Mit dem Advance Paris A10 Classic haben die Franzosen einen unglaublich verführerischen Hybrid-Verstärker auf dem Markt gebracht, der nicht nur einige Überraschungen bietet, sondern durchweg musikalisch auftrumpft. Satt, crisp, fett. Einfach rund.

Charmanter Hybrid

Wenn Sie sich entscheiden müssten, ob nüchtern, neutral und analytisch, oder glaubwürdig, prunkvoll und ansteckend? Wir haben uns für letzteres entschieden und mal wieder einen Zauberwürfel aus Frankreich bestellt. Bisher wurden wir noch nie von der Deutsch-Französischen-Kooperation enttäuscht, zumal der Vertrieb der Advance Paris Produkte über die Hannoveraner von Quadral läuft. Fast sowas wie ein gutes Arte-Projekt.

Zuletzt hatten wir Geräte von Advance Paris im Jahr 2020 mit dem X-i110 zu Gast ( hier im Test). Näher an die Klangerfahrung des vorliegenden A10 Classic kommt aber das Duett X-P500 Vorstufe und X-A160 Endstufe von Advance Paris, über die wir Anfang 2019 ausführlich berichtet hatten.

Der Advance Paris A10 Classic Vollverstärker ist mit seinen markanten, für die Marke Advance Paris typisch blau schimmernden VU-Metern nicht nur ein optischer Leckerbissen, auch klanglich kann der Hybrid-Amp auftrumpfen. Die Vorstufe wird von streng selektierten Doppeltrioden angetrieben, die dem Klang des A10 Classic seinen ganz unverwechselbaren Charme verleihen. Weil es nicht nur laut, sondern auch schön werden soll. Ein heftiger Ringkerntrafo sorgt dafür, dass jederzeit genug Saft zur Verfügung steht.

Ein Franzose mit dem gewissen Wiedererkennungswert. So wie ein Käse oder ein Wein dessen Duft man nie wieder vergisst. In der Vergangenheit konnten die Produkte von Advance Paris vor allem mit einem attraktiven Preis-Leistungsverhältnis punkten, zurückzuführen auf eine große Konnektivität in Verbindung mit kosmopolitischem Chic. Kann der Advance Paris A10 Classic Verstärker mit Röhrenvorstufe hieran anschließen?

Test: Advance Paris A10 Classic - Vollverstärker mit Röhrenvorstufe
Nicht nur optisch ein Leckerbissen: Die Vorstufe wird von streng selektierten Doppeltrioden angetrieben, die für den charakteristischen Sound des A10 Classic verantwortlich Zeichnen.

Technik des A10 Classic

An Konnektivität mangelt es dem Advance Paris A10 Classic bei weitem nicht. HDMI, USB, optisch, koaxial, XLR, eine schaltbare MM-Phonovorstufe, optionales Bluetooth und glatte fünf unsymmetrische Line-Eingänge versprechen Abwechslung, Vielfalt und Komfort. Ein Amp-In ist natürlich auch vorhanden, ebenso wie Recording-Schleifen.

Ausgangsseitig ist hervorzuheben, dass der A10 Classic Bi-Wiring und Bi-Amping unterstützt. Außerdem ist der frontseitige Kopfhörerverstärker mehr als nur eine optische Dreingabe. Er setzt den Sound des A10 konsequent fort und bringt alle Vorteile direkt und treffsicher in die Ohrmuscheln. Ein Highlight neben der Röhrenvorstufe sind Advance Paris High-Bias-Schaltungen, die den optimalen Arbeitspegel des Verstärkers beeinflussen. Wenn man diesen Schalter auf der Rückseite aktiviert, arbeitet der Verstärker, zumindest in den unteren Watt-Bereichen, als Quasi-Class-A-Verstärker, was ein Entgegenkommen an alle Leisehörer ist, da die Qualität hier noch mal ordentlich zunimmt, dafür aber auch die Hitzeentwicklung und der Stromverbrauch.

Im Normalbetrieb läuft der A10 Classic übrigens in AB-Schaltung. Der Frequenzbereich deckt dabei das Ultra-Wide bzw. HiRes-Spektrum ab und reicht von einer unteren Grenzfrequenz von 20 Hz bis zu herausragenden 80 kHz nach oben. Die Kanaltrennung und der Rauschabstand ist mit jeweils rund 100 dB ebenfalls im grünen Bereich.

Auch auf digitaler Ebene hat man mit überzeugenden Materialien gearbeitet. So sichern 32-Bit HiRes-D/A-Wandler vom Typ AK4490 mit einer Abtastfrequenz von bis zu 384 kHz für eine verlustfreie Übertragung via USB vom Computer oder Player. Der Advance Paris A10 Classic Vollverstärker hat übrigens auch keine Angst vor großen und leistungshungrigen Spielpartnern wie massiven Standlautsprechern. Das ist sogar fast seine Parade-Disziplin. Wenn es dennoch mal die Extraportion Bass sein soll, stehen zwei Sub-Outputs für aktive Unterstützung zur Verfügung.

Standardmäßig hat der A10 Classic übrigens auch 12V- und 5V-Steueranschlüsse für die rackinterne Verschaltung verbaut. Diese ganze Ausstattung und die ausgefeilte High Bias AAB- Schaltung fordern aber auch ihren Tribut in Form von Stromverbrauch. Ganze 900 Watt ist der Advance Paris imstande aus der Dose zu ziehen.

Test: Advance Paris A10 Classic - Vollverstärker mit Röhrenvorstufe
Die markanten, großen VU-Meter in blau sind Markenzeichen der Franzosen. Sie erfüllen jedoch nicht nur einen Stil-Zweck, sondern taugen tatsächlich als Messinstrument.

Advance Paris A10 Classic im Klangtest

Das Schönste am A10 Classic aber ist die Kombination aus unbändiger Transistoren-Power und Transienten-Genauigkeit, vereint mit dem lieblichen, runden Ton der Röhre. Der Advance Paris Amp kombiniert von Tradition bis Moderne alle Aspekte. In Anbetracht dieser vielschichtigen Musikalität kann man auch verschmerzen, wenn es hier und da eventuell subtil im Unterholz rauscht. Das hört sich weg, sobald ein Signal anliegt. Die 190 Watt pro Kanal an 4 Ohm bieten genug Reserven, um auch die größten Pegelsprünge deutlich und klar konturiert wiederzugeben.

Aber es sind wie gesagt gar nicht so sehr die grobmotorischen Eigenschaften, die den Advance Paris A10 Classic so anziehend machen, es sind die fein ziselierten Werte, die uns die Ohren verdreht haben. Stimmen bekommen Schmelz, Schlagzeug Luft und Punch, Gitarren und Synthis Griff und Attitüde. Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie alle paar Jahre zum Optiker gehen und sich eine neue Brille oder Kontaktlinsen anfertigen lassen und dann das erste mal durch die frischen Augen schauen? Das ist ungefähr der Klangeindruck, den Sie vom Advance Paris A10 Classic erwarten können.

Pralle Farben, satte Ränder, Mehrdimensionalität und Plastizität. Nicht nur die Timbres strahlen wie die Mittagssonne, auch die bisher bekannten Räume falten sich zur Seite und nach hinten auf. In etwa, als würde man sich okkultes Wissen aneignen und hinterher die Welt ein klein wenig besser verstehen, aus einer neuen Perspektive betrachten. Der A10 Classic Verstärker von Advance Paris beherrscht die Eigenart zugleich Transparent und doch voll zu klingen.

Ganze Orchester-Tutti werden in einzelne Zeilen der Partitur aufgelöst, Chöre in die jeweiligen Stimmgruppen und Stimmführer, aber niemals hatten wir den Eindruck, dass es dadurch das Bild zerreißt. Das ist eine Kunst. Der A10 Classic bringt Techno mit Songwritern zusammen und Souldiven mit Ambientflächen. Er ist ein Schmelztiegel, dessen Essenz so wunderschön duftet und verwöhnt – ein Produkt, dass nur aus Frankreich kommen kann. Und auch wenn wir an der ein oder anderen Stelle bei den Materialien vielleicht noch besseres gesehen haben, versprechen wir Ihnen: So lebendig haben Sie Ihre Lieblingssongs noch nie gehört.

Die Röhrenwirkung erinnert auch zuweilen an klassische Bandsättigung, wobei die Bässe beim A10 Classic deutlich weniger leiden, als bei einer magnetischen Übersteuerung auf Band. Dennoch. Wer den gewissen Soul und High Life im Klang seiner Sammlung vermisst, das leuchten, das Herzen triggert, dem sei der Advance Paris A10 Classic Vollverstärker mit Röhrenvorstufe wärmstens empfohlen. Es bietet sich außerdem an, wenn Sie ein Faible für den gewissen extravaganten Auftritt haben. Denn einen vergleichbaren Verstärker werden sie in unmittelbarer Nachbarschaft kaum finden.

Test: Advance Paris A10 Classic - Vollverstärker mit Röhrenvorstufe
Das Layout des A10 Classic im Inneren ist ungewöhnlich. Aus Platzmangel wird der Ringerntrafo hochkant verbaut. Auch Kühlung muss sein, gerade bei Verstärkern, deswegen hat man auch noch Platz für passive Kühlrippen gefunden. Die Eingänge und Ausgänge sind zudem entkoppelt vom Verstärkerboard.

Preis und Verfügbarkeit

Den Advance Paris A10 Classic Vollverstärker mit Röhrenvorstufe gibt es zum Preis von 1.590 Euro (UVP) im autorisierten Fachhandel zu kaufen.

Webseite: www.advance-paris.de/a10-classic

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 03/2021

▶ Lesen Sie hier: Test: Advance Paris X-i1100 Vollverstärker – Wie klingt eine Speerspitze?

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Test: Advance Paris A10 Classic - Vollverstärker mit Röhrenvorstufe
Der Advance Paris A10 Classic ist kein super-neutraler Studioverstärker. Er färbt. Das aber so schön und elegant, dass wir diese Farbe gern als HiFi-Perlgold RAL Nr. 1036 in unseren Farbfächer mit aufnehmen. Der Verstärker mit Röhrenvorstufe bietet alles was Sie für ein echtes Sound-Fest brauchen und noch viel mehr. Ein echtes „Das-ist-sein-Geld-Wert-Produkt“.
Wiedergabequalität 97%
Ausstattung/Verarbeitung 91%
Benutzerfreundlichkeit 98%
Preis/Leistung91%
Vorteile
  • Crisper, klarer und satter Sound
  • extravagante Optik
  • viele Verbindungsmöglichkeiten
Nachteile
  • subtiles Rauschverhalten
  • Bluetooth nur optional
95%Advance Paris A10 Classic
Leserwertung: (2 Votes)
93%

Bildquellen:

  • Advance-Paris-A10-Classic-Test-Review-02: Auerbach Verlag
  • Advance-Paris-A10-Classic-Test-Review-03: Auerbach Verlag
  • Advance-Paris-A10-Classic-Test-Review-04: Auerbach Verlag
  • Advance Paris A10 Classic Test Review 01: Auerbach Verlag