Befragt nach dem bedeutendsten Album der 1970er Jahre müssen Musikenthusiasten nicht lange überlegen. Meist kommt, wie aus der Pistole geschossen, "The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars" oder einfach "Ziggy Stardust" von David Bowie. Am 16. Juni 2022 feierte die Glamrock-Platte ihr fünfzigjähriges Jubiläum. Es könnte also keinen passenderen Anlass für einen Blick auf dieses legendäre Album geben - unser Album des Monats! Natürlich gibt es dieses Jahr auch eine ganz besondere Neuauflage des Klassikers. Doch dazu später mehr.

David Bowie at his best

Für David Bowie läutete die Platte seinen internationalen Durchbruch ein. Insbesondere mit der Single „Starman“ hatte er riesigen Erfolg. Um die Figur des Ziggy Stardust ranken sich viele Mythen. Ähnlich wie bei einem Kunstwerk gibt es zahlreiche verschiedene Deutungen um den von Bowie geschaffenen Charakter.

Laut Bowie bezog sich Ziggy auf eine Londoner Schneiderei namens Ziggy’s. Schließlich war ihm Mode immer besonders wichtig.

Später offenbarte er gegenüber dem Rolling Stone Magazin allerdings, Ziggy sei einer der wenigen Vornamen mit dem Anfangsbuchstaben Z gewesen, die ihm ins Gedächtnis gekommen seien.

Andere meinen, dass der gewählte Name möglicherweise eine Anspielung auf den Musiker Iggy Pop und das Modell Twiggy, die beide zu Bowies Freunden zählten, sei.

Der Name Stardust soll einen noch ganz anderen Hintergrund haben. Wir konnten das natürlich ebenso wenig überprüfen, wie die vorangegangenen Angaben. Im Internet ist allerdings nachzulesen, dass er auf den Countrysänger Norman Carl zurückgeht. Der war damals als Legendary Stardust Cowboy bekannt und stand wie David Bowie bei Mercury Records unter Vertrag. 30 Jahre später coverte Bowie dessen Song „I Took a Trip on a Gemini Spaceship“ auf seinem Heathen-Album.

Auch für das Albumcover existiert eine entsprechende Story. Das zeigt nämlich einen Schauplatz in der Londoner Heddon Street, der sich später, ähnlich wie zuvor der Abbey-Road-Zebrastreifen der Beatles, zu einem Pilgerort für Fans entwickelte. Die auf der Rückseite abgebildete Telefonzelle wurde 1998 entfernt und durch ein Replikat ersetzt. Weiterer Fun Fact: Beim letzten Konzert von Bowie in der Rolle von Ziggy Stardust im Londoner Hammersmith Odeon am 3. Juli 1973 verkündete Bowie nicht nur das Ende von Ziggy Stardust, sondern auch das seiner eigenen Karriere. Zudem entließ er unangekündigt (!) seine gesamte Band auf der Bühne. Wie wir alle wissen, sollte es glücklicherweise nicht beim vorzeitigen Karriereende David Bowies bleiben. Ganz im Gegenteil, sie nahm nach “Ziggy Stardust” erst so richtig Fahrt auf.

Am riesigen Erfolg von „The Rise an Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ waren neben Dawid Bowie natürlich auch die hochkarätigen Musiker beteiligt. Mick Ronson, insbesondere verantwortlich für E-Gitarre, war einer der weltbesten Gitarristen überhaupt. Er produzierte später mit Bowie zusammen Lou Reeds Album „Transformer“. Bei den Studioaufnahmen zu “Ziggy Stardust” stand mit Trevor Bolder ein ebenso talentierter Musiker am Bass. Der Schlagzeuger Mick Woodmansey ist heute leider das letzte noch lebende Mitglied der Ziggy Stardust Studio Band. Last but not least sollen Rick Wakeman und Dana Gillespie allerdings nicht unerwähnt bleiben, die am Song „It Ain´t Easy“ mit von der Partie waren.

David Bowie 1972 Ziggy Stardust
David Bowie – das Chamäleon der Popmusik. Er hat eine ganze Generation von Autoren, Künstlern und Modeschöpfern inspiriert und genießt auch heute noch den Ruf als einzigartige Persönlichkeit, die in allen Bereichen noch immer neue Wege beschreitet. (Foto: Sukita / Warner Music)

Aufstieg und Fall des Ziggy Stardust

Wie eingangs erwähnt, dreht sich das als Rock-Oper angelegte Konzeptalbum um die Figur Ziggy. Bevor diese allerdings das Geschehen an sich reißt, kündigt der Song „Five Years“ eine Naturkatastrophe und nicht weniger als den Untergang der Menschheit in fünf Jahren an. „Soul Love“ befasst sich mit den Spielarten der Liebe, insbesondere mit „Soul Love“ der religiösen, anbetungsvollen Liebe. Daneben stehen „Stone Love“ als Liebe für das Vergangene, „New Love“ als romantische, lustvolle Liebe und „Idiot Love“ als schmerzhafte, ausgeartete Liebe. In „Moonage Daydream“ tritt erstmalig Ziggy auf.

Sein Schicksal als Rock-’n’-Roll-Messias und vollkommener Statthalter der Soul Love werden angedeutet. In “Starman” – ein Song, den Ziggy schreibt, nachdem er im Traum selbst Kontakt zu Außerirdischen gehabt hat – sendet ein Außerirdischer über Radio eine Botschaft an die Jugend auf der Erde und verspricht baldige Erlösung. „It ain’t easy“, ein von Ron Davies geschriebener Song, befasst sich mit den Startschwierigkeiten einer Rockstar-Karriere.

„Lady Stardust“, Bowies Hommage an seinen Freund Marc Bolan eröffnet die B-Seite. Hier wird Ziggys androgynes Auftreten aus der Perspektive eines schwärmerischen Fans beschrieben. In „Star“ will Ziggys als Rockstar die Welt verändern. Es folgt „Hang On To Yourself“. Der Song schildert die wahren Verhältnisse. Nach ihren Anfängen auf gestohlenen Instrumenten loten Ziggy und seine Band die Extreme aus und verlieren allmählich den Boden unter den Füßen. „Ziggy Stardust“ fasst Ziggys Entwicklung aus Sicht eines Bandmitglieds zusammen und kündigt in der letzten Zeile die Auflösung der Band an.

Der bevorstehende Abstieg wird durch zwei Todesvisionen angedeutet, die Ziggys Hang zur Selbstzerstörung beleuchten. In „Suffragette City“ werden die gutgemeinten Ratschläge eines wahren Freundes ignoriert, bevor das Album mit Ziggys Ende als gebrochenem Rockstar in Rock ’n’ Roll Suicide abgeschlossen wird. So die Story über Aufstieg und Fall des Ziggy Stardust.

Bowies Stimme und die monumentale Begleitung mit eingängigen Gitarrenriffs und unvergessenen Melodien sicherten dem Album einen festen Platz in der Musikgeschichte. Für das vielseitige Glam-Rock-Meisterwerk hatten sich deshalb schon zum 30. Jubiläum Enthusiasten etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Im Juli 2003 wurden vier ausgewählte Stücke des Albums Mithilfe eines Hochleistungslasers in weit entfernte Regionen des Weltraums ausgesendet. Die Titel waren von Fans im Rahmen einer Online-Umfrage zusammengestellt worden, man entschied sich für “Five Years”, “Starman”, “Ziggy Stardust” und “Rock ’n’ Roll Suicide”.

Ziggy Stardust von David Bowie auf Vinyl
Ziggy Stardust von David Bowie auf Vinyl. Für die Original UK Pressung aus dem Jahr 1972 (Label: RCA Victor) zahlt man im Schnitt 59 Euro auf dem Zweitmarkt (Quelle: Discogs). (Bild: Warner Music)

Zum Jubiläum neu aufgelegt

Ob in diesem Jahr ein ähnlich spektakuläres Ereignis ansteht, ist noch nicht durchgesickert. Für Vinyl-Liebhaber gibt es aber eine Überraschung. Denn am 17. Juni 2022, genau 50 Jahre und einen Tag nach dem ursprünglichen UK-Veröffentlichungsdatum 1972, wurde „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ als limitierte Jubiläums-LP wiederveröffentlicht. Das Ganze im Half Speed Mastering geschnitten sowie als Picture Disc, der zusätzlich ein Nachdruck des damaligen Promo-Posters für das Album beiliegt. Anlässlich der Ankündigung erschien außerdem ein Lyric Video zu „Starman“ – bisher gab es zu dieser bahnbrechenden Single tatsächlich kein offizielles Video.

Die neue Pressung von „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ wurde auf einer speziell angefertigten Neumann VMS80-Drehmaschine mit rundumerneuerter Elektronik aus den restaurierten 192 kHz-Mastern der Original-Masterbänder der Trident Studios geschnitten, ohne zusätzliche Bearbeitung bei der Übertragung. Die Half Speed wurde von John Webber in den AIR Studios geschnitten. Für Bowie-Fans und Liebhaber ist die neue Vinylfassung ein absolutes Muss!

Ziggy Stardust von David Bowie auf Vinyl Pressung Picture Disc 2022
Am 17. Juni 2022, 50 Jahre und einen Tag nach dem ursprünglichen UK-Veröffentlichungsdatum 1972, wurde „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ als limitierte, im Half Speed Mastering geschnittene Jubiläums-LP sowie als Picture Disc im selben Mastering veröffentlicht. Der Picture Disc liegt zusätzlich ein Nachdruck des damaligen Promo-Posters für das Album bei. (Bild: Warner Music)

David Bowie – The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars – Tracklist

1. Five Years

2. Soul Love

3. Moonage Daydream

4. Starman

5. It Ain’t Easy

6. Lady Stardust

7. Star

8. Hang On to Yourself

9. Ziggy Stardust

10. Suffragette City

11. Rock ’n‘ Roll Suicide

Erscheinungsdatum: 16. Juni, 1972

Label: RCA Records

Spielzeit: 38 Minuten

Formate: CD, LP, MC, SACD

Webseite: www.warnermusic.de // www.davidbowie.com

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Bildquellen:

  • David-Bowie-Ziggy-Stardust-02: Warner Music / Sukita
  • David-Bowie-Ziggy-Stardust-Vinyl: Warner Music / Sukita
  • David-Bowie-Ziggy-Stardust-Vinyl-Set-Picture-Disc-2022: Warner Music
  • David Bowie Ziggy Stardust 03: Sukita / Warner Music