Ursprünglich war geplant den vorliegenden Technics Plattenspieler zur High End 2020 in München zu enthüllen. Wir alle wissen, dass diese Veranstaltung aus gegebenem Anlass abgesagt werden musste. So haben wir den direkt angetriebenen Technics SL-1210GAE Plattenspieler inklusive Nagaoka JT-1210 MM-Tonabnehmer nun zum Test ins hauseigene Testlabor und Hörstudio geladen.

Schwarz und selten

Als Ersatz zur ausgefallenen High End Messe veranstaltete Technics am 28. Mai 2020 daher alternativ eine Online-Auftaktveranstaltung, um den aktuellsten 1200er vorzustellen, den Technics SL-1210GAE. Beim Plattenspieler handelt es sich um die 55th Anniversary Edition – eine limitierte Auflage von gerade einmal 1.000 Einheiten. Auf jeder Einheit befindet sich eine Plakette mit der eingravierten Produktionsnummer. Der SL-1210 GAE Plattenspieler von Technics ist das schwarze Gegenstück zum silbernen SL-1200GAE aus dem Jahr 2016 und in allen Aspekten gleich, mit Ausnahme der Farbe und der zusätzlichen Funktion zum Ausschalten des Stroboskops. Bei dieser neuen Funktion schaltet sich das Stroboskop an, sobald der Plattenspieler auf Touren fährt und automatisch aus, sobald die Zielgeschwindigkeit erreicht wurde. Wird sie verlassen, zum Beispiel durch Berührung des Plattentellers, Scratching oder ähnlich Einflussnahme, geht das Strobo wieder an, bis die Zielgeschwindigkeit wieder stabil ist. Natürlich lässt sich diese Funktion auch generell ausschalten.

55 Jahre

Im Jahr 1965 wurde der Name Technics erstmals für einen hochwertigen Kompaktlautsprecher (Technics 1) verwendet. Im Jahr 1970 stellte Matsushita, der Konzern, der später Panasonic heißen sollte, mit dem Technics SP-10 das erste kommerzielle direktangetriebene Plattenspielerlaufwerk als Einbaugerät vor, das in ein Gehäuse oder in eine Studioumgebung einzubauen war. Ein geeigneter Tonarm musste separat erworben und montiert werden. Nach 55 Jahren Firmengeschichte, kommt also nun ein Jubiläumsmodell auf den Markt, dass die regulären 1200er versucht in den Schatten zu stellen. Schon der SL-1200GAE wusste uns zu überzeugen.

Test Technics SL-1210GAE Limited Edition Plattenspieler – Schwarz black Review Pitch 1200
Auch beim SL-1210GAE darf der legendäre Pitch-Fader nicht fehlen. Neu ist, dass sich das Strobo automatisch nach erreichen der Zielgeschwindigkeit ausschalten kann.

Vor zehn bis fünfzehn Jahren jedoch konnte man einen neuen Technics für sage und schreibe circa 600 Euro ergattern. Die heutigen Preise für ein Neugerät aus der alten Produktion kosten mittlerweile etwa das Vierfache. Qualität steigt offensichtlich im Preis. Nachdem die Produktion im Jahr 2010 eingestellt wurde, ging ein Raunen durch die Wohnzimmer und Clubs, denn der SL-1200G hatte sich seinen Ruf als robustester Plattenspieler der Welt erarbeitet. Nach Jahren des Wartens war es 2016 nun endlich so weit. AUDIO TEST war eines der ersten Magazine in Deutschland, die den neuen Technics SL-1200GAE damals testen durften ( lesen Sie hier unseren Test). Das führte bereits dazu, dass sich die halbe Belegschaft um das Paket drängte, weil jeder zu den wenigen Auserwählten gehören wollte, die die Legende bisher live gesehen haben. Das Anhängsel GAE beschreibt auch hier die limitierte Edition, die in klassischem Silber zum Preis von 3.499 Euro zu erhalten war. In Japan, wo der Verkauf bereits früher gestartet war, waren alle verfügbaren 300 Exemplare innerhalb einer halben Stunde ausverkauft! Im Winter erschien dann die Standardausführung. Diese hatte dann wieder die reguläre Modellbezeichnung SL-1200G. 

Test Technics SL-1210GAE Limited Edition Plattenspieler – Schwarz black Review  1210
Die Tonarmbasis lässt auch wie beim 2016 vorgestellten 1200er GAE keine Wünsche übrig, inklusive stufenloser Höhe, Verriegelung und extra Gegengewicht.

Was hatte sich zum “Original” verändert? Früher leuchtete die Lampe in Rot, beim neuen Modell in blau. Das ist optisch fast der einzige Unterschied. Oder? Weit gefehlt. Als 2014 die Planung für eine Neuauflage begann, hat man festgestellt, dass bis auf die Abdeckhaube nichts mehr aus der Produktionsstrecke, die bis 2010 genutzt wurde, vorhanden war. Daher ist das Gerät von Grund auf neu konstruiert worden. So entstand mit dem originalen Technics SL-1200GAE ein vollkommen neuer Plattenspieler auf der optischen Basis seines Vorgängers. Die Neuauflage in Schwarz bleibt genauso klassisch-puristisch wie die erfolgreiche Vorlage: Es besitzt einen klassischen Phono-Ausgang, weitere Anschlussmöglichkeiten sieht der Dreher nicht vor. Auf einen eingebauten Phonoverstärker und/oder USB-Ausgang wurde auch hier wieder verzichtet. Da ohnehin im audiophilen Bereich externe, eigenen Verstärker bevorzugen und die DJs in der Regel Phonovorstufen in den Mischpulten integriert haben. Beim Mixen und Mischen der Musik in Clubs hat man oft die Geschwindigkeiten des Musikstückes mit Hilfe des Pitchs (± 8%/16%) geregelt, um die Übergänge zwischen den Titeln anzupassen. Hat man den Pitchregler verwendet, genügt ein kurzer Druck auf den „Reset“-Knopf und die Solldrehzahl wird automatisch wieder hergestellt. Sie kann mit der Strobo-Lampe via den Einschaltregler überprüft werden. 

Innenleben vom SL-1210 GAE

Die Neuauflage wurde durch aufwändige Verbesserungen optimiert. Das auf 1200 Exemplare limitierte Plattenspieler Modell von Technics hat einen Magnesium-Tonarm, der für eine höhere Eigendämpfung sorgt. Die Dämpfungsfüße sind höhenverstellbar und besitzen eine Füllung aus Silikon-Kautschuk. Das Serienmodell besitzt hingegen einen Aluminium-Tonarm und in den Standfüße einen „normale“ Gummi-Füllung. Beide Ausführungen haben einen Direktantriebsmotor ohne Eisenkern. Selbst die kleinsten Motorvibrationen werden durch einen Mikroprozessor ausgeglichen. Der SL-1210 GAE besitzt einen Zwillingsrotor, der die Lagerbelastung reduziert und ein hohes Drehmoment aufrecht erhält, so dass einem audiophilen Hörgenuss nichts mehr im Wege steht. Die volldigitale Motorsteuerung schafft es, den schweren, nicht-magnetischen, dreischichtigen Plattenteller in weniger als einer Sekunde auf 33 Umdrehungen pro Minute zu katapultieren. Das Gewicht sorgt für einen hervorragenden Gleichlauf und reduziert dadurch unerwünschte Resonanzen. Eine Platte aus Messingdruckguss ist fest mit einer Zinkdruckgussplatte verbunden. Die Unterseite ist mit einem vibrationsabsorbierenden Gummi verkleidet. Die Gehäusekonstruktion ist dabei vierschichtig angelegt. Die Deckplatte ist zehn Millimeter dick und besteht aus strichgeschliffenen Aluminium und ergänzt die Dreischicht-Konstruktion des SL-1200MK5. Diese bestand aus Aluminumdruckguss, Faser-Matrix-Verbundwerkstoff (BMC) und schwerem Gummi. 

Test Technics SL-1210GAE Limited Edition Plattenspieler – Schwarz black Review  1210 Motor
Es ist das Herzstück eines jeden 1200ers, der Direktantrieb. Aufgrund des hohen Drehmoments werden Zielgeschwindigkeiten schnelle erreicht, besonders beim DJ-Mixing wichtig!

Tonabnehmer: Nagaoka Spezial-System

Bei der Entwicklung des SL-1210GAE arbeitete Technics 2020 mit Nagaoka zusammen, einem der weltweit angesehensten Hersteller für Abtastnadeln und Tonabnehmersysteme. Nagaoka ist führend in der Mikrofertigungstechnologie für schwer zu schneidende Materialien und feiert in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen. Der Technics SL-1210GAE wird mit dem Moving Magnet (MM)-Tonabnehmer des Typs Nagaoka JT-1210 ausgestattet, der von einem gemeinsamen Ingenieurteam von Technics und Nagaoka speziell abgestimmt wurde. Beim JT-1210 kommt ein leichter, jedoch sehr steifer Nadelträger aus Bor zum Einsatz. Das System bietet im Vergleich zu anderen MM-Tonabnehmern eine überlegene Abtastleistung, was sich besonders im herausragenden klanglichen Fokus sowie einer brillanten Detailwiedergabe bemerkbar macht. Dieses einmalige System wird ausschließlich mit dem SL-1210 GAE-Plattenspieler erhältlich sein. Die hervorragenden klanglichen Eigenschaften des JT-1210-Tonabnehmers und des Technics SL-1210GAE Plattenspielers sorgen dafür, dass dieses in limitierter Auflage hergestellte Komplettpaket eine echte Wertanlage wird. Einziger Kritikpunkt: Die Schutzkappe der Nadel des Abnehmersystems sitzt relativ lose. Hier ist Aufmerksamkeit geboten, um nicht aus versehen die Nadel zu schrotten.

Nagaoka JT-1210 MM Tonabnehmer Technics 1200 Test Review  SL-1210GAE Schwarz black 1210
Der MM-Abnehmer Nagaoka JT-1210 ist exklusiv auf den 1200er abgestimmt.

Schwere Qualität: Technics SL-1210GAE im Klangtest

Wir haben passend zur Wiederauflage und dem Jubiläum tief in unserer Plattenkiste gekramt und uns für ein Revival der Musik der 80er Jahre entschieden. Die Bässe unserer Musikbeispiele erklingen dabei durchweg kraftvoll, was unter anderem durch den Direktantrieb möglich wird. Ganz souverän werden alle von uns aufgelegten Platten wiedergeben. Der Technics spielt dabei unglaublich ruhig. Bei „Destiny“ von Jennifer Rush, drückt der E-Bass und Jennifers Stimme ertönt brilliant. Die Gitarrenklänge mischen sich dazu wunderbar mit dem Schlagwerk. Hier kommt jeder Ton zur Geltung und nicht einer wird vom Technics verschluckt. Bei „It Must Have Been Love“ von Roxette, wo jeder Schlag des Drumsets mit einer Deutlichkeit erklingt, spielt er bewundernswert auf. Selbst hier erklingt das Gitarrenmotiv präzise und man hört jeden Seitenanschlag und die dazugehörenden Obertöne. „The Show Must Go On“, eine der letzten Gesangsaufnahmen von Freddy Mercury mit der britischen Gruppe Queen, lässt den Künstler in unserem Hörraum wieder auferstehen. Freddy Mercurys Krankheit war bei den Aufnahmen schon sehr weit fortgeschritten, so dass nicht klar war, ob er überhaupt noch in der Lage sein würde, das Lied zu singen. Nach einem Wodka wurde es dann eine der besten Gesangsaufnahmen seiner Karriere. Die Synthesizerklänge vermitteln gleich am Anfang einen heroischen Einstieg in die Musikballade. Brain Mays Gitarrenriffs erklingen atemberaubend. Ab der dritten Minute, als Freddys Stimme zum Höhepunkt ansetzt, hört man ihn deutlich sagen: Auch wenn ich nicht mehr singen sollte, lasst die Show weitergehen! Gänsehautfeeling pur! Mit einer Aufnahme von „Dies irae“ aus Verdis Requiem, die oft auch als dramatische Filmmusik verwendet wird, wollen wir den Test beschließen. Der Technics SL-1210GAE gibt in Kombination mit dem Nagaoka die scharf konturierten, extrem unterschiedlichen Einzelbilder mit einer großartigen musikalischen Sprachkraft wieder. Durch den Bilderreichtum wird der Technics komplett gefordert, aber er kann auch ohne Probleme den dramatischen Bogen schließen. Alle von Verdi herauf beschworenen musikalischen Empfindungen werden mit einer Perfektion wiedergegeben, die ihresgleichen sucht und den Plattenspieler auch für audiophile Hörer der klassischen Musik interessant macht. Am liebsten würden wir noch Wochen mit unserem Test verbringen, denn der Technics SL-1210 GAE macht pure Freude.

Preis und Verfügbarkeit

Den Technics SL-1210GAE gab es zum Zeitpunkt des Testberichtes (Mitte 2020) zum Preis von 4.499 Euro (UVP) in der Farbe Schwarz im autorisierten Fachhandel zu kaufen. Nachdem die ersten 1.000 Exemplare binnen kurzer Zeit restlos ausverkauft waren hatte Technics im Juli 2020 noch einmal 210 Exemplare des in Handarbeit gefertigen Plattenspielers nachgelegt.

Mehr Informationen: https://www.technics.com/de/

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Magazin Ausgabe 05/2020.

► Lesen Sie hier: Test vom Technics SL-G700 Netzwerk / SACD-Player, SU-G700 Vollverstärker & SB-G90 Standlautsprecher

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Test: Technics SL-1210 GAE Limited Edition Plattenspieler – Schwarz und selten
Die Anniversary Edition des SL-1200G in Schwarz ist Technics durchweg gelungen. Wir glauben, dass auch die neue Variante Technics SL-1210GAE wieder zu einem der begehrtesten Turntables der Welt aufsteigen wird und innerhalb kürzester Zeit ausverkauft sein wird. Jetzt zuschlagen!
Wiedergabequalität96%
Ausstattung/Verarbeitung96%
Benutzerfreundlicheit92%
Preis-Leistungsverhältnis90%
Vorteile
  • massive Qualität in Handarbeit
  • kaum Resonanzen
  • legendäres Design
Nachteile
  • Nadelabdeckung des Nagaoka mit großem Spiel
94%Gesamtwertung
Leserwertung: (2 Votes)
100%

Bildquellen:

  • AUDIO-TEST-0621: Auerbach Verlag
  • Technics SL-1210GAE: Auerbach Verlag