Mit der Debut Reference-Serie will Elac auch dem kleineren Geldbeutel echten Klanggenuss bieten. Aber überzeugen die kompakten Lautsprecher zum Paarpreis von 500 Euro geschulte Ohren?

Ja, wir geben es zu, AUDIO TEST hat in der letzten Zeit wenig an HiFi-Liebhaber*innen gedacht, die kein üppiges Budget für den Lautsprecherkauf aufwenden können oder wollen. So entstand vielleicht der Eindruck, dass guter Klang immer teuer sein muss. Das dem nicht so ist, beweisen die Regallautsprecher Elac Debut Reference DBR62. Wie sie das machen? Die nächsten Zeilen verraten es.

Premiere der Elac Debut Reference DBR62 im Februar

Die Debut Reference-Serie brachte Elac im Februar 2020 auf den Markt ( lesen Sie hier unsere News). Leider nahm kurz darauf Corona den europäischen Kontinent in Beschlag, sodass viele tolle Neuheiten nicht von uns getestet werden konnten. Doch mit den Lockerungen zieht auch für uns Tester wieder Normalität in den Alltag ein und wir freuen uns, über den Besuch der Debut Reference DBR62 in unseren Testräumen.

Das markante Designmerkmal der Debut Reference-Reihe ist auch hier wiederzufinden: der schmale Bassreflex-Ausgang an der Front. Damit ist klar, der Aufstellungsort der Lautsprecher ist sehr flexibel wählbar. Wir müssen nämlich keine Rücksicht darauf nehmen, dass sich dahinter der Tiefschall an der Wand stapeln könnte, denn der Bass wird frontal verströmt. Sicher wird der „HiFianer“ bei einem Kompakt-Lautsprecher, der zum Stückpreis von 249 Euro erhältlich ist, die Verarbeitungsqualität nicht sehr hoch einschätzen. Aber da irrt er sich. Wir haben die Lautsprecher von allen Seiten befühlt und beäugt und sind wirklich aufs Angenehmste überrascht.

Schmeichelendes Gehäuse

Das Gehäuse schmeichelt mit seinen abgerundeten Kanten und der darin nahtlos eingefügten Rückplatte. In diese ist das Anschlusspaneel untergebracht, wobei die Kombi-Anschlüsse fürs Lautsprecherkabel uns Freude machen. Die Schraubringe bestehen nämlich aus Metall, was einen richtig schön wertigen Eindruck macht. Einzig die farbliche Kennzeichnung der Anschlüsse ist etwas unglücklich. Da müssen wir schon einen Moment suchen, um das Rot und das Schwarz zu finden. Die Frontplatte passt sich perfekt ins Gehäuse ein. Sie setzt sich in ihrer Farbe vom Rest ab, wodurch die Lautsprecher einen Hauch „Tech-Charme“ bekommen. Zu diesem „Charme“ trägt sicher auch der von einem Aluminiumgitter verdeckte Hochtöner bei. Zu dessen Qualitäten kommen wir noch später. Das Gehäuse ist übrigens in den vier Farben Eiche, Weiß, Walnuss und Schwarz erhältlich.

Wer den „Tech-Charme“ nicht mag, der nutzt einfach die magnetisch haftende Textilabdeckung, welche die Elac zu wirklich unauffälligen Möbelstücken im Regal machen. Dort sollte allerdings der Platz ausreichend sein, denn mit 36 × 26 × 28cm sind die Lautsprecher nicht unbedingt klein und ihre Masse von 8,2kg pro Stück muss ebenfalls gehalten werden. Insgesamt können wir den Regallautsprecher schon an dieser Stelle einen gelungenen Auftritt bescheinigen. Nicht von schlechten Eltern Wie geschrieben, steckt der Hochtöner der Elac Debut Reference DBR62 hinter einem Gitter. Doch er sieht damit nicht nur schick aus, das Gitter ist in der Serie offener gebaut und der Waveguide neu entwickelt. Damit soll, laut Elac, die Hochtonwiedergabe verbessert werden. So ist es kein Wunder, dass die obere Frequenz der DBR62 bei 35kHz liegt. Damit sind die Debütanten durchaus HiRes-fähig.

Der Tief-Mitten-Töner besteht aus einer Aramidfaser und ist in einem Aluminium-Druckguss-Korb untergebracht, wodurch die Steifigkeit des gesamten Systems erhöht wurde. Dies in Kombination mit dem vollverstrebten Gehäuse soll Vibrationen und Klangverfärbungen ausschließen. Als tiefste Frequenz, die der Lautsprecher ausgeben kann, sind vom Herstellen 44 Hz veranschlagt. Die Übergangsgfrequenz des 2-Wege-Systems ist bei 2200 Hz angesetzt. Die Nominal-Inpendanz liegt bei 6 Ohm, aber auch 4 Ohm und 8 Ohm, können wir an den DBR62 anlegen. Die maximale Belastung darf 120 Watt betragen und Empfindlichkeit gibt Elac mit 86db bei 2.83v/1m an.

Elac Debut Reference DBR62 Regallautsprecher Speaker Bookshelf Test Review Tieftöner Tweeter
Der Tieftöner besitzt eine hohe Steifigkeit, was die vordere Schallwand verstärkt und Gehäuseresonanzen minimiert. Kurz gesagt: Der Bassklang braucht sich vor vielen Standlautsprechern nicht verstecken.

Klangtest in „Chernobyl“

Die von der Kritik durchaus zwiespältig betrachtete Serie „Chernobyl“ ist unserer erster Testkandidat. Hier zeigen die Regallautsprecher, wie gut sie Dialoge zu Gehör bringen. Selbst bei geringer Lautstärke sind die Stimmen der Darsteller*innen wirklich klar und deutlich zu hören. Und wenn dann, nach der Reaktorexplosion, die ersten bedrohlichen tiefen Töne kommen, dann entfalten die Lautsprecherboxen eine angenehm unangenehme Atmosphäre. Das Unheimliche, Ernste der Situation wird nur durch ein tiefes Dröhnen deutlich und das bringen die Elac auf den Punkt zu Gehör.

Doch nicht nur das, auch der Raumhall – Zimmer, in denen die Menschen miteinander reden – wird mit einer Dreidimensionalität präsentiert, dass wir uns sofort in der Geschichte wiederfinden. Und als die Löscharbeiten beginnen, können wir uns nicht mehr vom Bildschirm lösen. Dabei fällt auf, wie gekonnt die Lautsprecherboxen den Schall in unseren Testraum hineintragen.

Wir müssen nicht Vorlieb mit einer Klangbühne nehmen, der wir aus der Ferne lauschen, wir sind mittendrin im Geschehen. Wir werfen noch einige Kinofilme mit lauten Explosionen und unheimlichen Soundeffekten in unseren UHD-Player und fordern die Lautsprecher mit lauten und leisen Tönen. Immer wieder schaffen sie es, das Geschehen auf dem Bildschirm vollkommen lebendig in den Hörraum zu zaubern. Da vergessen wir fast, dass wir ja auch ein wenig Musik mit den Elac anhören sollten. Dafür werden sie wohl die meisten unserer Leser*innen nutzen. Starten wir also mit sanften Tönen von Nils Willkür.

Musiktest mit Nils Wülker

Das Album „My Game“ des deutschen Jazz-Trompeters Nils Wülker hat zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, aber nicht umsonst sagte die Jazzzeitung darüber: „‚My Game‘ ist ein wunderbar ausgereiftes, sich zwischen Tradition und Moderne platzierendes Album.“ Um die Soundqualitäten der Debut Reference DBR62 zu testen, ist es damit ideal. Auch weil wir es in- und auswendig kennen und wissen, wie es zu klingen hat. Schon beim Albumtitel-gebenden Track „My Game“ gehen die Elac sofort ins Volle.

Sie platzieren das Piano gekonnt vor das Schlagzeug und geben der Trompete den genau passenden Raum. Die Detailzeichnung ist wirklich vorzüglich, so wie bei einem guten Rotwein. Nur schmecken wir hier nicht die verschiedenen Aromen, wir hören sie. Auch die Tiefe des Klangraumes ist wieder phänomenal. Dabei sorgen die Lautsprecher wieder dafür, dass wir uns in der Musik wiederfinden und ihr nicht nur aus der Ferne lauschen. Sehr bemerkenswert ist die Bassleistung der Lautsprecher. Sie klingen nämlich richtig groß. Die tiefen Töne werden mit der Kraft, wie wir sie meist nur bei Standlautsprechern finden, zu Ohr gebracht. Das gibt der Musik eine Fülle, die verblüffend ist, wenn wir uns vor Augen führen, dass wir Regallautsprechern zuhören.

Neben der hervorragend ausmachbaren Differenzierung bei den Instrumenten gilt das auch für die Gesangsstimme im Track „Ask me“. Die Lautsprecherboxen schaffen es, der Sängerin genau die Plastizität zu geben, die sie vor unserem inneren Auge erscheinen lässt.

Elac Debut Reference DBR62 Regallautsprecher Speaker Bookshelf Test Review Hochtöner Waveguide
Der neuentwickelte Waveguide in Kombination mit der offeneren Gitterstruktur verleiht den Elac Debut Reference DBR62 eine sehr präzise und dynamische Hochtonwiedergabe.

Wir trancen mit den Elac DBR62 Lautsprechern

Haben wir uns bisher in eher ruhigeren Gefilden der Musik herumgetrieben, machen wir jetzt einen Sprung. Wie kommen die Elac mit schnellen Tönen etwa bei elektronischer Musik wie Trance und House zurecht? Und wie kann die Antwort anders lauten als: Richtig, richtig gut. Ja, der computergenerierte Sound kommt knackig und präsent herüber. Wobei die Elac Lautsprecherboxen nicht den Fehler begehen und den Bass überbetonen. Nein, sie geben ihm den Raum, der für ein volles und fundiertes Klangerlebnis sorgt. Die hohen Töne sind absolut ausdifferenziert, ohne diese zu sehr hervorzuheben.

Das Betonen der hohen Töne sorgt zwar im ersten Moment für ein Brillance-Klangerlebnis, ermüdet allerdings auf Dauer das Ohr. Doch wie geschrieben, die Debut Reference DBR62 machen diesen Fehler nicht. Sie harmonieren in Höhen, Mitten und Tiefen perfekt miteinander, wobei sie niemals analytisch operieren. Nein, sie lassen uns die Musik als ein ganzheitliches Element erleben und nicht seziert in einzelne Frequenzen.

Der Klassiker: Karajan

Zum Abschluss unseres Tests besuchen wir noch die Bilder einer Ausstellung, dirigiert von Herbert von Karajan. Bereits das Durchschreiten der Eingangshalle macht mit den Elac Boxen richtig Spaß. Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn die Streicher nach der Offensive der Bläser einsetzen. Alles klingt wunderbar klar. Das Orchester ist deutlich in seinen Bestandteilen und dabei auch als Ganzes wahrnehmbar. Als sich dann der Gnom in den Raum gesellt, kommt nochmal richtig die herrliche Bassleistung der Lautsprecher zum Tragen. Sie gibt dem Lied diesen unheimlichen Charakter, der durch die zupfenden Streicher herausgearbeitet wird. Die treten natürlich, wie die anderen Instrumente ebenfalls, wieder so schon plastisch in den Raum.

Wobei plastisch nicht richtig ist. Es muss ein besseres Wort für dieses Klangerlebnis geben. Und dieses Wort ist das Adjektiv: Deutlich. Richtig gelesen. Die Musik ist deutlich – scharf umrissen ohne auszufransen, klar und genau und immer vortrefflich wahrnehmbar ohne Einschränkungen. Der Klassikgenuss kommt mit ihnen vollends zum Tragen. Sie sind eine echte Entdeckung, denn sie machen das Erlebnis Orchestermusik im heimischen Wohnzimmer auf extrem hohem Niveau mit geringem Budget möglich. Einmal mehr haben sich die Kieler in unsere Herzen gespielt!

Elac Debut Reference DBR62 Regallautsprecher im Test-Video

Auf unserem AUDIO TEST YouTube Kanal findet sich ein kurzes Testvideo zu den Elac Kompaktlautsprechern Debut Reference DBR62

Webseite: www.elac.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 5/2020.

► Lesen Sie hier unseren Test der Elac Navis ARB-51 Aktivlautsprecher

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Test: Elac Debut Reference DBR62 Regallautsprecher - Bestklang zum Einstiegspreis?
Bei Regallautsprechern kann den Kielern so schnell niemand das Wasser reichen. Das sind nicht nur leere Worte, sondern die Elac Debut Reference DBR62 beweisen es aufs Vortrefflichste. Es sind Lautsprecherboxen für alle, die viel Klanggenuss für wenig Geld wollen. Sicher sind es keine Stücke zum Prahlen, aber es sind Klangmeister für den klugen Kopf. Denn warum viel zahlen, wenn es die Debut Reference DBR62 gibt?
Wiedergabequalität95%
Ausstattung/ Verarbeitung80%
Benutzerfreundlichkeit 70%
Preis/ Leistung100%
Vorteile
  • präzise räumliche Wiedergabe
  • großklingender Bass
  • sehr detailliert ohne zu nerven
Nachteile
  • keine
92%Gesamtergebnis
Leserwertung: (13 Votes)
48%

Bildquellen:

  • AUDIO TEST Ausgabe 8/20: Auerbach Verlag
  • Elac Debut Reference DBR62: Auerbach Verlag