Die Nubert nuBoxxB-60 ist quasi die kleine Schwester des Standlautsprechers nuBoxx B-70. Ob sie der großen Schwester das Wasser reichen kann, verraten wir jetzt.

Seit Ende Juli 2021 sind sie erhältlich, die neuen nuBoxx-Lautsprecher von Nubert. Vom Regallautsprecher bis hin zum Drei-Wege-Klangmeister sollen sie Musikfans und Filmliebhaber ansprechen und das auch noch zum kleinen Preis. Wir hatten ja bereits in der Ausgabe 08/21 der AUDIO TEST den größten Standlautsprecher der Reihe getestet: die nuBoxx B-70. Da sind wir natürlich gespannt, wie sich die kleine Schwester der nuBoxx im Test schlägt.

Die Nubert nuBoxx B-60 ist schnell aufgebaut

Nun freut es uns, dass die Nubert nuBoxx B-60 genau 40 Prozent leichter ist, als die große Schwester. Sie wiegt 18,3 Kilogramm. Damit ist das Aufstellen auch für einen einzelnen Menschen kein Problem. Das Einzige, was wir vor dem Aufstellen machen müssen, ist die Bodenplatte anzuschrauben. In einer Minute ist das erledigt. Spikes oder ähnliches fehlen, dafür gibt es kleine Silikonaufkleber, die für die Fußbodenschonung sorgen. Bei Lautsprechern für nicht einmal 500 Euro (Stückpreis) ist diese Lösung absolut vertretbar. Zumal die Entkopplung vom Boden dank des Standfußes wirklich sehr gut gelingtund jener den 17 x 86 x 27Zentimeter großen Boxen wirklich einen sicheren Stand gewährt.

Zu jedem Lautsprecher gibt es außerdem eine Frontabdeckung im schlichten Grau. Sie halten magnetisch und „tarnen“ die nuBoxx B-60 im Wohnzimmer oder wo auch immer sie stehen. Typisch Nubert ist, dass es ein Lautsprecherkabel zur Box dazu gibt. Das spart sich die Konkurrenz in der Regel. Wir finden es gut, denn so können selbst Lautsprecher-Einsteigerinnen sofort loslegen und müssen nicht erst noch ein Kabel kaufen. Natürlich ersetzt das keine High-End-Leitung, aber für den Start reicht es absolut aus.

Was uns außerdem sofort auffällt, ist die sehr schöne Verarbeitung des Gehäuses. Die matten, dunkelgrauen Seitenwände fassen sich einfach gut an. Staub sieht man darauf nicht; der Vorteil, wenn es mal kein Hochglanz ist. Die Frontplatte ist in einem helleren Grau gestaltet und passt sich nahezu perfekt ins Gehäuse ein. Nur eine kleine Erhebung gegenüber den Seitenwänden ist zu spüren. Die nuBoxx gibt es übrigens auch in Weiß. Die Front ist dann aberebenfalls grau.

Im Inneren finden wir exakt berechnete Innenverstrebungen. Dieseerhöhen die mechanische Stabilität der Konstruktion. Zudem gibt es perfektpositionierte Bedämpfungselemente, so dass klangschädliche Resonanzen bestens unterdrückt werden. In unserem Test haben wir zu keinem Zeitpunkt ein „Flackern“ des Gehäuses oder Eigenschwingungen wahrnehmen können, selbst bei extrem anspruchsvollen Basstracks.

Nubert nuBoxx B-60 - Rückseite
Auf der Rückseite der Nubert nuBoxx B-60 befinden sich neben den Anschlüssen auch der Ausgang des Bassreflexes

Bestens bestückt

Nun istdas Gehäuse und die Optik einer Lautsprecherbox das Eine, das Andere sind die verbauten Lautsprecher. Auch hier lässt sich Nubert nicht lumpen. Wir haben einen 26-Millimeter-Hochtöner (nuOva B) und zwei 150-Millimeter-Tiefmitteltöner (B2-Technologie) in der nuBoxx B-60. Die kluge Leserin und der kluge Leser mag daraus schließen, dass es sich wahrscheinlich um ein 2,5-Wege-System handelt. Und dieser Schluss ist richtig. Die beiden Longstroke-Tieftöner mit Polypropylenmembran teilen sich die Tieftonarbeit und erst ab einer bestimmten Frequenz übernimmt eines der beiden Chassis zusätzlich die Mitten.

Den Frequenzgang gibt Nubert mit 35 –24000 Hertz bei -3dB und mit 31 –28000 Hertz bei -6dB an. Das lässt darauf hoffen, dass wir sie auch im Heimkino nutzenkönnen, ohne einen Subwoofer zu vermissen. Mal sehen, ob diese Hoffnung sich erfüllt. Der Wirkungsgrad bei 2,83V/1m der nuBoxx B-60 liegt bei 85,5dB. Ihre Nennbelastbarkeit ist 220 Watt hoch und die Musikbelastbarkeit 300 Watt.

Auf der Rückseite der nuBoxx finden wir dann den Ausgang für den Bassreflex. Deshalb müssen wir hier den obligatorischen Hinweis einfügen die Lautsprecher nicht direkt an die Wand zu stellen oder sie in eine Ecke zu quetschen. Sie brauchen Luft nach hinten, damit sich der Bass voll entfalten kann. Doch davon abgesehen können wir die nuBoxx B-60 relativ flexibel im Raum platzieren. Wir müssen nicht unbedingt ein perfektes Stereodreieck bilden, um ihren Sound zu genießen. Ihr Abstrahlverhalten gibt diese flexible Aufstellung mehr als her.

Direkt unter dem Bassreflex finden wir das Anschlussterminal. Es ist nicht auf Bi-Wiring ausgelegt, denn in dieser Preisklasse würde es ohnehin kaum Anwendung finden. Stattdessen gibt es zwei hochwertige, angewinkelte Schraubanschlüsse mit Präzisionsgewinden. Diese nutzen wir entweder mit Bananensteckern oder Klemmen. Unser Bananenstecker sitzt hier bombenfest. Da macht das Anschließen richtig Spaß. Und der Spaß hört nicht auf, denn wir kommen jetzt zum Hörtest.

Nubert nuBoxx B-60 - Hochtöner
Der 2,6 Zentimeter große Hochtöner mit Seidengewebekalotte löst super detailreich auf und erlaubt klare Höhenwiedergabe selbst bei hohen Lautstärken

Witcher auf der Jagd

Natürlich kam kaum ein Netflix-User zum Ende des Jahres 2021 umhin, die neue Staffel der Fantasy-Reihe „Witcher“ zu bemerken. Und ja, auch dieser Tester reiht sich in die Massen von Fans der Serie ein. Sie ist einfach klug erzählt, teilweise hochpolitisch -gerade wenn es um Rassismus und Ausgrenzung geht -und sieht einfach toll aus. Doch eine der besten Dinge der Serie ist die Vertonung. Die Musik ist bombastisch mitreißend oder dezent. Die Soundeffekte der Monster sind brachial undüberhaupt reißt der Klang Zuschauerinnen und Zuschauer einfach mit. Da lohnt es natürlich Netflix anzuwerfen und dem Witcher über die Nubert nuBoxx B-60 zu lauschen.

Was sofort ins Ohr springt, ist die super Stimmverständlichkeit. Selbst bei einer Stereoabmischung zeichnet die Sprache perfekt ab und wir hören auch im lauten Kampfgetümmel die Stimmen der Protagonisten perfekt. Die Schwerter klingen und klirren plastisch und die Monsterschreie sind kraftvoll und lebendig. Noch mehr Spaß kommt auf, wenn die Musik in den Vordergrund rückt. Sie ist so plastisch und detailreich, wie sie es nur sein kann.

Wie schon die großen B-70 schaffen es die B-60 den Sound weit in den Raum zu treiben und ihn dadurch besonders eindrucksvoll wiederzugeben. Wobei wir auch anmerken müssen, dass uns hier die etwas größeren nuBoxx B-70 doch einen Hauch mehr an Raumtiefe bot. Wer allerdings diesen Hörvergleich nicht hat, wird sicher „Ohren machen“, wenn er das erste Mal der B-60 bei der Wiedergabe von Filmsound lauscht. Ein einfachesStereopaar erzeugt nämlich eine Klangkulisse, die es an Tiefe und Weite mit einer doppelt so teuren Soundbar mehr als aufnehmen kann.

Doch wir lauschen nicht nur dem Witcher bei seinen Abenteuern. Auch Harry Potter begleiten wir auf seiner magischen Reise. Als der kleine Harry etwa im King’s Cross Bahnhof das berühmte Gleis 9¾ sucht, fühlen wir uns tatsächlich rein akustisch in den Bahnhof versetzt. So lebensecht und mit genau der richtigen Portion Hall bringen die Nubert-Lautsprecher die Bahnhofsatmosphäre herüber. Und wenn anschließend das Harry Potter-Theme einsetzt und die Dampflock von rechts nach links durch den Raum zu fahren scheint, dann merken wir, wie fantastisch die B-60 arbeiten.

Nur eines fällt beim Ansehen/Anhören von Filmen auf. Die nuBoxx B-60 hat im Vergleich zur großen Schwester, also der B-70, etwas weniger Basskraft. Das liegt an der Größe des Lautsprechers und natürlich der Treiber-Bestückung. Doch wer jetzt glaubt die B-60 würde nicht ins Heimkino passen, der irrt. Sie ist bassmächtig-nur im direkten Vergleich hören wir das eben Beschriebene.

Soundtrack und Klassik mit der Nubert nuBoxx B-60

Tatsächlich haben wir in einen Film nicht hineingesehen, dessen Soundtrack wir aber dafür gern nutzen, um die Fähigkeiten von Lautsprechern zu testen. Es handelt sich um „Inception“. Sicher nicht der beste Christopher-Nolan-Film, aber die Musik von Hans Zimmer ist sehr dynamisch und dreht -typisch Zimmer -ordentlich auf. Beim Titel „We Built Our Own World“ verschmilzt ein tiefer Synthiebass mit „James Bond-Streichern“. Es ist toll, wie weit der Sound über die Boxen hinausgeht. Wir haben das Gefühl sie stehen viel weiter auseinander als sie es tun. Noch bombastischer ist dann „Dream Is Collapsing“. Hier reißen die Lautsprecher ihre physischen Grenzen ein und wachsen über sich hinaus -zumindest rein akustisch.

Nach der Zimmerschen Bombastik schalten wir einen Gang zurück. Wir lauschen Max Bruch und seinem Violinkonzert Nr. 1 g-Moll. Hier zeichnet sich die Geige wunderbar transparent gegenüber dem Orchester ab, wobei sie aber immer darin perfekt verankert bleibt. Ein wenig fehlt uns hier nur eine Art Weichheit, die bei der Klassikwiedergabe jenes gewisse Feeling erzeugt. Dieser Umstand fällt uns auch bei der Musik kleiner Jazz-Ensembles auf. Die B-70 haben uns in dieser Disziplin mehr überzeugt. Wir probieren es deshalb mit ein wenig Pop.

Nubert nuBoxx B-60 - Anschluss
Das Anschlussterminal der Nubert nuBoxx B-60 ist von hoher Qualität und setzt auf den „einfachen“ Lautsprecheranschluss, da Bi-Amping in dieser Preisklasse eher unüblich ist

Pop, Rock und Techno

Hier greifen wir mal zu etwas ganz anderemund bemühen Techno-Klassiker aus den 1990er Jahren. Es ist schon eigenartig, wie Musik, die ja quasi für Jugend steht, mittlerweile schon 30 Jahre auf dem Buckel haben kann. Aber zurück zur Musik, denn uns bleibt fast die Spucke weg, als wir die ersten Synthie-Drums mit Basslauf und gesampelten Klavierakkorden hören. Derartig knackig und plastisch kommt es rüber. Da beginnt der Fuß sofort zu wippen und der Kopf zu nicken. Das ist Musikwiedergabe der Extraklasse, so scharf und auf den Punkt haben wir diesenTechno-Track noch nie gehört.

Und auch wenn die rockigen Töne Oberhand nehmen wie etwa bei “Livin‘ On A Prayer” von Bon Jovi, laufen die nuBoxx B-60 auf Top-Level. Es passt einfach alles perfekt zusammen. Die Stimme Bon Jovis, die kleinen Details wie Schellen am Anfang des Liedes und dann die Talkbox, die danach in vielen Bon-Jovi-Songs auftreten wird. Dabei ist immer alles wunderbar knackig und mitreißend. Der richtig weite Hörhorizont und die tolle Räumlichkeit, wie sie die Nubert-Lautsprecher realisieren, runden das gesamte Klangpaket ab. Da wollen wir unsere Testsession eigentlich gar nicht wieder beenden.

Preis und Verfügbarkeit

Die Nubert nuBoxx B-60 Standlautsprecher sind direkt im Nubert-Online-Shop für 488 Euro das Stück bzw. 976 Euro das Paar erhältlich.

Webseite: www.nubert.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 02/2022

▶ Lesen Sie hier: Test: Nubert nuBoxx B-70 | 3-Wege-Standlautsprecher

AUDIO TEST Ausgabe 05/2022 Kopfhoerer Plattenspieler Review Magazin

+++ Die neue AUDIO TEST Ausgabe ab 1. Juli 2022 im Handel oder ganz einfach und bequem nach Hause bestellen:www.heftkaufen.de/audio-test

Oder gleich ein Abo abschließen und das Heft pünktlich und direkt frei Haus liefern lassen:www.heftkaufen.de/abo-audio-test +++

Test: Nubert nuBoxx B-60 - Standlautsprecher (2,5 Wege)
Nubert vermarket die nuBoxx-Reihe als "günstigen Einstieg in die Welt authentischer Klangwiedergabe" und dieses Versprechen erfüllt die nuBoxx B-60 in fast allen Belangen. Wir können sie im Heimkino genauso einsetzen wie zur hochwertigen Musikwiedergabe. Dabei liegt ihr Schwerpunkt definitiv auf der Wiedergabe moderner Rhythmen, da sie hier zur Höchstform aufläuft. Bei Klassik kann sie nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen. Wobei wir hier nicht den sehr günstigen Preis vergessen dürfen. Für nicht einmal 1000 Euro können wir die Standlautsprecher absolut empfehlen.
Wiedergabequalität 95%
Ausstattung/Verarbeitung 80%
Benutzerfreundlichkeit 90%
Preis/Leistung100%
Vorteile
  • neutraler Klang
  • weiter Hör-Horizont
  • knackiger Bass, klare Mitten, feinste Höhen
Nachteile
  • keine
91%Nubert nuBoxx B-60
Leserwertung: (3 Votes)
92%

Bildquellen:

  • Nubert nuBoxx B-60 – Rückseite: Auerbach Verlag
  • Nubert nuBoxx B-60 – Hochtöner: Auerbach Verlag
  • Nubert nuBoxx B-60 – Anschluss: Auerbach Verlag
  • Nubert nuBoxx B-60: Auerbach Verlag