Nachdem wir vor einiger Zeit den aktiven Canton GLE 496.2 BT Lautsprecher auf dem Prüfstand hatten, ließen wir uns nun das passive Pendant der aktuellen GLE-Serie von Canton zukommen. Ob der Canton GLE 496.2 Drei-Wege Standlautsprecher im Test ebenso zu überzeugen weiß? Wir finden es für Sie im Hörraum heraus.

Sound of GLEmour

Seit einiger Zeit nun verfolgt Canton eifrig eine Smartisierungskampagne und reichert das eigene Produktportfolio fleißig mit intelligenten kabellosen Geräten an. Abseits des Luxus-Segments gehört das HiFi Unternehmen aus dem Taunus mittlerweile zu den Leitwölfen in puncto intelligenter, kabelloser und beliebig kombinierbarer Mehrkanal-Anlagen. Dabei haben wir in den vergangenen Ausgaben vom AUDIO TEST Magazin mehrfach lobend herausgestellt, dass es Canton wie kaum einem anderen Hersteller gelingt, bereits bewährte Geräte digital mit Funktransmittern, Bluetooth- und Netzwerkschnittstellen aufzurüsten, ohne dass der entsprechende Lautsprecher an klanglicher Raffinesse Einbußen verzeichnen muss. Dies konnten wir bereits mehrfach an verschiedenen Exempeln nachvollziehen – nicht ohne Grund dient daher seit neuestem ein Paar aktiver Canton Smart A45 Standlautsprecher ( lesen Sie hier unseren Test) als Referenzlautsprecher im Hörraum unserer Redaktion.

Vor nunmehr drei Jahren hatten wir den aktiven Standlautsprecher GLE 496.2 BT auf dem Prüfstand (AUDIO TEST Ausgabe 08/2017), damals einer der ersten Früchte Cantons Smart-Offensive. Das Testresultat von ausgezeichneten 90 % hätte seinerzeit kaum besser sein können, wobei natürlich vor allem das bequeme und vielseitige Handling des Canton Speakers zu diesem Ergebnis beitrugen. Während wir für gewöhnlich erst die passive Vorlage und dann im Anschluss die Variante mit digitalem Upgrade testen, stellt dieser Test eine Premiere dar. Denn zum ersten mal muss sich das passive Modell eines Lautsprechers mit der Vorleistung des aktiven Pendants messen. Wir präsentieren daher im Test: Cantons Standlautsprecher GLE 496.2 – das aktualisierte Original.

Canton GLE 496.2 3-Wege Standlautsprecher Test Review
Die Kalotte des Hochtöners ist in einen Wave-Guide eingelassen und wird von einem dezenten Lochgitter vor Beschädigungen geschützt.

Canton GLE 496.2 Standlautsprecher (passiv)

Dabei braucht der Canton GLE 496.2 keineswegs mit Prüfungsamt zu diesem Test anrücken. Denn immerhin ist das Modell laut Hersteller der Bestseller aus Cantons Produktkatalog – Dies dürfte einiges Selbstvewusstsein stiften. Auch, wenn man sich anschaut, wie hoch die deutschsprachige Fachpresse den Standlautsprecher bereits mit teils überragenden Einschätzungen dekoriert hat, wird einem klar, dass dieser 3-Wege Lautsprecher mit unserer Überprüfung wohl kein allzu schweres Spiel haben wird. Doch eines nach dem anderen.

Der Canton GLE 496.2 kommt mit der alles andere als unüblichen Physiognomie eines üblichen Standlautsprechers daher. Mit 106 Zentimetern (cm) Höhe auf einer Grundfläche von 21 cm mal 31 cm ist der Lautsprecher weder hünenhaft noch schmächtig. Mit einem offiziellen Kampfgewicht von knapp weniger als 20 Kilogramm (kg) lässt sich der GLE 496.2 somit ohne große Schwierigkeiten allein entpacken und im Hörraum installieren. Bestückt ist der offene 3-Wege-Lautsprecher mit insgesamt vier Treibern. Zwei Aluminium-Membranen von knapp 19 cm Durchmesser übernehmen die Bässe bis hoch zu 300 Hertz (Hz), von wo an ein 17,4 cm messender Aluminium-Mitteltöner die Übersetzung des Frequenzbandes bis 3200 Hz übernimmt. Vervollständigt wird das Ensemble von einer 2,5 cm weiten Hochtonkalotte aus einer Aluminium-Mangan-Legierung. Verbaut ist der Hochtöner im D‘Appolito-Stil zwischen Tief- und Mitteltöner. Gehalten werden die Chassis von resonanzarmen Polycarbonatkörben und mehrfach gefalteten Wave-Sicken. Insgesamt vermag der Canton Lautsprecher laut Hersteller ein Spektrum von 20 Hz bis 40000 Hz wiederzugeben, und das bei einer maximalen Belastbarkeit von 320 Watt. An Hubraum fehlt es dem Speaker somit schon mal nicht. Erhältlich ist der GLE 496.2 übrigens in drei Farbausführungen: Klavierlack schwarz und weiß, sowie mit edlen Makassar Seitenwänden und mattschwarzem Frontpanel.

In Sachen Verarbeitung gibt Canton keinerlei Anlass zur Kritik. Die Schallwand ist minimal versetzt ins Gehäuse eingelassen, die Chassis hingegen schließen schön bündig mit dem Frontpanel ab. Für die Anbringung der Frontblende entschied sich der Hersteller zwar gegen unsichtbare Magnethalterungen, jedoch sind die Öffnungen zum Anstecken der Blende kaum merklich in die Zierringe der Treiber eingelassen. Besonders lobend wollen wir eine kleine Vorrichtung an der Rückseite des Gehäuses erwähnen, an welcher die Blende angebracht werden kann, wenn man den Anblick der silbernen Treiber präferiert. So gehen die Textilblenden nicht verloren und fallen einem beim Frühjahrsputz nicht zufällig in die Hände.

GLE 496.2 Bassreflexöffnung
Neben dem solide verarbeiteten Anschlussterminal finden wir an der Gehäuserückwand des GLE 496.2 auch die Bassreflexöffnung.

Teamplayer

Das Fehlurteil, dass die Entscheidung für einen passiven Lautsprecher Verzicht auf Flexibilität bedeutet, räumt Canton übrigens mit dem Smart Amp 5.1 Multiroom AV-Verstärker aus der Welt. Dieser bietet eine intelligente Schnittstelle zwischen analoger Performance und digitaler Vielseitigkeit. Neben Sprachsteuerung, Chromecast und Spotify Connect als implementierte Featueres lassen sich physisch bis zu sechs und kabellos bis zu acht Canton Lautsprecher mit dem Smart Amp koppeln. Ein Dolby Atmos-System in hybrider analog-/wireless-Ausführung ist somit absolut kein Problem. Satte 600 Watt stellt der gerade mal 25 cm mal 12 cm mal 15 cm messende Verstärker zur Verfügung. Als topaktuelle AV-Schnittstelle füs Wohnzimmer mit 4K-kompatiblen HDMI-Inputs oder auch als Multiroom-Komponente eignet sich der Smart Amp hervorragend. Wie der Canton Smart Amp im Falle dieses Tests für Flexibilität sorgt, erläutern wir dann später.

Aufstellung und Installation der Canton Lautsprecher

Da der Canton GLE 496.2 auch alleine mit überschaubarem Kraftaufwand zu bewegen geht, stellen uns Aufstellung und Ausrichtung des Stereopaares vor nicht allzu große Probleme. Nach dem üblichen hin- und hergekippel entschließen wir uns für ein recht schmales Stereodreieck, in welchem die Canton Speaker etwa 2,5 Meter Abstand von einander und knapp 3 Meter Abstand zum Hörplatz haben. Bespielt wird unser Pärchen vom RA-1572 Vollverstärker aus dem Hause Rotel. Dieser nimmt in unserem Falle bequem via klassischer Lautsprecherkabel mit Bananenstecker Verbindung zu den Lautsprechern auf, deren solide verarbeiteten Schraubklemmen auch übliche Litzekabel mit einem Querschnitt von bis zu sechs Quadratmillimetern aufnehmen kann.

Canton GLE 496.2 Tieftöner
Sowohl Mitteltöner als auch Tieftöner sind von einer Membran aus Aluminium versehen. Gehalten werden die Chassis von mehrfach gefalteten Wave-Sicken.

Sound of GLEmour

Wir beginnen den Praxistest mit der Kölner Band SALOMEA, deren in diesem Jahr erschienenes Album „Bathing in Flowers“ sich nur schwer in übliche Genre-Schubladen einordnen lässt. Jazzige Harmonie- und Rhythmusstrukturen treffen hier auf elektronische Instrumentierung und setzen unvorhersehbare verschachtelte Kompositionen in ein surreal düsteres Sujet, welches zu Teilen Anwandlungen von Trap und Trip Hop aufweist. Grundvoraussetzung für eine angemessene Performance sind hier ein hohes Maß an Impulstreue und vor allem ordentlich Tiefgang. Mit beidem kann Cantons Standlautsprecher GLE 496.2 problemlos aufwarten. Flinke Subbass-Motive werden vom Prüfling gut differenzierbar transportiert, während Hallfahnen und fein granulierte Texturen spritzig und mit ordentlich Strahlkraft aufgelöst werden. Der GLE hat Canton-typisch ordentlich Druck unterm Kessel und weiß auch mit knalligen Bass-Schwadronen mühelos umzugehen. Dabei verzückt unser Stereopaar mit einer herausragenden Tiefenstaffelung, welche das räumlich gut sortierte und weitläufige Stereopanorama überaus plastisch zutage treten lässt.

Während SALOMEA die Expressivität des GLE 496.2 eindrucksvoll unter Beweis stellt, zeigt der unangefochtene Meister der Bach-Interpretation, dass dieser Lautsprecher auch sehr feinfühlig aufspielen kann. Glen Goulds Aufnahmen der Goldbergvariationen gelten als Maß aller Dinge, wenn es um die elektroakustische Übersetzung des großen Meisters geht. Darum weiß auch der Canton GLE 496.2. Mit angebrachter Zurückhaltung aber einem Höchstmaß an Aufmerksamkeit artikuliert der Schallwandler aus dem Taunus die nuancenreiche und stets vom leisen Summen des Pianisten begleitete Aufnahme. Die dynamisch äußerst anspruchsvolle Aufgabe meistert unser Test-Lautsprecher von Canton bravourös. Das Pianissimo wird extrem aufmerksam und mit viel Fingerspitzengefühl übertragen, mikrodynamische Variationen bis hin zum plötzlichen Fortissimo stellen den Lautsprecher vor keine große Herausforderung. Lautsprecher und Interpret verschmelzen förmlich zu GLEen Gould.

Canton Smart Amp 5.1 – Analog und kabellos

Selbstverständlich wollen wir noch kurz auf die eingangs erwähnte Möglichkeit zu sprechen kommen, mithilfe des Smart Amp 5.1 den passiven GLE 496.2 in ein kabelloses Setup einzubinden. Hierfür verkabeln wir unser Stereopaar mit dem Smart Amp, welcher seinerseits zur besseren Übersichtlichkeit via HDMI mit unserem Redaktions-TV verbunden ist. Hier können wir unkompliziert auf das Lautsprecher-Setup zugreifen und den Canton Amp startklar machen für die Kopplung kabelloser Lautsprecher, in diesem Fall zwei Modelle der Canton Soundbox 3 als Rear-Speaker. Rear-Links im Setup ausgewählt, den entsprechenden Lautsprecher ans Stromnetz gehangen, ein paar Sekunden gewartet und zack – schon ist der erste Rear-Kanal belegt. Diesen Vorgang wiederholen wir mit der zweiten Soundbox 3 und innerhalb weniger Minuten haben wir ein Vierkanal-Arrangement bestehend aus zwei passiven Canton GLE 496.2 und zwei funkgesteuerten Soundbox 3 installiert. Chapéau, Canton!

Angesichts der Tatsache, dass der GLE mit einem Stückpreis von gerademal knapp 500 Euro und der Smart Amp für ein bisschen mehr als 600 Euro erhältlich ist, sehen wir keinen Grund, trotz der anhaltenden Smartisierung von HiFi-Geräten vom Kauf eines passiven Lautsprecherpaares abzusehen. Ganz im Gegenteil! Denn während vollständig kabellos agierende Wireless-Setups aufgrund proprietärer Protokolle keine Variation in der Zusammenstellung von Komponenten verschiedener Hersteller erlauben, bietet Cantons Smart Amp genau hier die perfekte Lösung – verfügt man bereits über ein bewährtes Stereopaar des Herstellers XY, lässt sich dieses dank der Tüftler vom Taunus problemlos um kabellose Mehrkanal- oder Multiroom-Komponenten von Canton erweitern. In Sachen kundenorientierter Produktentwicklung setzt Canton hier mal wieder Maßstäbe!

Canton Smart Amp 5.1 Test Review
Als idealer Spielpartner des GLE 496.2 in der passiven Variante hat sich Cantons hauseigener Smart Amp 5.1 angeboten. Klein, mächtig, flexibel.

Preis und Verfügbarkeit

Den Canton GLE 496.2 Standlautsprecher gibt es zum Preis von 1.038 Euro (UVP, Paarpreis) im autorisierten Fachhandel oder direkt bei Canton zu kaufen.

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 01/2021.

Webseite: www.canton.de

► Lesen Sie hier: Test der Canton Smart Soundbox 3 Multiroom-Lautsprecher – Klein und flexibel

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Test: Canton GLE 496.2 Standlautsprecher (3-Wege)
Passiv pur ist noch immer absolut en vogue - dies beweist Canton mit der aktualisierten Variante des GLE 496.2 Standlautsprechers. Hervorragend abgestimmt und allen Herausforderungen gewachsen klingt der Lautsprecher einmal mehr nach einem Vertreter weitaus höherer Preisklassen. Und dass man mit einem rein passiven Speaker nicht automatisch von digitalen Vorzügen ausgeschlossen ist, stellt Canton nebenbei mit dem Smart Amp 5.1 unter Beweis, der den GLE problemlos auch in kabellosen Mehrkanal-Setups gut in Szene setzt.
Wiedergabequalität89%
Ausstattung/Verarbeitung100%
Benutzerfreundlichkeit70%
Preis-Leistung100%
Vorteile
  • kraftvoller und gleichzeitig feinfühliger Sound
  • tolle Räumlichkeit
Nachteile
  • keine
89%Canton GLE 496.2
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0%

Bildquellen:

  • Canton-Smart-Amp-5.1: Auerbach Verlag
  • Canton GLE 496.2 Test: Auerbach Verlag