Auto-Reverse, Dolby B, High-Speed-Dubbing: Dass man diese Begriffe gehört hat, ist lange her und erinnert an eine Zeit, in der man sich in Fernsehzeitschriften informierte und man Sendungen wie Alf, Knight Rider und Beverly Hills 90210 schaute.

Selbstverständlich sind die Zeiten vorbei, doch einige Dinge bleiben nicht nur im Gedächtnis, sondern tauchen langsam aber sicher aus der Versenkung wieder auf und erleben neuerdings ein ungeahntes Revival. So flimmert nicht nur Alf wieder in regelmäßigen Abständen über die Bildschirme, sondern auch vergessen geglaubte Medien erleben einen neuen Hype. Während die Vinyl-Schallplatte aktuell boomt und fast schon wieder ein Mainstream-Medium zu werden scheint, fristet die Musik-Kassette nach wie vor ein Schattendasein in der Sparte der Tonträger. Dabei war es einst das Leitmedium einer kompletten Generation. Wie es der Zufall will, landet 2015 Marty McFly im Film „Zurück in die Zukunft“ der Geschichte nach in Hill Valley. Auch für ihn war der Walkman ein ständiger Begleiter. Für damalige Zeiten unglaublich kompakt und auch in größeren Mengen transportabel, konnte man nicht nur Kaufkassetten abspielen, sondern auch Musik überspielen oder selbst darauf aufnehmen. So war für jeden HiFi-Enthusiasten ein Doppel-Tapedeck Pflichtprogramm im Turm. Gerade mit Rauschunterdrückungsmechanismen wie Dolby B und C und Chrom-Kassetten ließ sich doch ein durchaus anständiger Klang aus den Magnetbändern herausholen. Mit der Entwicklung der MiniDisc schwanden diese jedoch zusehends und spätestens seit dem Siegeszug der MP3 sind sie fast gänzlich aus dem kollektiven Bewusstsein getilgt. Mittlerweile entdecken jedoch kleine Indie-Labels den Reiz des leicht verrauschten und mit einer gewissen Bandsättigung versehenen Mediums wieder und zelebrieren eine gewisse Nostalgie. So auch jene, die in Regalen stöbern und ihre alten Mix-Tape-Sammlungen wiederentdecken oder Aufnahmen aus früher Kindheit, als einzigartiges Zeitdokument. Denn langlebig war sie ja, die MC. Die Industrie beurteilt die Lebensdauer allerdings nicht nach rein physischen Aspekten, sondern nach Wirtschaftlichkeit. So gibt es kaum noch Neuware am Markt. Lediglich beim Laufwerksspezialisten Teac entdecken wir unter der Rubrik „Full Size HiFi“ mit dem W-890RMKII noch ein solches Exemplar und zögern nicht, es uns in den Hörraum zu bestellen.

Ein Anblick, denn man nie vergessen wird. Besonders dann nicht, wenn das Band sich verhedderte und man es vorsichtig herauspulte...

Ein Anblick, denn man nie vergessen wird. Besonders dann nicht, wenn das Band sich verhedderte und man es vorsichtig herauspulte…

Klassische Funktionsweise eines Kassettendeckes

Sehen wir uns die Funktionen einmal genauer an. Zwei Laufwerksschächte stehen für Medien zur Verfügung. Beide erkennen dabei vollautomatisch den Bandtyp und unterscheiden zwischen Normal (Typ I), Chrom (Typ II) und Metall (Typ IV). Eine Auto-Reverse- und Wiederholungsfunktion steht hier ebenfalls zur Verfügung, welche mittels Wahlschalter an- und ausgeschaltet werden. Beide Seiten sind außerdem in der Lage, Signale aufzunehmen und damit auf Band zu verewigen. Dies kann sowohl von der jeweils anderen Kassette, vom Line-Eingang oder vom Mikrofon geschehen – in letzteren beiden Fällen sogar auf zwei eingelegte Bänder simultan. Das Display gibt Auskunft über den Aufnahme- oder Abspielstatus, den Pegel und enthält außerdem ein digitales Zählwerk, das Auskunft über die Bandposition gibt. Im linken Deck kann per einfachem Druck auf die Taste RTZ (Return to zero), der Nullpunkt angefahren werden. Ebenfalls aufs linke Deck beschränkt ist die Funktion Pitch Control. Mit dieser lässt sich die Bandgeschwindigkeit um bis zu zehn Prozent drosseln oder erhöhen und somit auch die Tonhöhe absenken beziehungsweise anheben. Überspielungen sind per High-Speed-Dubbing möglich. Die beiliegende Fernbedienung trittim Retro-Style auf und sorgt dafür, dass der Hörer seinen Platz auf dem Sofa lediglich verlassen muss, um die Kassette zu wechseln.

Die Front mutet eher zeitlos denn retro an. Mit dem Drehregler „Rec. Level“ stellt Teac einen komfortables Tool zur Verbesserung der Aufnahme bereit. Es sei hier darauf hingewiesen, dass der Input-Level moderner Smartphones sich nicht regeln lässt

Die Front mutet eher zeitlos denn retro an. Mit dem Drehregler „Rec. Level“ stellt Teac einen komfortables Tool zur Verbesserung der Aufnahme bereit. Es sei hier darauf hingewiesen, dass der Input-Level moderner Smartphones sich nicht regeln lässt

Im Gegensatz zu niedrigpreisigeren Kassettenrecordern verfügt das Teac-Tapedeck nicht über Boxenanschlüsse. Der Sound kann somit über eine hochwertigen Endstufe noch aufgewertet werden

Im Gegensatz zu niedrigpreisigeren Kassettenrecordern verfügt das Teac-Tapedeck nicht über Boxenanschlüsse. Der Sound kann somit über eine hochwertigen Endstufe noch aufgewertet werden

Nostalgie Pur

Schon der äußere Anschein weckt nostalgische Gefühle. Wenngleich die Bedienung und Steuerung digital erfolgen, sind immerhin die Lade und der Eject-Knopf voll analog. Beim Druck öffnet sich diese sanft. Ist die Kassette eingelegt und der Caddy mit dem charakteristischen Klicken verschlossen, ist das Deck spielbereit. Beim Starten der Wiedergabe vernehmen wir sofort das altbekannte Grundrauschen – war das schon immer so laut? Ja, war es. Unsere Ohren sind es in Zeiten von hochauflösenden Flacs nicht mehr gewohnt, das physische Medium tatsächlich noch zu hören. Zum Rauschen gesellt sich ein dezentes Motorbrummen. Als die Musik einsetzt sind die Nebengeräusche jedoch so gut wie vergessen. Die natürliche Sättigung des Bandes und der damit warm anmutende Klangcharakter wissen uns sofort für sich einzunehmen. So schleudern uns Aerosmith mit dem Klassiker „Eat the rich“ ihre in schmissige Gitarrenriffs verpackte Spielfreude mit dem nötigen Nachdruck entgegen und können ab der erste Sekunde mitreißen. Auch bei Roxettes „Shadow of a doubt“ geht das Grundrauschen weitestgehend im Klangteppich unter. Was hingegen bleibt, ist ein Blick auf die großartigen Arrangements der damaligen Popkultur, etwas worauf der Fokus in aktuellen Songs trotz glattgebügelter Produktionen nach und nach der Wirtschaftlichkeit und dem Sexappeal der Performer weichen muss. Bei klassischer Musik und Hörspielen ist es hingegen nicht ganz so leicht, die Nebengeräusche gänzlich auszublenden. Bei der Inszenierung von Peter und der Wolf, aufgeführt mit den Nürnberger Symphonikern, bleibt sowohl bei der musikalischen Darbietung als auch bei der Sprecherstimme von Elmar Gunsch ein stetes Rauschen vernehmbar. Trotz einer nicht ganz sauberen Kanaltrennung wird jeglicher Musik eine gute räumliche Darstellung zuteil, welche sicherlich unter anderem der natürlichen Kompression des Bandes zuzuschreiben ist. In den Höhen ist das Medium schon vom rein physikalischen Aspekt her begrenzt, so dass es sämtlichen Aufnahmen ein wenig an Brillanz mangelt. Stattdessen tritt ein sattes Fundament zutage, das eine ganz andere Art der Klangfülle erzeugt, als ein komplett linearer Frequenzgang. Dieser ist beim Teac W-890RMKII von 30 bis gerade einmal 15 Kilohertz bei Chromkassetten angegeben und wird – ebenso wie der Rauschabstand von 58 Dezibel – einem eingefleischten High-Ender gerade einmal ein müdes Lächeln abringen. Doch der eigene Charme dieses Trägermediums ist nicht zu verkennen. Sicher spielt bei Erkenntnissen dieser Art die emotionale Komponente eine gewichtige Rolle, aber seien wir doch einmal ehrlich: Wann geht es bei der Musik um reine Formeln, Berechnungen und Messwerte? Beim Musikhören wollen wir all dies vergessen und Abstand nehmen von allem, was uns belastet, schwerfällt und alltäglich ist. Wir wollen genießen, schwelgen, abtauchen. Und genau dafür ist manchmal das Band das Mittel der Wahl. Analytisches Gehör aus, Gefühl an!

Fazit

Das Tape-Deck ist Nostalgie pur! Sofort fühlt man sich wieder in die 80er Jahre versetzt als die Kassette ihren Boom hatte. Klar, die Qualität reicht bei weitem nicht an die CD heran, aber die Käufer des Players wollen es auch gar nicht.

Teac W-890RMKII: Ein Plädoyer fürs Band
Wiedergabequalität73%
Ausstattung/Verarbeitung80%
Benutzerfreundlichkeit85%
Preis/Leistung70%
77%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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