Der Pro-Ject Debut EVO 2 vereint schlichtes Design, innovative Technik und das Versprechen eines überragenden Klangs. Was steckt hinter diesem Plattenspieler, der für Einsteiger und erfahrene Analog-Fans gleichermaßen interessant sein soll?
Er läuft und läuft und läuft…
Es klang wie eine Schnapsidee, Ende der 1990er Jahre ein neues Plattenspielermodell herauszubringen, als alle Welt nur „CD“ brüllte. Doch Heinz Lichtenegger, Geschäftsführer von Pro-Ject und sein britischer Distributor und langjähriger Freund Laurence Armstrong ließen sich von dem „Gebrüll“ der HiFi-Industrie nicht beirren. Sie wussten, dass sich immer mehr Menschen nach dem analogen Klang einer Schallplatte sehnten, allerdings in entsprechend hochwertiger Qualität.
So machten sich die beiden Herren daran, einen neuen Schallplattenspieler zu entwerfen, der High-End-Sound so nahe wie möglich kommt, aber das zu einem moderaten Preis. Immerhin sollte ihn sich auch die Jugend, die immer neugieriger auf Analogaudio wurde, leisten können. So kam 1998 der Pro-Ject Debut EVO auf den Markt. Dessen Geburt Jiri Kroutil einleitete. Er war ein Freund der beiden Männer und der ursprüngliche Produkttechniker von Pro-Ject. Bis heute ist der Debut EVO einer der meistverkauften Plattenspieler von Pro-Ject, der mit Fug und Recht als echter Klassiker des Genres bezeichnet werden kann.
Im Sommer letzten Jahres erreichte uns dann die überraschende Neuigkeit, dass ein neuer Debut EVO herauskommt, und zwar der Pro-Ject Debut EVO 2. Und wir sind froh, ihn in dieser Plattenspieler-Ausgabe der AUDIO TEST nach Herzenslust testen zu können.

Aufbau
Wer schon einmal einen neuen Plattenspieler aufgebaut hat, weiß wie schweißtreibend die Sache sein kann. Da muss hier noch ein Schräubchen gedreht, dort noch der Tonarm justiert werden – und so weiter… Der neue Pro-Ject Debut EVO 2 macht es uns aber einfach. Wir heben ihn aus dem Karton, spannen rasch den Riemen über Motorspindel und Antriebsteller, legen den Plattenteller auf und das war es schon fast. Nur noch das Anti-Skating-Gewicht einhängen – was zugegebenermaßen etwas fummelig ist – und noch die Auflagekraft einstellen.
Schon können wir loslegen. Tonabnehmer und Tonarm sind bereits montiert. Und im Normalfall ist der Tonarm auch schon so perfekt ausgerichtet, dass der Azimut nicht eingestellt werden muss. Wenn dieser doch justiert werden möchte, dann lockern wir einfach hinten am Tonarmlager ein wenig die kleine Madenschraube und richten die Oberkante des Tonabnehmergehäuses waagerecht aus. Dafür können wir uns beispielsweise ein Geodreieck als Hilfe nehmen. Dann die Madenschraube wieder festziehen und das war es. Aber wie geschrieben, normalerweise ist der Tonarm schon von Werk aus perfekt ausgerichtet.
Design
Das Design des Pro-Ject Debut EVO 2 ist genauso aufregend und dabei schlicht, wie das der anderen Serienmodelle des Hauses. Wir schauen auf ein schweres und solides MDF-Gehäuse mit einer herrlich lackierten Oberfläche. Unser Test-Exemplar erstrahlt in Hochglanz-Rot. Aber Hochglanz gibt es auch in Weiß und Schwarz. Wer es matt mag, kann den Debut EVO 2 in Schwarz, Weiß, Gelb, Blau, Grün oder Weinrot erwerben.
Da der Plattendreher auf der Oberseite keine Bedienknöpfe oder LED-Lämpchen besitzt, wirkt er ansprechend schlicht und puristisch. Ein Kollege brachte das Design in einem Wort auf den Punkt: „sauber“.
Erfreulich finden wir, dass Pro-Ject dem Debut EVO 2 eine Abdeckhaube spendiert hat. Diese müssen wir einfach an der Rückseite aufstecken und das war es. Die Haube passt wunderbar zu diesem Design-Understatement, was doch so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Oder um es anders auszudrücken: Der Pro-Ject Debut EVO 2 ist ein Plattenspieler, der wirklich in jeden Wohnraum passt.
Technische Ausstattung

Der Antrieb des Pro-Ject Debut EVO 2 sorgt für gleichmäßige Rotation ohne Vibrationen, was eine hohe Laufruhe garantiert. (Bild: Pro-Ject)
Wie wir es bereits unter „Aufbau“ erwähnten, haben wir einen Riemen gespannt – der Pro-Ject Debut EVO 2 setzt also weiterhin auf einen Riemenantrieb. Der Motor ist im Chassis eingehängt und weist im Gegensatz zum EVO eine verbesserte Dämpfung auf. Zudem können wir die Geschwindigkeit des Motors elektronisch steuern. Wir haben die Auswahl zwischen 33 1/3 und 45 Umdrehungen pro Minute. Die 78er Abspielgeschwindigkeit sieht der Debut EVO 2 nicht mehr vor.
Eines der Highlights des neuen Pro-Jects ist sicher der Plattenteller. Dieser besteht aus Aluminium, welches im Druckgussverfahren geformt wurde. Sein Gewicht beträgt 1,7 kg, was wesentlich mehr ist, als die die 300 oder 400 Gramm schweren Teller, welche Konkurrenz-Systeme im gleichen Preissegment nutzen. Im Inneren des Plattentellers finden wir einen Ring aus TPE – also einem thermoplastischen Elastomer. Dieser hilft, Resonanzen zu dämpfen und damit Gleichlaufschwankungen zu minimieren. Darüber hinaus ist der Plattenteller antimagnetisch. Das ist nützlich, wenn man einen MC-Tonabnehmer verwenden will.
Tonarm

Der 8,6-Zoll-Kohlefaser-Tonarm des Pro-Ject Debut EVO 2 sorgt mit seiner hohen Steifigkeit und minimalem Gewicht für präzise Klangwiedergabe. (Bild: Pro-Ject)
Neben dem Plattenteller ist auch der Tonarm erwähnenswert. Dieser kommt auf 8,6-Zoll Länge und besteht aus Kohlefaser. Sie verleiht ihm eine hohe Steifigkeit und hält gleichzeitig das Gewicht sehr niedrig. Damit der Tonarm reibungslos und präzise arbeiten kann, ist er in einem hochpräzise gebauten Aluminiumlager verankert. Die Headshell ist übrigens Teil des Tonarms. Damit möchte Pro-Ject unerwünschte Resonanzen verhindern. Weiterhin wollen wir nicht unerwähnt lassen, dass das Gegengewicht mit TPE-gedämpft ist. Auch das reduziert Resonanzen. Pro-Ject meint, es sei eine Verringerung um bis zu 50 Prozent.
Da es sich um einen Plattenspieler handelt, mit dem man gleich im Plug-&-Play-Prinzip loslegen kann, wird ein Pick it MM Tonabnehmer direkt mitgeliefert. Er ist bereits am Headshell montiert und es handelt sich, wie der Name schon sagt, um einen MM-Tonabnehmer. Er verfügt über einen elliptischen Nadelschliff und einen flachen Frequenzgang, der an MC-Systeme erinnern soll. Gefertigt wird er für Pro-Ject von Ortofon.

An dieser Stelle müssen wir unbedingt noch einige Worte zur Stromversorgung loswerden. Das mitgelieferte Netzteil wirkt auf den ersten Blick nicht high-endig und wir könnten glauben, damit die Laufruhe des Motors negativ zu beeinflussen. Doch Pro-Ject hat im Inneren des Plattenspielers einen Premium DC/AC-Stromgenerator integriert. Das Schaltnetzteil, welches wir außen in die Steckdose stecken, ist nämlich nur der erste Teil der Stromversorgung. Im Inneren erzeugt dieser präzise, gleichstrombetriebene Wechselstromgenerator eine völlig saubere neue Sinuswelle. Dank ihr kommt es zu weniger Motorvibrationen und damit einer besseren Klangwiedergabe.
Bedienung
Der Pro-Ject Debut EVO 2 ist ein manueller Plattenspieler. Wir müssen uns also um jeden Schritt des Abspielprozesses selbst kümmern. Wenn wir eine Schallplatte hören, eben ans Telefon gehen und uns verplaudern, passiert es schnell, dass die Nadel lange über die Auslaufrille am Ende der Schallplatte hüpft und sich fröhlich abschleift. Das ist bei Halb- bzw. Vollautomaten natürlich besser gelöst. Hier hebt sich der Tonarm am Ende der Schallplatte.
Allerdings schwören wahre Plattenspieler-Fans auf manuelle Bedienbarkeit, da hier keine mechanischen Teile der Hebeautomatik die Plattenwiedergabe stören. Wir können beide Seiten verstehen. Wobei uns Pro-Ject doch ein wenig Bedienluxus beschert. So müssen wir keinen Riemen umlegen, um zwischen 33 1/3 und 45 Umdrehungen pro Minute zu wechseln. Es genügt dafür, den Kippschalter unter dem Gehäuse nach links (33 1/3) und rechts (45) zu klicken. Das finden wir praktisch. Wenn der Kippschalter in der Mitte steht, dann ruht der Plattenteller.
Gewichtiges

Das mit TPE-gedämpfte Gegenwicht am Ende des Tonarms ist übrigens so ausgelegt, dass wir Tonabnehmer mit einem Gewicht zwischen 6 und 8,5 Gramm nutzen können. Der bereits installiere 7mV Pick it MM EVO-Tonabnehmer ist für eine Auflagekraft von 1,6 bis 2 Gramm ausgelegt. Empfohlen werden 1,8 Gramm also 18 Newtonmeter.
Das kleine Antiskating-Gewicht können wir in 3 Stufen verstellen. Dabei hängt die Antiskating-Kraft vom Auflagegewicht des Tonabnehmers ab. Zwischen 10 bis 14 NM sollten wir die 1. Rille als die größte Antiskating-Kraft nutzen. Für unseren Tonabnehmer, den Pick it MM EVO, nutzen wie die zweite Rille, da diese für 15 bis 19 NM vorgesehen ist. Für Tonabnehmer mit mehr als 2 Gramm bzw. 20 Newtonmeter hoher Auflagekraft ist die 3. Rille reserviert.
Neben diesen Feineinstellungen am Plattenspieler ist natürlich die generelle Ausrichtung des Gerätes wichtig. Der EVO 2 muss waagerecht stehen. Deshalb können wir die drei Füße verstellen, um ihn in die perfekte Horizontale bringen.
Aufrüstbarkeit
Viele Vinyl-Fans fangen zunächst einmal klein an, vielleicht mit einem Debut EVO 2. Doch irgendwann merken sie, dass ihnen das nicht mehr reicht. Sie wollen mehr aus dem System kitzeln. Da stellt sich die Frage nach der Aufrüstbarkeit eines Plattenspielers. Pro-Ject stellt dem Plattenspieler-Fan keine Hindernisse in den Weg. Schon wenn wir den Debut EVO 2 kaufen wollen, dürfen wir ihn individuell konfigurieren. Wir können etwa statt des Aluminium-Tellers einen Acryl-Teller wählen oder zusätzlich eine Kork- oder Leder-Auflage bestellen, die wir zwischen Plattenteller und Vinyl legen.
Je nach Material lässt sich damit der Klang wahrnehmbar beeinflussen. Zudem haben wir die Möglichkeit einen Subteller zu installieren, der unter dem eigentlichen Plattenteller aufgesetzt wird. Natürlich bietet Pro-Ject unterschiedliche Plattenpucks an. Diese setzten wir auf die Schallplatte, um deren Laufruhe zu erhöhen und eventuelle Unwuchten auszugleichen.
Unsymmetrisch wird symmetrisch
Doch richtig gut finden wir die Möglichkeit, das unsymmetrische System, symmetrisch zu machen. Symmetrisch holt zwar kaum mehr Klang aus dem Plattenspieler, aber die Signalübertragung ist stabiler und auch etwas lauter, was dann subjektiv als besser klingend wahrgenommen wird.
Um dieses Upgrade durchzuführen, bietet Pro-Ject den Tonabnehmer Pick it PRO Balanced zum Aufpreis von 100 Euro an. Zusammen mit der Phono Box S3 B kommen wir dann in den Genuss der symmetrischen Klangausgabe. Und wir brauchen ein entsprechendes Kabel. Das kostet bei Pro-Ject knapp 70 Euro. Natürlich können wir ebenso einen anderen Phonovorverstärker nutzen, der „symmetrisch spricht“.
Wir hatten bereits weiter vorn im Text über die Stromversorgung des Debut EVO 2 gesprochen. Wer diese noch weiter optimieren möchte, kann sich die Power Box S3 Phono ansehen. Sie versorgt den Debut EVO 2 sowie einen Pro-Ject Phono-Vorverstärker mit Strom. Die beiden Ausgänge der Power Box sind speziell für den Betrieb von Pro-Ject Plattenspielern und Phono-Vorverstärkern konzipiert. Wir stellen also fest, dass der geneigte Vinyl-Einsteiger sich mit dem Debut EVO 2 durchaus zum handfesten Klangoptimierer aufschwingen kann. Der neue Pro-Ject ist also ein Plattenspieler, der mitwächst. Klasse!

Debut EVO 2 im Klangtest
Die Laufruhe des Debut EVO 2 ist zweifellos eine der besten, die es in dieser Preisklasse gibt. Wir haben zu keiner Zeit auch nur den Hauch einer Unruhe im Lauf oder einer Schwankung feststellen können. Da merken wir einfach, dass Pro-Ject sein Handwerk wirklich beherrscht. Allerdings kam es am Anfang zu einem rhythmischen, aber sehr leisen Störgeräusch, was wir darauf zurückführten, dass der Plattenteller nicht richtig saß. Nachdem wir den Plattenteller noch einmal neu aufgesetzt haben, war das Geräusch nie wieder zu hören.
Der Tonabnehmer überzeugt mit einem sehr kraftvollen Klangbild und einer wirklich ausgewogenen Detailzeichnung – vor allem angesichts des Komplettpreises dieses Plattenspielers ist das beeindruckend.
Etwas empfindlich ist der Tonabnehmer bzw. in diesem Fall die Nadel, gegenüber kleineren Unreinheiten auf dem Vinyl. Wir hören doch sehr jedes Staubkorn oder jeden kleinen Kratzer. Hier könnte eine Nadel mit einem steileren Flanken-Schliff, der tiefer in die Rille geht, sicherlich Abhilfe schaffen. Glücklicherweise handelt es sich um einem MM-System. Da ist der Nadelaustausch meist kein Problem.
Preis und Verfügbarkeit
Der Pro-Ject Debut EVO 2 kostet 699,00 Euro (UVP) und ist im Fachhandel erhältlich.
Vertrieben und vermarktet wird der Pro-Ject Plattenspieler in Deutschland von ATR – Audio Trade.
Datenblatt Pro-Ject Debut EVO 2
Allgemein | |||
Geräteklasse | Plattenspieler | ||
Hersteller | Pro-Ject | ||
Modell | Debut EVO 2 | ||
Preis (UVP) | 699 Euro | ||
Preiskategorie | Mittelklasse | ||
Maße (B/H/T) | 42 x 11 x 32 cm | ||
Gewicht | 6 kg | ||
Informationen | www.project-audio.com/de/ | ||
Technische Daten* | |||
Tonabnehmer (montiert) | Pick it MM Evo | ||
Motor | Wechselstrommotor | ||
Antrieb | Riemen | ||
Steuerung | Manuell | ||
Phono-Vorverstärker integriert | nein | ||
integrierter DAC | nein | ||
Bluetooth | nein |
*Herstellerangaben
Webseite: www.audiotra.de
Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 01/2025
► Lesen Sie hier: Test: Pro-Ject X8 SE Plattenspieler & Phono Box DS3 B Phonovorverstärker

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Bildquellen:
- Pro-Ject-Debut-EVO-2-Plattenspieler-01: Pro-Ject