Sony hat mit portablen Lautsprechern der SRS-Serie bis ins Mark konzipierte Produkte geschaffen, die mit einer handvoll hauseigener Entwicklungen aufwarten können. Dass sie außerdem als Einheit verwendbar sind, mach sie noch attraktiver.

Woran denken Sie, wenn Sie Sony hören? Smartphones und Tablets? Cyber-Shot und Wechselobjektivkameras? Ultra-Kurzdistanz-Projektoren und 4k-Fernseher? Sony Music Entertainment, den guten alten Walkman oder die legendäre Spielekonsole PlayStation? Zweifellos zählt Sony zu den bedeutendsten Firmen in Sachen Unterhaltungselektronik, machte sich in den letzten Jahren in Sachen HiFi aber sehr rar. Deswegen sei an dieser Stelle ein kurzer Exkurs in die interessante Firmengeschichte des Marktriesen gestattet. Sony wurde 1946 von Akio Morita und Masaru Ibuka unter dem Namen Tokyo Tsushin Kogyo Kabushiki Kaisha, kurz Totsuko im vom Krieg fast vollständig zerstörten Tokio gegründet. Ansässig war das Unternehmen anfangs noch in einem ausgebrannten Kaufhaus im Zentrum der Stadt. Dies allerdings nur für wenige Jahre. Als der Betrieb in den 1950er Jahren als einer der ersten ein Transistorradio (TR-55), dessen Rechte man seinerzeit für 1 000 US-Dollar in den USA erstand, auf den Markt bringen wollte, musste ein griffigerer Name her. Wohl in Anlehnung an das lateinische Wort Sonus (Klang) und die damals auch in Japan beliebte Bezeichnung Sonnyboy (heiterer Bursche) entschied man sich für Sony, dessen Schreibweise in lateinischen Lettern angesichts des gegen die USA verlorenen Krieges einen heftigen öffentlichen Diskussion auslöste. Spätestens mit der Veröffentlichung des berühmten Walkman, einem portablen Kassettenspieler im Jahr 1979 war Sony in aller Munde. 2004 gestand das Unternehmen allerdings, den Walkman gar nicht selbst erfunden zu haben. Der deutsche Erfinder Andreas Pavel meldete bereits zwei Jahre zuvor das Konzept einer tragbaren Stereoanlage, genannt Stereobelt, in Italien zum Patent an. Doch der große Erfolg sollte schließlich Sony beschieden sein. Genauso wie 1983, als aus einer Zusammenarbeit mit Philips die Compact Disc resultierte, welche die Vinylschallplatte ablösen sollte. Nebenher wurden natürlich etliche weitere Produkte präsentiert. In den 1990er Jahren etwa veröffentlichte Sony pro Jahr um die 500 (!) Produkte.                                   

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Lobend zu erwähnen ist die praktisch ausklappbare Antenne

Wir haben die mobilen Lautsprechersysteme Sony SRS-X77 und SRS-X99 für Sie unter die Lupe genommen. Beide Geräte sind im Handumdrehen aufgebaut und angeschlossen. Auffallend unauffällig warten sie nun auf Beschäftigung – die zurückhaltende optische Aufmachung der beiden gefällt uns sofort. Dank der schlichten grauen Frontbespannung, der Seitenverkleidung aus matt gebürstetem Aluminium und dem schwarzen Hochglanzpaneel auf der Oberseite fügen sich die Geräte ideal ins heimische Möblement ein.

Sony SRS-X77

Zu Beginn unterzieht sich der kleinere der beiden, der SRS-X77, unserer Inspektion. Sowohl haptisch, als auch im Design überzeugt der portable Speaker auf ganzer Linie. Sein Format qualifiziert ihn in Verbindung mit dem Akku, welcher Energie für bis zu zehn Stunden Musikgenuss speichern soll, absolut für den mobilen Gebrauch. Ob im Bad oder auf der Terrasse – der SRS-77 ist ein handlicher Begleiter. Der 40 Watt (W) starke Prüfling ist angesichts seiner kompakten Größe von 30 Zentimeter (cm) Höhe, knapp 13 cm Breite und nur 6 cm Tiefe gut bestückt. Hinter der schützenden Frontabdeckung verstecken sich neben den zwei 42 Millimeter (mm) Breitbandlautsprechern und dem 62 mm Subwoofer außerdem zwei Passivradiatoren, welche stellvertretend für Bassreflexöffnungen auch bei geringer Lautstärke eine gesättigte Basswiedergabe bewerkstelligen sollen. Dank der hauseigenen drahtlosen Vernetzungstechnologie NFC One-Touch schaltet sich das Gerät durch eine kurze Berührung mit dem Smartphone oder Tablet ein. Dazu muss an diesem lediglich Bluetooth eingestellt und der Bildschirm entsperrt sein. Umgehend erleuchten die Schaltflächen auf der Oberseite des Systems, und die beiden Geräte koppeln sich automatisch. Eine äußerst vorteilhafte Sache, denn die Hochglanzoberfläche ist bei manueller Bedienung schon sehr bald mit Fingerabdrücken übersät.

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Der Superhochtöner und das Siegel für hochauflösende Wiedergabe beim SRS-X99

Den Test eröffnet die australische Band Tame Impala mit ihrem Stück „Elephant“ aus dem 2012 bei Modular Recordings erschienenen Album „Lonerism“. Über Bluetooth von einem Smartphone abgespielt, stampfen die Viertel äußerst knackig aus dem nicht einmal zwei Kilogramm schweren Speaker. Die geschlossene Hi-Hat, Kick Drum und die mit reichlich Drive gefütterte Bassgitarre ertönen einander durchweg ebenbürtig. Wie auch sein „großer Bruder“, so ist der SRS-X77 mit der ebenfalls von Sony entwickelten Digital Sound Enhancement Engine (DSEE) ausgestattet, welche es vermag, Audiodateien in komprimierten Formaten, wie etwa mp3, wiederherzustellen. Dabei handelt es sich vorrangig um Frequenzen des oberen Spektrums, welche bei der Komprimierung verlorengehen. Des Weiteren ist ein, natürlich auch von Sony entwickelter, S-Master Digitalverstärker verbaut. Dieser ist, da er auf analoge Wege verzichtet, wesentlich rauschfreier und punktet obendrein durch eine höhere Energieeffizienz. In der Tat klingt eine Aufnahme Rachmaninoffs Klavierkonzertes Nr.2 op.18, gespielt von Anna Fedorova zusammen mit der Nordwestdeutschen Philharmonie unter Leitung von Martin Panteleev trotz starker Komprimierung äußerst brillant. Das intendierende Moment aus Violinen, Trompeten und den arabeskenhaften Sechzehntelläufen des Steinway im zweigestrichenen Oktavbereich klingen auch bei hoher Lautstärke sehr fein in den Texturen.

SRS-X99

Die selbe Aufnahme bereitet auch auf dem „großen Bruder“, dem Sony SRS-X99 schlichtweg Freude. Dieser ist mit einem Gewicht von 4,7 kg zwar weniger handlich als der SRS-X77, dafür aber um noch ein paar technische Raffinessen reicher. Der SRS-X99 kann mit vier zusätzlichen 19 mm Hochtönern an Ober- und Vorderseite aufwarten. Zudem setzt man beim Sony SRS-X99 auf die Verwendung von Ferrofluid-Mitteltönern. Bei dieser ursprünglich für die NASA entwickelten Technologie wird statt üblichen Dämpfern eine Flüssigkeit eingesetzt, welche auf magnetische Felder reagiert. Dies sorgt für reibungslose Arbeit des Treibers. Ergo: Rauschfreier, originaler Klang. Und eben dieser ist wirklich nicht von schlechten Eltern. Michael Wollnys „Be Free, A Way“, eine Interpretation des gleichnamigen Songs der US-Band The Flaming Lips klingt sehr warm und klar. Sowohl der Anschlag des Basses, als auch die mit Besen gespielten Becken sind wunderbar emanzipiert und lassen

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Sony geht mit der Zeit – mit den berührungsempfindlichen Tasten lässt sich der X77 steuern

dem Klavier dennoch genügend Raum, ohne das Klangbild zu zerpflücken. Beim Stück „When The Sleeper Wakes“ aus demselben Album „Weltentraum“ beschert der Klang des Kontrabasses schieres Vergnügen. Man hört das Schnarren der Saiten so präzise, als stünde das Instrument samt Spieler tatsächlich im Raum. Als hochauflösende AIFF-Datei vom Laptop aus abgespielt, stellt das Stück die hohe Qualität des Sony SRS-X99 und vor allem seiner einzelnen Komponenten unter Beweis. Hat man es sich als Hersteller schon beim X77 nicht nehmen lassen, hochwertige Einheiten, wie S-Master und DSEE zu verwenden, so hat man diese beim X99 einfach optimiert. Dank S-Master HX und DSEE HX weiß der Lautsprecher mit der Wiedergabe von Auflösungen zu 96 Kilohertz auf 24 Bit aufzutrumpfen. Und das sogar kabellos, dank LDAC – einem Bluetooth-Codec. Natürlich ebenfalls von Sony entwickelt. Wie auch beim vorangegangenen Testobjekt ist rückseitig eine Antenne zu finden, welche flugs per cleverem Klick- und Klappmechanismus ausgefahren ist. Nun hat man die Wahl zwischen Google Cast, Spotify Connect oder AirPlay, um die kleine Zauberkiste mit Musik zu füttern. Für alle drei Optionen sind auf dem SRS-X99 bereits die jeweiligen Treiber vorinstalliert.

Multiroom-Funktion

Sowohl der SRS-X77, als auch der SRS-X99 lassen sich natürlich auch mit dem heimischen Netzwerk verbinden. Dazu ist nur die einmalige Verbindung mit einem Computer via Ethernet-Kabel von Nöten, um dann nach Anleitung die Kopplung vorzunehmen. Beiden Geräte lassen sich simultan verwenden, nachdem man die kostenfreie App SongPal auf installiert hat. Mit dieser App kann nicht nur mit mehreren Geräten in verschiedenen Räumen gleichzeitig Musik genossen werden, es lassen sich auch Wiedergabelisten erstellen und anhand von Equalizern die einzelnen Komponenten feinjustieren. Über SongPal kann auch ein einzelnes Gerät angesteuert werden.

Fazit

Mit den kabellosen Lautsprechersystemen SRS-X77 und SRS-X99 hat Sony einmal mehr seine Position als eines der weltweit fortschrittlichsten Unternehmen in Sachen Unterhaltungselektronik untermauert. Großzügig mit innovativen Technologien bespickt, bieten die beiden Geräte eine durch die Bank weg vorzeigbare Klangdarstellung. Mit knapp 330 €, bzw. 700 € (UVP des Herstellers) sind sie bezahlbar, wissen durch große Benutzerfreundlichkeit, schickes Design und nicht zuletzt durch sehr gute Wiedergabequalität zu überzeugen. Insbesondere bei Anschaffung mehrerer Geräte qualifizieren sie sich, für die Beschallung des ganzen Hauses.

Sony SRS-X99: Ein gutes Team
Wiedergabequalität 82%
Ausstattung/Verarbeitung83%
Benutzerfreundlichkeit85%
Preis/Leistung84%
84%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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