenmodulation hier in hoher Geschwindigkeit zwischen den beiden Zuständen „Ein“ und „Aus“ umschaltet. Laut Elacs Produktentwickler Bjarne Sommerfeldt besteht die Besonderheit des Bash-Verstärkers also darin, dass die Versorgungsspannung der Endstufe vom Musiksignal moduliert wird. Ist dieses lauter, steigt auch die Versorgungsspannung. Somit liegt diese stets nur wenige Volt über der vom Amp erzeugten Ausgangsspannung, was die Verlustleistung des Verstärkers auf ein Minimum reduziert. Auch deshalb kommt Elac beim Navis ARB-51 auf einen sehr vorzeigbaren Rauschabstand von 110 Dezibel (dB). Alle Achtung. Der Hochtöner, welcher als einziger auf eine klassische Class-A/B-Verstärkung zurückgreift, kommt schlussendlich auf eine Leistung von 40 Watt (W) pro Kanal, während die mit Bash-Verstärkern versehenen Mittel- und Tieftöner auf jeweils 100 und 160 W kommen.

Finetuning

Die dezidierte Verstärkung der drei Chassis birgt daher natürlich auch die Möglichkeit, jeden Signalweg einzeln auf räumliche Bedingungen oder klangliche Vorlieben anzupassen. Eine Pegelsenkung der Bässe um vier dB empfiehlt sich beispielsweise bei wandnaher Aufstellung des Lautsprechers, während eine Anhebung der unteren Grenzfrequenz von 44 Hz auf 60 Hz oder gar 80 Hz ratsam ist, sobald ein aktiver Subwoofer das Stereo-Ensemble unterstützt. Die Möglichkeit, Mitten und Höhen um jeweils einen dB zu heben oder zu senken, halten wir prinzipiell nicht für unnötig, wobei wir uns doch gewünscht hätten, hier vielleicht etwas mehr „rausholen“ zu können, wenn Elac schon die Möglichkeit der Feinjustage zur Verfügung stellt. Aber wir wollen zunächst den Praxistest abwarten, um festzustellen, ob die Abstimmung des Lautsprechers überhaupt eine Nachregelung benötigt.

Konnektivität

Um endlich zum praktischen Teil des Tests übergehen zu können, müssen wir den Navis ARB-51 jedoch zunächst irgendwie mit Signal versorgen. Von Haus aus empfiehlt sich der Aktivlautsprecher ja als Wireless-Speaker, wobei wir wieder an dem bereits erwähnten Punkt wären, welcher auch den guten Eindruck des Standlautsprechers Navis ARF-51 ein wenig trübte: Für die kabellose Ansteuerung wird der optional erhältliche Wireless Transmitter benötigt. Der große Vorteil des gesamten Elac Discovery-Systems inklusive Discovery Music Server ist natürlich nicht von der Hand zu weisen: Organisierte Bibliotheken und Streaming-Clients schnell zur Hand und ohne Weiteres an die Lautsprecher gestreamt. Dass Elac den Navis-Speakern dennoch keine klassische UPnP/DLNA-Verbindung ermöglicht oder wenigstens ein Bluetooth-Modul einsetz, finden wir dennoch äußerst bedauerlich. Daher kommt in diesem Test lediglich die Benutzung des ARB-51 als kabelgebundener Aktiv-Monitor zur Sprache. Hier offerieren die Kieler die Anbindung an eine Vorstufe via Cinch- oder XLR-Verbindung.

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Die Textilkalotte des Koax-Treibers liegt hinter einem Schutzgrill verborgen

Praxistest

Wir entscheiden uns ausnahmsweise für die unsymmetrische Variante und koppeln unser eingespieltes Stereopaar Navis ARB-51 mit einem Scarlett 18i8 DAC von Focusrite. Musikalisch gehen wir gleich in die Vollen und starten mit „Powert To The People“ von Pardon Moi, erschienen 2017 auf Höga Nord Rekords. Der stramme Electro-Titel verlangt dem Navis ARB-51 sogleich einiges ab: Satte Kick, brillante Synths und robotische Vocoder wollen hier entsprechend in Szene gesetzt werden. Und das schafft Elac ohne Weiteres. Wir fühlen uns sehr an den Aktivmonitor AM 200 erinnert, welcher in der AUDIO TEST 05/17 einen eigenen Klangraum zu erschaffen schien. Wie eine Blase aus Sound umgab uns damals die Performance des Lautsprechers. Ähnlich verhält es sich nun mit dem ARB-51. Nur, dass das Stereobild weniger auf den Sweet Spot fokussiert, sondern deutlich breiter abstrahlt. Gleichzeitig ist die Räumlichkeit überaus luftig und weit, sodass vor allem hochfrequente Anteile viel Platz bekommen, sich im Raum zu entfalten. Das Stück „Black Spider“, welchen Mogwai im Rahmen des 2006 erschienenen Films „Zidane“ über die gleichnamige französische Fußballlegende komponierte, profitiert noch ein Stück mehr von der technischen Beschaffenheit des Navis ARB-51. Feine Mikrodynamiken werden so präzise zum Besten gegeben, dass wir vollends in die Musik eintauchen können. Ein hervorragend lokalisiertes Stereozentrum ist hier der Ausgangspunkt einer Bühne, welche sich beinahe 180 Grad um unseren Hörplatz herum erstreckt. Vor allem bei orchestraler Musik kommt das besonders zum Tragen. Der dritte Satz aus Schostakovichs zehnter Sinfonie in E-Moll ergießt sich in einer Fulminanz aus dem kompakten Duett, wie wir es eigentlich nur von Standlautsprechern gewohnt sind. Einmal mehr hat sich Elac somit tiefer in unser HiFi-Herz gespielt. Und vielleicht nehmen sich die Kieler wiederum unsere wohlwollenden Anmerkungen zu Herzen, dann reicht es beim nächsten Navis bestimmt für die Referenzklasse!

Webseite: www.elac.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 3/2020.

► Lesen Sie hier unseren Test vom Elac Navis ARF-51 Aktivlautsprecher (Standlautsprecher)

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Test: Elac Navis ARB-51 Aktivlautsprecher - Kompaktes Nordlicht
Ausgestattet mit Koax-Treiber und gleich drei Amps für drei Wege: Der elektroakustische Aufwand, den Elac für den Navis ARB-51 betreibt, macht sich klanglich absolut be- zahlt. Eine exzellente Räumlichkeit trifft auf ein hervorragend abge- stimmtes Treiber-Ensemble und re- sultiert in einer überaus lebendigen Performance. Lediglich die kabellose Beschränkung auf proprietäres Air- X2-Format betrachten wir doch als kleines Manko.
Wiedergabequalität91%
Ausstattung/Verarbeitung85%
Benutzerfreundlichkeit70%
Preis-/Leistungsverhältnis100%
Vorteile
  • hervorragende Abstimmung
  • exzellente Räumlichkeit
Nachteile
89%Gesamtergebnis
Leserwertung: (1 Judge)
92%

Bildquellen: