Im Sommer wurde es bereits angekündigt. Die Melody Serie von Marantz bekommt ein zeitgemäßes Update. Ob es sich lohnt, bei dem neuen Marantz-Klassiker zuzugreifen, haben wir uns pünktlich zur Markteinführung einmal genauer angeschaut und den Verstärker M-CR611 für Sie getestet.

Wir haben dem kleinen Netzwerk-Verstärker Marantz Melody Stream und dem großen, zusätzlich mit CD-Laufwerk ausgestatteten Marantz Melody Media, oder M-CR511 und M-CR611 wie sie nun offiziell heißen, mal so ordentlich auf den Zahn gefühlt und sind erstaunt, wie viel All-In-One bei elegantem Design und ansprechendem Klang in so einen kompakten Würfel passen. Bei der Konzeption hat sich Marantz wahrscheinlich einer bekannten Formel bedient: Funktionsumfang ist gleich Netzwerk mal Sound im Quadrat. Anders als mit Einsteins Relativitätstherorie ist die schier üppige Ausstattung der neuen Streaming-Generation wohl nicht zu erklären.

Der große Melody Media kann zusätzlich noch zwei weitere Boxen antreiben und eignet sich somit hervorragend für die Beschallung von mehreren Hörzonen. Diese können getrennt oder zusammen geregelt werden, bekommen aber beide dasselbe Signal. Durch die Doppel-Endstufe wird jedoch nicht nur Multi-Room, sondern auch Bi-Amping möglich. Schwierigkeiten hatte der M-C611 beim Umschalten der verwendeten Lautsprecher mit der A/B-Funktion, wobei die Musik noch sehr subtil auf dem jeweils anderen Kanal zu hören war. Das bedeutet zwischen den beiden Wegen gibt es ein leichtes, aber doch hörbares Übersprechen. Wer also subtiles Übersprechen nicht mag und auf Multi-Room oder Bi-Amping verzichten kann, der sollte eher den kleineren Melody Stream bevorzugen.

Schlussendlich werden sowohl der M-CR511, als auch der M-CR611 von einem Subwoofer Out in klassischer Chinch-Form komplettiert, was das Paket wieder rund macht. Vielleicht wäre ein digitaler Ausgang noch interessant gewesen, oder ein USB-Anschluss vom Typ B, aber irgendwann ist die Rückseite des Gehäuses halt auch mal voll. Die Qualität der Lautsprecherterminals ist für einen All-In-One-Lösung vorbildlich und dank der Aussparung sind diese nicht nur gut erreichbar, sondern auch unauffällig platziert. Dankbar sind wir auch dafür, dass Marantz seinen Geräten ein internes Netzteil spendiert hat.

An der Grenze zwischen Lifestyle und High-End-Geräten ist das noch lange keine Selbstverständlichkeit. Ein Blick in das Innere der Geräte zeigt deutlich, dass man sehr platzsparend und effektiv gearbeitet hat. Systematik und Struktur sind adäquate Assoziationen zum vorhandenen Aufbau. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass das Netzteil noch einmal separat isoliert wurde, um Einstreuungen zu vermeiden. Ansonsten dominieren eine schier unendliche Anzahl hochfragiler SMD-Bausteine das Bild.

Gut erkennbar ist, dass der größere M-CR611 logisch auf dem kleinen Streamer aufbaut. Das wuchtige CD-Laufwerk versperrt dabei den direkten Blick auf die darunter liegenden Platinen. Das Gehäuse insgesamt wirkt hochwertig und stabil, obschon es aus Acryl in Klavierlackoptik und nicht aus Metall gefertigt ist. Die Knöpfe und Taster haben einen guten haptischen Widerstand und erwecken nicht den Anschein, dass diese sich nach ein paar Jahren wieder aus der Nutzung verabschieden.

Hinzu kommt, dass bei der großen Version M-CR611 die Front von zwei LED-Streifen in verschiedenen Farben erleuchtet werden kann, was dem ein oder anderen vielleicht aus Marantz‘ Premium Produkten bekannt vorkommt. Das Illuminati-Feature wird einfach per Menü auf die jeweilige Wunschfarbe eingestellt, wobei die Auswahl auf Weiß, Grün, Orange, Blau und Aus beschränkt ist. Wir haben uns für ein entspanntes Audioblau entschieden.

Die Option „Aus“ wäre natürlich die ökologisch klügere Variante, aber die kleinen 3,4 beziehungsweise 2,7 Kilogramm leichten Audiowunder sind von Haus aus mit rund 50 Watt Grundbedarf und 0,3 Watt im Standby-Modus in Anbetracht ihres Funktionsangebots schon ziemlich effizient. Frequenziell bieten die verbauten Verstärker den klassichen Marantz-Sound und eine sehr angenehme und musikalische Klangfarbe. Das Feld ist homogen und klar. Dabei dünnt es zu keiner Zeit aus, sondern bietet dem Hörer einen verspielten Detailreichtum.

Manchmal hatten wir das Gefühl, es gibt eine leichte Einfärbung durch Addierung von Obertönen, was eine subtile Wärme zur Folge hat. Im Labor konnten unsere Messungen eine minimale Tendenz zu harmonischen Obertönen später auch bestätigen. Überhaupt haben wir bei unseren Messungen mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen, dass Marantz sehr ehrlich und glaubwürdig bei den technischen Angaben seiner Geräte ist. Es gab so gut wie keine Abweichungen der von uns erstellten Diagramme vom Hersteller-Datenblatt. Das imponiert und ist leider nicht Gang und Gäbe. Überhaupt kann man sagen, dass die 60 Watt Leistung der Verstärker sehr ehrlich und gut proportioniert in ein breites Spektrum an Dynamik und musikalischer Emotion gewandelt werden.

Der Allrounder im Test

Man sollte Angesichts der Größe der Allrounder keine Wunder erwarten, aber für den Alltagsgebrauch liefern beide Geräte eine schon überdurchschnittliche Wiedergabequalität in allen Testbereichen. Besonders ist uns das bei Aufnahmen des „Moscow Balalaika Quartets“ aufgefallen, dass vor allem durch fragile Spielweise und schnelle Transienten hohe Ansprüche an Übertragungs- und Wandlertechnik stellt. Die Melody Serie konnte damit sehr souverän umgehen und spielte mit viel Leidenschaft und Fingerspitzengefühl auf. Selbst Herrn Marantz wäre es eine Freude gewesen, das markante Streicherthema aus Antonín Dvoráks Symphonie Nr. 9 in E-Moll „Aus der neuen Welt“ über die Melody-Amps zu hören.

Der Anstrich kommt crisp, die antwortenden Kesselpauken sind straff mit sauberem Ausklang. Die komplette Dynamik wird gelungen abgebildet, auch wenn die Leistung der Wunderwürfel naturgemäß nicht ganz mit der eines ausgewachsenen Sinfonieorchester mithalten kann. Chor- und Gesangsaufnahmen sind ebenfalls sehr angenehm proportioniert. Besonders aufgefallen ist uns das beim Spiel des auf Klassik spezialisierten A-Capella-Ensembles Calmus und dessen Album „farb töne“. Die Stimmen wurden gut in Szene gesetzt und überraschten mit einem voluminösen Grundton, ohne dabei zu wummern oder zu dröhnen. Hier machte sich eine leicht betonte Note oberhalb von zehn Kilohertz positiv bemerkbar.

Das Stereofeld ist gut gestaffelt und es gibt weder Löcher noch Sprünge, was für die für Marantz übliche gute Kanaltrennung spricht. Etwas zweidimensional wirkte in unserem Test dagegen die Tiefenstaffelung. Die kleinen Melodys haben ein bisschen Schwierigkeiten plastische Räume darzustellen, was aber eher im direkten Vergleich mit hochwertigen High-End Geräten der Preisklasse 1000 Euro und aufwärts gravierend auffällt. Für die hier untersuchte Bauform und die beabsichtigte Verwendung als Allround-Gerät ist das Klangbild hervorragend und angenehm aufgeräumt.

Dass sich der M-CR611 mit zeitgenössischer Popmusik genauso wohlfühlt, wie mit sphärischen Klavieraufnahmen, lässt das futuristische Design und Lack-Finish der urban anmutenden Geräte bereits erahnen. Alles in Allem haben beide Geräte bei uns einen ehrlichen und positiven Eindruck hinterlassen. Sie überzeugen durch charmante Optik, Benutzerfreundlichkeit und einem Credo, dem sich Marantz weiterhin treu bleibt. Das Unternehmen hatte schon immer den Anspruch eine größtmögliche Bühne darstellen zu wollen. Das haben sie über das Abdecken einer großen musikalischen Bandbreite auch mit der neuen Melody Serie wieder geschafft.

Wenn wir uns zwischen dem M-CR511 und M-CR611 entscheiden müssten, würden wir den kleineren Melody Stream der größeren Media-Box vorziehen. Der kleine Audiofreund wirkt etwas ausgereifter, weil er sich aus unserer Sicht auf seine Kernkompetenzen konzentriert. Dennoch bekommt man bei Marantz mit dem großen M-CR611-Paket auch dieses Mal wieder genau das, was einem auf der Verpackung versprochen wird. Ehrliche und sympathische Produkte, die sich trotz ihrer kleinen Größe nicht verstecken müssen. Hinzu kommt, aufgrund eines hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis gepaart mit ästhetischem und zeitlosem Design, das Potential zu echten Kassenschlagern und Klassikern zu avancieren. Wäre er nicht schon vergeben und vorbelastet, der bekannte Slogan eines auf quadratische Knick-Schokoladen spezialisierten Unternehmens ist auch für die neue Marantz Melody-Serie eine vortreffliche Umreißung.

 

Sound im Quadrat: Marantz M-CR611 im Test
Wiedergabequalität79%
Ausstattung und Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis/Leistung72%
85%Gesamtwertung
Leserwertung: (65 Votes)
27%

Über den Autor

Johannes Strom

Freier Autor, Audio Engineer und Musiker aus Leipzig. Viele Jahre im Pro-Audio unterwegs, speziell im Eventbereich, klassisches Theater, Konzertbeschallung, Musical und auf Kreuzfahrtschiffen. Studioproduktionen aus Leidenschaft. High End aus Faszination. Lyrik-Liebhaber und Bücherleser (Papier, und so). Spielt Cello, Gitarre und Klavier. Hört privat Yamaha NS-Serie und Genelec 1031A.

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